Freitag, 23. August 2019

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL – LIVE AT WOODSTOCK


Credit Coverbild: © Universal Music
„Born On The Bayou“, „Bad Moon Rising“ oder „Green River“ – jene ewigen Oden an den tiefen Süden der USA,  in denen John Fogerty die flirrende Hitze der Sümpfe sowie Bilder von barfüßigen Mädchen, die gerne mal im Widerschein des Mondes zum Soundtrack der Geräusche eines Ochsenfroschs tanzen, evozierte – sie alle findet man in der Tracklist des jüngsten CCR-Releases wieder. Fast könnte man also meinen, es handle sich um eine neuerliche Best Of-Compilation der nicht gerade wenigen Hits der Band. Tatsächlich hat man es jedoch mit einem Live-Mitschnitt von der „Mutter aller Festivals“ zu tun, die 50 Jahre nach dem denkwürdigen ´69er Gastspiel in Bethel nun erstmalig in ihrer Gesamtheit veröffentlicht wurde – in attraktiver CD-Form mit Vinyl-Style Slipcase.

CCR waren damals die erste Band die offiziell bei Michael Langs Woodstock-Festival mit an Bord war, im Gegensatz zu manch anderen Acts standen sie nicht erst ganz am Anfang ihre Karriere, hatten schon einige Hitalben im petto und waren kurz davor, sich als eine der international populärsten Bands zu etablieren.
Für viele Künstler war das dreitägige Festival nur eine weitere Station ihrer Tourneen, dass Woodstock ein entscheidender Moment in der Popkultur werden würde, war zu Beginn noch nicht absehbar, kristallisierte sich erst im Laufe der drei Tage und der Rezeption des viel beachteten Konzertfilms heraus (auf dem CCR btw. nicht zu sehen sind…).
Nach einem (durchaus vorhersehbar) überlangen Set der Grateful Dead kamen CCR nach Mitternacht am 17. August auf die Bühne. Trotz einer guten Show umweht „CCR Live at Woodstock“ nicht der Hauch des Ikonischen wie die Gitarren-Orgie Alvin Lees oder Jimi Hendrix´ Deutung des „Star Spangled Banner“. Dennoch zeigt der einstündige Aufritt die Band „in all their glory“: mit hypnotischen Grooves und langen Improvisationen zelebrierten sie ihren typischen Swamp Rock – gut, dass es den Gig nun in Gänze zum Nachhören gibt. 

Tracklist :
Born on the Bayou
Green River
Ninety-Nine and a Half (Won’t Do)
Bootleg
Commotion
Bad Moon Rising
Proud Mary
I Put a Spell on You
The Night Time is the Right Time
Keep on Chooglin’
Suzie Q.

Montag, 19. August 2019

ROCKY MOUNTAIN SLIDES

Ungewöhnliche Slides: Brian Bassett Signature Modell (links) und der Elements Turquoise  Shavano
Oft sind es gerade die kleineren Firmen und Marken abseits des Mainstreams und fernab etablierter Branchenriesen die spezielle und besondere Produkte kreieren. Auch im weiten Feld der „Guitar Gear“ und in jenem Segment, das im Musikalienladen meist unter der Bezeichnung „Accessoires“ firmiert, ist das nicht anders. Ein Paradebeispiel hierfür ist die US-Firma Rocky Mountain Slides (kurz RMS) und ihre Tonebars und Fingerslides. In Poncha Springs am Fuße der mächtigen Rocky Mountains fertigt „Doc“ Sigmier Slides, die nicht ungewöhnlicher sein könnten. In der Roots-Szene der Staaten sind diese längst kein Geheimtipp mehr, vom Kentucky Headunter Greg Martin über Sheryl Crow-Gitarrereo Peter Stroud spielt eine ganze Reihe illustrer Musiker die Kreationen des Doktors.

Was bei RMS als allererstes auffällt: Sigmiers Slides sehen einfach extrem cool und vor allem exotisch aus  - wie man am Bild oben erkennt haben sie abgesehen von der Form recht wenig mit anderen am Markt erhältlichen Slides gemein, die normalerweise wesentlich schlichter aussehen. RMS sorgt mit knalligen Farben und unorthodoxen Materialen für Aufsehen, das macht sich natürlich gut auf der Stage und dürfte ganz generell alle musikalischen Ästheten ansprechen. Wobei man sagen muss, dass die Slides nicht nur eine fancy Optik besitzen, die speziellen „glacings“ die der Doc für seine Kreationen verwendet heben die RMS-Produkte über die Riege normale Keramik-Röhrchen.
Individualisten werden es zudem schätzen, dass die Slides mit so klingenden Namen wie „Shavano“ oder „Cochetopa“ zu 100 % handmade sind – mit allen Eigenheiten und kleinen Inmperfektionen bzw. Unebenheiten im Material – ziemlich unique das ganze, was natürlich einen ganz eigenen Charme besitzt
Der Doc bei der Arbeit 
Credit Bild:© Rocky Mountain Slide Company 
Gutes Beispiel hierfür ist etwa der Bryan Bassett Slide, der Signature Slide des Foghat-Gitarristen. Das grüne Teil wirkt  als hätte man es gerade aus dem Sumpf Louisianas gezogen – dazu passt auch sein voller, bluesiger Klang, der sich nicht nur für den  Slow Ride sondern auch für High Speed-Orgien eignet 😊.  Klanglich erinnert er an klassische Keamikslides mit einem Hauch von glasiger Transparenz.
In eine etwas andere klangliche Richtung geht der Elements Turquoise Shavano aus der Elements-Reihe. Dieser ist tatsächlich aus Stein gefertigt – sehr ungewöhnlich und das hat durchaus merkbare Auswirkungen aufs Spielgefühl und den Ton. Während der grüne Bassett-Slide etwas heller und durchdringender klingt, deckt der Shavano ein etwas breiteres Frequenzspektrum ab. Er hat hörbar mehr  Bass, wirkt insgesamt eine Spur mellower. Passt zum Look, der weniger an einen Side, denn an ein Schmuckstück erinnert.

