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| Copyright: H.R. Giger, Edition Patrick Frey 2021 |
Freitag, 29. Oktober 2021
HALLOWEEN 2021 SCARY BOOKS: H.R. Giger Poltergeist II: Drawings 1983 -1985
Sonntag, 10. Oktober 2021
ROBBEN FORD-PURE
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Credit Bild: © MASCHA |
MANDOKI SOULMATES – UTOPIA FOR REALISTS: THE VISUAL ALBUM
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Mike Stern, Leslie Mandoki, Al Di Meola Credit Bild © InsideOut SONY |
Fans des umtriebigen Musikers kennen den Kern dieser musikalischen Zukunfstvision bereits: Denn was man auf dem neuesten Opus des Mandoki vernimmt, ist eine aufwendige Live-Interpretation seiner auf ebenso klassischen wie populärmusikalischen Motiven basierenden Prog Rock- und Fusion Suite „Hungarian Pictures“ - und zwar als „Visual Album“ um genau zu sein. Die Verbindung der visuellen mit der auditiven Komponente ist freilich nicht ganz neu, Deluxe Boxsets gibt es ebenfalls schon etwas länger. Auch bei „Utopia For Realists“ handelt es sich auf den ersten Blick um ein herkömmliches, attraktiv gestaltetes Mediabook, das ein dickes Foto-Booklet und 2 Discs beinhaltet. Im Zentrum steht eine Blu ray mit dem Mitschnitt eines historischen Gigs anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls in Berlin. Dieses Konzert wird jedoch um einige Visual Components, die über die Bühnen-Action hinausgehen, erweitert. Die einzelnen musikalischen Episoden wurden filmisch aufwendig eingefangen. Live-, Studio- und künstlerische Landschaftsaufnahmen mit animierten Gemälden verschmelzen zu einer Einheit. „Pictures At An Exhibition“ quasi….
Beeindruckend auch nach wie vor nicht nur die Verbindung unterschiedlicher Genres und diese Verquickung von Rock mit Bela Bartók sondern auch die schiere Star Power des Projekts. Zu den prominenten Mitmusikern Mandokis zählen Ian Anderson (Jethro Tull), John Helliwell (Supertramp), Chris Thompson (Manfred Mann’s EB), Bobby Kimball (Toto), Nick van Eede (Cutting Crew), Al Di Meola, Jesse Siebenberg (Supertramp), Cory Henry, Mike Stern, Randy Brecker, Bill Evans, Tony Carey, Richard Bona, Julia Mandoki, Till Brönner, David Clayton Thomas (Blood Sweat & Tears), Steve Bailey. Die verstorbene Legende Jack Bruce wurde mit einigen Bass- und Gesangsspuren aus Archivaufnahmen wieder in die Mitte der Soulmates geholt. Als obligatorischen Bonus gibt es Behind The Scenes-Einblicke hinter die Kulissen der Produktion sowie eine CD in Vinyloptik mit den originalen Studioaufnahmen der Prog Rock-Suite.
Durch die kunstvolle Vermischung von Klang und Bild geht von dieser Suite ein ganz eigener Reiz aus, Art Rock ist das naheliegende Schlagwort. Das komplexe und zuvor schon interessante Konzeptalbum erhält eine weitere Dimension, die „Hungarian Pictures“, die offenbar als Langzeitprojekt angelegt sind, hört und sieht man hier in ihrer vorläufig ultimativen Fassung.
Der Mandokis Werk zugrunde liegende und u.a. auf die historischen Kompositionen Bartóks zurückgehende, völkerverbindende Ansatz hat etwas von der titelgebenden Utopie, aber wie schon gesagt: Utopien kann man immer brauchen, gerade in Zeiten wie diesen.
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| Credit Bild: © InsideOut SONY |
Sonntag, 3. Oktober 2021
MOTORLEGENDEN: JAMES DEAN
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| Credit Coverbild: © Motorbuch Verlag |
Heuer wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen - zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht - wurde er zu einer der Ikonen Tinseltowns und zum ersten früh verstorbenen Idol der Nachkriegsjugend.
Dean verkörperte in den Pre-Rock N´ Roll Fünfzigern eine vollkommen neue, bis dahin unbekannte Art von Schauspieler. In der emotional fragilen Darstellung gebeutelter Charaktere gab er einer ganzen Generation, deren Bedürfnisse bis dato eine untergeordnete Rolle auf der großen Leinwand gespielt hatten, eine Stimme. Sein Look und sein Style, die ihm eigene ungezwungene Lässigkeit, mit einem Bein den oberen Sphären der Traumfabrik an der Westcoast und mit dem anderen Bein in der hippen Beat- und Jazzszene, taten ihr übriges um ihn zum gefeierten Star zu machen.
