Dienstag, 26. Mai 2020

ERIC CLAPTON - EIN LEBEN FÜR DEN BLUES

Eric Clapton - Ein Leben für den Blues Buchcover Mr. Slowhand im Anzug
© Reclam Verlag
Die Erfindung des Archetypus des modernen Gitarrenhelden; die Schaffung eines neuen, bis dahin ungehörten Sounds; die innovative Deutung einer archaischen Musikform; eine ganze Reihe von Klassikeralben, an denen sich Heerscharen von Gitarristen bis heute abarbeiten; Erfolge selbst beim Mainstream-Publikum - die Meriten in der langen Karriere des Eric Clapton sind vielfältig. Ihnen stehen aber auch tiefe persönliche Krisen und Tragödien gegenüber. Beide Aspekte im Leben des Bluesman Clapton wurden über die Jahre hinweg immer wieder dokumentiert und aufgearbeitet. Nicht zuletzt in der schonungslosen Autobiographie des Meisters selbst oder auch zuletzt  im Dokumentarfilm „Life in 12 Bars“.
Im heurigen Jubiläumsjahr – Mr. Slowhand wurde im März 75 Jahre– erscheint nun mit „Ein Leben für den Blues“ (Reclam) eine weitere Biographie des Mannes aus Surrey.
Diese kommt allerdings nicht wie man vermuten könnte von den üblichen, englischen Verdächtigen sondern aus dem deutschsprachigen Raum.

Der erfahrene Journalist Peter Kemper begibt sich darin auf Spurensuche und zeichnet in kompakter Form den Lebensweg dieses Ausnahmemusikers nach. Dazwischen gibt es immer wieder Exkurse über die Musikszene Großbritanniens oder auch eine Auseinandersetzung mit den klassischen Blues-Topoi, der lyrischen Basis vieler Clapton (Cover-)Songs. So entsteht trotz des überschaubaren Umfangs (gerade einmal 272 Seiten für 7 Jahrzehnte) ein durchaus detailreiches Portrait. Dass Kemper ein Veteran im Journalismus ist, wird beim Lesen überdeutlich: Obwohl das Büchlein keine literarischen Experimente a la  Greil Marcus beinhaltet, ist es überaus gut geschrieben und liest sich flott.
Man merkt Kempers Profession auch an der der profunden Rechercheleistung, die dieser EC-Biographie zugrunde liegt– das Quellenverzeichnis ist enorm, das Buch wirkt im positiven Sinne wie ein Destillat aus den bisherigen Dokus, Interviews und Büchern zum Thema. Zu seiner Hauptfigur wahrt Kemper dabei stets eine kritische Distanz. Zu keinem Zeitpunkt hat man es hier mit einem „überlangen Fanzine-Artikel“ zu tun, sondern mit einer Bestandsaufnahme  sowohl über die musikalische Entwicklung ECs als auch über die bewusst nicht ausgesparten Skandalen und Brüche in dessen Biographie – denen jedoch mitunter mehr Platz eingeräumt wird als so manchem den Lauf der Musikgeschichte verändernden Eureka-Momente in Claptons Karriere.

Der langjährige Slowhand-Fan wird die in Kempers Buch präsentierten Fakten fraglos schon kennen, grundlegend neue Entdeckungen gibt es ebenso wenig wie ungekannte Facetten an der komplexen Persönlichkeit Slowhands. Dennoch bleibt der Eindruck einer gut recherchierten Beleuchtung der Crossroads eines Musikerlebens und der bemerkenswerten und nach wie vor faszinierenden Entwicklung eines englischen Jungen, der einen Ausläufer des Mississippi ausgerechnet in der Grafschaft Surrey fand.

Kemper, Peter: Eric Clapton Ein Leben für den Blues
Originalausgabe, Geb. mit Schutzumschlag. Format 15 x 21,5 cm
272 S. 72, teils farb. Abb.
ISBN: 978-3-15-011214-4

Mittwoch, 13. Mai 2020

TOP JIMI # 2 : THE NORDIC CONCERTS 1967-1970


© Flying V Books
Will man heute einen Topact des Musikbusiness live sehen, bleibt einem meist nur der Weg in die Multiplexes der Konzertindustrie, die größten Hallen und Stadien (also Corona jetzt einmal kurz ausgeklammert…). In den „halcyon days“ der Sixties und Seventies war das noch völlig anders: selbst etablierte Künstler oder den nächsten Superstar konnte man in teils intimem Rahmen bewundern. Die berühmten Schulveranstaltungshallen in denen viele Jugendliche Zeugen der ersten Gig späterer Ikonen wurden fallen einem da als erstes ein. Security, das war vor den Ereignissen von Altamont noch fast ein Fremdwort, und auch die heute übliche Beschränkung auf die größten Metropolen war noch nicht so verbreitet - junge Fotografen, teils selbst noch Teenager,  hatten so die Möglichkeit den neuen Idolen ganz nah zu kommen – und diese Gigs für die Nachwelt festzuhalten.

Auch Jimi Hendrix und seine Experience spielten nicht nur in der Londoner Royal Albert Hall, sondern reisten quer durch Europa und gaben einige Konzerte im hohen Norden:
Der neue Bildband „The Nordic Concerts (erschienene bei Flying V Books in der Reihe "Unseen Nordic Archives") ist nun die Chronik dieser Konzerte. Dieses kompakte, dünne Büchlein vereint zahlreiche großartige Aufnahmen, die teils wirklich Seltenheitswert haben. 

Doch „The Nordic Concerts“ ist nicht nur ein Bildband sondern gleichzeitig eine  kompakte Biographie dieses außergewöhnlichen Musikers, die die Spuren Hendrix´ von seiner Kindheit in den USA  bis zu seinen letzten Tagen verfolgt.

Donnerstag, 7. Mai 2020

WESTERN PORTRAITS – THE UNSUNG HEROES & VILLAINS OF THE SILVER SCREEN


© Edition Olms Steve Carver
Wer auf dem obigen Coverbild nicht sogleich den legendären Darsteller des „Snake Charmer“ Bill aus Quentin Tarantinos „Kill Bill Vol. 1 & 2“ erkennt, könnte diese Aufnahme fast für ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert halten – jener Pionierzeit Amerikas, als der Westen noch wirklich wild und ungezähmt war. Aber nein, bei dem Mann handelt es sich natürlich um David Carradine himself, Star zahlreicher Western, der für Autor, Fotograf und Filmemacher Steve Carver einst posierte.

