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| Credit Bild: © 2021 André Butzer Taschen Verlag |
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| Credit Bild: © Sony Curt Themessl |
Und dann ist da natürlich vor allem die Musik - zwar
repräsentieren viele seiner Songs den 80er-Zeitgeist (den Falco auch definitely mitprägte)
und stehen häufig sinnbildlich für die Aufbruchsstimmung im damaligen Vienna,
doch fallen sie zu keinem Zeitpunkt in die Nostalgie-Category. Legt man
Falcos Platten heute auf bzw. wählt man seine Songs auf dem Streamingdienst seines
Vertrauens aus, wirken sie nach wie vor vollkommen zeitlos.
Anlässlich des Geburtstages der österreichischen Ikone ist mit „Sound Of Musik“ nun ein Best Of erschienen, das sowohl als herkömmliche CD, als Vinyl und - extrem kultig - als retrotastic Musikkassette erscheint. Die ganz großen Falco-Hits werden darauf in chronologischer Reihenfolge präsentiert - beginnend im Jahr 1981 und „Ganz Wien“ bis hin zum 1998 veröffentlichten „Out Of The Dark“. Der Fokus liegt hier klar auf den bekanntesten Liedern. Frühere Veröffentlichungen dieser Art gingen da weitaus tiefer und beleuchteten auch diverse großartige Album-Tracks neben den offensichtlichsten Songs wie „Rock Me Amadeus“ oder „Der Kommissar“. Dem vielschichtigen Schaffen dieses vielseitigen Künstlers, dessen immense Bandbreite vom seiner Zeit vorauseilenden Elektro-Experiment bis zur jazzigen Dylan-Interpretation reichte, wird das „Sound Of Musik“-Best Of so nur bedingt gerecht.
Doch immerhin: drei rare Stücke, die so nicht auf früheren Greatest Hits-Releases zu finden waren, gibt es hier dennoch zu entdecken. Und zwar:
ROCK ME
AMADEUS (EXTENDED CANADIAN/AMERICAN 2022 RE-EDIT): 1986 wurden zahlreiche Mixes und
Edits von Falcos größtem Hit für den internationalen Markt produziert. Rund ein
Dutzend verschiedene Versionen gibt es insgesamt, allerdings vereint keiner dieser Mixe
sämtliche für diese neuen Abmischungen zusätzlich produzierten Elemente.
BODY
NEXT TO BODY (RADIO VERSION): dieser
Mix wurde anno 1987 nur auf einer deutschen 7" Promo verwendet. Das
orgiastische Stöhnen von Eighties-Sexbombe Brigitte Nielsen vor den beiden
Strophen und auch bei Falcos Rap am Ende wurden hier entfernt. Ob das den Song
besser macht oder nicht, liegt beim Zuhörer - diese Version waren jedenfalls bis heute nicht digital bzw. auf CD erhältlich.
DATA DE
GROOVE (FULL LENGTH VERSION): Nur
wer die (äußerst seltene), deutsche CD-Erstauflage von 1990 sein Eigen
nennt, kam bisher in den Genuss dieser Version, die um gut 20 Sekunden
länger ist als die bekannte Albumversion.
Mit 18 Tracks ist diese Compilation durchaus eine sehr knappe Retrospektive - die als kompakte Introduction zum "Body Of Work" dieses Phänomens jedoch dennoch durchaus gelungen ist und aufgrund der Bonus Tracks auch ein paar kleine Schmankerln für Sammler bereit hält.
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| Credit Coverbild: © Slam Media GmbH |
Die CD, die seinerzeit dieses Heft begleitete hat, fehlt diesmal – geblieben sind die fundiert gestaltete, karriereumspannende Retrospektive sowie die äußerst lesenswerten und informativen Interviews – u.a. mit Gitarrero Kirk Hammett und vielen Personen, die für die Karriere Metallicas entscheidend waren: unter ihnen Megaforce-Labelgründer Jon Zazula, Michael Wagener (der gebürtige Deutsche mit der Weltkarriere mixte „Master Of Puppets“) oder der Produzent der frühen Thrash Metal-Großtaten, Flemming Rasmussen.