Im Vergleich zu Massenproduktions-Slides oder den von vielen Herstellern angebotenen Coricidin-Replicas behaupten sich die "Independent"-Artikel von RMS mehr als selbstbewusst, denn sie klingen einfach hervorragend. Wobei man natürlich dennoch keine himmelhohen Unterschiede zu anderen handelsüblichen Bottlenecks aus dem high quality-Bereich erwarten sollte. Meine bisherige Slide-Collection würde ich also also nicht wegwerfen, die RMS Slides bieten jedoch eine sowohl optisch wie klanglich äußerst interessante und hochwertige Alternative und Ergänzung. Gerade was das Feeling beim Spiel und die ganze Haptik anbelangt ist der Unterschied zudem recht deutlich. Wer also mit diesen urigen Slides experimentieren will, sollte sich die RMS Site anschauen – bislang gibt es Docs Entwürfe nämlich noch bei keinem der gängigen europäischen Stores. 

Hier ein paar Soundbeispiele, die einerseits die auffällige HiFi-artige Klarheit der Slides als auch ihre Durchsetzungsfähigkeit in einem Bandkontext verdeutlichen. Den Anfang macht ein kesselnder Full Band -Track. Zuerst hört man den Bassett Slide, dann setzt der Shavano ein. Verwendete Gear: Fender Eric Clapton Strat in einen Friedman Dirty Shirley mit einem Hauch Spring Reverb:  


Die gleiche Gear kam im folgenden Audiobeispiel zum Einsatz, diesmal hört ihr die beiden Slides jedoch isoliert. Wieder macht der Bassett Slide den Anfang, dann folgt der Shavano:  


Donnerstag, 15. August 2019

WOODSTOCK - 3 DAYS OF PEACE AND MUSIC Official 50th Anniversary Celebration Book


Credit Bild: ©  Reel Art Press
Vor genau 50 Jahren startete im New Yorker Stadtteil Bethel jener Event, der als die Mutter aller Festivals in die Annalen der Musikgeschichte eingehen sollte: Woodstock, der Höhe-und Endpunkt der Hippie-Bewegung der 60er.

Woodstock nahm schnell geradezu mythische Züge an - und das obwohl das drei Tage andauernde Spektakel bei weitem nicht das erste große Festival war und viele Sprachrohre der damaligen Generation von den Stones bis zu Dylan gar nicht dort auftraten. Doch „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music", wie das Ereignis mit vollständigem Namen hieß, war viel mehr als "nur" Musik und ein Konzert von megalomanischen Ausmaßen: Zwar brannte es sich einereits dank legendärer Performances von Jimi Hendrix, Santana, The Who oder Ten Years After, einem oscar-prämierten Dokumentarfilm sowie der Dreifach-Soundtrack-LP ins kollektive kulturelle Gedächtnis ein – andererseits waren vor allem das beinahe spirituelle "get together" abertausender Jugendlicher und der überraschend friedvolle Ablauf  Symbole für das letzte Aufflackern eines utopischen Zeitgeists.
JIMI HENDRIX
Credit Bild: © Dan Garson         Reel Art Press
Die groß angekündigte 2019er -Neuauflage zum Jubiläum mit Acts von CCR bis Jay-Z scheiterte, die Zeiten, sie haben sich wohl wirklich geändert... die Faszination für den Spirit des Mega-Festivals bleibt jedoch bis heute. Und während eine neuerliche Wiederholung  des Festivals dem Mythos kaum zuträglich gewesen wäre (schon die 90er-Woodstocks waren ein blasses Abbild des Ur-Events) wird den historischen Ereignissen mit einer Fülle von CDs, Dokus und Büchern gedacht. Allen voran natürlich der immer schon extrem geschäfstüchtige Festival-Organsiator Michael Lang, der den einzigen offiziellen coffee table-Bildband in der Schwemme an "commemorative releases" vorlegt. Lang liefert damit quasi die Luxus-Ergänzung zu seinem unlängst neu aufgegelgten "Road To Woodstock"-Bericht. Für dieses Prestige-Projekt öffnete er sein extensives Privatarchiv mit hunderten Fotos und Dokumenten, kuratierte eine Auswahl der besten Shots vom R N' R-Photography-Ikonen wie Henry Diltz oder Baron Wolman und lässt in Begleittexten die Vorbereitung und die 3 geschichtsträchtigen Tage Revue passieren. Da es sich bei diesem Band bei weitem nicht um die erste extensive Retrospektive auf das Eriegnis handelt, liegt es in der Natur der Sache, dass sich hier das allseits Bekannte mit dem Seltenen mischt.
Michael Lang als Easy Rider
Credit Bild: © Henry Diltz Reel Art Press
Man erfährt also nicht unbedingt viel Neues in diesem Bildband, in dem der Veranstalter, das Festival an sich und das Publikum die eigentlichr Hauptrolle einnehmen - und auffälligerweise  nicht die Musik-Acts. Doch die attraktive Gestaltung und der Anspruch das Totalphänomen zu erfassen - von der Logistik über die kleinen Momente abseits der Bühne zum "Aftermath"- machen das Buch zu einer interessanten Chronik des 15. - 18. August ´69, dem letzten positiven Medien-Ereignis der  Counterculture und Rock-Szene der Sixties.
Die rotierende Bühne von Woodstock, Schauplatz einiger der ganz großen Rock N´Roll-Momente
Credit Bild: © Henry Diltz Reel Art Press

WOODSTOCK - 3 DAYS OF PEACE AND MUSIC Official 50th Anniversary Celebration Book
ISBN: 978-1-909526-62-4
288pp; Hardback; 300+ photos and documents
290 x 245mm
https://www.reelartpress.com/