Carver machte sich vor allem in den 70s und 80s durch Streifen wie „Capone“ oder das Chuck Norris-Vehikel „McQuade, der Wolf“ einen Namen. Daneben hegte er eine lebenslange Leidenschaft für das ur-amerikanische Genre schlechthin, den Western, und fotografierte über die Jahrzehnte immer wieder zahlreiche große Namen sowie Nebendarsteller aus Filmen der ersten und zweiten Reihe - stets im eindrücklichen Stil der historischen Dokumente, die uns aus der Zeit der letzten Frontier blieben: Mit beachtlicher Virtuosität gelangen ihm dabei Fotografien, die an echte, historische Aufnahmen aus dem Westen  gemahnen. Diese bemerkenswerten Bilder sind nun vereint im neuen Buch
„Western Potraits“ (Edition Olms, englische Originalausgabe), eine Hommage auf die klassische Filmgattung als auch auf die Prägung des Geschichtsbilds vom alten Westen durch Filme.

Und ihren Anteil daran haben natürlich auch jene Actors, die nie oder selten das Top Billing in den Credits bekommen oder im Schatten der ganz großen Ikonen stehen, aber dennoch über die Jahre und Jahrzehnte zu den Stammgasten im Genre gehörten, also quasi die Rick Daltons, um hier Quentin Tarantinos jüngsten Film „Once Upon A Time In Hollywood“ als Vergleich heranzuziehen. Es sind aber nicht ausschließlich diese Schauspieler und die  „unsung heroes“, die hier portraitiert werden sondern auch viele Superstars und Legenden: Horst Buchholz etwa, der eingangs erwähnte David Carradine oder Karl Malden, George Hamilton, Tom Sizemore, Richard Roundtree, Robert Evans und- wieder eine Tarantino-Parallele. Schauspieler wie Fred Williamson  Bo Svenson oder Michael Parks: sie alle sieht man hier in Bildern als hätte sie der Chronist des historischen Westens,  Edward S. Curtis, abgelichtet.Die eindringlichen Aufnahmen werden von Beiträgen begleitet, die sowohl biographische Marksteine der Porträtierten, quasi- essayistische Betrachtungen zum Genre als auch Anekdotisches von Dreharbeiten beinhalten. Niemand geringerer als B-Movie-Ikone Roger Corman schrieb zudem das Vorwort.
Für Cineasten und Western Fans ist dieser Band weit mehr als nur ein monochromer Nostalgie-Trip, sondern eine popkulturelle Auseinandersetzung mit moderner Mythenschreibung, dem  durch Hollywood vermittelten Bild einer vergangenen Epoche sowie die Filmindustrie, in der dieses Bild geprägt wird.

Montag, 4. Mai 2020

STAR WARS DAY 2020: Eine Retrospektive auf die Classic Trilogy

Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
"Es war einmal in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts in einer gar nicht weit entfernten Galaxis..."

So oder so ähnlich könnte eine Rekapitulation der märchenhaften Erfolgsgeschichte von Regisseur George Lucas beginnen, der mit seiner Sternen-Saga vom immerwährenden Kampf "Gut gegen Böse" - also von den Jedi-Rittern gegen die Sith und das galaktische Imperium - einen gleichermaßen modern-futuristischen wie zeitlosen Mythos schuf. Ein Mythos der alters- und generationsübergreifend eine ungebrochene Faszination  ausübt -  außer Lucas gelang dies nur Tolkien und seinem Ringzyklus.
In jüngerer Vergangenheit hat dieses makellose Milliarden-Franchise um Luke Skywalker, Yoda, Obi-Wan Kenobi, Lord Vader & Co. zwar  durch eine wohlintendierte, jedoch missglückte Prequel-Trilogie, die neuen, noch schlimmeren Fortsetzungen sowie Substandard-Spin Offs wie „Rogue One“ oder die 2018er Han Solo-Story (der erste richtige Flop in der Geschichte von "Krieg der Sterne") ein paar Dellen abbekommen - doch all dies spielt beim gerade neu auf deutsch erschienenen „Star Wars Archiv“ aus der Filmreihe des Taschen Verlags überhaupt keine Rolle. die ausladende, schwelgerische Bildband-Retrospektive im Umfang eines Bantams, dreht sich nämlich nur um die kultige Classic Trilogy - also die Episoden IV -VI mit den SF-Klassikern  "A New Hope" , "The Empire Strikes Back" und "Return of the Jedi". Ewoks und Javas statt Jar Jar Binks lautet hier also die interstellare Devise.
Damit richtet sie sich zwar nicht ausschließlich, aber doch in besonderem Maße an alle alten Fans, die  so wie ich das Planetensystem des George Lucas in Kindheitstagen entdeckt haben.
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
 Waren schon die ähnlich gelagerten Releases über Pedro Almodóvar oder James Bond aus dieser Buchreihe sehr aufwendig, so ist dieser Band sogar noch eine Spur luxuriöser (und schwerer). Öffnet man die Schutzbox aus Karton, so offenbart sich einem ein wohlbekannter Anblick: der Galaxy-Shot mit dem seit 1977 jede Episode beginnt-  inklusive Sternenglitzer all over im Einband!
Das Star Wars-Archiv ist jedoch nicht nur ein Schmuckstück, das als stylischer Einrichtungsgegenstand durchgeht sondern auch ein extrem gehaltvolles und informatives Buch für Cineasten. Denn das Herzstück dieses in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstandenen Bandes ist ein extrem langes und äußerst ausführliches Interview mit dem visionären Regisseur und Schöpfer der Filmreihe.
Einen tieferen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Originaltrilogie hat man auch dank der zahllosen selten gezeigten Dokumente, Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfe, Storyboards und unzähligen Fotos aus den Filmen und den Dreharbeiten selten bekommen. Der Herausgeber und Filmexperte Paul Duncan entwarf hier ein Kompendium mit der sich die gesamte Entwicklung dieses Kults nachvollziehen lässt - von den Inspirationen Lucas' zu den Skizzen hin zur schlussendlichen Realisation im Film.

Zwar ist dieses neue Star Wars-Archiv bei weitem nicht das erste bibliophile Werk über die Kult-Trilogie – doch durch seinen schieren Umfang wird man wohl die gesamte Galaxis vom Wüstenplaneten Tatooine bis zur Eiswelt Hoth durchsuchen können und kein besseres Buch über das Phänomen finden.
  
