Donnerstag, 1. Dezember 2016

Nicolas Winding Refns THE NEON DEMON Mediabook


Credit Coverbild: © Koch Films  Koch Media
Die naive Jesse (Elle Fanning) hat ihre rurale Heimat in Georgia verlassen um in Los Angeles als Model durchzustarten. Glücklicherweise bringt die unbedarfte Sechzehnjährige alles mit, was es braucht um in der Fashion-Welt erfolgreich zu sein: Sie verfügt nicht nur über ein unverbrauchtes, hübsches Gesicht sondern ist auch super schlank und großgewachsen. Doch da ist noch etwas, dass sie von ihren Model-Konkurrentinnen deutlich unterscheidet: Selbst abgeklärte Fotografen und abgehobene Designer fühlen sich scheinbar magisch zu ihr hingezogen - sie ist etwas Besonderes, hat das gewisse Etwas.  Dass Jesse so als No-Name aus dem Nichts kommend rasch Karriere im Business macht bleibt auch ihren nur scheinbar freundlichen Kolleginnen (u.a. Topmodel Abbey Lee ) nicht verborgen, denen alle Mittel recht zu sein scheinen, um Erfolg zu haben.



Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

In seinem neuesten Film zeigt der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn das Innenleben der hermetisch abgeriegelten Parallel-Welt der Fashion-Industrie, die bis auf wenige Ausnahmen (man denke etwa an Mario Bavas Giallo „Blutige Seide“ von 1964 oder Irvin Kershners  „Die Augen der Laura Mars“ von 1978) als filmischer Handlungsort von Thrillern bislang weitgehend ungenutzt geblieben ist. Dieses unverbrauchte Setting dient Refn als Backdrop für einen der ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre - der gleichermaßen mit Genre-Konventionen wie mit Zuschauer-Erwartungshaltungen spielt.

Im bisherigen Gesamtwerk Refns liegt „The Neon Demon“ genau zwischen den Artfilm-Experimenten von „Valhalla Rising“ oder „Only God Forgives“ und dem kommerzielleren „Drive“. Wie schon bei diesen Vorgängerfilmen lässt sich nicht eindeutig festmachen, welchem Genre man Refns jüngstes Werk eigentlich zuordnen kann. Der Filmemacher vereint vielmehr mannigfaltige Elemente zu einer Tour De Force durch die unterschiedlichsten Filmgattungen: „The Neon Demon“ hat etwas von einem Thriller, gleichzeitig ist er aber auch ein Märchen, in dem die Hauptfigur wie einst Alice im Wunderland immer tiefer in eine surreale Welt eintaucht. Refn verwendet  aus dem Horrorfilm entlehnte Topoi genauso wie an den Experimentalfilm eines Alejandro Jodorowsky angelehnte Passagen. Sogar Exploitation - Einflüsse kann man ausmachen -  mit dieser wilden Mischung balanciert Regisseur Refn auf der feinen Linie zwischen unterkühlt intellektuellem Arthouse und rohem Grindhouse-Kino.



Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

Der Zuseher denkt so unweigerlich an drei große Regisseure: Dario Argento Brian De Palma und Paul Verhoeven. An Argentos Meisterwerk „Supsiria“ und dessen „fairy tale gone wrong Thematik und wegweisende Farbgestaltung erinnert der wie aus einem Modemagazin gestaltete Abstieg Jesses in einen Alptraum des schönen Scheins. Die erste Einstellung gemahnt - ohne zuviel vorweg zu nehmen - an den Beginn von De Palmas „Body Double“, auch die Verbindung von elegischer Schönheit, sexueller Obsession und düsteren Violence-Elementen erinnert an den italo-amerikanischen Suspense-Meister. Refn führt gerade in den Dialogen seiner Figuren einen Meta-Dikurs über die Fashion-Welt an sich. Es ist ein Ort, an dem Schönheit der höchste Imperativ ist und makellose Ästhetik als goldenem Kalb gehuldigt wird -   zynisch blickt der Regisseur auf eine oberflächliche Welt, die ihre Protagonisten - sprich, vor allem die Models - aussaugt und dann beinhart fallen lässt. Diese Abrechnung mit einer Branche hat etwas von  Paul Verhoevens schmutziger Showbiz-Satire „Showgirls“ - auch durch die teils etwas platten und recht plakativen Dialoge.