Zum großen 90th Anniversary ist in der „Motorlegenden“-Reihe des Motorbuch-Verlags ein neuer Band über diesen Film-Giganten erschienen. Autor Siegfried Tesche begibt sich darin auf auf eine ebenso faszinierende wie detaillierte Spurensuche im kurzen Leben Deans und zeichnet dabei ein sehr plastisches Portrait - von der filmhistorischen sowie zeitgeschichtlichen Einordnung des Phänomens „James Dean“ über weniger bekannte Trivias hin zu zahllosen Aufnahmen des Mimen (bspw. beim Tanz/Ballett-Training an der Schauspielschule, im Blitzlicht mit Pier Angeli, am Set jener drei Filme, die ihm den Platz im Pantheon Hollywoods sicherten…). So handelt es sich hierbei, trotz der Special Interest-Ausrichtung des Publishers, keineswegs um ein reines Auto-Buch sondern um eine äußerst umfangreiche, bibliophile Würdigung des Superstars, bei dem Elemente einer Biographie und eines Bildbands verbunden werden. Der bekannten und durchaus gut dokumentierten Leidenschaft Deans für hochoktanige Gefährte kommt natürlich dennoch eine Hauptrolle zu. Auf tragische Weise ist diese untrennbar mit dessen Ableben verknüpft -der junge Mann, der erst am Beginn seiner Karriere stand, verunglückte mit nur 24 Jahren in seinem „Lil´ Bastard“ getauften Porsche Spyder.
Beim Lesen des kompakten Büchleins entsteht vor allem der Eindruck einer überaus profunden Rechercheleistung, die aufgrund ihres Umfangs nach der Erst-Lektüre auch als Nachschlagewerk fungieren kann. Denn der Detailgrad mit denen hier die unterschiedlichen Aspekte des fest in der Popkultur verankerten Dean-Kults behandelt werden, ist durchaus beeindruckend und machen diesen Band zu einem der besten Filmbücher der letzten Zeit.
Siegfried Tesche: Motorlegenden James Dean, 240 Seiten, Motorbuch Verlag/Paul Pietsch Verlage
Samstag, 2. Oktober 2021
FRANK SINATRA HAS A COLD: NEW JOURNALISM AND OL´ BLUE EYES
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1962: Sinatra im Studio mit Count Basie Credit Bild: © Phil Stern Estate, Courtesy of the Fahey/Klein Gallery, Los Angeles |
„Sinatra mit Schnupfen ist wie Picasso ohne Farbe, Ferrari ohne Sprit – nur schlimmer. Weil ihn eine Erkältung seines unbezahlbaren Juwels, seiner Stimme, beraubt; sie bohrt sich nicht nur tief in sein Selbstbewusstsein und verändert seine Psyche, sondern ruft obendrein noch eine Art psychosomatischen Schnupfen bei Dutzenden von Menschen hervor, die für ihn arbeiten, mit ihm trinken, ihn verehren, auf Gedeih und Verderb von ihm abhängig sind.“ Messerscharfe Beobachtungen wie diese, die - insbesondere „back in the Mid Sixties“ – nicht gerade üblich für ein Prominenten-Feature waren, machten Gay Taleses Portrait über einen Superstar, zu dem er trotz eines high profile-Auftrags des Esquire Magazins einfach nicht vordringen konnte, legendär.
Dabei fing alles recht konventionell an: Im Winter des Jahres 1965 bekam Talese vom renommierten Blatt den Auftrag einen Artikel über den ikonischen Swing Sänger zu schreiben. Frank Sinatra war damals 50 und trotz eine sich zunehmend ändernden Musik-Zeitgeists noch immer „on top of the world“, auch in kreativ-künstlerischer Hinsicht. Der Esquire-Artikel hatte also potentiell alles was ein spannender Beitrag über einen großen Stilisten und Interpreten brauchte.Nur ein nicht ganz unwesentliches Detail trübte das Bild: Sinatra war unpässlich - „had a cold“.„Sinatra mit Schnupfen ist wie Picasso ohne Farbe, Ferrari ohne Sprit – nur schlimmer. Weil ihn eine Erkältung seines unbezahlbaren Juwels, seiner Stimme, beraubt; sie bohrt sich nicht nur tief in sein Selbstbewusstsein und verändert seine Psyche, sondern ruft obendrein noch eine Art psychosomatischen Schnupfen bei Dutzenden von Menschen hervor, die für ihn arbeiten, mit ihm trinken, ihn verehren, auf Gedeih und Verderb von ihm abhängig sind.“ Messerscharfe Beobachtungen wie diese, die - insbesondere „back in the Mid Sixties“ – nicht gerade üblich für ein Prominenten-Feature waren, machten Gay Taleses Portrait über einen Superstar, zu dem er trotz eines high profile-Auftrags des Esquire Magazins einfach nicht vordringen konnte, legendär.