Donnerstag, 8. August 2019

THE HISTORY OF CULTS – From satanic sects to the Manson family



Credit Coverbild: © Carlton Books
Knapp eine Woche bevor in Bethel nahe New York der eigentliche Höhepunkt der Love & Peace-Bewegung, das Woodstock-Festival, stattfand waren die Sechziger und ihre Ideale in Wahrheit längst vorbei: Autorin Joan Didion beschrieb die Ereignisse, die sich in der Nacht des 9. August 1969 in der Stadt der Engel zutrugen, einmal als jenen Moment, an dem die Sechziger endeten: In jener heißen Sommernacht drangen Mitglieder von Charles Mansons Hippie-Sekte „Family“ in ein Luxusanwesen am Cielo Drive in Los Angeles ein und ermordeten die hochschwangere Sharon Tate, eine aufstrebende Schauspielerin und die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski. Unter den Opfern des Massakers waren auch die Gäste Tates, der bekannte Celebrity-Hairstylist Jay Sebring, die Kaffee-Imperiums-Erbin Abigail Folger und ihr Freund, der Schauspieler und Schriftsteller Voytek Frykowski. Auf dem Weg in das Anwesen ermordeten die Manson-Anhänger zudem den Studenten Steven Parent, der eigetnlich nur den Hausmeister des Anwesens in den Hollywood Hills besuchen wollte. Die Täter hatten auf Geheiß ihres wanhsinnigen Gurus Manson gehandelt, die besondere Grausamkeit des Verbrechens sorgte weltweit für Schlagzeilen und beendete die Utopie des freien Sixties-Lebensstils.

Zum heurigen 50. Jahrestag sind diese Ereignisse natürlich in besonderem Maße im "global cosnciousness" - aus dem esie als ein Schlüsselmoment der Sechziger allerdings auch schon die letzten Jahrzehnte nie gewichen sind. Im neuen Quentin Tarantino-Film „Once Upon A Time In Hollywood“ spielen sie ebrnso eine zentrale Rolle wie in der kommenden zweiten Season der David Fincher-Netflix-Serie "Mindhunters". Sie bilden auch eines der Kapitel in der jüngst schienenen Enzyklopädie „The History Of Cults“ (Carlton Books).

Darin entwirft Autor Robert Schroëder eine kulur-historische Geschichte der unterschiedlichen Ausformungen kollektiven Wahns und  zeigt , dass Gruppierungen mit Merkmalen einer sich in Gruppen verstärkenden Radikalisierung  keinesfalls ein neues oder neuzeitliches Phänomen sind. Vielmehr finden sich die-  Grundprinzipien sektenartiger Zusa menschlüsse schon in altertümlichen Kulturen. Es ist ein düsterer Einblick den man hier gewinnt, der jedoch für den interessierten Leser stellenweise zu wenig tiefgreifend ist. Denn das Buch ist sehr kompakt, 192 Seiten sind für ein so extensives, mehr als 100 Jahre umspannendes Thema nicht viel.  „History Of Cults“ ist also keine in depth-Analyse der komplexen Vorgänge innerhalb eines wahnhaften Verbands sondern eher ein lexikales Werk, das Basic Facts über eine Vielzahl von Kulten enthält und sowohl als Nachschlagewerk als auch als Anreiz für weiterführende Recherchen fungiert.

Mittwoch, 7. August 2019

George Herrimans "Krazy Kat" - Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944


Credit Coverbild: ©  Taschen Verlag  George Herriman
Während in hiesigen Breitengraden der „newspaper comic strip“, also der klassische Zeitungs-Comic, eher in der Nebenrollen-Kategorie unter ferner liefen zu finden ist, zählt dieses Subgenre seit jeher zu den absoluten  Fixpunkten in US-amerikanischen  Printmedien – und das seit mehr als 100 Jahren. Einer der ganz frühen Vertreter des Zeitungscomics modernen Zuschnitts ist die von George Herriman kreierte  Krazy Kat, die ihrem Namen stets alle Ehre machte. Dem alten Überthema „unrequited love" folgend, erzählen die kurzen Geschichten von einer schwarze Katze, die sich Hals über Kopf in eine weiße Maus verliebt hat. Dummerweise ist deren Antwort auf die Avancen jedoch oft ein Ziegelstein auf dem Kopf des Stubentigers.
Zu den prominentesten Fans von Herrimans Kätzchen zählten etwa Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald, Pablo Picasso, James Joyce, US-Präsident Woodrow Wilson, Jackson Pollock, Charlie Chaplin, Frank Capra, P.G. Wodehouse oder Willem de Kooning – was schon viel über den Appeal dieses kultigen Comics verrät, der von 1913 bis zum Tode Herrimans im Jahr 1944 erschien und in dem zuvor beschriebenen Hauptplot über  amourösen Begierden immer wieder auch traditionelle Wertvorstellungen hinterfragte.
Credit Bild: ©  George Herriman Taschen Verlag  
Dass diese teils absurden, teils melancholischen Strips so lange erscheinen konnten, lag vor allem am legendären Medien-Tycoon William Randolph Hearst, der ebenfalls ein Fan von Herrimans Geschichten war und dem Zeichner so gut wie alle Freiheiten ließ.
Dies führte dazu, dass Krazy Kat zu einem durchaus transgressiven Comic voll von Slang dadaistischen Szenerien und  Anspielungen auf die gender-fluide Orientierung der Krazy Kat wurde - und all das lange vor den „Counterculture“-Eskapaden eines Robert Crumb.
Der gerade neu erschienen Werkschau-Band über die Jahre ´35-´44 vereint nun alles was die Krazy Kat so ausmachte  und huldigt in Taschen Verlag-typischem Luxusoutfit diesem unorthodoxen Vorläufern von Tom & Jerry: für historisch interessierte Comic-Fans absolut empfehlenswert.

George Herrimans "Krazy Kat". Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944
Alexander Braun
In Leinen gebunden, 30 x 44 cm, 632 Seiten, in einem Karton mit Tragegriff
ISBN 978-3-8365-7194-4
Ausgabe: Deutsch
Taschen Verlag

Freitag, 2. August 2019

ADRIANO BATOLBA TRIO – How Much Does It Cost, If It’s Free?