Neben dieser Genre-Mischung ist „Neon Demon“ - wie schon „Drive“ - im Kern ein L.A.-Film, der in drama-artiger Manier, das Leben in der Stadt der Engel abseits vom gleißenden Licht des Sunset Boulevards zeigt. Refns Kalifornien spielt sich vornehmlich in den Schatten ab. In diesen Schatten lauern Abgründe, die der Däne genüsslich auslotet - und dabei auf eine großartige Darstellerriege zurückgreifen kann: Elle Fanning ist überzeugend in der Rolle der naiven Jesse, die zwischen kindlich-jugendlicher Unschuld und wachsendem Narzissmus changiert. Beim sie belauernden Umfeld, das rasch Notiz von dem zurückhaltenden, seltsam passiv und teilnahmslos wirkenden Mädchen nimmt, stechen vor allem die laszive Abbey Lee (u.a. als Gesicht von Versace- Kampagnen und aus „Mad Max: Fury Road“ bekannt“) und Jena Malone als emotional bankrotte Make Up Artistin hervor. Bei den Nebenrollen gefallen vor allem Keanu Reeves als schmieriger Hotel-Besitzer und Desmond Harrington (u.a bekannt als Quinn aus „Dexter“ ) als grantelnder Fotograf.

Credit Bild: © Koch Films  Koch Media


Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

Im Kino geriet  der Film zu Flop - eine weitere Parallele, die man zu Verhoevens  Pleite „Showgirls“ ziehen kann - doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Der Film hat fraglos einige Schwächen - das Narrativ des „Neon Demon“ ist  nicht eben „story driven“. Das Grauen, das von der ahnungslos erscheinenden Jesse zunehmend Besitz ergreift, nähert sich in ähnlich schleichendem Tempo wie der gesamte Handlungsablauf des Films. Man fragt sich wieso Refn sich die eigentlich spannenden Ereignisse bis wirklich ganz zum Schluss aufhebt. Das Finale wirkt gegenüber dem teil allzu gemächlichen Tempo des Streifens geradezu überhastet - wenngleich die Wirkung alles andere als verfehlt wird.

Insgesamt ist „The Neon Demon“ wie die meisten Werke Refns etwas schwierig. Refn ist trotz der Verschrobenheit seiner Filme einer der interessantesten Filmemacher der letzten Jahre, dem man zu gute halten muss, dass er in Zeiten rein kommerzieller Superhelden-Blockbuster mit einem solchen Film ein Wagnis eingeht. Trotz Längen ist „The Neon Demon“ ambitioniertes Genre-Kino, das vor allem fashion-affine Kunstfilm-Fnas anspricht.

Credit Bild: © Koch Films  Koch Media
Zur Mediabook-Version:

Windig Refns Film ist zweifelsohne der durchgestylteste Streifen des Jahres - und dazu passt auch dann die Aufmachung des limitieren 4 Disc Mediabooks, das genau dem unterkühlen Styling des Films entspricht und ein toll gemachtes Sammlerstück darstellt- Der Cineast findet in diesem Sammlerstück in Buchform neben einem 24 seitigen Booklet den Film gleich in zweierlei Ausführung als Blu ray und als DVD - wobei beide mit ausgezeichneten Bildwerten in absoluter Referenzqualität aufwarten, was die komplett artifiziell wirkende Welt, die Refn entwirft, auch braucht. Schon die Haupt-Discs enthalten interessante Features wie Interviews, ein weitere Bonus-Discs umfasst interessante Featurettes, die  die man wirklich nicht skippen sollte, da  sie ziemlich in die Tiefe gehen und einen vom Film besessenen Regisseur, dem man seine Begeisterung für das Medium anmerkt, zeigen. Als Disc Numero 4 gibt es noch den Soundtrack von Cliff Martinez - der OS.T. enthält zwar nicht direkt Ohrwürmer, dafür passt der synth-lastige 80s-Score exzellent zum eiskalten Flair des Films.