Bibliographische Angaben:
Das Star Wars Archiv: 1977–1983 von Paul Duncan
Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 604 Seiten
ISBN 978-3-8365-6340-6, Ausgabe: Englisch

Montag, 27. April 2020

TOP JIMI # 1: GERED MANKOWITZ - THE EXPERIENCE Jimi Hendrix at Mason's Yard


© Gered Mankowitz  Insight Editions
Heuer jährt sich zum 50. Mal der Todestag von James Marshall Hendrix.
Anlässlich dessen präsentiere ich euch unter dem Banner „Top Jimi“ in den kommenden Wochen einige Bücher, die die unterschiedlichen Karrierestationen dieser Ikone beleuchten:
Den Beginn macht der Bildband „The Experience“ von Gered Mankowitz (erschienen bei Insight Editions), ein Buch, das den Leser zurück ins Jahr 1967 mitnimmt.

Mankowitz zählt zu den frühesten und erfolgreichsten Rock N´ Roll Photographers. Wie seine Kollegen war auch er als junger Mann ganz vorne mit dabei als die Subkultur ihren Anfang nahm – in einer Zeit in der wegweisende Alben beinahe im Monatstakt erschienen und sich eine musikalische Revolution an die nächste reihte. Der aufstrebende Fotokünstler war jedoch nicht nur bloßer Dokumentarist der aufkeimenden Rock-Szene sondern beeinflusste die Fotosessions mit seinem äußerst eigenen Stil – einer Mischung aus progressiver Counterculture-Sensibilität, wie man etwa an seinen durchaus psychedelischen Liveaufnahmen sieht und einem Gespür für die klassische Portraitfotografie. 

Das machte ihn schnell zu einem der gefragtesten Proponenten eines noch recht jungen Subgenres der Fotokunst und sorgte dafür, dass Mankowitz mit so gut wie allen neuen Superstar zusammenarbeitete  - von den Stones bis zu den Yardbirds.
Auch als Jimi Hendrix das erste Mal nach London kam -  einer der popkulturellen Schlüsselmomente der Sixties -  war Mankowitz dabei – und hielt nicht nur furiose Live-Auftritte fest sondern schoss auch eine Reihe von Einzel-und Gruppenportraits, die zu den ganz großen ikonischen Aufnahmen der Musikfotografie zählen.
Bis heute zieren die in Mason´s Yard entstandenen Portraits des viel zu früh verstorbenen Gitarren-Genies unzählige Poster, T-Shirts und sogar Effektpedale.
Im Bildband “THE EXPERIENCE Jimi Hendrix at Mason's Yard” sind diese Arbeiten nun erstmals in ihrer Gesamtheit vereint – und der Leser kann zumindest ein Stück weit erleben, was es für eine „Experience“ gewesen sein muss, als die Community des Swinging London erstmals die Ausnahmeerscheinung Jimi Hendrix sah.

Freitag, 24. April 2020

STUCK AT HOME WITH THE ISOLATION BLUES AGAIN: DIE ROLLING STONES UND IHRE NEUE SINGLE "LIVING IN A GHOST TOWN"

Während sich das Everyday Life im Zuge der Corona-Krise und der notwendigen „stay at home“-Orders vielerorts in ein entschleunigtes Neo-Biedermeier gewandelt hat,
steht auch die Musikindustrie vor großen Umbrüchen: Angesichts von Album-Postponements kommt so dee Standalone-Single auch bei klassischen Album-Bands noch mehr Bedeutung zu. Und die Stones sind ganz vorne mit dabei und veröffentlichen out of the blue ihre erste Eigenkomposition seit dem 2012er Song „Doom & Gloom“ von der Best Of-Scheibe „GRRRR!“.
Entstanden ist „Living In A Ghost Town“ allerdings nicht als Reaktion auf die Pandemie, das Lied war schon im Vorjahr Teil der Aufnahme-Sesions zum bereits oft angekündigten neuen Album. In der Corona-Isolation wurde das bis dato unfertige Stück nun jedoch finalisiert. Es zeigt die Steine im „Some Girls"-Modus: eine interessante Mischung aus „Miss You“-Disco, dezenten Reggae bzw- Ska-Punktuationen und Blues (Jagger mit furiosem Harp-Solo!). Durchaus mit Hooks mit erhöhtem Wiedererkennungswert ausgestattet kann man dem Song eine gewisse Ohrwurmqualität nicht absprechen.
Instant-Classic ist er jedoch keiner und ob er das Zeug zum Crowdpleaser bei Konzerten hat ist fraglich - als musikalisches Statement zum Status Quo der Welt könnte dieses Lied edoch nicht passender sein. Sind doch die fast menschenleeren Ghost Towns Realität geworden und hat das Leben bzw. die Realität die Kunst längst eingeholt. 
Check it out:

LESLIE MANDOKI UND IAN ANDERSON #WESAYTHANKYOU

Leslie Mandoki bewies in der Vergangenheit immer wieder ein Gespür für den Zeitgeist und musikalische Statements zu aktuellen Strömungen und Krisen – da  war es eigentlich klar, dass er sich so wie viele seiner internationalen Musikerkollegen auch angesichts der Corona-Krise mit neuem Material aus der Selbstisolation melden würde.
Und tatsächlich: diese Woche dropped er eine brandneue Single.
Es ist ein Song den er erst vor wenigen Tagen komponiert hat– eingespielt mit  Ian Anderson von Jethro Tull. 
Anderson im O-Ton dazu:"My dear pal Hungarian-born German producer, songwriter and bandleader Leslie Mandoki sent an email to me two days ago with the request to play a few lines of flute and sing along here and there on a new non-profit song he had just written. This is in the context of his own complete isolation in Germany where his doctor wife, Eva, is a first contact physician in their region of Bavaria."
Die beiden sprechen in diesem Song ein „Thank you“ an  persönliche Helden aus – ein Gruß aus den coolen Heimstudios zweier Veteranen und ein nachdenklicher Soundtrack für ein Isolation-Weekend:

Dienstag, 14. April 2020

100 JAHRE ADIDAS - EIN ARCHIV DER KULT-SCHUHE


Copyright: © by adidas archive / studio waldeck photographers Habermeier und Jäger GbR   Taschen
Was als professionelles Arbeitsgerät der Sportprofis begann, alsbald Fashion-Statement und schließlich  Subkultur-Erkennungszeichen wurde ist heute längst ein universelles Kultobjekt des Mainstream– das preislich durchaus in der höheren Modeliga mitspielt und unzählige devote Fans hat: welche Formen die Sneaker-Mania gerade in den letzten Jahren
angenommen hat, zeigt ein Blick auf Teils block-lange Schlangen beim Launch neuer Modelle, die fast im Monatstakt neu erscheinenden Superstar-Sneaker-Kollaborationen und Social Media-Feeds mit ihrer geradezu fetischisierenden Celebration des omnipräsenten Sportschuhs.  In diese Zeit fällt auch ein Jubiläum eine der bekanntesten, innovativsten und Marken in diesem Segment: 100 Jahre Adidas, die nun mit einem neuen Bildband gefeiert werden.