Allein schon deshalb ist dieses Hochglanz-Heft auch für jene Leser empfehlenswert, die mit der Biographie der Bay Area-Legenden bereits bestens vertraut sind.
| Credit Bild:© Taschen Verlag |
In eine völlig andere Richtung geht es beim neu erschienenen ersten Eintrag in der „Marvel Comics Library“ des Taschen Verlags - der Leser geht auf eine Reise zurück in jene Zeit, in der Marvel "nur" ein Verlag war und der Kult um Spider-Man begründet wurde. Es ist dies auch eine Trip zu den Anfängen Peter Parkers, der immer so ganz anders war als seine Kollegen aus Metropolis oder Gotham City. Kal-El alias Superman vom Planeten Krypton ist ein Außerirdischer und ein Wesen mit entsprechend übermenschlichen, angeborenen Fähigkeiten und Kräften. Batman/Bruce Wayne wiederum zählt zu den oberen Zehntausend und ist ein Multimilliardär der seinen Reichtum nutzt, um mit zahlreichen Gadgets und Vehikeln auf Verbrecherjagd zu gehen. Der von Stan Lee und Steve Ditko erschaffene Peter Parker/Spider-Man ist nichts von alledem. Vielmehr handelt es sich bei Peter um einen „All-American Teenager“, der nur aufgrund eines Zufalls - dem folgenschweren Biss einer radioaktiven Spinne - zu jenen für ihn auch belastenden Superkräften gelangt. Parker - diese Identifikationsfigur für unzählige mit der eigenen Pubertät und Adoleszenz ringenden Leser - kämpft mit den bedrohlichen Superschurken beinahe ebenso wie mit all den normalen Sorgen und Nöten, die Jugendliche in aller Welt teilen - ein Aspekt, der zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren dieser Figur zählt.
Die ersten Ausgaben von Spider-Mans Abenteuern zählen neben den frühen Action Comics- und Detective Comics-Heften, in denen respektive Superman und Batman ihr Debut gaben, zu den ganz großen Sammelstücken der Comic-Literatur, die zu gesuchten Artefakte jener großen Pionierzeit des Genres geworden sind. Unsummen werden für Ausgaben, die die Zeit in den US-Kinderzimmern der 60er unbeschadet überstanden haben, hingeblättert. Im neu erschienen Prachtband „MARVEL COMICS LIBRARY: SPIDER-MAN VOL. 1 SPIDER MAN 1962-1964“ kann man diese Geschichten nun in besonders ansprechender Form nachlesen. Vom Heftchen hin zum riesigen Kunstband, in dem einerseits in Essays die kulturelle Bedeutung und Entstehungsgeschichte dieses ikonischen Helden beleuchtet werden und anderseits die ersten 21 Spider-Man-Stories in ansprechender Form reproduziert wurden.
| Credit Bild: © Taschen Verlag |
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Marvel Comics Library. Spider-Man. Vol. 1. 1962–1964, David Mandel, Ralph Macchio Hardcover, 28 x 39,5 cm, 4,83 kg, 698 Seiten, Ausgabe: Englisch, ISBN 978-3-8365-8233-9, Taschen Verlag
Famous First Edition: Nummerierte Erstauflage von 5.000 Exemplaren
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| Credit Bild: © C.H. Beck Verlag |
Den Schlüssel zum Verständnis dieses faszinierenden Buchs liefert der Musiker im Vorwort gleich selbst: „Unzählige Male wurde ich schon gebeten, eine Autobiografie zu schreiben, aber nie war die richtige Zeit dafür. Meist zog ich Kinder groß oder war auf Tournee – beides ist nicht ideal, wenn man sich über lange Strecken konzentrieren möchte. Das einzige, was immer ging, egal ob zu Hause oder unterwegs, war Songs zu schreiben. Wenn Leute erst mal ein gewisses Alter erreicht haben, greifen sie gerne auf Tagebücher oder Terminkalender zurück, erinnern sich Tag für Tag an vergangene Ereignisse, aber solche Aufzeichnungen habe ich nicht. Was ich habe, sind meine Songs – hunderte – und eigentlich erfüllen sie denselben Zweck. Sie umspannen mein gesamtes Leben.“
