Mittwoch, 14. Oktober 2026

KEYSOLUTIONS SOUNDS TRAVELER Test – Ein Cinematic Synth auf Klangreise

Credit Bild: © KeySolutions
Synthesizer und Kino – das ist eine Liaison, die Filmgeschichte geschrieben hat und zusammenpasst wie Leinwand und Licht. Schwebende Pads, synthetische Brass-Fanfaren, pulsierende Sequenzen und jene tiefen Drones, bei denen schon vor dem ersten Bild klar ist, dass gleich etwas Bedeutendes passieren wird: Elektronische Klänge sind fester Bestandteil des musikalischen Vokabulars des Films.

Ihre Stärke liegt dabei auch in ihrer Wandlungsfähigkeit. Ein Synthesizer kann eine Melodie tragen, einen Raum andeuten oder etwas hörbar machen, für das es im Orchester kein unmittelbar passendes Instrument gibt. Insofern wohnt beinahe jedem Synth etwas Cinematisches inne. Man muss es ihm nur entlocken.

Dass ein neues Instrument allerdings ausdrücklich als Cinematic Hybrid Synth angekündigt wird, macht dennoch neugierig. Welche Eigenschaften sollen es für die große Leinwand prädestinieren? Besonders üppige Presets? Viel Hall? Oder Möglichkeiten, mit denen sich ein Klang ähnlich entwickeln lässt wie eine Szene?

Der neu veröffentlichte Traveler von KeySolutions Sounds nimmt sich genau dieser Fragen an. Hinter dem Instrument steht der langjährige Music-Tech-Veteran Mike Martin, der mit KeySolutions nicht nur seine einstige Sounddesign-Firma reanimiert, sondern in diesem Software-Synthesizer auch seine jahrzehntelange Erfahrung und seine Ideen aus der Beschäftigung mit Hardware- und Software-Synthesizern zusammenführt. Der Name ist entsprechend programmatisch: Traveler soll den Musiker auf eine Klangreise mitnehmen.

Wo diese Reise hingeht? Das entscheidet der Spieler. Ein schöner Anspruch. Allerdings auch einer, mit dem man sich auf dem gegenwärtigen, von hochkarätigen Synth-Plugins bevölkerten Markt erst einmal behaupten muss. Zwischen immer umfangreicher werdenden Hybrid-Synths und spezialisierten Scoring-Libraries, deren Presets bereits halbe Soundtracks mitbringen, braucht ein neuer Synth eine wirklich eigene Perspektive, einen unverwechselbaren Charakter und idealerweise Sounds, die man nicht schon dutzendfach in seiner Plugin-Sammlung findet.

Also begeben wir uns auf die Reise und laden Traveler in die Pro-Tools-Session.

Dort begrüßt uns ein zwischen Moog und Korg angesiedeltes Vintage-Design, das bereits einiges über den Grundcharakter des Instruments verrät. Statt futuristischer Hochglanzoberfläche setzt Mike Martin auf die vertraute Ästhetik klassischer Synthesizer. Große Regler, eine übersichtliche Anordnung der wichtigsten Parameter und eine gewisse Vintage-Hardware-Anmutung – sieht man einmal vom farbigen Display in der Mitte ab – vermitteln den Eindruck eines klassisch ausgelegten Synthesizers. Ein Eindruck, der allerdings nur zum Teil stimmt. Aber der Reihe nach …

Chapter 1 oder der erste Akt

Dieser ist zunächst (!) vergleichsweise unspektakulär. Denn der erste Anschlag beziehungsweise das Initial-Preset begrüßt den Anwender mit einem ziemlich gewöhnlichen Standard-Sound. Durchaus brauchbar, bloß nicht jener Klang, den man angesichts der Cinematic-Ankündigung erwartet hätte. Keine sich langsam erhebende Klanglandschaft, kein unmittelbarer Ausflug in die Weiten eines imaginären Science-Fiction-Epos.

Von diesem ersten Eindruck sollte man sich jedoch keineswegs abschrecken lassen. Denn Traveler verlangt hier unbedingt einen zweiten Blick beziehungsweise ein genaueres Hinhören – es lohnt sich.