Credit Bild: © Charlie Spieker
Wenn es um Rockabilly aus deutschen Landen geht ist Gitarrist und Produzent André Tolba aka Adriano Batolba seit vielen Jahren die erste Adresse. Egal ob mit seinen eigenen Bandprojekten, Dick Brave & The Backbeats, Peter Kraus, Boppin B. oder den Baseballs – der Mann mit der charakteristischen moosgrünen Gretsch-Gitarre twangt bei allen, die im Nahebereich der einst in Memphis, Tennessee von Sam Philips auf Tape gebannten Musik werken. Assoziationen zu der absoluten Ikone des neo-traditionalistischen Rockabilly, Brian Setzer, werden da nicht von ungefähr wach, nicht zuletzt weil Batolba zwischenzeitlich auch mit großem Orchester musizierte. Auch sein neuestes, in Kürze erscheinendes  Studio-Album „How Much Does It Cost, If It’s Free?“ gemahnt an die Urzeit des Genres und erinnert mit seiner puristischen Beschränkung  auf Stimme, Gitarre, Doublebass und Dumkit immer wieder  an die setzer´schen „back to the roots“-Ausflüge bei „Rockabilly Riot“.

Was neben Batolbas lockerer Virtuosität besonders auffällt, ist vor allem wie authentisch dieses Album klingt. Sein edler Sound ist die pure „Werbung“ für mit Filtertron-Tonabnehmern ausgestattete Gitarren, seine Licks sind voll von Southern-Flavour – egal ob beim Chuck Berry-Shuffle oder beim boppigen Travis-Picking. Hochkarätige Gäste wie  die texanische Sängerin Patricia Vonne (Schwester von Kultregisseur Robert Rodriguez („From Dusk Till Dawn“)), Brit-Rocker Darrel Higham oder das im Gospel versierte All-Girl-Trio „The Silverettes“ unterstützen Batolba bei einer Platte, die zwar zu keiner Zeit das Rad neu erfindet aber selten die Beine des Zuhörers still stehen lässt.  
„How Much Does It Cost, If It’s Free?“ ist das Werk eines Veteranen der sich seine Leidenschaft erhalten hat und wird so zu einem der schmissigeren und hörenswerteren traditionellen ´Billy-Alben der letzten Zeit.
Credit Coverbild: © ToBaGo Records/Rough Trade

Sonntag, 21. Juli 2019

PLAY IT LOUD: Das Buch zur MET-Ausstellung

© Courtesy of  The Metropolitan Museum of Art
Mit ihnen wurde Musikgeschichte geschrieben: Noch bis zum ersten Oktober dieses Jahres kann man im Rahmen der "Play It Loud"-Ausstellung zur Ikone gewordene Reliquien des Rock in den ehrwürdigen Hallen des New Yorker Metropolitan-Museums bewundern. 
Anders als bei ähnlich gelagerten „high profile“ Schauen über die Stones, Bowie oder zuletzt Pink Floyd liegt der Fokus hier ausschließlich auf Instrumenten – und hierbei, neben vereinzelten Synthesizern oder Pianos vor allem auf den ungleich fotogeneren Gitarren, Bässen, Amps, Effektpedalen und Stage-Kostümen (Stichwort: Jimmy Pages Dragon Suit !).

Und wie immer bei solchen Events gibt es natürlich auch hier ein begleitendes Buch zur Ausstellung. Und da das MET zu den Kunsttempeln schlechthin zählt, ist auch dieses "accompanying release" äußerst ansprechend gestaltet. Man hat es hier nämlich nicht mit einem normalen Katalog zu tun, sondern einer Mischung aus coffee-table Bild- und Essay-Band, der einige der beeindruckendsten Exponate, Ikonen der klassischen Rock N´Roll Photography sowie glühende Abhandlungen über die revolutionäre Kraft des Instruments (u.a von Rolling Stone-Veteran David Fricke) beinhaltet.
Der Vorteil dabei - dieses äußerst liebevoll gestaltete Buch ist auch all jenen zugänglich, die den zugegeben langen Trip nach NYC nicht machen können.
Zu sehen gibt es einige der berühmtesten Artefakte aus der glorreichen Ära des Instrumentenbaus wie die schwarze Les Pual Custom, mit der Keith Richards „Sympathy For The Devil einspielte, Don Felders Doppelhals-Gitarre die live bei „Hotel California“ zum Einsatz kam, Jimmy Pages Akustikgitarre aus dem Intro von „Stairway To Heaven“, Eric Claptons aus mehreren Teilen verschiedener Strats zusammengebaute „Blackie“, Van Halens komplettes 1978er Setup mit Frankenstrat und Marshall und und und….

Hier ein exklusives Preview mit einigen der prestigeträchtigsten Exponate:
Mr. Slowhands "Blackie"
© ZUMA Press, Inc. / Alamy Stock Photo

1957er Les Paul Custom aus der  "Collection of Keith Richards"
© Courtesy of  The Metropolitan Museum of Art

Donnerstag, 4. Juli 2019

BRUCE SPRINGSTEEN – WESTERN STARS

Credit Bild: © Sony Music

Gemächlich, gänzlich ohne jegliche Eile rollt der Pickup-Truck, das Detroiter Symbol für den amerikanischen Blue Collar-Arbeiter, den schier endlos scheinenden Highway entlang. Ohne erkennbares Ziel folgt der Fahrer des in die Jahre gekommenen Wagens der Straße ins Nirgendwo, direkt durch das Herz Amerikas vorbei an einem wilden Mustang, der seine Kreise in einer dichten Staubwolke zieht.

Es sind diese so archaisch wie ikonisch anmutenden Bilder der letzten großen „Frontier“, die vor dem geistigen Auge des Zuhörers der jüngsten Platte des Boss entstehen. Nicht von ungefähr heißt sie „Western Stars“,  ist allerdings dennoch kein reinrassiges Country-Album. Jenes Genre hatte ja schon immer einen festen Platz im Songwriting-Koffer Springsteens, für seinen musikalischen Neo-Western bedient er sich jedoch gekonnt an Genre-Versatzstücken ohne gänzlich ein traditionelles Hillbilly-oder Alt-Country-Werk einzuspielen.
Angekündigt war das Album auch als Springsteens Hommage an den Southern California Pop der späten Sechziger und frühen Siebziger, dies hört man insbesondere an den teils stark dominierenden Streichern-Arrangements, die den Geist dieser Zeit atmen sowie den euphonischen Akkordfolgen, die eine wilde Westcoast  evozieren. Die Charaktere, welche die neuen Lieder bevölkern sind typische Springsteen´sche Helden, die genauso gut von Salinger oder Joyce stammen könnten. Die Rolle des gänzlich unbeschwerten Hero ? Der Boss hatte ihn nie auf seiner Casting-Liste.