Ein Jahrhundert nach den Anfängen der Firma von Schuh-Visionär Adi Dassler gibt es also erstmals die visuelle Aufarbeitung der Geschichte des Kult-Schuhs mit Bildern von über 357 Modellen: darunter bekannte, ja geradezu ikonische Designs sowie nie gezeigt Prototypen und  Raritäten. Man sieht Helmut Rahns Endspielschuhe vom  „Wunders von Bern“, Sondermodellen für die Rap-Ikonen Run DMC („My Adidas“) oder Fußball-Hero Lionel Messi, Collabs mit wichtigen Designern, Musikern Kanye West, Pharrell Williams, Raf Simons, Stella McCartney, Yohji Yamamoto. Man sieht aber auch – und das ist angesichts der jüngsten Nachrichtenlage um den Traditionshersteller nicht ganz unwichtig – ein Unternehmen als umweltbewussten Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit.

Interessant ist neben diesem Blick auf die Entwicklung vom auf die „bare necessities“ beschränkten Stollenschuh zum Hightech-Design wie aus einem SF-Film auch die Entstehungsgeschichte des umfangreichen Adidas-Archivs: Um seine Produkte weiter zu entwickeln und auf ihre spezifischen Bedürfnisse zuzuschneiden, bat Firmengründer Dassler „seien“  Athleten, ihre getragenen Schuhe nach Gebrauch zurückzugeben (eine bis heute gültige Tradition). Daraus entwickelte sich schließlich das extrem umfangreiche „adidas archive“, eines der weltweit größten historischen Archive seiner Art, das man nun auch via coffee table-Buch „begehen“ kann:
Ein Buch vor allem (aber nicht ausschließlich) für Sneaker-Fetischisten.



The adidas Archive. The Footwear Collection
Christian Habermeier, Sebastian Jäger
Hardcover, 31,8 x 29,6 cm, 644 Seiten
€ 100 | CHF 140
ISBN 978-3-8365-7195-1 (Deutsch, Englisch,
Französisch)
Erhältlich via taschen.com

Freitag, 10. April 2020

ROCKIGE CHARITY ZUM PARKINSON´S DAY 2020

© Marina Kunzfeld

Am Karsamstag den 11.04.2020 ist WORLD PARKINSON´S DAY – und auch heuer wird die 2019 gestartete, äußerst kreative Initiative von Gerald Ganglbauer „PARKINSONGS“ fortgesetzt: Dabei handelt es sich um ein musikalisches Projekt, in dessen Rahmen eine Charity-CD aufgenommen wurde. Das Ziel: Awareness für diese heimtückische Krankheit zu fördern und dabei auch zu zeigen: „Menschen mit Parkinson können Rockstars sein!“

Legt man dieses Album in den Player und weiß nichts über die bewegende Backstory dieses Projekts, so wird man als Zuhörer zunächst einmal mit einem sehr gut gelungenen, abwechslungsreichen Genre-Mix  aus den Boxen begrüßt. Tatsächlich steckt jedoch weit mehr dahinter als nur die Mission zeitgenössischen sowie klassischen Retro-Rock und Pop unter die Leute zu bringen. 

Initiiert wurde dieses Projekt vom österreichisch-australischen Autor und Verleger Gerald Ganglbauer, der selbst ein Betroffener der langsam fortschreitenden, degenerativen Erkrankung ist, bei der dopaminhaltige Zellen im Gehirn absterben, was letztlich zu Bewegungsstörungen Zittern, Steifheit, Langsamkeit sowie Gangproblemen führt. Inspiriert von legendären Charities wie Bob Geldofs "Live Aid" beschloss er, seine eigene groß angelegte Wohltätigkeitsaktion ins Leben zu rufen.
Das Endergebnis kann sich mehr als hören lassen und umfasst eine große Bandbreite von melodischem Songwriter-Pop bis hin zum druckvollen Rock. Am Projekt beteiligt sind neben Ganglbauer die Musiker Andy Hitchman, Badhoven, Billy Spakemon, Ray Andrews, Connie Weixler, Eros Bresolin, Gisi Steinert, Joerg Veselka, John Langford, Johnny Schwarzinger,  Julia Jockelson, Pete Wain, Spring and the Land, The Base, Tom Isaacs  sowie Uli Sajko.

Wenn ihr dieses Projekt unterstützen wollt, geht das nicht nur durch den Kauf einer CD (siehe hierzu etwa den Link unten zu Ganglbauers Bandcamp Site) sondern auch indem ihr euch einen der Songs am WORLD PARKINSON´S DAY  beim Radiosender eures Vertrauens wünscht: Je öfter die Songs aus diesem tollen Projekt on air gespielt werden, desto mehr Geld kommt herein, und das wiederum kommt einem förderungswürdigen Projekt zugute.

Weitere Infos:


Mittwoch, 8. April 2020

Marken:Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek


© Meike Gatermann und Stankowski-Stiftung / Zusammenstellung: Gerwin Schmidt, 2019
Was wäre eine Marke ohne ein Logo? Ohne ein einprägsames Zeichen mit möglichst hohem Wiedererkennungswert, das im Idealfall international und über alle Sprachbarrieren hinweg zu einem „visual signifier“ eines Unternehmens wird? Eben...
Saul Bass, der legendäre Grafikdesigner und Vorspanngestalter für Alfred Hitchcock und Martin Scorsese, sagte einmal, dass Logos grafische Erweiterungen der internen Realität eines Unternehmens sind. Und ganz grundsätzlich sind die Embleme erfolgreicher Brands unerlässlich für  Fremdbild (Corporate Image) wie Eigenwahrnehmung im Rahmen der Corporate Idenitity.
Pionierleistungen in diesem Bereich vollbrachte das Stuttgarter Grafikatelier Stankowski + Duschek, das mehrere Jahrzehnte lang eines der führenden Büros für Kommunikationsdesign in Deutschland war. Vieles von dem was heute im modernen Kommunikationszeitalter längst als selbstverständlich gilt, steckte Mitte des 20. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen – insbesondere im deutschsprachigen Raum. Und das erfolgreiche Atelier war maßgeblich daran beteiligt, dies zu ändern.