Ein ganzes Leben in den Zeilen von Liedern, bei McCartney trifft dies in besonderem Maße zu. Über 400 Songs hat er geschrieben, 150 wurden für "Lyrics" ausgewählt und repräsentieren die unterschiedlichen Stationen und Entwicklungen eines Künstlers, der zwar schon früh seine ganz persönliche Handschrift gefunden hat und dennoch bis heute neugierig und experimentierfreudig geblieben ist. 24 Gesprächs-Sessions zwischen McCartney und dem Dichter und Pulitzer-Preisträger Paul Muldoon, die zwischen 2015 und 2020 stattfanden, bilden die Basis dieser Bände. Der irische Poet fungierte dabei als Editor der Erinnerungen des Songpoeten. Der informell-sympathische Stil der McCartney´schen O-Töne ist dem Fan aus unzähligen Interviews wohlbekannt. Hier geht er beinahe in „Amarcord“-Manier zurück zu seiner Kindheit im Nachkriegs-Liverpool und dem Ursprung seiner musikalischen Passion. Schon früh zeigte sich bei dem Jungen aus der englischen Hafenstadt ein untrügliches Gespür für Ton- und Akkordfolgen. Als Vierzehnjähriger begann er Songs zu schreiben, er selbst spricht von einem instinktiven Akt. Zunächst studierte er seine Rock N´ Roll-Idole und lernte anhand deren Aufnahmen das Hit-Handwerk. Schnell erwies sich der junge Autodidakt als geborener Songwriter, Anknüpfungspunkte bei den gleichaltrigen Kids der Nachbarschaft boten sich dem jungen Paul mit diesem Talent jedoch nicht, erst als er den von der gleichen Musik faszinierten John Lennon traf, fand er einen Gleichgesinnten. Immer wieder sind es auch die Konstanten und roten Fäden, die sich durch das Werk McCartneys ziehen, die hier noch deutlicher sichtbar werden. Etwa wenn es um den tragischen, frühen Tod der Mutter geht. Deren Verlust versuchte McCartney im frühesten hier vorgestellten Song „I Lost My Little Girl“ zu verarbeiten, später nahm "Mother Mary" dann eine zentrale Rolle in den Lyrics von „Let It Be“ und auch in „Yesterday“ ein.
In den Lyrics und Erinnerungen erfährt man viel über den Menschen hinter der Legende und was ihn zu seinen Songs und empathischen Texten inspirierte. Dass Sir Paul einer der produktivsten Songwriter der neueren Musikgeschichte ist, war natürlich schon lange vor diesem Doppelband bekannt - die schiere Konzentration von 156 Stücken, von denen doch ein Gutteil entweder ein ikonischer Klassiker ist, Hit-Status genießt oder zumindest einen bemerkenswerter Album-Track darstellt, beeindruckt dennoch. Zudem zeigen diese Bücher erneut McCartneys immense Bandbreite, die von tiefgehender Introspektion ("Yesterday") über das allzu Weltliche („Why Don´t We Do It In The Road“ vom „weißen Album") bis hin zum Hymnisch-Spirituellen ("Hey Jude") reicht.
Paul McCartney – Lyrics von Paul McCartney, Paul Muldoon (Editor), Zwei Bände im Schuber (Leinen). 912 S. mit ca. 647 Abbildungen, erschienen in deutscher Übersetzung im C.H. Beck Verlag
| Credit Bild: © Delius Klasing |
Das Autoren-Duo dieses Buchs ist Musik-Aficionados wohlbekannt: Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin beleuchten seit einigen Jahren die Legenden der Musikgeschichte in Form von ausführlichen Monographien – von den Rolling Stones über Bob Dylan zu Jimi Hendrix und Led Zeppelin. Dieser Band über die Liverpooler ist einer der ersten in einer neuen, günstigeren Reihe, die anders als die bisherigen Titel im Softcover erscheinen, eine Paperback (Writer) Edition also.