„The Voice“, der nicht nur der Big Apple zu Füßen lag, fühlte sich nicht gut und wollte überdies auch nicht mit dem Journalisten sprechen. Was also tun, wenn das Subjekt des Artikels gar keinem „one on one“-Interview mit dir zustimmt ? Normalerweise der absolute Supergau für jeden Berichterstatter, in diesem Fall aber ein Katalysator für kreative Höchstleistungen - an deren Ende eines der absoluten Schlüsselwerke einer völligen neuen Gattung Journalismus stand. Denn Talese verzagte nicht sondern beschrieb und interviewte kurzerhand das Umfeld Sinatras. Auch ohne dessen direkte Mitwirkung zeichneten Kollegen, Produzenten, Studiobosse, Angehörige ein überaus plastisches Bild des des Mannes aus Hoboken.
Der fertige Artikel hatte es in sich, denn was 1966 auf den Seiten des Esquire erschien - ohne dass es je zu besagtem Interview mit Sinatra gekommen wäre - wurde zu einem der definierenden Momente des New Journalism, bei dem die vormals harte Grenze zwischen Literatur und Journalismus verwischt wurde und in stark subjektiver und künstlerischer Art und Weise die Muster der nüchterne Berichterstattung alter Schule aufgebrochen wurden.
Im Taschen Verlag ist nun eine neue Edition dieses Stücks Journalismus- und Musikgeschichte erschienen, die den Esquire-Artikel Taleses mit Faksimiledrucken von Manuskriptseiten, Briefwechseln und Original-Storyboards sowie einer Vielzahl von Fotos (behind the lens: Phil Stern, John Bryson, John Dominis und Terry O’Neill !) in einem großformatigen Buch vereint. Die expressiven Bilder und der brillante Text ergänzen sich perfekt und machen „Frank Sinatra Has A Cold“ zu einem faszinierenden Coffe table-Bildband über einen großen Musiker und einen Pionier im Bereich des kreativen Journalismus. Noch heute, Jahrzehnte später, wirkt dieser Artikel alles andere als verstaubt, der Leser wird förmlich in die Geschichte hineingezogen – auch weil diese bahnbrechende Arbeit nicht nur ein unkonventionelles Portrait Sinatras ist, sondern letztlich eine Abhandlung über jene schwer zugänglichen Sphären, in denen Menschen einer gewissen Prominenzstufe weilen.

Credit
Coverbild: © Taschen Verlag
Gay Talese. Phil Stern. Frank Sinatra Has a Cold
Hardcover mit einem Fold-out, 23,6 x 33,3 cm, 1,88 kg, 250 Seiten
ISBN 978-3-8365-8829-4, Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, taschen.com

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Sonntag, 29. August 2021
DEPECHE MODE BY ANTON CORBIJN: Band-Chronik und Signierstunde
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| © Taschen Verlag |
Sänger Dave Gahan meint dazu etwa, dass Corbijn Depeche Mode in ihrer Frühzeit eine visuelle Identität gegeben hat. Ein Umstand, der beim Betrachten von Corbijns neuem, monothematischen Bildband überdeutlich wird: Einerseits spiegelten die Bilder des Fotografen die zunehmend ernster und düsterer werdende Musik wider, andererseits sind die Videos und Fotosessions DMs ohne diese reduzierte und eigenwillige Bildsprache beinahe undenkbar. Das neue Coffee Table-Buch „Depeche Mode By Anton Corbijn“ (kurz „DM AC“ ) ist nun die Chronik dieser kreativen Langzeit-Beziehung.
Passend zum aus dem Song „Enjoy The Silence" bekannten Bonmont "words are meaningless and forgettable“ sprechen dabei die eindringlichen Bilder für sich selbst, Begleittext ist hier nur spärlich vorhanden. Dennoch lässt sich die Entwicklung der Band von den Elektro-Boys hin zu den einzigen echten Rockstars der Electronic Szene nachvollziehen - es ist die Geschichte einer künstlerischen Adoleszenz, eingefangen von der aufmerksamen jedoch nie aufdringlichen oder effektheischenden Kamera Corbijns - quasi von "Just Can´t Get Enough" hin zu "Personal Jesus".