„Western Stars“ geizt zwar nicht mit Bombast, gerade wenn die mächtige Streicherwand den Hauptdarsteller unzähliger Country-Songs, das berühmte „lonesome  Feeling“, begleiten, insgesamt ist es jedoch introspektiv und zurückgenommen.
Diese gedämpfte Grundstimmung könnte als eine Bestandsaufnahme des Status Quo der Vereinigten Staaten anno 2019 gedeutet werden. Doch obwohl es genau in Trump-Zeiten erscheint und Springsteen nicht eben ein unpolitischer Musiker ist, hat man es hier nicht mit einer Abrechnung mit der aktuell im Amt befindlichen Administration zu tun.
Der Boss hat universellere Themen im Blick, „Western Stars“ ist eine so tiefenentspannte wie zeitlose Erzählung, eine schwermütige Working Class-Serenade. Also typisch Springsteen eigentlich. Man hat ihn – Stichworte: Nebraska und Born To Run– zwar schon mit mehr Verve und Abwechslungsreichtum musizieren gehört – doch als Panorama von short stories aus dem Heartland ist das betont unaufgeregte und introspektive „Western Stars“ sehr effektiv.
Credit Bild: © Sony Music

HOLLYWOOD VAMPIRES – RISE


Credit Bild: © Ross Halfin       earMUSIC
Am Höhepunkt seiner Karriere als Trinker formierte Schockrocker Alice Cooper die Hollywood Vampires, einen Club prominenter Gentlemen, die ähnlich wie ihre Kollegen aus dem Bram Stoker-Roman oder einer Hammer Films-Produktion die Nacht zum Tage machten. Entgegen den Cooper´schen Bühnengepflogenheiten stand ihnen der Sinn jedoch keineswegs nach Blut sondern vielmehr nach Hochprozentigem, handelte es sich damals in jener Hochphase der Rock N´Roll Exzesse doch um einen hochkarätigen „Celebrity Drinking Club“ dem u.a. Ringo Starr, Keith Moon, Micky Dolenz of The Monkees oder auch mal John Lennon angehörten.

Fast Forward ins Jahr 2015: da wurden die Vampires, die bis dato eher den trivia-interessierten Rock-Fans ein Begriff waren, reaktiviert. Diesmal jedoch -  die harten Zeiten liegen längst hinter Cooper -  nicht als Party-Gesellschaft sondern als Band: als Supergroup mit hochkarätiger Besetzung um genau zu sein. Zusammen mit Joe Perry, ehemals ebenfalls kein Kostverächter, Hollywood-Superstar Johnny Depp sowie einer Reihe  illustrer Mitmusiker  wurde verstorbenen Weggefährten aus der vergangenen Rock-Ära musikalisch Tribut gezollt.Einige Jahre und weltweite Touren später macht das unlängst veröffentlichte zweite Opus der Vampire von der Westcoast namens „Rise“ klar, dass dieses Projekt absolut keine Eintagsfliege war. Die Chemie zwischen den Musikern scheint wirklich exzeptionell zu sein.

Im Gegensatz zum Erstling sind diesmal nur drei der Songs Coverversionen.
Alice Cooper sagt über das Album mit merkbarem Stolz: „ ‘Rise‘ ist nicht nur eine komplett andere Spezies als das erste Vampires Album [...] es ist besonderer, als alles, das ich vorher gemacht habe. Dieses Projekt bin ich ganz anders angegangen, als normalerweise. Jeder von uns; Joe, Johnny, Tommy und ich haben an den Songs geschrieben. Was aber anders ist ist, dass ich nicht versucht habe die Songs mehr nach Alice klingen zu lassen. Weil jeder von uns andere Einflüsse hat, ist der Sound sehr cool. Ich denke, dass wir mit diesem Album etablieren was der Vampires Sound wirklich ist, während es beim ersten Album darum ging den Hut vor unseren gefallenen Rock’n’Roll-Brüdern zu ziehen.“

Das Debut Album war also das Vorspiel, der Prolog, jetzt geht der Vampir aus dem Vyper Rom direkt an die Halsschlagader. Was ein passendes Wortbild für den rohen, rotzig-räudigen Sound von „Rise“ ist. Von den kakophonen Gitarren-Noises im Opener bis zum letzten Track hat man es mit einer wilden Platte zu tun, die denkbar wenig Interesse am Zeitgeist zeigt. Über weite Strecken könnte „Rise“ entgegen der Selbsteinschätzung Coopers durchaus als ein reines Alice-Album der jüngeren Vergangenheit durchgehen. Diese Sound-Komponente dominiert neben Punk-Einflüssen überdeutlich. Die bluesige Aerosmith-Seite spielt hingegen eine eher untergeordnete Rolle, dafür fehlt über weite Strecken die Melodik.
Im Vergleich zum Debut-Album stellt „Rise“ dennoch eine klare Weiterentwicklung dar, wirkt  in seiner recht langen, 16 Tracks umfassenden Spielzeit jedoch etwas „uneven“ und geht ziellos in unterschiedliche Richtungen.
Am Schluss sind es wieder die Covers (Johnny Depp brilliert bei Bowies „Heroes“ und Perry, der bei „You Can´t Put Your Arms Around A Memory“Johnny Thudners „channeled“ ) sowie die klassisch, schmissige Rockabilly-Nummer „Welcome The Bushwhackers“ mit Maestro Jeff Beck die am meisten überzeugen.
Credit Coverbild: © earMUSIC