Das Format und Layout wurden zwar geändert bzw. leicht abgespeckt, der Inhalt jedoch keineswegs. In gewohnt gut recherchierter Manier werden Bio- und Diskographie sowie die Geschichten hinter den Songs beleuchtet: von den ursprünglcihen Ideen hin zu den fertigen Kompositionen, von den wegweisenden Aufnahmeprozessen mit George Martin hin zu den Instrumente. Die Facts und Trivia-Dichte ist hier ähnlich hoch wie der Anteil der Bilder (über 300 Fotos).
Wie immer bei den Tteln von Guesdon und Margotin sind es gerade die übersichtliche Kompaktheit sowie der hohe Detailgrad, die den Mehrwert dieses lexikalen Werks ausmachen. Ein Band, der nicht nur für jene gedacht ist, deren persönliche Magical Mystery Tour erst mit der neuen Peter Jackson Doku begonnen hat – wenngleich dieses Buch als Einstieg in die Welt der Liverpooler Ikonen fraglos prädestiniert ist.
BEATLES –ALLE SONGS: Die Geschichte hinter den Tracks, von Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin erschienen bei Edition Delius Klasing
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Die „Long and Winding Road“ zum legendären Rooftop-Concert und den Recording Sessions zu “Let It Be” stehen anno 2021 durch die „Get Back“-Dokumentation von „Herr Der Ringe“-Regisseur Peter Jackson besonders im Fokus. Begleitend dazu ist ein gleichnamiger Großformatband erschienen, der wie eine kondensierte Version der Jackson-Doku wirkt. Ein neues Buch über die ikonischen Fab Four ist per se nun nicht unbedingt eine Seltenheit. Dieses ist dann aber doch ein bisschen etwas Besonderes, ist es doch das erste offizielle Beatles-Buch seit 20 Jahren.
Natürlich funktioniert es auch als eigenständiges Werk ohne dass man Jacksons epischen 468 Minuten langen Disney+ Dreiteiler gesehen hat. Doch einiges an Wissen über die Biographie der Beatles sollte der geneigte Leser schon mitbringen. Denn eine musikhistorische Einordung wird hier – abgesehen von den prominenten Vorworten, verfasst von Peter Jackson, Autor Hanif Kureishi und John Harris (Guardian, Mojo Magazine) – nicht vorgenommen. Im Zentrum des Buchs stehen einerseits eindrucksvolle Bilder von Rock N´ Roll-Photographer Ethan A. Russel und Linda McCartney als auch ausführliche Transkriptionen ausgewählter Gespräche im Studio und auf dem Apple Building - quasi der Film zum (nach)lesen. In „Fly on the Wall“-Manier wird der Leser so Zeuge der historischen Sessions und des letzten Live-Auftritts der Gruppe. Es sind Situationen und Dialoge aus denen sich einerseits die Spannungen die zum Ende der Band führten deutlich ablesen lassen, die jedoch auch dokumentieren wie nach und nach einige der ganz großen Klassiker der Musikgeschichte aufgenommen wurden. Das erinnert immer wieder an das Drehbuch eines Films oder auch an ein Theaterstück – und zwar ein sehr naturalistisches und realiätsnahes. Hier gibt es keine dick aufgetragenen „Eureka“-Moment wie bei manchem Musiker-Biopic. Vielmehr wird man Zeuge wie sich allmählich aus dem Alltäglichen das Besondere herauskristallisiert. Dass dieses Buch in Akte eingeteilt ist und zu Beginn die „dramatis personae" – John, Paul, George und Ringo - vorgestellt werden, verstärkt den Eindruck, dass man hier das "Drama vom Ende der Beatles" im O-Ton nachliest, noch. Ein Drama, das jedoch ähnlich wie Peter Jacksons "Get Back" auch die positiven und teils magischen Momente einfängt.
The Beatles - Get Back, 2021, Peter Jackson, Hanif Kureishi, The Beatles (Autoren), John Harris (Hrsg.) erschienen bei Droemer Knaur
| Credit Coverbild:© Droemer Knaur |
| Credit Coverbild: © earMusic Edel |
Entstanden ist es quasi im Home Office bzw. großteils im jeweiligen Home Studio der Musiker. Und obwohl die allermeisten späteren Rock Heroen mit Cover-Versionen begonnen haben, liegt die Neuinterpretation der Songs anderer Künstler besonders tief in der DNA dieser Band. Man erinnere sich etwa an die die genialischen Coverversionen von Neil Diamonds „Kentucky Woman“, Little Richards „Lucille“ oder natürlich „Hush“. Letzterer zählt zu den Evergreens und Rock-Klassikern - stammt im Original aber gar nicht von Deep Purple (wenngleich die Briten fraglos die ultimative Version eingespielt haben) sondern wurde vom Songwriter Joe South für den Sänger Billy Joe Royal geschrieben.