Die auf direkten Zugriff ausgelegte Oberfläche soll zwar den Einstieg erleichtern, unter ihr steckt allerdings eine deutlich umfangreichere Architektur mit entsprechend vielen Möglichkeiten zur Klangformung. Und die offenbart sich nicht unbedingt beim ersten Tastendruck, sondern vor allem dann, wenn man beginnt, sich intensiver mit dem Instrument und seinen klanglichen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Vintage-Sound mit modernen Ambitionen

Traveler klingt mächtig, ausgesprochen vintage und erstaunlich analog. Bereits beim Scrollen durch die mehr als 450 mitgelieferten Presets, darunter eine Artist Collection renommierter Sounddesigner wie David Helpling, Drew Schlesinger oder Venus Theory, sowie bei den ersten eigenen Tweaks offenbart sich ein Klangcharakter, der an viele der großen Synthesizer-Ikonen der Siebziger- und Achtzigerjahre erinnert, dabei aber durchaus eigenständig bleibt.

Breite Pads, charaktervolle Leads, satte Bässe und organische Texturen prägen das Klangbild. Die Sounds besitzen jene angenehme Wärme und Substanz, die man mit klassischen analogen Instrumenten verbindet, ohne dabei grundsätzlich auf die Präzision und Flexibilität moderner digitaler Klangerzeugung verzichten zu müssen.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie aufgeräumt Traveler klingt. Obwohl sich den einzelnen Sounds eine beträchtliche Portion Modulation und Movement beimischen lässt, bleiben sie erstaunlich definiert und kontrollierbar – und damit ausgesprochen praxistauglich. Selbst ausladende Flächen besitzen genügend Kontur, um sich in einem Arrangement zu behaupten, ohne zwangsläufig sämtliche anderen Instrumente unter sich zu begraben.

Und das ist gerade für den professionellen Einsatz ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Schließlich hilft der spektakulärste Synthesizer-Sound wenig, wenn er sich anschließend nur mit Mühe in einen bestehenden Mix integrieren lässt.

Traveler möchte offenbar weniger die nächste Sammlung sofort einsatzbereiter Hollywood-Klangklischees sein, sondern vielmehr ein Synthesizer, der in erster Linie musikalisch brauchbare und inspirierende Sounds liefert. Ein Ansatz, der mir persönlich ausgesprochen gut gefällt.

Manchem mag das angesichts der Cinematic-Ausrichtung beinahe zu wenig spektakulär erscheinen. Auch wer ein Instrument vor allem für moderne EDM-Produktionen sucht, könnte die überbordenden Effektorgien und besonders aggressiven Klangfarben mancher spezialisierter Mitbewerber vermissen. Traveler setzt seine Akzente jedenfalls anders.

Mit den zahlreichen unter der Haube befindlichen Einstellmöglichkeiten lässt sich das Instrument allerdings auch weit über seine ausgeprägten Retro-Wurzeln hinausführen. Dann wird aus dem vermeintlichen Vintage-Synth ein zeitgemäßes Sounddesign-Tool, das durchaus komplexe, ungewöhnliche und sich kontinuierlich verändernde Klangwelten erschaffen kann.

Dass sich Traveler dennoch nicht ausschließlich auf eine bestimmte musikalische Richtung festlegen lässt, dürfte auch der langjährigen Erfahrung seines Entwicklers geschuldet sein. Mike Martin kennt schließlich nicht nur die Geschichte elektronischer Klangerzeugung, sondern auch die Anforderungen, die Musiker und Produzenten in unterschiedlichsten Produktionsumgebungen an ihre Instrumente stellen.

Entsprechend fühlt sich Traveler in genreübergreifenden Arrangements ausgesprochen wohl.

Von Synthwave über Achtziger-Hardrock bis hin zum Score eines (noch nicht realisierten 😉) Slasher-Movies liefert mir Traveler sowohl Inspiration als auch zahlreiche Sounds, die bereits ohne größere Nachbearbeitung ihren Platz im Arrangement finden. Sie besitzen Charakter, ohne sich permanent in den Vordergrund drängen zu müssen.

Sieht man einmal von meiner obligatorischen Vorliebe für etwas Tape-Sound und gelegentliche EQ-Korrekturen ab, ist hier erfreulich wenig zusätzliche Klangkosmetik notwendig. Traveler liefert vielfach bereits das, was man in einer laufenden Produktion benötigt: einen überzeugenden, musikalisch verwendbaren Sound, der sich nicht erst durch eine halbe Effektkette kämpfen muss, um seine Qualitäten auszuspielen.