Anton Stankowski(1906 -1998) hatte sich schon in den  30er-Jahren als Teil der Schweizer Avantgarde einen Namen gemacht, mit seinem 1951 gegründeten Designbüro festigte er seinen Ruf als ein innovativer Vorreiter in Sachen visueller Kommunikation. Sein Partner in der Gestaltung wurde 1972 Karl Duschek (1947–2011): Wie sein älterer Kollege war auch Duschek  nicht „nur“ Grafikdesigner, sondern auch als Künstler tätig. Ein Umstand, der unübersehbar ist, wenn man die Arbeiten des Duos betrachtet. Der Signature Style des Ateliers bestand aus aufs Nötigste reduzierten Formen, geometrischen Flächen und klaren Farben. Der rote Faden dabei : die hohe Kunstatffinität mit Anklängen beim Bauhaus bis zu Piet Mondrian.  Zu den bekanntesten Werken von Stankowski + Duschek zählt sicher der „Strich im Quadrat“, der als Markenzeichen der Deutschen Bank berühmt wurde. Daneben  entstanden u.a. Logos für SEL, Werkbund, Rewe, BKK, MüRück, PapStar oder die Deutsche Börse sowie Orientierungs- und Leitsysteme für zahlreiche Unis, Krankenhäuser, und Events.

Eigentlich hätte das Gesamtwerk von Stankowski und Duschek ab März 2020 in einer groß angelegten  Ausstellung in der Kunstbibliothek Berlin gewürdigt werden sollen – doch wie bei allen anderen Events kam auch hier das Coronavirus dazwischen.
Immerhin kann man sich diese interessante Ausstellung online via virtuellem Rundgang ansehen und den  Begleitband „Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek (Kettler-Verlag) lesen, der nicht nur Retrospektive sondern fast schon ein umfassendes Manifest dieses einflussreichen Ateliers ist. Als Leser hat man hier jedenfalls mehr als einmal ein „Aha“-Erlebnis angesichts der vielfältigen Kunden des Ateliers und der enormen Produktivität.

Dienstag, 24. März 2020

PETER LINDBERGH – UNTOLD STORIES


© Peter Lindbergh  Taschen Verlag
Diese regennassen, verlassenen Straßen; Strände wie von Edward Hopper gemalt; undurchdringlicher Dampf, der die Boardwalks entlang kriecht; das nur durch spärliche Beleuchtung durchbrochene Dunkel: Es sind Settings wie sie sonst eher in den expressionistischen Pionierwerken eines Fritz Lang, dem Film Noir oder den großen Kino-Dramen vorkommen. Es waren aber auch immer die bevorzugten Kulissen von Fotograf Peter Lindbergh (1944-2019), der mit seinen eindringlichen Portraits die Antithese zur „More Is More“-Ästhetik der Modefotografie der Achtziger herausarbeitete. Der Geist des Vintage Silver Screens verlieh seinen oftmals intimen und naturalistischen Bildern eine ganz eigentümliche Aura, ein ganz eigenes Flair: Die Nineties Supermodels ? Lindbergh erfand diesen neuen Archetypus mit seinen expressiven Aufnahmen mit. Die oftmals vordergründige Effekt-hascherei manch seiner Kollegen aus der Hochglanz-Welt war seine Sache nie – auch deshalb galt er mehr als drei Jahrzehnte als ein „Go To“-Fotograf von Leitmedien wie der  Vogue, Harper’s Bazaar, W, Interview oder dem Rolling Stone, die alle den unverwechselbaren Stil des deutschen Künstlers wollten.
Uma Thurman
 © Peter Lindbergh  Taschen Verlag
Naomi Campbell
© Peter Lindbergh  Taschen Verlag
Typisch Lindbergh - Licht und Schatten
© Peter Lindbergh  Taschen Verlag
Das neu erschienene Buch „Untold Stories“ ist nun die zweite posthum im Taschen Verlag veröffentlichte Werkschau des großen Fotokünstlers, an der Entstehung war Lindbergh noch selbst beteiligt. Dabei ist „Untold Stories“  allerdings nicht bloß ein Accompaniment zu den zuvor erschienenen „A Different Vision on Fashion Photography“, „Shadows On The Wall“ oder Dior“ sondern der Bildband zur ersten, von Lindbergh selbst kuratierten Ausstellung, die er kurz vor seinem Tod noch fertigstellen konnte. Gezeigt werden in diesem Großformat-Band über 150 Aufnahmen aus den frühen 1980er Jahren bis in die Gegenwart. Man sieht ein paar der bekannteren Lindbergh-Aufnahmen, viele der  Bilder sind  jedoch bislang unrelased und offenbaren auch eine weniger bekannte Seite  (Stichwort: Aktaufnahmen). 

Über „Untold Stories“ sagte Lindbergh selbst: „Durch die Ausstellung ergab sich die Möglichkeit, ausführlicher über meine Bilder und in einem anderen als dem Modekontext nachzudenken“. Der Künstler begegnete seinen eigenen Fotos nochmal gänzlich neu. Der Betrachter dieses Bildbandes kann wiederum die Entwicklung des Fotografen  nachvollziehen und einem  roten Faden der sich durch Lindberghs Gesamtwerk zieht, folgen: das Filmische, das Cineastische. Dass Lindbergh-Freund und Filmemacher Wim Wenders einen äußerst intimen Textbeitrag, eine Hommage, zu diesem Band beisteuerte, ist da nur folgerichtig. 