2021 geht es für Purple jedenfalls zurück zu ihren Wurzeln und jenen Künstlern, die sie einst inspirierten. Die Song-Auswahl reicht dabei von Arthur Lees „7 and 7 Is“ über Creams „White Room“ und Fleetwood Macs „Oh Well“ hin zum Rock N´ Roll von Huey „Piano“ Smith und seinem „Rockin´ Pneumonia And The Boogie Woogie Flu“ - ein Titel, der in der heutigen Zeit natürlich originell ironisch anmutet, allerding keinesfalls eine aktuelle musikalische Bestandsaufnahme der pandemischen Situation darstellt, sondern aus den Fünfzigern stammt, einer Zeit, in der sich nur das Fieber einer neuen Jugend-Musik ausbreitete.. Das Album endet schließlich in einer Medley-Orgie in der Freddie Kings „Going Down“ in Booker Ts „Green Onions“ schmilzt und „Hot´Lanta“ der Allman Brothers langsam in „Dazed And Confused“ (Led Zeppelin) übergeht.
Ganz so zu Eigen wie das zuvor erwähnte „Hush“ machen sich Deep Purple zwar keinen der Songs auf „Turning To Crime“, doch präsentiert sich die Band auf diesem lässigen „Back To The Roots“-Ausflug dennoch in bestechender Form. Dass durch die Auswahl von Fremdkompositionen die schere Bürde wegfällt, neue Songs „from scratch“ kreieren zu müssen, die danach mit Klassikern der Marke „Highway Star“ oder „Speed King“ mithalten können, gereicht dem Album überdies zum Vorteil.
| Credit Coverbild: © Reproduced by permission of Harper/an imprint of Harper Collins |
Anders war all dies als Regisseur Quentin Tarantino vor gut einem halben Jahr mit der Adaption seines eigenen Films „Once Upon A TimeIn Hollywood“ seine Debut-Novel veröffentlichte, die zum etwas anderen Sommer-Hit am Büchermarkt wurde. Der Kult-Auteur wurde damit nicht nur zum Bestseller-Autor, der seinen ureigenen, von seinen Scripts und Filmen bekannten Stil erfolgreich auf die Seiten eines Romans übersetzen konnte. Tarantino legte mit dieser Erzählung auch ein Werk vor, das eine essayistische und intertextuelle Komponente und Tiefgründigkeit aufwies, die den alten Film Novelizations fehlte. Meine In Depth-Analyse dazu findet ihr hier.
Diese Erstausgabe war als Gesamtkunstwerk bis ins Detail den Vintage Mass Market Paperbacks nachempfunden, die man in früheren Zeiten meist nahe der Kasse vieler Supermärkte finden konnte. Im für solche Taschenbüchlein obligatorischen Werbesegment auf den letzten Seiten wurde dann eine Deluxe Edition der „OUATIH“-Novel angekündigt. Diese ist nun erschienen und hat etwas von einer gut ausgestatteten Blu Ray- Collector´s Edition, vereint sie doch eine ganze Reihe interessanter „Special Features".