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| © 2020 Anton Corbijn Taschen Verlag |
Depeche Mode by Anton Corbijn, von Anton Corbijn und Reuel Golden, Hardcover, 24,3 x 34 cm, 3,69 kg, 512 Seiten,€ 100, taschen.com
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| Credit Bild: © Taschen Verlag |
Dienstag, 24. August 2021
JOHN MAYER – SOB ROCK
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| Credit Coverbild: © Sony Music Carlos Serrao |
Es ist jene Dekade, die seit mehr als einer Dekade ein permanentes Revival feiert (Synthwave , Neo Hair Metal, die jüngsten Arbeiten von The Weeknd….). Die Achtziger, die Mayer auf seinem mittlerweile achten Studioalbum aufleben lässt, sind die der großen Studio-Zeit. Es war die Epoche der großen Session-Gitarristen, die sich im sonnen- und neonverbrannten L.A. bei auf Hochglanz polierten Großproduktionen die Klinke in die drückten. Die Rockstars der 60er und 70er Jahre experimentierten mit neuen Sounds- und kühlschrankgroßen Racksystemen und viele von ihnen reüssierten im Bereich der Billboard Pop-Charts. Für Mayer selbst hat das etwas von einem nostalgischen Experiment, ist dies für ihn doch ein Trip in eine Zeit vor seinem eigenen Durchbruch, zurück in seine Jugend in den Achtzigern. Das ironisch betitelte „Sob Rock“ (zu deutsch etwa soviel wie Schluchz Rock) steht dann auch gänzlich im Zeichen der musikalischen Reminiszenzen - hier ein Groove wie aus der kommerziellsten Phase Fleetwood Macs, dazu ein super cleanes Fingerpicking-Solo wie von Mark Knopfler, dort schimmert etwas von Boz Scaggs durch, da hört man etwas von Steve Winwoods Charterfolgen heraus. Diese Mosaiksteine – kurze References und kleine Zitate, die dem musikhistorisch kundigen Hörer sofort auffallen - ergeben dann letztlich wieder Songs, die typisch für Mayer und seine besonders balladeske Seite sind.
Der Name „Sob Rock“ ist derweil Programm, denn schmissigere oder gar härter rockende Nummern findet man hierauf überhaupt keine. Ein Umstand, der dem Mainstream-Appeal dieses Albums zwar nicht schmälern wird, beim Zuhörer allerdings auch den Ersteindruck einer eher unspektakulären LP hinterlässt – die zudem allzu glatt rüberkommt. Hier wurden wirklich jegliche Ecken und Kanten zugunsten eines Maximums an Melodiösität vorsätzlich abgefeilt. Das ist zwar eine Kunst für sich und für manche wird diese Form von einschmeichelndem Schönklang genau der richtige musikalische Kontrast zur düsteren Gegenwart sein (Stichwort: Sehnsuchtsort Kalifornien der Vergangenheit). Doch all die großen „Million Dollar“-Guitar Sounds aus PRS-Gitarren, Dumble Amps & Co. und die aufwendig arrangierten Songs ändern nichts daran, dass "Sob Rock" über weite Strecken allzu gefällig wirkt. Auch seine unbestrittenen Fähigkeiten an der Sechsaitigen setzt Mayer stets nur sehr sparsam und zurückhaltend ein. Vielen Zuhörern wird er hier allzu sehr auf der Bremse stehen. Die Güte der Songs und die kompositorische Cleverness blitzen so mitunter eher subtil beim öfteren Durchhören auf.
Wer die Vintage Glanztaten der Eighties kennt, für den ist dieses Album letztlich mehr MOR statt AOR – woran auch Star-Produzent Don Was nichts ändern konnte. Denn bei all den gekonnt platzierten 80s-Bezügen fehlen letztlich gerade die Hauptingredienzen der zeitgeistigen Smash-Hits der „Me Decade“: zwingende Killer-Hooks, unvergessliche Refrains und dann weitgehend auch die Klimax-artigen Soli. Oder anders formuliert: Die „schluchzenden Songs“ auf Mayers Soft Rock-Platte sind in etwa so wie ein ins Mischpult gespielter DI-Gitarrensound: sehr clean, sehr eigenwillig und auch durchaus cool für eine oder zwei Nummern, aber letztlich auch etwas steril und dynamik-bzw. abwechslungsarm - zumindest wenn dieser Klang ein ganzes Album dominiert. Am Appeal der merkbar hohen Production Value und den üppigen zeit-konformen Arrangements ändert dies jedoch nichts.