Sonntag, 30. Juni 2019

Jørgen Angel: Led Zeppelin Denmark 1968-1970


Credit Bild: © Jørgen Angel 
Als sich am 7. September des Jahres 1968 ein überwiegend aus Teenagern bestehendes Publikum in erwartungsvoller Neugier in einer Schule in Kopenhagen einfand um dem Gig
einer gewissen Formation namens New Yardbirds zu lauschen, ahnte von den Anwesenden wohl kaum jemand, dass hier Geschichte geschrieben werden würde.
Den Gitarristen der Band, Jimmy Page kannten Bluesrock-Fans aus seiner Zeit bei den „alten“ Yardbirds, damals im Tandem mit einem weiteren sechssaitig-versierten Briten, Jeff Beck. Den ganz Eingeweihten war der  geheimnisvolle Mann mit der Telecaster
eventuell noch als Studiomusiker auf einer Reihe von Hit-Singles von der Insel bekannt, doch sonst gab es wohl wenig Anzeichen dafür, dass man hier ein mehr als denkwürdiges Konzert sehen würde. Wie es das Schicksal wollte, benannten sich die neuen Yardbirds jedoch alsbald in Led Zeppelin um und wurden zur prägendsten Heavy Rock-Band der kommenden Jahre. Das Gastspiel im hohen Norden sollte ihr erster offizieller Gig werden und so gewann der bleierne Zeppelin nicht etwa in einem der hippsten Clubs des Swingin´ London oder einer Counterculture-Bar in den USA an Flughöhe sondern auf dänischem Boden.

Mit dabei war auch ein 17-jähriger Einheimischer, für den Fotografie mehr als ein bloßes Hobby war und der an jenem Abend den Auslöser seiner Kamera regelrecht glühen ließ: Jørgen Angel war bei der Live-Geburt der Ikone dabei war und dokumentierte jenen ersten Gig sowie die weiteren Dänemark-Auftritte Led Zeppelins in den folgenden Jahren.
Nun ist im programmatisch betitelten, neuen Flying V Books-Verlag ein interessanter Bildband mit den Werken Andersens erschienen: Denmark 1968-1970 zeigt das Flugschiff  beim Abheben. Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass der blutjunge Jørgen schon in frühen Jahren den reifen Blick wesentlich älterer R N´R-Photographer hatte, seine Bilder wirken zu keinem Zeitpunkt wie Aufnahmen eines Teens sondern eher wie die eines Veteranen: Gestochen scharf, perfekt fokussiert und mit dem richtigen Gespür für die theatralische Dramatik einer Rock-Show.

So findet man in diesem Buch ein paar der legendärsten Rock N´ Roll-Shots die je aufgenommen wurden – Plant als der personifizierte Lion King mit Walle-Mähne oder Page „in full flight“ (siehe Bild oben). Einige Bilder kennt der Fan natürlich schon, doch Angel zeigt in diesem Buch nicht nur ein paar Ausschnitte von den Gigs sondern ganze Bildserien sowie Impressionen von den jeweiligen Vorbands. Wie man aus den dem Buch vorangestellten Widmungen entnehmen kann, haben Page, Plant & Jones ein durchaus enges Verhältnis zu Angel, der am Beginn dieses Review stehende Shot von Page mit seiner Les Paul gehört zu den persönlichen Lieblingsaufnahmen des ikonischen Gitarristen, der sich beim talentierten Däne für die festgehaltenen Erinnerungen bedankt.
Denmark 1968-1970 ist ein gelungener Bildband mit zeitlosen Aufnahmen und eine gute Ergänzung im Zep-Jubiläumsjahr.

Credit Bild: © Jørgen Angel Flying V Books

Freitag, 21. Juni 2019

PETER FRAMPTON BAND – ALL BLUES


Credit Bild: © Amy Harris           Universal Music
Überraschend kurzfristig kam vor einigen Monaten die Ankündigung von Peter Framptons heuriger US-Sommertour. Kenner des Musikbusiness wissen, dass Touren einer solchen Größenordnung – spätestens seit seinem 70er Live-Album „Frampton Comes Alive“ ist der gebürtige Brite immerhin ein absoluter Superstar des Classic Rock – gemeinhin mit einiger Vorlaufzeit angekündigt werden. Die Erklärung folgte dann auf dem Fuße und war ziemlich niederschmetternd: Es wird eine eilig geplante Farewell Tour werden, denn Frampton weiß nicht, ob er im nächsten Jahr überhaupt noch auf seinem gewohnten Top-Niveau spielen kann, leidet er doch an Inklusionskörper Myositis (IBM) - einer  äußerst seltenen, degenerativen Muskelerkrankung.

In der fraglos beklemmenden Gewissheit dass die Krankheit voranschreitet und in absehbarer Zukunft seine Finger seine Ideen nicht mehr umsetzen könnten, legte Frampton mit seiner Band Marathonsessions im eigenen Studio in Nashville ein um gleich mehrere Alben in kürzester Zeit aufzunehmen. Das erste dieser Reihe ist nun erschienen – auf „All Blues“ schließt sich ein Kreis; geht es doch zurück auf Anfang, zum britischen Blues Rock. Der bildete immer schon die Basis seines Spiels und in diesem Genre legte er auch mit Humble Pie das Fundament seiner Karriere. So war diese blaue Note zwar immer präsent in seinem emotional-lyrischen Stil, den Weg des reinen 12 Takte-Schemas ging er im Laufe seiner Solokarriere jedoch eher selten. Das aus 10 Coversongs bestehende „All Blues“ ist somit eine jener Platten, auf die so mancher Fan des „early Frampton“ lange gewartet haben wird.
Frampton selbst  beschreibt die Genesis dieses Albums wie folgt: „Ich habe es schon immer geliebt, den Blues zu spielen. „Als wir damals Humble Pie gründeten, haben wir anfangs nichts anderes gespielt. Und in den letzten zwei Jahren habe ich jeden Sommer, wenn ich Abend für Abend mit der Steve Miller Band auf der Bühne stand, auch immer eine Handvoll Bluesnummern eingestreut. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht, woraus dann die Idee entstehen sollte, so ein reines All Blues-Album zu machen – und zwar live im Studio mit meiner Band.“ Diese besteht aus seinen angestammten Mitmusikern  Adam Lester (Gitarre/Gesang), Rob Arthur (Keyboards/Gitarre/Gesang) und Dan Wojciechowski (Schlagzeug),  als Gäste schauten Kim Wilson, Larry Carlton, Sonny Landreth und Steve Morse vorbei.
Das Cover der CD ist ganz im Vintage Stil gehalten, bis auf das titelgebende Miles Davis-Cover frönt Frampton dem reinen Blues seiner frühen Vorbilder wie Muddy Waters, Willie Dixon, B.B. King, Bo Diddley oder Taj Mahal. Ähnlich wie zuletzt bei den Stones auf „Blue & Lonesome“ oder beim „The Big Bad Blues“ von Billy F. Gibbons merkt man, dass Frampton die Faszination dieser reinen Form dieser Musik nie losgelassen hat. 
Credit Coverbild: © Universal Music
 „All Blues“ ist das Album eines absoluten Routiniers, der hier vollends in seinem Element ist und sein bestes Album seit vielen Jahren vorlegt. Hier wirft ein Mann alles war er hat in jede Note und zelebriert die Musik, die ihn als Jugendlicher auf den richtigen Weg brachte. Textzeilen wie „I had my fun if I dont get well no more“ aus dem mit Licks a la 1966 augmentierten „I´m Going Down Slow“ erhalten Vor dem ernsten Hintergrund von Framptons Erkrankung überdies eine neue Intensität und Bedeutung.
Es wird schwer werden, diese Blues -Platte heuer noch zu toppen.