Erhältlich via Taschen.com

Peter Lindbergh. Untold Stories
Peter Lindbergh, Felix Krämer, Wim Wenders
Hardcover, 27 x 36 cm, 1,91 kg, 320 Seiten
ISBN 978-3-8365-7991-9
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Freitag, 6. März 2020

JAN VAN EYCK: DIE WERKE DES MEISTERS UNTER DER LUPE


Genter Altar: Die Anbetung des Lamm Gottes, Sankt-Bavo-Kathedrale, Gent, Fotografie:Hugo Maertens
Dass man den „Genter Altar“ – eines der bekanntesten Werke der Kunstgeschichte, das im 15. Jahrhundert die Welt der klassischen Malerei geradezu revolutionierte  - im heurigen Van Eyck-Jahr in seiner restaurierten Form bewundern kann, grenzt eigentlich an ein Wunder.
Dies liegt allerdings weniger am hohen Alter dieses Kunstwerks, dem der Zahn der Zeit etwas weniger zugesetzt hat als so manch anderer Ikone sondern an seiner geradezu abenteuerlichen Geschichte. Diese liest sich ganz ohne Übertreibung wie ein Krimi:
Der Genter Altar wurde einmal knapp Raub der Flammen, immer wieder verkauft, versteckt, in einzelne Teile zerlegt und Ende des Zweiten Weltkriegs beinahe in einem Bergwerkstollen in Altaussee auf Anordnung Hitlers gesprengt. Mutige  Bergleute bewahrten es vor der Zerstörung und die „Monuments Men“ der US Army sorgten dafür, dass dieses unschätzbar wertvolle Kulturerbe bewahrt wird. Seither wird der Genter Altar immer wieder restauriert, der bislang letzte Schritt in der aufwendigen Präservation wurde im Jahr 2012 gestartet und das Ergebnis kann man nun in der Kathedrale Sankt Bavo bewundern.

Der  Genter Altar als ein Hauptwerk im Oeuvre Van Eycks ist natürlich auch ein Hauptdarsteller im neuesten Band der Reihe „Meisterwerke im Detail“ (Verlag Bernd Detsch), die sich ganz dem altniederländischen Maler widmet. Dessen innovativer Einsatz der Öltechnik, seine Neuerfindung des Bildraumes und eine bis dahin ungekannte naturalistische und ins Kleinste reichende Detailgenauigkeit revolutionierten die gültigen Gesetze der Malerei im Spätmittelalter und läuteten eine neue Ära ein.
Nun könnte man annehmen, dass das Thema „Van Eyck“ ohnehin schon sehr gut erforscht ist,  und die Geheimnisse dieses ungebrochen populären Künstlers, der manchen Kunsthistorikern als „König der Malerei“ gilt, schon längst gelüftet wurden. Doch gerade die Restaurationsbemühungen der letzten Jahre förderten teils Erstaunliches zu Tage. Und da der Bildband „ Van Eyck - Meisterwerke im Detail“ sehr aktuell ist, kann man auch jüngste Enthüllungen, die jahrhundertlang Verborgenes offenbaren, begutachten
Von der Totalen hin zum Close Up also.
Nicht alles was so in den Fokus gerückt wird, ist eine kunsthistorische Sensations-Entdeckung, doch wer sich näher mit diesen faszinierenden Bildern auseinandersetzt, entdeckt ein weit verzweigtes Netz aus kulturgeschichtlichen Trivias, das von religiösen Bezügen hin zu Vergil-Zitaten reicht. 
Credit Coverbild: Verlag Bernd Detsch 

Dienstag, 3. März 2020

WISHBONE ASH – COAT OF ARMS

Credit Bild: © SPV/Steamhammer
Im Gegensatz zu manch anderen Heroen des Early Seventies-Rock waren Wishbone Ash nie wirklich weg und haben sich auch nicht allzu gut versteckt sondern tourten vielmehr beständig durch die Lande. Ungeachtet dessen dauerte es jetzt trotzdem ganze 6 Jahre bis Andy Powell – das einzige verbliebene Gründungsmitglied jener innovativen Pioniere der Twin Guitar-Harmonien, die trotz Klassikern wie „Argus“ immer ein bisschen ein Geheimtipp blieben -  das jüngste Studiowerk “Coat Of Arms“ veröffentlichte. Der Albumtitel klingt reichlich martialisch, die Songs sind es dennoch bewusst nicht. Denn trotz ausufernder Sechssaiten-Orgien setzten Powell & Co ihren heavy Landsleuten immer schon hochfiligrane Frickelei mit Medieval-Touch entgegen – und diese Formel wird auch 2020 nicht geändert.
Dieses jüngste Studioplatte bietet also insofern Fan-Service in Reinkultur: ein Gutteil der Songs geht durchaus als „Leftover“ aus der Frühphase durch – erklingen doch diese ikonischen Harmonien für die Wishbone Ash so berühmt sind und die faszinierende Mischung aus mittelalterlichen Folkmelodien und progressivem Rock an jeder Ecke.
Es ist also alles vorhanden was diese Band immer schon ausmachte -  dass „Coat of Arms“ dennoch nur ein eher solides Spätwerk ist, liegt an den beliebigen Songs, die oft wie ein bloßer Teppich für die besagten Dual Guitar Harmonies wirken.

Hier ein audiovisueller Peak in dieses neo-traditionelle Album mit der ersten Singleauskopplung „We Stand As One“, die Zusammengehörigkeitsgefühle al a Judas Priest aufkommen lässt, wenn auch nur in den Lyrics:

Sonntag, 16. Februar 2020

KMA AUDIO MACHINES STROKKUR TREBLE BOOSTER Review


Tief im Südwesten Islands inmitten einer archaischen Landschaft kann man Zeuge eines beeindruckenden Naturschauspiels werden: Denn dort liegt der sogenannte Strokkur, ein mächtiger Geysir der seine Urgewalt ca. alle 6-10 Minuten präsentiert und mit irrsinnigem Druck eine Wasserfontäne gen Himmel schießt. Doch Strokkur ist nicht nur ein Begriff der für Touristen und Geologen interessant ist, sondern in Zukunft auch für alle Gitarristen – ist dieser Geysir doch auch Namenspatron für ein Effekt-Pedal aus dem Hause der First Class-Boutique-Schmiede KMA Audio Machines. Wieso das stylishe Pedal so heißt ? Nun, aktiviert man den Fußschalter dieses Geräts erübrigt sich diese Frage fast schon, kommt es doch ohne Übertreibung zu einer regelrechten Ton-Eruption, die eine ganze Reihe Sounds der britischen Rockgeschichte an die Erdoberfläche befördert.