(HAUT-)BILDER FÜR DIE EWIGKEIT: HENK SCHIFFMACHER´S PRIVATE COLLECTION + SIGNIERSTUNDE in KÖLN
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| © Taschen Verlag |
Waren Tätowierungen früher ein Ausdruck maximaler Individualität und Zeichen dafür, dass ihr Träger entweder seinen indigenen Traditionen folgte, Member einer gewissen Subkultur war oder aber seinen Lebensunterhalt in der Halbwelt verdiente, so sind Tattoos mittlerweile nicht mehr aus der "Mitte der Gesellschaft" und damit dem Mainstream wegzudenken. Ihre Geschichte und teilweise auch ihre Bedeutung treten jedoch heute angesichts von Social Media-Trends, normierten Lifestyles oder auch den oft wenig individuellen Sportler-Tattoos etwas in den Hintergrund.
Der komplette Gegenentwurf dazu stellt Henk Schiffmacher dar, einer der prominentesten Chronisten der Historie hinter den Körperkunstwerken , der nun ein Standardwerk zum Thema Tattoos veröffentlicht hat. Der Niederländer , den man in der Szene auch als Hanky Panky kennt, ist selbst gefragter (und kultiger) Tätowierer und zudem Autor sowie Leiter des Amsterdamer Tattoo Museums. Sein nun neu erschienener Bildband „TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher’s Private Collection“ ist so etwas wie die bibliophile Version seines Archivs und eine Reise durch ganze 200 Jahre Tattoo-Geschichte.
Ähnlich wie Tattoos, die bekanntlich in die zweite Hautschicht gestochen werden, ist auch dieses großformatige Werk alles andere als oberflächlich. „Dieses Buch ist so knallhart – vollgepackt mit fantastischem Shit aus der Geschichte, des Tätowierens, den ich über 40 Jahre gesammelt habe. Vieles davon hat man nie zuvor gesehen. Das war eine echte Herzensangelegenheit!“ meint Schiffmacher über seinen Prachtband. Dem vintage-affinen Leser offenbart sich hier eine Fülle an Originalzeichnungen (die sog. Flashs ), Designs, Fotos sowie Artefakte aus aller Welt, Lithographien, Radierungen, Tätowier-Instrumente, Gemälde, Fotos, Poster, Ladenschilder und Designs.
Ink Aficionados (und natürlich alle anderen Interessierten), die sich ein persönliches Exemplar dieses faszinierenden Buchs vom Meister veredeln lassen wollen, sollten sich den Dienstag, 31. August in den Kalender eintragen. Denn da kommt Schiffmacher persönlich nach Köln und wird sein Buch im Taschen Store(Neumarkt 3, 50667 Köln) von 18 bis 19 Uhr signieren.
TASCHEN: TATTOO. 1730s-1970s. Henk Schiffmacher’s Private Collection von Henk Schiffmacher, Noel Daniel, Hardcover, 29 x 38,8 cm, 6,13 kg, 440 Seiten, € 125 taschen.com
Freitag, 9. Juli 2021
ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD – A NOVEL BY QUENTIN TARANTINO
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| Credit Coverbild: © Reproduced by permission of Harper Perennial/an imprint of Harper Collins |
Um ganz exakt zu sein handelt es sich hierbei um eine sogenannte „Movie Novelization“. Das ist deshalb wichtig, weil Tarantino hier nicht nur seinen eigenen Film in einem neuen Medium präsentiert, sondern dies auch seine persönliche Hommage an ein marginalisiertes Genre ist. Romanfassungen bekannter Filme erfreuten sich gerade in den 50s, 60s und 70s in Form billig produzierter Paperbacks, die man meist nahe der Kasse von Supermärkten fand, großer Beliebtheit. Die große und anspruchsvolle Literatur waren sie eher weniger, wenngleich sich unter ihnen durchaus so manches Kleinod entdecken lässt. Ein Teil ihres Reizes lag auch darin, dass diese Adaptionen immer wieder von der eigentlichen Filmhandlung abwichen, da sie mitunter auf den „First Drafts“ der Scripts basierten. In Tarantino hat dieses Genre einen seiner prominentesten Fans, der seinen Erstlingsroman entgegen der klassischen Veröffentlichungspolitik als Paperback-First Edition herausbringt. Die unbedingt zu empfehlende US-Version des Buchs atmet ganz den Geist vergangener Tage und ist bis ins letzte Detail wie ein Vintage Mass Market-Büchlein gestaltet. Ähnlich wie beim an eine '69er Radio-Show angelehnten Soundtrack zum Film hat das etwas von einem Gesamtkunstwerk, bei dem Form und Inhalt in einer Symbiose eine spezielle Lese-Experience ergeben - inklusive Retro-Coverdesign sowie den obligatorischen Advertisements am Ende des Buchs (darunter eine äußerst originelle Fake-Werbung für einen Roman, der sowohl im Movie als auch in der Novelization vorkommt).