Der Kern - der Roman selbst - bleibt derselbe. Wir schreiben das Jahr 1969 in Los Angeles: Es ist eine Zeit der Wende. Das alte Studiosystem Hollywoods liegt endgültig in seinen letzten Zügen, die Schauspieler der Eisenhower-Ära sind zunehmend weniger gefragt – zu dieser Gruppe, die Gefahr läuft vollends an den Rand gedrängt zu werden zählt Rick Dalton (im Film gespielt von Leonardo DiCaprio). Er und sein Stunt Double Cliff Booth (Brad Pitt in seiner Oscar-prämierten Rolle) schlagen sich im Film-Biz durch während sich rund um sie die Industrie komplett verändert. Die Stars des Moments sind etwa Ricks neue Nachbarn, der Regisseur Roman Polanski und seine bezaubernde Frau Sharon Tate (Margot Robbie). Für Dalton bleiben vorerst nur die Optionen sich mit Rollen des "Bösewichts der Woche" in TV-Serien zu begnügen oder aber nach Italien zu gehen, um dort Spaghetti Western zu drehen. Unterdessen ziehen dunkle Wolken über der Stadt der Engel auf, denn die aus der Perversion der Hippie-Ideale entstandene Family Charles Mansons treibt ihr Unwesen.
Der Leser taucht auf den Seiten von Tarantinos Roman
in eine Alternativ-Version der Filmhandlung ein, die den Plot erweitert, durch
zusätzliche Szenen sowie mehr Rückblenden und Backstories ergänzt und teilweise
aus einem anderen Blickwinkel gezeigt wird – und so das ganze Narrativ ändert.
Neben dem größeren Format der Deluxe Hardcover Edition fällt sofort das kunstvoll gezeichnete Cover auf, das eine der Schlüsselszenen aus dem Film und dem Buch zeigt: Die Ankunft Cliff Booths auf der Spahn Movie Ranch, während seine Beifahrerin, Manson Girl Pussycat lasziv ihre Beine hochgelagert hat.
Darüber hinaus gibt es folgendes Bonusmaterial:
Die Hardcover-Ausgabe von „Once Upon A Time InHollywood“ - dieser ersten großen amerikanischen „pulp novel“ seit langer Zeit - ist eine überaus gelungene Edition und stellt für den Sammler so etwas wie ein Muss dar. Dank der Bonus Features der Hardback-Version weiß man nun, dass einige jener Szenen, die es nicht in den Film schafften bzw. nur im Buch vorkamen, tatsächlich gedreht wurden. So macht diese attraktive Edition noch mehr Lust auf einen Extended Cut, über den in der Zeit seit der Kinopremiere 2019 immer wieder berichtet wurde.
QUENTIN TARANTINO - ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD THE DELUXE HARDCOVER, erschienen bei Harper/an Imprint of Harper Collins, englische Originalausgabe
Er verband den Hochglanz-Glamour einer unerreichbaren Society-Welt mit den dunklen Begierden, die sonst eher im Verborgenen gehalten wurden. Er brachte das Filmische, das Fetischistische und das Gewagte in die Modefotografie und war dadurch auch Wegbereiter einer künstlerischen Avantgarde und einer neuen Bildsprache. Mehr als fünf Jahrzehnte umspannt das Œuvre von Helmut Newton (1920–2004) und die Zeit seit seinem Unfalltod hat nur gezeigt, wie nachhaltig sein Einfluss ist: Man denke etwa an die Werke Mert & Marcus´ oder die Tabubrüche zeitgenössischer Fashion- und Kunst-Fotografie: sie alle wären ohne Helmut Newtons Rolle als Trailblazer geradezu undenkbar.
Die unverwechselbare „Aesthetic Vision“ Newtons - schon früh rückte er starke Frauen ins Zentrum seiner Bilder und würde für seine Darstellung erotischen Powerplays in vielen seiner Werke ebenso gefeiert wie kritisiert - ist auch das Zentrum des neuen, begleitend zu einer aktuellen Ausstellung veröffentlichen Retrospektivbands „Legacy“.
Es ist dies natürlich bei weitem nicht das erste Coffee Table-Buch, das sich mit dem vielschichtigen Werk Newtons auseinandersetzt. Nicht zuletzt im Taschen Verlag ist bereits eine Vielzahl an Werkschauen erschienen, allen voran natürlich der kultige „Sumo“, „World Without Men“, „Work“, oder „Polaroids“. "Legacy“ wirkt nun wie eine Zusammenfassung all dieser Titel. Der Schlüssel zum Ansatz dieser neuesten Werkschau findet sich im Titel eines Kapitels. Es heißt „Becoming Helmut Newton“ und dies ist auch genau das, was der Leser hier nachvollziehen kann: wie aus dem gebürtigen Berliner Helmut Neustädter die internationale Ikone Helmut Newton wurde.