Das macht Spaß und weckt durchaus die Lust, tiefer in die Materie einzutauchen.

Vertraute Ausgangspunkte, offene Reiseroute

Die ausgeprägte Vintage-Orientierung ist also durchaus gewollt, allerdings keineswegs mit einer Beschränkung auf klassische Synthesizer-Konzepte gleichzusetzen. Denn bei näherer Betrachtung offenbart Traveler ein Instrument, dessen zahlreiche Komponenten zu Experimenten geradezu einladen.

Drei Oszillatoren bilden die Grundlage. Ihr kontinuierlicher Stimmbereich umfasst sechs Oktaven, die Wellenformen lassen sich während des Spielens verändern. Oszillator 2 bringt einen siebenstimmigen Super-Stack mit, dessen Verstimmung und Stereospreizung für jene Dichte zuständig sind, die man mit großen modernen Synth-Flächen verbindet.

Oszillator 3 öffnet dagegen die Tür zur Wavetable-Synthese. Neben 85 mitgelieferten Wavetables können eigene importiert werden; Duo-Stacking erweitert auch hier die räumlichen Möglichkeiten. Sync sowie lineare und exponentielle FM ergänzen das Spektrum. Damit lässt sich von vertrauten Grundfarben aus deutlich weitergehen – bis zu metallischen, rauen oder komplex ineinander verschobenen Texturen.

Ein Vintage-Regler fügt subtile Oszillatordrift und nichtperiodisches Verhalten hinzu. Das passt zum Konzept, denn Bewegung muss keineswegs immer als deutlich hörbare Modulation auftreten. Gerade bei langen Tönen können kleine Unregelmäßigkeiten verhindern, dass ein Klang wie eingefroren wirkt.

Traveler versammelt damit unterschiedliche Syntheseideen unter einem Dach. Das ist angesichts moderner Soft-Synth-Powerhouses natürlich keine grundlegend neue Idee. Dennoch gelingt es Mike Martin, aus den vertrauten Bausteinen ein durchaus eigenständiges Instrument zu formen, dessen Stärken sich weniger in isolierten Einzelklängen als vielmehr im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten zeigen.

Sein hybrider Charakter entsteht aus ihrer Kombination: analoge Anmutung, digitale Wandlungsfähigkeit und die Möglichkeit, beides innerhalb eines Sounds miteinander arbeiten zu lassen.

Klanglich bewegt sich Traveler dabei durchaus auf hohem Niveau. Besonders die breiten, leicht instabilen Flächen und organisch anmutenden Texturen können überzeugen, ohne dass man dafür zwangsläufig alle Oszillatoren bis zum Anschlag aufdrehen muss. Auch klassische Synth-Sounds gehören zum Repertoire. Allerdings besitzt Traveler nicht in jeder Disziplin einen unverwechselbaren Fingerabdruck. Für Brot-und-Butter-Sounds stehen schließlich längst zahlreiche hervorragende Alternativen bereit. Seine eigentliche Stärke liegt woanders.

Wenn sich eine Fläche in eine Szene verwandelt

Besonders konsequent fällt die Stereoarchitektur aus. Die Oszillatoren lassen sich separat im Panorama platzieren, Stimmen alternierend verteilen und die Position einzelner Voices modulieren. Auch die Filterarchitektur arbeitet stereo. Eine eigene Regelung der Breite im unteren Frequenzbereich erlaubt es, den Bass zu zentrieren, während sich darüber das Klangbild öffnet.

Für Scoring ist das mehr als dekorative Breite. Ein langsam auseinanderwanderndes Pad kann den Eindruck eines sich öffnenden Raums erzeugen. Ein enger, zunächst kaum bewegter Klang kann dagegen Spannung sammeln, bevor seine Bestandteile unterschiedliche Richtungen einschlagen. Solche Veränderungen erzählen bereits etwas, selbst wenn harmonisch noch gar nicht viel passiert.