Mittwoch, 30. November 2016

METALLICA - HARDWIRED...TO SELF DESTRUCT


Credit Coverbild: © Universal Music
Wenn eine Band aufhört eine einfache Band zu sein und in den höheren Status einer Legende erhoben wird, geht dies automatisch mit einer interessanten Veränderung in der Rezeption ihres Werkes einher: Frühere Aufnahmen werden meist nur mehr gefiltert durch den Schleier der Verklärung betrachtet, neue Veröffentlichungen - denen es häufig an Innovation mangelt - werden unverhältnismäßig wohlwollend wahrgenommen.
Bei Metallica, war dies immer ein bisschen anders: Obwohl sie schon 1991 mit dem  noch heute begeisternden „Black Album“ endgültig zur wohl größten Heavy Metal-Band des Planeten aufstiegen, wurden sie nach dieser künstlerischen Großtat alles andere als mit Samthandschuhen angefasst:
Zeitgenössische Americana-Ausflüge auf den zu Unrecht immer wieder geschmähten „Load“ und „Re-Load“ stießen auf ähnlich wenig Gegenliebe, wie die permanente Neuerfindung der Band entgegen dem genre-immanenten Stillstand. Dass sich Kirk Hammett von seinen eigenen, edlen Signature-Gitarren-Effektpedalen begeistert zeigte wurde ebenso argwöhnisch begutachtet, wie der Umstand dass er und seine Kollegen James Hetfield, Lars Ulrich und Robert Trujillo unlängst ihre „black in black“-Uniform für eine Werbekampagen gegen Brioni-Anzüge tauschten.

Das neu erschienene „Hardwired...To Self-Destruct“ ist nun ihr erstes Studioalbum seit 8 Jahren und obwohl man bei Metallica vorher nie genau wissen kann, was man bekommt-ist die neue Veröffentlichung noch mehr als ihr  Vorgänger „Death Magnetic“ eine Rückbesinnung auf frühere Zeiten geworden - ein Konsens-Album - bzw. ein  Doppel Album; denn die 12 neuen, meist recht langen Songs sind auf 2 CDs gesplitted.

Credit Bild: © Universal Music
Der Opener „Hardwired“ zeigt schon in welche Richtung es die nächsten 11 Nummern lang geht: aggro !!!... eine erbarmungslose Abrissbirne - deren Brutalität jedoch nicht so roh ist wie beim Selbsttherapie-Werk „St. Anger“ sondern eher an die 80er erinnert - mit militärischem  Rhythmus  und kreischend solierendem Hammett.
Überhaupt wirkt das Album für langjährige Fans sehr vertraut - Hetfields düstere Lyrics als kritischer Kommentar zur momentanen Weltlage, die halsbrecherischen Tempiwechsel, die geschickt platzierten Breaks, die unverwechselbaren Grooves und Dampfwalzen-Riffs, Hammets Solo-Exzesse und Ulrichs Tempo an den Drums....
Metallica erfinden sich hier nicht neu und experimentieren weniger als noch in den 90ern.
Insgesamt gemahnt das Album weniger an das schwarze Album, als an die härtesten „Master Of Puppets“-Titel oder die Progressivität von „...And Justice For All“.

Nur dass im Gegensatz zu diesen Werken, durch das Fehlen richtiger Balladen und der das gesamte Album dominierenden Aggressivität die Abwechslung etwas zu kurz kommt.
Die geschickten Arrangements erhalten trotzdem den Spannungsbogen über die gesamte Spieldauer aufrecht - und immer wieder beeidnrucken diese genialen Riffs, die einfach niemand so perfekt im Gleichklang spielt wie Hetfield und Hammett.



Credit Bild: © Universal Music

Auch wenn „Hardwired...“ insgesamt die Kompaktheit des schwarzen Albums und teilweise die Melodiosität früherer Werke fehlt, so ist die Platte doch sehr gut geworden -
Metallica  zeigen keinerlei Anwandlungen langsamer zu werden und demonstrieren mit einer beeindruckenden Mühelosigkeit allen Konkurrenten/Kollegen, wer nach wie vor die Leitwölfe im Genre sind.

Die empfehlenswerte Deluxe Version des Albums erweitert das bestehende 2 Disc-Album noch um eine CD - u.a. mit einer neuen Version der einst limitierten Single „Lords Of Summer“, einigen Cover-Songs (einem Medley aus Rainbow Cover-Songs für Ronnie James Dio, der Deep Purple-Nummer „When A Blind Man Cries“ , dem Maiden-Cover „Remember Tomorrow“ und einer „Diamond Head“-Interpretation).
Zudem gibt es einige Livetracks mit Songs von „Kill Em All“, „Ride The Lightning“ und einer Live-Version von „Hardwired“.