Wer den Film gesehen hat, wird zahlreiche Passagen und den Grund-Plot wiedererkennen. Wir schreiben das Jahr 1969. Es ist eine Zeit der Wende, nicht nur gesellschaftlich sondern auch in der Filmindustrie. Das alte Studiosystem liegt endgültig in seinen letzten Zügen, die Schauspieler der Eisenhower-Ära sind zunehmend weniger gefragt - denn die Vertreter der Counterculture und jene, die sich an den Zeitgeist anpassen können, laufen Ihnen zunehmend den Rang ab. Zu jener Gruppe, die eher Gefahr läuft vollends an den Rand gedrängt zu werden zählt Old School-Schauspieler Rick Dalton (im Film gespielt von Leonardo DiCaprio). Er und sein Stunt Double Cliff Booth (Brad Pitt in seiner Oscar-Rolle) schlagen sich im unbarmherzigen Film-Biz durch während sich rund um sie die Industrie komplett verändert. Die Stars des Moments sind etwa Ricks neue Nachbarn, der Regisseur Roman Polanski und seine bezaubernde Frau Sharon Tate (Margot Robbie). Für Dalton bleiben vorerst nur die Optionen sich mit Rollen des "Bösewichts der Woche" in TV-Serien zu begnügen oder aber nach Italien zu gehen, um dort Spaghetti Western zu drehen. Unterdessen ziehen dunkle Wolken über der Stadt der Engel auf, denn die aus der Perversion der Hippie-Ideale entstandene Family Charles Mansons treibt ihr Unwesen.
Ausgehend von der episodenhaften Grundstruktur seines neunten Films nimmt Tarantino in seinem Roman - ähnlich wie seine Figur Cliff Booth in seinem Karmann Ghia - zahlreiche Abzweigungen und Tangenten oder wechselt gleich zur Gänze die Spur. Obwohl die Art wie er Szenen beschreibt durchaus an ein Drehbuch erinnert und vereinzelte Passagen nahezu 1:1 aus dem Film stammen, hat man es hier keinesfalls mit einer Nacherzählung des Films oder einer Konvertierung des Scripts mit Weglassen der obligatorischen „Ext.“ und „Int.“-Direktiven zu tun. Vielmehr erweitert und ergänzt der Regisseur seine Story, variiert Szenen und Abläufe und gibt einigen Figuren mehr "Screentime" auf Papier. Für all jene, die komplett unvoreingenommen an die Lektüre herangehen möchten, gibt es jetzt eine kleine Spoiler-Warnung. Es werden im Folgenden selbstverständlich keine kompletten Handlungsdetails verraten, aber wer sich überraschen lassen will, kann den folgenden Absatz skippen.
Gerade was die Hintergrundgeschichte seiner schon im Film sehr plastischen Protagonisten und Antagonisten anbelangt geht Tarantino in seinem Roman noch zusätzlich in die Breite. Besonders deutlich wird dies beim Charakter Cliff Booths, dem sein Schöpfer noch mehr Platz als im Film einräumt. Brodelte das Gewaltpotential des Stuntman bei Pitt eher unter der Oberfläche, bis es sich vereinzelt eruptiv entlud, so wird Booth im Roman von Beginn an als wesentlich dunkler und brutaler gezeichnet. Dass der WK II-Veteran nach seinem Dienst für Uncle Sam kurzfristig über eine Karriere nachdachte, die aus Billy Wilders "Irma la Douce" stammen könnte, zählt da noch zu den harmloseren Überraschungen in seiner Vita. Die Figur des Rick ist weitgehend deckungsgleich mit DiCaprios Dalton, auch wenn wir im Roman nun erfahren, was seine selbstzerstörerischen Stimmungsschwankungen eigentlich verursacht. Zudem verbringt man als Leser noch sehr viel mehr Zeit am Set der Western-TV-Show „Lancer“ und auch innerhalb der fiktiven Welt der im Film gezeigten Episode. Wir erfahren außerdem wie Manson Girl Pussycat - einer der Standout-Parts im Film - in die Fänge der Hippie-Sekte kam. Ihr Aufeinandertreffen mit Cliff in Daltons Cadillac ist im Buch überdies weitaus expliziter und hätte wohl die Altersfreigabe des Films raufgeschraubt.