Der KMA Strokkur basiert auf einem der Kult-Effektgeräte schlechthin: dem mit äußerst charakteristisch klingenden Germanium-Transistoren ausgestatteten Dallas Rangemaster, der in den 60s von der in London ansässigen Firma Dallas Musical Ltd. gefertigt wurde.
Mit der Hilfe dieser Erfindung konnte man seinerzeit eher „dunkel“ klingende (bzw. eher im bassigen Bereich eingestellte) Amps in eine höhenreiche Sättigung pushen. Diesen Klang reproduziert das „Strokkur“ mit einer beachtlichen Detailgenauigkeit. Bemerkenswert ist, dass dieses Pedal mitnichten aus dem Mutterland des Treble Boosters kommt sondern in Berlin handgefertigt wird.
Und hier sind wir wieder bei der eingangs erwähnten Island-Analogie: Ähnlich wie dieses Land ein Ort voller Mythen ist, so zählt auch der Treble Booster zu den sagenumwobenen „Unicorn“-Effekten: ein Sound aus einer vergangenen Zeit und ein Gerät, das heute nur mehr von einer überschaubaren Anzahl von Firmen gemacht wird. Nur scheinbar wurde dieser Booster von modernen Verzerrern obsolet gemacht. Zwar ist er längst nicht so populär wie klassische grüne Overdrive-Effekte oder diverse Fuzzes  - doch der  Connaisseur weiß: ein Old School-Treble Booster in seinen diversesten Inkarnationen und Fertigungsarten gehörte in der Hochzeit des britischen Rocks vom Blues-Boom bis zum Glam Rock fast schon zur Grundausstattung der Guitar Heroes: Rory Gallagher setzte ihn ebenso ein wie Marc Bolan oder Ritchie Blackmore. Tony Iommis Signature Sound entstand mit einem solchen Gerät und auch beim frühen (Proto-)Metal Sound von Judas Priest spielte der eigenwillige Booster eine nicht unerhebliche Rolle. Ob Eric Clapton bei den legendären Sessions zum „Beano“-Album wirklich einen Treble Booster  zwischen seinen Bluesbreaker und seine Les Paul schaltete wird bis heute diskutiert. Faktum ist , dass ein solcher Boost  dem charakteristischen Bluesrock-Ton von der Insel alles andere als abträglich ist.  Ein weiterer prominenter Nutzer des urtümlichen Geräts ist auch  Queen-Gitarrist Brian May, bei ihm wurde er gar ein integraler Bestandteil seines majestätischen Sounds.

KMA-Mastermind Enrico Preuss studierte all diese ikonischen Sounds offenbar sehr genau.
Denn auch ohne langes Einstellen der Knöpfe lassen sich all diese klassisch-knarzigen Sounds völlig mühelos nachstellen – und noch mehr. Denn bei einer schlichten Neuauflage des bekannten Klassikers bleibt es beim Strokkur nicht. Neben Designunterschieden (das Original war eine gar nicht mal so kleine Box, die man auf den Verstärker stellt, der „Strokkur“ ist demgegenüber überaus kompakt und Pedalboard-freundlich) wurde vor allem die Klangregelung umfangreich erweitert.
War der Ur-Rangemaster insofern limitiert, als dass eben nur den namensgebenden Höhen-Kick bot, so hat man beim Strokkur die Möglichkeit eines Full-Range Boosts (eine Modifikation, die etwa auch Tony Iommi einst einsetzte.) EQ-Knöpfe für Bass und Treble ermöglichen überdies eine perfekte Anpassung an das eigene Rig.
Das Teil von KMA ist insgesamt bedingungslos klassisch im Sound, verfügt jedoch trotzdem über alle Annehmlichkeiten moderner Stompboxes. Ein 9 V-Anschluss ist ebenso selbstverständlich, wie verhältnismäßig relativ  geringe Nebengeräusche und eine problemlose Kombinierbarkeit mit anderen Pedalen und Drive Boxen.

Bedenken sollte man noch, dass der Strokkur genau wie seine Ahnen kein Effekt für „Leisetreter“ ist. Auch diese neuzeitliche Reinterpretation kommt ohne Volume-Regler aus und verfügt nur über einen Boost-Knopf der die Zerrintensität regelt. Ein ohnehin schon lauter Gitarrenamp bekommt da noch einen beträchtlichen dB-Boost.
Aber gerade diese überpräsente und nicht zu subtile Klangbeeinflussung macht natürlich auch den speziellen Reiz und das Spielgefühl eines waschechten Treble Boosters aus.
Hier geht es zu keinem Zeitpunkt um den smoothen Zerrgrad oder die Gain-Reserven neuzeitlicher Overdrives und Distortions. Die körnige (Germanium-)Charakteristik dieses Pedals sorgt für einen rauen, rüden Klang, der jedoch nie so wollig-matschig wie manche Fuzzes wird.

Stellt sich also noch die Frage, ob dieses  Pedal abseits von klassischem  Blues oder Bombast Rock-Sounds seien Berechtigung hat. Ich würde sagen: auf jeden Fall. Der Strokkur  ist zwar beileibe kein 08/15-Effekt und sicher nicht für jedermann gedacht.
Auch ein Schweizer Armeemesser unter den  Verzerrern ist der Strokkur natürlich nicht. Doch gerade die wirklich sinnvollen Ergänzungen der alten Schaltung sorgen dafür, dass der dreckig, räudige  Grundsound in vielen Genres einsetzbar wird. So man denn möchte, dass die eigene Gitarre selbst durch den dichtesten Mix schneidet, wie ein heißes Messer durch Butter. Diese ausdrucksstarke Klangfärbung macht den Strokkur  zu einer durchwegs geglückten (Neu-) Interpretation eines Klassikers, der das tonale Spektrum um einige Facetten anreichert.

Hier ein paar Soundbeispiele:

Bespiel 1:
Ein Treble Booster ergänzt die klassische Kombination aus Singlecut mit Humbuckern und Plexi perfekt und sorgt für einen Breitwand-Sound wie frisch aus dem Empire. Alle Spuren wurden mit dem Strokkur in unterschiedlichen Einstellungen eingespielt .
Am Schluss( ab 1:09) gibt es dann noch bluesige Licks über einen Vox gespielt, zunächst noch ohne Pedal, dann wird unüberhörbar der Strokkur aktiviert und die Harmonics fliegen nur so aus dem Amp.


Beispiel 2:
Blues- Rock von der grünen Insel. Eine Strat In einen crunchy Vox -  ein Setup, das schon bei Rory Gallagher gut funktionierte: In den ersten Sekunden hört ihr den puren Amp-Sound, dann kommt sehr deutlich der Strokkur ins Spiel.