Mittwoch, 19. Juni 2019

SHREDDING THE BLUES

Credit Coverbild: © Alfred Music Publishing
Der Blues gilt als Inbegriff des emotionsgeladenen und seelenvollen Spiels, bei dem Instrumentalisten mit nunancierter Phrasierung und nur einer Handvoll Noten aus der Pentatonik eine ganze musikalische Geschichte zu erzählen vermögen. Shredding, das Spiel jenseits der Schallmauer und allen Geschwindigkeitsgrenzen, steht für viele Kritiker im krassen Gegensatz dazu: mit tausenden Noten pro Sekunde wird diese Standard-Spielweise der haarigen 80s als bloße Akrobatik  oder Fingerübung abgelehnt - mit vielen Worten wenig gesagt.

Vermeintlich sind dies also zwei vollkommen unvereinbare Spielarten - wie erst unlängst wieder bei der mitunter kontroversiellen Rezeption von Yngwie  Malmsteens Album  "Blue Lightning" offenbar wurde. Der Musikkenner weiß jedoch: "flashy playing" also der bewusste Einsatz aufmerksamkeitserregender musikalischer Pyrotechnik ist keineswegs eine Erfindung der Post-Van Halen-Zeit, vielmehr fand es sich schon im Spiel so mancher Legende des Chicago Blues Ende der 50er. Spätestens ab dem Britischen Blues Boom im Swingin' London der 60er etablierte sich auch das hochoktanige Preschen durch die 12 Takte - man denke nur an Eric Clapton und Cream, Jeff Beck oder Jimmy Page. Das gepflegte Shredden auf Bluesbasis ist seither nicht mehr wegzudenken aus dem Vokabular versierter Gitarreros, zumal es sich mit der Fähigkeit zum Shredden ja wie mit einem Auto mit ordentlich PS verhält: niemand muss oder soll ständig rasen, doch einen Geschwindigkeits-Boost im Ärmel zu haben kann nie schaden

Dieser Ansatz steht auch im Zentrum von "Shredding The Blues", einem Instructional-Buch von Gitarrenvirtuose Dave Martone der nach dem Motto
"Heavy Metal Guitar Meets The Blues" die akrobatische Seite des blauen Genres beleuchtet. Wobei er sich - anders als zuletzt etwa Greg Koch - mit mitunter ungewöhnlicher Gear (Parker Fly) einem sehr kontempotären und modernen Approach widmet.
Das Softcover-Buch kommt inkl. DVDs- die sowohl in Noten als auch Tabulatur notierten Beispiele kann man also sehr anschaulich in ausführlichen  Videos nachvollziehen.
Das  alles - richtet sich aber ausdrücklich nicht an Anfänger. Martone shreddet durch die Licks mit gehobenem Tempo, ideale Fingerings und Spielweisen muss man schon selber mitbringen, um die interessanten Ideen ins eigene Spiel zu inkorporieren. Zudem braucht man gut aufgewärmte Finger und mindestens fortgeschrittene Kenntnisse am Instrument, denn Martones Beipiele sind teilweise durchaus anspruchsvoll-beinhalten aber auch interessante Ideen für all jene die in Richtung zeitgenössichen Rock mit blauer Basis gehen wollen und dafür neue Techniken und Denkanstöße suchen.

 https://www.alfredmusic.de/shredding-the-blues.html

Montag, 17. Juni 2019

TASCHEN SALE und MOONFIRE GEWINNSPIEL


Book-Aficionados wissen: wenn die Temperaturen in den oberen Bereich steigen, ist auch der mittlerweile traditionelle Sale des Kölner Luxusverlags Taschen nicht mehr weit - und so gibt es auch heuer wieder für alle passionierten Coffee Table-Fans und Liebhaber luxuriöser Bildbände bis zu - 75 % auf Display- und Mängelexemplare der Bildbände aus den Bereichen Film, Musik, Popkultur, Kunst, Fotografie, Comic, Erotik, Architektur oder Mode & Design.
  
Hier die genauen Daten & Adressen: 

Warehouse Sale 27.- 29. Juni 2019

in den Flagship-Stores 
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)
Taschen Store Hamburg (Bleichenbrückengasse 1-7)

und natürlich auch online

WIN - WIN WIN
Credit Coverbild: ©  Taschen Verlag
Passend dazu verlose ich in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag ein Exemplar der anlässlich des 50. Jahrestags der ersten Mondlandung neu erschienenen Jubiläumsedition von Norman Mailers  MOONFIRE“.