Ähnlich wichtig ist die zeitliche Gestaltung. Die Hüllkurven ermöglichen lange Entwicklungen und lassen sich vom vertrauten ADSR-Verlauf auf erweiterte ADBSSR-Formen mit anpassbaren Kurven umstellen. Das ist gerade dann interessant, wenn eine Fläche mehrere Zustände durchlaufen soll, statt nach dem Attack einfach auf einem Sustain-Level zu verharren.

Zwei unabhängige 16-Step-Control-Tracks ergänzen rhythmische und klangliche Abläufe. Der Arpeggiator bietet 20 Abspielmodi und kann gezielt einzelne Oszillatoren ansprechen. So lässt sich innerhalb eines Patches eine Ebene in Bewegung versetzen, während eine andere liegen bleibt. Ein Puls entsteht aus der Fläche heraus, ohne dass dafür sofort ein zweites Instrument nötig wäre.

Genau hier wird die Cinematic-Idee des Traveler greifbar: im Verhältnis zwischen einem Klang und seiner Veränderung.

Dabei muss es keineswegs immer die monumentale Klangwand sein. Auch zurückhaltende, beinahe fragile Texturen profitieren von dieser Architektur. Ein leicht modulierter, zunächst unspektakulärer Ton kann sich über mehrere Sekunden hinweg zu einer komplexen Fläche entwickeln, ohne seine ursprüngliche Identität vollständig zu verlieren.

Das ist musikalisch interessanter als viele jener Presets, die bereits beim ersten Anschlag sämtliche Register ziehen und damit im Grunde kaum mehr Raum für eine weitere Entwicklung lassen.

Allerdings verlangt diese Herangehensweise auch etwas Geduld. Wer schnell einen fertigen, spektakulären Signature-Sound für den nächsten Trailer benötigt, wird mitunter bei einer spezialisierten Library schneller ans Ziel kommen. Traveler belohnt dagegen jene Anwender, die selbst bestimmen möchten, was zwischen dem ersten und dem letzten Ton passiert.

Unter der Oberfläche wird es tief

Drei polyphone LFOs mit 21 Formen und Zufallsbewegungen, eine zusätzliche Modulationshüllkurve sowie eine 21-Bus-Modulationsmatrix bieten dafür reichlich Spielraum. Ursprünglich mit 92 Modulationszielen ausgestattet, wurde deren Zahl mit Version 1.1 auf mittlerweile 144 Ziele erweitert. Modulationsquellen können wiederum andere Modulationen beeinflussen. Eine Bewegung muss also weder gleichförmig bleiben noch bei jeder gespielten Stimme identisch verlaufen.

Das dürfte Sounddesigner freuen, verlangt aber auch Einarbeitung. Die zugängliche Oberfläche nimmt dem Instrument seine Komplexität nicht ab. Wer eigene, langfristig interessante Entwicklungen bauen möchte, muss verstehen, welche Bewegungen einander ergänzen und wann sie sich gegenseitig im Weg stehen. Alles gleichzeitig zu modulieren ergibt schließlich noch keine Dramaturgie.

Auch die Filtersektion verbindet unterschiedliche Traditionen. Ladder-Varianten mit 6, 12, 18 und 24 dB Flankensteilheit stehen neben NJM2069-inspirierten Modellen mit 12 und 24 dB, die unter anderem an den Korg DW-8000 anknüpfen. Bass Compensation, ein unabhängiger High-Pass, Mixer Feedback und Pre-Filter Drive erweitern den Zugriff.

Damit wird die Filterwahl zur Entscheidung über den Charakter einer Bewegung. Eine sanfte Öffnung kann einen Sound allmählich freilegen; ein stärker angefahrener, resonanter Verlauf kann denselben Moment wesentlich nervöser gestalten. Die historischen Bezugspunkte sind dabei Zutaten für ein eigenständiges Instrument.

Was dabei gefällt, ist die Möglichkeit, auch vergleichsweise einfache Ausgangssounds durch gezielte Eingriffe deutlich aufzuwerten. Traveler muss nicht permanent mit sämtlichen Features protzen, um interessante Ergebnisse zu liefern. Mitunter reichen bereits eine veränderte Filtercharakteristik, etwas Oszillatordrift und eine subtil modulierte Stereobreite, um aus einem gewöhnlichen Pad etwas wesentlich Lebendigeres zu machen.