Tarantinos Schreibstil ist bildhaft und dabei gleichzeitig schnörkellos. Die Sätze sind prägnant und weisen keinerlei Fett auf. Anders als bei den in modernen Romanen üblichen Linguistik-Experimenten gibt es hier keine übertrieben blumige Prosa. Es ist diese knappe, präzise Sprache, die immer wieder an die amerikanische Literatur ab den Fünfzigern erinnert - und in ihrer Lakonie näher an den klassischen Hard Boiled-Writern ist als die meisten Neo-Noir-Romane.
Wer bislang nichts mit den Filmen des Kultregisseurs anfangen konnte, wird nach der Lektüre nicht konvertieren. Denn der Regisseur/Autor schreibt sein Buch letztlich genauso so wie er seine Filme dreht. „Once Upon…“ ist gleichzeitig dramatisch, nostalgisch, witzig, brutal, erotisch, empathisch mit seinen Figuren und gespickt mit filmhistorischen Querverweisen und Insider-References. Ein beträchtliches Wissen über Film, Musik und Popkultur ist – auch weil im Buch natürlich Faktoren wie stylische Visualisierungen und die Starbesetzung fehlen, die selbst ein sonst eher im Mainstream beheimatetes Publikum ansprechen - geradezu unerlässlich. Denn die „Once Upon..“-Novel ist auch ein leidenschaftliches Essay über das Medium Film an sich - bei dem die Bandbreite vom Giallo über die Nouvelle Vague bis hin zu Vilgot Sjömans 60er-Aufreger „Ich bin Neugierig (Gelb)“ reicht... Immer wieder nehmen die Figuren im Laufe der Handlung eine Rolle an, die man als Alter Ego ihrer Regisseurs/Autors deuten kann - etwa wenn der Leser das Ranking von Cliffs Top Kurosawa-Filmen erfährt.
Man kann Tarantinos Roman nur als filmisch bezeichnen. Es hat den Rhythmus seiner Scripts und entwickelt eine regelrechte Sogwirkung. So mag dieser Alternate/Extended Cut in literarischer Form zwar echte „pulp fiction“ sein, doch erreicht dieser Roman durch seine essayistische und intertextuelle Komponente eine Qualität und Tiefgründigkeit, die den alten Movie Novelizations fehlte.
ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD – A NOVEL BY QUENTIN TARANTINO, englische Originalausgabe, erschienen bei Harper Perennial/Harper Collins
Sonntag, 4. Juli 2021
TASCHEN SUMMER SALE 2021
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| Credit Bild: ©Taschen Verlag |
in den Flagship-Stores
Donnerstag, 24. Juni 2021
VAN HALEN - A VISUAL BIOGRAPHY
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| Credit Coverbild: ©Wymer Publishing |
RAINBOW 1975-1976: IN THE SHADOW OF THE WIZARD
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| Credit Coverbild: ©Wymer Publishing |
Mittwoch, 23. Juni 2021
BOB DYLAN - ALLE SONGS
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| Credit Coverbild:© Delius Klasing |
In "Bob Dylan - Alle Songs" begeben sich die französischen Musikexperten Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin, die bereits mit ähnlich gelagerten Werken über die Rolling Stones, Led Zeppelin, Pink Floyd oder Jimi Hendrix umfangreiche Nachschlagwerke über Ikonen vorgelegt haben, aufs Terrain der gehobenen Dylanologie.
492 Songs werden auf 704 Seiten en detail besprochen und interpretiert. Wie schon die anderen Bücher aus dieser Reihe ist auch dieser Titel ein gelungenes Kompendium aus Facts und Trivias, das in kompakten Kapiteln das Ouvre einer der ganz großen Ikonen beleuchtet - nur das jüngste Album "Rough and Rowdy Ways" fehlt - gerade die darauf vertretene JFK-Eulogie "Murder Most Foul" hätte durchaus ein paar zusätzliche Seiten gerechtfertigt.