Mailer, diese Ikone des „literary journalism“, wurde Ende der der Sixties vom LIFE Magazine beauftragt, über den geschichtsträchtigen Flug der Apollo 11 zum Mond in einer dreiteiligen Essayserie zu berichten. Dieses natürlich extrem lesenswerte Musterbeispiel von packendem Journalimus mit künstlerischem Anspruch bildet das Herzstück des Moonfire-Bands der mit hunderten von Fotografien und Plänen aus dem Fundus der NASA, aus Zeitschriftenarchiven und Privatsammlungen illustriert ist.
Diese Chronik eines großen Schritts für die Menschheit ist ein faszinierendes Zeitdokument - auch für jene, die noch immer meinen, dass der erste Schritt auf dem Mond eigentlich von Regisseur Stanley Kubrick in einem Studio aufgenommen wurde 😄.

Klingt interessant und Ihr wollt diesen Band euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „Moonfire Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 31.Juli 2019.
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die „Places To Be“ der Sixties: Jim Marshalls THE HAIGHT und Guy Websters BIG SHOTS


Credit Bild: © Jim Marshall   Insight Editions
Paris hatte die blühende und bisweilen explosive Studentenszene, nahe New York fand das ikonisch gewordene Woodstock-Festival statt, London swingte sowieso schon in der ersten Hälfte der 60s massiv und München hatte immerhin die Kommune 1 mit einem der faszinierendsten Hippie-Girls ever, Uschi Obermaier. Doch nirgendwo sonst war die Konzentration aller Attribute der Gegenkultur so hoch wie an der Westküste der Vereinigten Staaten: Insbsondere San Francisco und Los Angeles wurden zu den absoluten „places to be“ , an denen sich die Superstars und Otto-Normal-Hippies  ansiedelten.

Wer "tuned in" und hip war und nach Frsico reiste musste bspw. unbedingt nach Haight Ashbury - dem unrthodoxen Künstlerviertel, das nach der Kreuzung von Haight Street und Ashbury Street benannt ist und zum magischen Sehnsuchts-Ort vieler Aussteiger wurde. Hier florierte zunächst die Beatnik-Szene (man erinnere sich an Ginsberg, Kerouac), später regierten dann die Flower Children.
Da man dort nicht nur mit Blumen im Haar wie bei Scott Mckenzie unterwegs war, sondern in den Taschen der Bewohner mitunter noch etwas anderes fand wurde das Viertel alsbald als "Hashbury" bekannt und je nach Blickwinkel (also wenn man Teil von Nixons "silent majority" war) berüchtigt. Der freie Lebenstil und die Zelebrierung eines "grenzenlosen" Daseins zog auch viele der prominentesten Vertreter der Counterculture- und Musikszene an: Hier konnte man durchaus John Cippolina und seinem Quicksilver Messenger Service oder Jery Garcia und die Grateful Dead, Janis Joplin oder Jimi Hendrix über den Weg laufen. Yep, the Haight was truly happening...Sie alle sieht man auch in dem überbordenden Monumentalwerk über das Kultviertel , das im US-Kunstbuchverlag Insight Editions erschienen ist.
Credit Bild: © Jim Marshall   Insight Editions
The Haight – Love, Rock And Revolution" von Rock N´Roll Photographer extarordinaore Jim Marshall zeigt alle Facetten Hashburys und erzählt von einer Zeit als für einen kurzen Moment wirklich alles möglich schien. Marshall gilt als einer der wichtigsten Chronisten der damaligen Zeit, war er doch bei fast allen Schlüsselevents des bunten Jahrzehnts dabei. Und auch seine Innenaufnahmen dieser außergewöhnlichen Community vermögen ähnlich wie seine Live-Bilder und seine Woodstock-Impressionen ein Lebensgefühl einzufangen.
Ein Wesensmerkmal der meisten  coffee table-Bücher ist ihr im Vergleich zum Text überproportionaler Bildanteil. "The Haight" sprengt jedoch dieses Format, der Text ist hier ebenso interessant wie die Bilder (Vorworte stammen von Donovan und Jorma Kaukkonen btw).Marshalls überbordender Loveletter an das Kultviertel ist ein Bildband wie ein Geschichtsbuch, der für den geneigten Sixties-Fan die Blütezeit von Haight Ashbury ein Stück weit aufleben lässt.
Credit Bild: © Guy Webster   Insight Editions
Auch Marshalls Kollege Guy Webster fand sich im Auge des Orkans, der die Kultur-Revolution  der 60s war, wieder. Allerdings nicht in Frisco sondern in seiner Heimat, der Stadt der Engel - die war in wohl noch viel größerem Maße das Epizentrum von Glamour der auf die Gegenkultur traf. Websters großformatiger Bildband "Big Shots. Rock Legends & Hollywood Icons. The Photography Of Guy Webster", ebefalls bei Insight Editions erschienen, erzählt von dieser speziellen Zeit als das alte vom neuen Hollywood abgelöst wurde, sich wie in der Musik zuvor ein neuer Typus von Lead Actors etablierte und Los Angeles - ähnlich wie Haight Ashbury, nur in größerem Maßstab - zum Anziehungspunkt von Rock- und Folkstars sowie einer neuen Generation Filmstars wurde.

Webster fand dieses neue Wonderland quasi direkt vor seiner Haustür. Und als ganz früher Vetreter der  damals neuen Rock N' Roll- Fotografie hielt er diesen speziellen Moment in der Geschichte von Tinseltown und Umgebung mit seiner Nikon fest. Obwohl es kein Handbuch gab um durch die Sixties zu navigieren, wie es der Künstler selberaudrückt, stürzte er sich in ein augregendes Kalifornien und hielt ab den Sixties viele der größten Celebs und Künstler fest: wer in L.A. wohnte oder Angel City besuchte wurde meist auch von Webster fotografiert. Seine teils traum- oder tranceartigen Impressionen  von den Doors, den  Stones, Mamas & The Papas, Jack Nicholson oder Dennis Hopper 
sind jedenfalls besser als jeder L.A.-Reiseführer zur Einstimmung auf Quentin Tarantinos kommenden " Once Upon A Time In Hollywood" geeignet.