Bei aller Flexibilität sollte man allerdings nicht übersehen, dass diese Möglichkeiten in der Oberklasse aktueller Software-Synthesizer längst zum guten Ton gehören. Traveler erfindet die Synthese nicht neu. Er kombiniert bekannte Verfahren vielmehr auf eine musikalisch durchdachte Weise.

KeyTIME und KeySPACE: Zwischen den Noten

Zum Klangkonzept gehören zwei Effekte, die außerdem als eigenständige Plugins verfügbar sind. KeyTIME ist ein duales moduliertes Delay mit Dual- und Ping-Pong-Betrieb. Bewegung und subtile Tonhöhenveränderungen geben den Wiederholungen ein Eigenleben. Aus einem einzelnen Anschlag kann so ein räumlich aufgefächertes rhythmisches Geflecht werden.

KeySPACE ergänzt die Dimension dahinter. Die Algorithmen Room, Hall und Space reichen von überschaubaren Räumen bis zu großen, sich entwickelnden Hallumgebungen. Gerade bei weit ausgreifenden Sounds bleibt dabei die entscheidende Aufgabe, die Quelle innerhalb des Raums erkennbar zu halten.

Beide Effekte können auch andere Synthesizer, Gitarren oder Stimmen bearbeiten. Das erweitert ihren Nutzen über Traveler hinaus: Die räumliche Sprache eines Arrangements muss nicht an der Grenze eines Instruments enden.

Im Zusammenspiel mit dem Synthesizer erfüllen beide Prozessoren ihren Zweck überzeugend. Gerade das modulierte Delay kann aus vergleichsweise einfachen Sequenzen deutlich komplexere rhythmische Strukturen formen, während KeySPACE die nötige räumliche Dimension liefert. Ergänzt wird die interne Effektsektion durch einen EQ sowie einen dreimodigen, analog inspirierten Chorus.

Freilich sind auch hier keine revolutionären Neuentwicklungen zu erwarten. Hochwertige Delays und Reverbs gehören längst zur Standardausstattung professioneller Produktionsumgebungen. Die Stärke liegt vielmehr darin, dass Traveler seine räumlichen Möglichkeiten bereits innerhalb des Instruments konsequent mitdenkt.

Fazit

Traveler hat einen schweren Stand in einem Segment, das bereits ausgesprochen starke Instrumente bietet. Umso erfreulicher, dass Mike Martin mit seinem neuen Synthesizer nicht versucht, die Mitbewerber durch immer größere Effektgewitter oder möglichst spektakuläre Preset-Orgien zu übertrumpfen, sondern einen eigenen Weg einschlägt.Herausgekommen ist ein ausgesprochen gut klingender Hybrid-Synthesizer, der das Rad zwar nicht neu erfindet, dafür aber mit einem eigenständigen, deutlich Vintage-geprägten Klangcharakter, hoher musikalischer Praxistauglichkeit und einer erfreulich durchdachten Architektur überzeugt. 

Gerade der Sound gehört für mich zu den größten Pluspunkten. Er klingt druckvoll und organisch, bleibt aber selbst bei komplexeren Modulationen erstaunlich aufgeräumt. Der grundsätzliche ausgeprägte Vintage-Charakter bleibt im Kern erhalten, der User kann jedoch selbst entscheiden wieviel moderne Anteile er beimengt.

Mike Martin scheint noch einiges mit Traveler vorzuhaben. Das ist erfreulich, denn auch wenn das Instrument bereits jetzt einen überzeugenden und weitgehend ausgereiften Eindruck hinterlässt, steckt in seiner Architektur durchaus noch Potenzial für weitere klangliche und funktionale Erweiterungen.

Für mich ist Traveler deshalb nicht nur ein gelungener Einstand beziehungsweise ein vielversprechendes Comeback von KeySolutions Sounds, sondern vor allem ein inspirierender, vielseitiger Synthesizer, dessen Qualitäten mit zunehmender Beschäftigung eher wachsen als verblassen. Und wenn man die bisherige Update-Frequenz als Indiz dafür nimmt, dürfte die Reise von Traveler ohnehin noch lange nicht zu Ende sein. Der Weg ist bekanntlich das Ziel.

TRAVELER - KeySolutions Sounds