Doch trotz dieses kleinen Mankos ist dieser schwere Hardcover-Band ein spannendes und gut recherchiertes Lexikon für den Deep Dive in jenen Songkatalog den Dylan im letzten Jahr für eine erkleckliche Summe an Universal Music verkauft hat.
Dienstag, 22. Juni 2021
DAVID BOWIE BY SUKITA
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| Credit Coverbild: © Delius Klasing Masayoshi Sukita |
Der neue
Bildband DAVID BOWIE BY SUKITA (erschienen im Delius Klasing Verlag) illustriert
nun die Sessions des britischen Rock Chamäleons mit dem Bildkünstler aus dem Land
der aufgehenden Sonne.
Ohne allzu
sehr in die Sphäre der Übertreibung abzugleiten, kann man behaupten, dass David
Bowie ein „Man Of A Thousand Faces“ war. Zwar erfanden sich schon vor und nach
ihm Künstler immer wieder neu, doch bei keinem anderen war die beständige
Veränderung und teils durchaus radikale optische Veränderung so eine
wesentliche Konstante. Bowie wechselte die stilistische Ausrichtung seiner
Musik so wie die Identität der von ihm verkörperten Figuren. Vom androgynen,
gender-bendenden Folkstar zum Mann vom anderen
Stern hin zum Dandy aus der Unterwelt…und das waren nur einige der Metamorphosen
in der langen Karriere Bowies. Bei einigen dieser Stationen arbeitete er mit
dem japanischen Fotografen Masayoshi Sukita zusammen – dieser lichtete den Superstar
nicht einfach bloß ab sondern schuf mit ihm eine Bildsprache, die genau
zwischen Musik- und Kunstfotografie lag.
Donnerstag, 10. Juni 2021
GIO PONTI - WERKSCHAU EINES PIONIERS
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| Credit Bild: © Taschen Verlag |
Diese limitierte Edition richtet sich natürlich nur an ein sehr kleines Segment der coffee table-affinen Leser und Sammler. Doch zeitgleich erscheint auch eine "Standard Edition", bei der man so gut wie keine Abstriche machen muss sondern ebenfalls "Ponti Pur" geboten bekommt. Denn der Kern-Content, die umfangreiche Rückschau auf Werk und Schaffen dieses Genies, ist der gleiche wie bei der Art Edition. Wenn man also von den Prints und dem aufwendigen Display-Ständer absieht, fällt diese Ausgabe nicht viel weniger luxuriös aus. Dafür sorgen schon das riesige Format und die ungemein stylische Covergestaltung.
WANN ?
19. Juni, von 12 bis 18 Uhr
WO ?
TASCHEN Store Schlüterstraße
39 (10629 Berlin) –
selbstverständlich Corona-Maßnahmen-konform unter Einhaltung aller AHA-Regeln.
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| Credit Bild: © Taschen Verlag |
WALTON FORD signiert im TASCHEN Store Berlin
Musik- und Stones-Fans kennen den amerikanischen Künstler Walton Ford wohl vor allem wegen seines durchaus kontrovers diskutierten Covers für die Greatest Hits-Compilation "GRRR!". In der Kunstwelt ist er insbesondere für seine detailreichen Tier-Aquarelle berühmt. Auf den ersten Blick mögen seine Arbeiten sehr klassisch anmuten, erinnern sie doch stark an die historischen Bilder von John James Audubon. Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch zahlreiche versteckte Anspielungen, witzige bis düstere Details und Symbole- ein anthropomorphes Schauspiel der Hintergründigkeit.
Credit Bild: © Walton Ford Taschen Verlag
Nun ist eine aktualisierte Neuauflage von Waltons Werkschau "Pancha Tantra" erschienen - und diese wird der Künstler persönlich nächste Woche in Berlin signieren, allerdings nicht im Zoo sondern...
WO ?
TASCHEN Store Schlüterstraße 39 (10629 Berlin) –
selbstverständlich unter Einhaltung aller AHA-Regeln.
WANN ?
16. Juni, von 18 bis 19 Uhr

Credit Coverbild: © Taschen Verlag Walton Ford
Walton Ford. Pancha Tantra Updated Edition
Walton Ford,
Bill Buford
Hardcover, 28 x 37,4
cm, 3,89 kg, 424 Seiten,€ 60
taschen.com
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| Credit Coverbild: © Taschen Verlag Walton Ford |
Walton Ford. Pancha Tantra Updated Edition
Walton Ford, Bill Buford
Hardcover, 28 x 37,4 cm, 3,89 kg, 424 Seiten,€ 60
taschen.com






