Mittwoch, 23. November 2016

PETER LINDBERGH - A DIFFERENT VISION ON FASHION PHOTOGRAPHY GEWINNSPIEL und SIGNIER-EVENT im TASCHEN Store

Mit seiner expressiven Bildsprache und perfekt stilisierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen zählt Fotograf Peter Lindbergh seit Jahrzehnten zu den Fixgrößen der internationalen Fashion-Szene. Seine monochromen Bilder sind weniger offensiv als die Werke vieler seiner Kollegen, dabei jedoch von einer bestechenden, ungekünstelten Natürlichkeit (siehe etwa das Kate Moss-Bild weiter unten).
In ihrer Eindringlichkeit gemahnen sie oft eher an Stills aus einem Film als an reine Fashion-Shoots. Dieser Stil war es auch, der Lindbergh zu einem der gefragtesten Fotografen werden ließ - Legendär etwa seine Aufnahmen aus der Supermodel-Ära der 90er, in der Lindbergh die ikonische Aufnahme von  Cindy Crawford Tatjana Patitz, Naomi Campbell, Linda Evangelista und Christy Turlington fürs Januar 1990-Cover der britischen Vogue schoss.

Nun ist im Taschen Verlag eine umfassende Retrospektive auf sein Werk erschienen.
Dieses neue Buch wird der Starfotograf am Samstag, den 3. Dezember 2016 beim großen Taschen-Store Event von 16-18 Uhr signieren.

Adresse:
Schlüterstraße 39
10629 Berlin

WIN-WIN-WIN

Passend dazu gibt es ein Gewinnspiel in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag. Ihr könnt den aktuellen Bildband „Peter Lindbergh. A Different Vision on  Fashion Photography“ gewinnen.
Credit Coverbild: © Peter Lindbergh   Taschen Verlag
Peter Lindbergh. A Different Vision on Fashion Photography
Taschen Verlag
€ 59,99
Ihr wollt den stylischen Band gewinnen ?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit mit der Betreffzeile „ Peter Lindbergh. A Different Vision on  Fashion Photography Gewinnspiel

2) In die Mail schreibt ihr den Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

3) Schickt die Mail an  c.henrich@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 02. Dezember 2016
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Donnerstag, 17. November 2016

AVENGED SEVENFOLD - THE STAGE


Credit Coverbild: © Universal Music

Völlig überraschend und von kleinen mehr oder minder versteckten Botschaften abgesehen auch ohne große Vorankündigungen veröffentlichten die US-Metaller von Avenged Sevenfold unlängst ihr neues Album.

Obwohl der Titel „The Stage“ mitunter anderes vermuten lässt, ist der Nachfolger zum 2013er „Hail To The King“ kein Live-Album geworden sondern stellt das neueste Studiowerk der Band dar - und das ist zugleich eine Premiere für AX7: ihr 7.Album ist nämlich ein recht episch ausgelegtes Konzeptalbum - produziert zusammen mit Joe Baressi (man kennt ihn als Mann hinter den Reglern bei den Stoner-Rockern Queens Of The Stone Age oder den Prog-Metallern von Tool).
Der futuristische rote Faden, der sich durch die 11 Tracks der Platte zieht ist das Thema „Künstliche Intelligenz“ -und wer Metal-Fan ist, weiß, dass auf dieser Platte kein rein positiver Lobgesang auf die Wunder der neuen Technik zu erwarten ist.
Inspiriert von Texten von US-Astronom/Schriftsteller Carl Sagan und Tech-Geschäftsmann Elon Musk behandelt die Band kritisch ein Thema, das aktueller nicht sein könnte.
Credit Bild: © Universal Music