Schon in jungen Jahren war er stark von amerikanischer Popkultur beeinflusst.
Die Schund-und Groschenromane und Filme der schwarzen Serie faszinierten ihn
und befeuerten seine Vorstellungskraft. Später ließ er diese filmische Komponente
in seine Arbeiten für die Vogue und Elle einfließen. Die erotischen
Femme Fatales wurden zu den Hauptfiguren seiner expressiven Bilder. Im Film
Noir waren die Männer oft Spielbälle der überlebensgroß dargestellten Göttinnen des „Silver Screen“, bei den Shootings traten seine Models nicht minder „hard
boiled“ auf.
„Legacy“ zeichnet, noch deutlicher als vorhergehende Bände anhand von essayistischen Beiträgen, Zitaten von Zeitgenossen und vom Meister selbst sowie - natürlich - einer gelungenen Auswahl seiner Bilder die künstlerische Entwicklung dieses Genies nach und dokumentiert wie die Bildsprache des „professionellen Voyeurs“ (Selbstbeschreibung des Fotografen) entstand.
Die Ausstellung HELMUT NEWTON. LEGACY ist noch bis zum 22.05.2022 in der Helmut Newton Stiftung, Jebensstraße 2, 10623 Berlin zu sehen.
| Credit Coverbild: © Taschen Verlag |
Das Blues-Genre bildete immer schon die Basis der Musik von Warren Haynes -
ob bei den Allman Brothers, mit Gov´t Mule oder den vielen anderen Projekten und
unzähligen Gastspots des “Hardest Working Man in Jam Rock”. Die blaue Note, sie
hat diesen begnadeten Stilisten aus North Carolina seit seiner Jugend nie
losgelassen. Der klassische Blues aus dem Süden der USA und die teils psychedelische Reimagination
durch Bands einer neuen Genreration inspirierten ihn seinen „formative years“ und
wurden zum Katalysator für seine eigene
musikalische Laufbahn. Insofern kann man bei „Heavy Load Blues“ also nicht direkt
von einem „back to the roots“-Platte sprechen.
Credit Coverbild: © Fantasy Records / Concord / Universal Music
Es ist jedoch tatsächlich das erste dezidierte Blues-Album von Haynes und seiner Band Gov´t Mule, die hier Klassiker von Junior Wells, Elmore James oder Howlin´ Wolf einspielen sowie Eigenkompositionen präsentieren, die alles eines gemeinsam haben: den roten (bzw. in diesem Fall wohl eher blauen) Faden, der tief hineinführt ins Delta und in die großen städtischen Epizentren des Blues. Was besonders auffällt: der Band, dem Produzenten und den Toningenieuren gelang es den Ambience Sound alter Blues-Platten einzufangen. Es ist ein Klang, der sich wohl m besten mit den Adjektiven „warm“ und „dunkel“ beschreiben lässt. Statt dem Bombast der Rock Stage gibt es hier ein geradezu intimes Blues Club und Studio-Feeling mit verhallten Vocals und teils „kleinerem Besteck“ in Sachen Amps.
Das in pandemischen Zeiten entstandene Album „Heavy Load Blues“ hält für den Zuhörer - und das ist keinesfalls negativ zu verstehen - keine Überraschungen bereit. Vielmehr bietet es genau das, was man erwarten konnte wenn eine Band vom Kaliber Gov´t Mules eine Blues-LP ankündigt. Hier hört man Virtuosen, die zwar den Coverversionen nicht unbedingt neue Nuancen abgewinnen, allerdings ein vor allem atmosphärisch dichtes Album geschaffen haben. Ein Genre-Highlights dieses Jahres.