Donnerstag, 23. Januar 2020

MR. MORRICONE, WIE HABEN SIE DAS GEMACHT ? – DAS VIELLEICHT LÄNGSTE INTERVIEW MIT DEM ITALIENISCHEN MAESTRO


Credit Coverbild: © Oxford University Press
Es ist eine spezielle Eigenart des Mediums Film, dass es durch seine Massenverbreitung die Rezeption gesellschaftlicher Realitäten sowie historischer Epochen oftmals entscheidend mitprägt. Ein besonders interessantes Beispiel für diese Manifestation von Vorstellungen findet sich bei den Soundtracks, die nicht nur einzelne Szene untermalen sondern die Wahrnehmung des Zuschauers teils maßgeblich beeinflussen, wie sich vergangene Epochen „anhörten“: Wie klang etwa der Wilde Westen, was war der „Score“ dieser Pionierzeit des 19. Jahrhunderts in der „Neuen Welt“. Mir persönlich – wie zweifelsohne zahllosen anderen Cineasten– fallen da sicher weniger fröhliche Pionierchöre oder die kitschig-säuselnden Melodien des US-Western der 50s ein sondern twangige E-Gitarren, verzerrte Fuzz-Riffs, dissonante Harmonikas und Koloratur-Arien. Maßgeblich für diesen zwar historisch mitunter anachronistischen, jedoch ungemein wirkungsvollen Score war der italienische Maestro Ennio Morricone.

E- und U-Musik

In seinem ungewöhnlichen Signature-Sound verschmolz der klassisch
geschulte Komponist sowohl Elemente aus der E-Musik als auch der U-Musik.
Typische Orchesterinstrumente trafen auf moderne elektrische Instrumente, die in der Klassik sonst keine Rolle spielten. Selbst Geräusche und Laute wie Kojotengeheul konnten bei ihm zur Musik werden. Ein progressiver Ansatz, den er nach den Erfolgen mit den Spaghetti Western auch bei unheimlich dichten Scores vom Krimi bis zum Drama einsetzte.
Durch diesen innovativen und oft kopierten Approach- wurde Morricone zu einem der wichtigsten, vielleicht sogar zu dem wichtigsten zeitgenössischen Komponisten.
Genau dieser interessante Zugang zu Musik steht auch im Zentrum des neu erschienenen Buchs "Ennio Morricone: In His Own Words" (Oxford University Press).

Musikalischer Dialog mit dem Maestro

Der junge Komponist Alessandro De Rosa führte ausführliche Gespräche mit Morricone die tief in dessen komplexes Musikverständnis eintauchen. 
Während selbst die längsten Gespräche in Andy Warhols “Interview”-Magazin nur ein paar Seiten ausmachen (können) findet man hier extrem ausführliche Transkripte dieser Konversationen  die tatsächlich mehr als 300 Seiten füllen. Das ist auch deshalb besonders interessant, weil der Maestro nicht oft für Interviews zur Verfügung steht und die meisten journalistischen  Gespräche mit ihm  oftmals nur oberflächlich bleiben, was dem vielschichtigen Charakter dieser Legende und seinem intellektuell-analytischen Naturell natürlich nicht gerecht wird.

Einblicke in die Arbeit eines Genies

Man merkt beim Lesen von „In His Own Words“, dass der Interviewer und der Interviewte einen guten Draht zueinander haben. Die intelligenten Fragen de Rosas ebnen den Weg für eine tiefgehende Eigenanalyse eines jahrzehntelangen Oeuvres, die nicht bei den bekannteste Filmmusiken stehen bleibt, sondern letztlich in die Metaphysik der „musica assoluta“ eintaucht und so den  „creative process“ Morricones nachvollziehbar macht - sofern man ein gutes film- und vor allem musiktheoretisches Verständnis mitbringt: denn dieses Buch ist durchaus anspruchsvoll und ist teilweise wohl nur für Musiker ganz nachvollziehbar. Genau diese In Depth-Herangehensweise macht „In His Own Word“ jedoch auch zu einem der informativsten Film/Musikbuch seit langem – das zudem mehr als einmal an Truffauts Klassiker „Mr. Hitchcock, wie haben sie das gemacht ?“ erinnert.

Ennio Morricone In His Own Words, erschienen bei Oxford University Press

Donnerstag, 16. Januar 2020

TASCHEN WAREHOUSE SALE 2020 + SALVADOR DALÍ TAROT GEWINNSPIEL

Credit Bild: ©  Taschen Verlag
Auch im neuen Jahrzehnt gibt es ihn wieder, den Fixtermin für alle Bookworms und  Coffee Table-Fans:  Ende des Monats startet der Warehouse Sale des Taschen Verlags mit bis zu - 75 % auf Display- und Mängelexemplare der Bildbände aus den Bereichen Film, Musik, Popkultur, Kunst, Fotografie, Comic, Erotik, Architektur oder Mode & Design.
  
Hier die genauen Daten & Adressen: 

Warehouse Sale von 30. Januar - 1. Februar 2020

in den Flagship-Stores 
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)

sowie online auf:

WIN - WIN WIN
Credit Coverbild: ©  Taschen Verlag
Passend dazu verlose ich in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag ein Exemplar von Dalí Tarot.

Die Backstory zu diesen außergewöhnlichen Karten:
Fans des britischen Agenten mit der Lizenz zum Töten erinnern sich gewiss daran, dass sich in „Live And Let Die“ (1973) der Villain Dr. Kananga immer wieder vom Medium Solitaire die Zukunft aus den Karten lesen lässt. Angeblich beauftragte James Bond- Produzent Albert Broccoli in der Pre-Production zu diesem Film den Kunstsuperstar Salvador Dalí mit dem Entwurf eines neuen Tarot-Decks. Aufgrund vertraglicher Differenzen wurde aus dieser Zusammenarbeit zwar letztlich doch nichts und das Deck mit kunsthistorischem Charakter schaffte es nicht auf die Kinoleinwände  doch die klassischen Karten mit dem typischen surrealen Dalí-Touch erblickten in den Eighties dennoch das Licht der Welt.
Allerdings nur in einer limitierten, mittlerweile längst vergriffenen Art Edition – Dalí war damals der erste renommierte Künstler, der ein völlig neues Kartenset entwarf. Dabei stützte er sich sowohl auf Meisterwerke von der Antike bis zur Moderne, zitierte sich selbst sowie u. a. Jacques-Louis Davids "Tod des Marat" oder Lucas Cranachs "Drei Grazien".


Nun hat der Taschen Verlag dieses seltene Werk in einer schönen Edition in lila Samt neu aufgelegt. Es enthält sämtliche 78 Karten sowie ein informatives Begleitheft mit Tarot-Guide und dem Making Of dieses Sets.

Klingt interessant und Ihr wollt das Dalí Tarot euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „Dalí Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 1. März 2020.
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.