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Credit Bild: © Jay Sansone |
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| Credit Bild: © Simon Emmett |
Musikalisch erscheint dies alles sehr vertraut - stilistisch angesiedelt zwischen Streicher-getränktem Old Hollywood Jazz und mehr offensichtlich als dezent von Hitfließbandarbeitern wie Max Martin getunten Pop-Balladen. Dennoch ist hier nicht alles beim Alten, vornehmlich im Privatleben Adeles, das nun (halb-) öffentlich in den Songs seziert wird. 30, dieses einschneidende Alter brachte eine ganze Reihe Veränderungen mit sich: Adele ist geschieden, mehr oder minder alleinerziehende Mutter und dann war da noch diese radikale Typveränderung. Diese Herausforderungen und das Hadern mit unerfüllten (eigenen) Erwartungen sind Quell höchstpersönlicher, teils ironischer Betrachtungen in den Lyrics. Die stimmvirtuos vorgebrachten Botschaften, deren Bedeutungshaftigkeit gerne mit Koloraturen akzentuiert wird, werden bei einigen Zuhörern wohl auf starke Resonanz stoßen. Die eher beliebig wirkenden, eintönigen Songs konterkarieren diese vermeintliche Substanz jedoch.
Manch einer überschlägt sich dennoch mit Superlativen und spricht gar vom Album des Jahres. In rein kommerzieller Sicht ist diese Einschätzung durchaus nicht unrealistisch und unrichtig - immerhin, „30“ ist in den USA drei Tage nach dem Release schon die erfolgreichste Platte 2021. Auch die von einem atmosphärischen, monochromen Musikclip begleitete Single „Easy On Me“ schlägt mit mehr als 310 Millionen Spotify-Streams zu Buche - die harte Währung der Popularität im Biz gibt der Erfolgsformel von Adele und ihren Produzenten recht.
„30“ mag zwar das neue „25“ zu sein, der vorherrschende Eindruck ist jedoch der eines allzu routinierten Albums, das seltsam blass bleibt - auch wenn man hier eine Sängerin mit technisch fraglos beeindruckender Stimme hört, die genau ihre Genre-Nische gefunden hat.
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| Credit Coverbild: © Sony Music |
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Bild: © Sean Matsuyama |
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Credit Coverbild: © Columbia Sony Music |
Alle Jahre
wieder: Nachdem die Lebkuchen die Regale der Supermärkte überschwemmt haben,
aber noch rechtzeitig bevor die heiße Phase der vermeintlich stillsten Phase
des Jahrs beginnt, flattern auch wieder weihnachtliche Grüße von Castle
Blackmore ins womöglich bereits festlich dekorierte Haus, jedenfalls aber in
den Player des geneigten (und Renaissance-affinen) Zuhörers.
Credit Coverbild: © earMusic Edel
Vor ziemlich genau einem Jahr veröffentlichten Ex-Deep Purple-Saitenvirtuose Ritchie Blackmore und seine Gemahlin Candice Night mit „Here We Come A-Caroling“ eine gelungene weihnachtliche EP, nun erscheint mit „Winter Carols“ gleich die nächste X-Mas-Platte der beiden. Dabei handelt es sich um eine Deluxe Neuauflage des gleichnamigen, schon 2006 erstveröffentlichten Albums. Die 27 Songs umfassende Doppel-CD wurde im Spätsommer dieses Jahres remastered und enthält mit „Coventry Carol“, einer Interpretation des traditionellen englischen Weihnachtsliedes aus dem 16. Jahrhundert, einen neuen Song. Neuinterpretationen von Evergreens wie „Here We Come A-Caroling“, „It Came Upon A Midnight Clear”, „O Little Town Of Bethlehem” oder „Silent Night” runden das Geschenk-Paket ab.
Blackmore und Night zelebrieren hier wieder die traditionelle Winter- und Weihnachtsmusik und gehen zurück zu deren Wurzeln. Rock- und Folk-Elemente treffen auf authentische Mittelalter bzw. Renaissance-Klänge. Das ist handwerklich perfekt gemacht und lässt vor dem geistigen Auge des Zuhörers das Bild eines nur durch Kerzenlicht erhellten Häuschens inmitten einer verschneiten Landschaft entstehen – ein passenderes Album-Cover hätte man somit wohl nicht finden können.
Fans der (sehr)
besinnlichen Weihnacht, die es bewusst nicht modern oder experimentell wollen,
werden mit diesem teils stimmungsvoll-schönen und teils eine Stufe vorm
gefürchteten Kitsch stehenden Album wohl den idealen Soundtrack für die
Festtage gefunden haben.