Besonders stark ist das atmosphärische Intro von „The Stage“ - Mit unheilvoll dräuendem Synth/Orgelintro gefolgt von einer neoklassich inspirierten Licks setzt der Opener den Ton für die kommenden Tracks -  die sich trotz der modernen Sci-Fi-Thematik  immer wieder auch klare Bezüge zur Vergangenheit des Heavy Meta-Genres aufweist  - etwa mit Twin-Guitar-Harmonien, die an Iron Maiden gemahnen.
Überhaupt sind es auf „The Stage“ vor allem die interessanten Riffs und immer wieder die shreddigen Solo-Einlagen von Gitarrero Synyster Gates die aus den teils etwas überladen wirkenden Songs herausstechen.
Wer Metal moderner Ausrichtung mag, bekommt mit „The Stage“ eine solide Platte, die sich nahtlos in die bisherige A7X-Diskographie einfügt - und aufgrund der Länge und Komplexität der Songs mehrmalige Durchläufe rechtfertigt -  nur wäre bei aller Mächtigkeit der Riffs und dem interessanten Konzept-Ansatz etwas mehr Abwechslung gut gewesen- alte AX7-Fans werden dennoch auch zu dieser Platte headbangen. Nur neue Anhänger werden mit „The Stage“ wohl kaum bekehrt werden.

Mittwoch, 16. November 2016

METALLICA - Hardwired...To Self Destruct #AskMetallica Live-Chat

Diesen Freitag veröffentlichen die Four Horsemen aus der Bay Area, Metallica, ihr neues Studioalbum „Hardwired...To Self Destruct“ ---- eine Platte, die - wenn  man von den Vorab-Tracks ausgeht - äußerst wütend und aggressiv ausfallen dürfte und so auch „Kill Em All“-Fans der ersten Stunde begeistern dürfte.


Derzeit befindet sich die Band auf großer Promo-Tour durch Deutschland und wer den Metal-Legenden schon immer eine Frage stellen wollte, sollte heute Nachmittag auf alle Fälle hier bei „6strings24frames“ reinschauen.
Ab 15:00 gibt es nämlich  einen Livestream des Fanchats mit den Metallica Musikern.
Fans haben schon jetzt die Möglichkeit eine persönliche Frage an James Hetfield, Kirk Hammett, Lars Ulrich und Robert Trujillo zu richten - ganz einfach via Facebook, Twitter und Youtube (siehe unten) mit dem Hashtag #AskMetallica
Ausgewählte Fragen werden dann im Livechat ab 15:00 beantwortet.


Montag, 14. November 2016

JOE BONAMASSA - LIVE AT THE GREEK THEATRE


Credit Coverbild: © Provogue/Mascot Label Group
Es gibt derzeit wohl kaum einen Musiker der mit einem derartigen Tempo und in derartiger Frequenz tourt und Alben veröffentlicht wie der New Yorker Bluesman Joe Bonamassa. Auf seinem jüngsten Release erweist er drei der größten Legenden des Blues seine Reverenz. Nach dem Tribute an Muddy Waters und Howlin Wolf in Red Rocks  folgt mit „Live At The Greek Theatre“ nun die musikalische Verneigung vor den drei „Kings“ des Blues - den drei Namensvettern B.B. King, Albert King und Freddie King.
Mitgeschnitten auf der „Three Kings Tour“ erscheint der Gig aus der L.A.-Konzertvenue in allen Formaten als Doppel.CD, DVD und Blu ray und Vinyl.
Credit Bild: © Christie Goodwin   Provogue/Mascot Label Group
Die Setlist setzt sich gänzlich aus ausgewählten Stücken der drei Legenden zusammen, auf eigene Nummern verzichtet Bonamassa im Gegensatz zu den „Muddy Wolf“-Shows vollständig. Joe ist extrem authentisch in Notenauswahl, Phrasierung, Ton und auch Equipment - denn der Musiker hat als Vintage-Sammler natürlich einige besondere Schätzchen aus der Gitarren-Historie dabei - darunter auch eine Gitarre, die Albert King himself gehörte.Mit geradezu chirurgischer Präzision bringt Bonamassa seine Gitarren (überwiegend Gibsons) zum Singen. Dabei balanciert er auf dem schmalen Grat mit an Klassik gemahnender, werkgetreuer Aufführung und individueller Interpretation des Repertoires.

Teilweise gewinnt man den Eindruck Bonamassa ist schon zu nah an den Originalen - insbesondere extrem häufig gecoverte Stücke wie „Hideaway“, „Born Under A Bad Sign“  oder „Oh Pretty Woman“ werden zwar in handwerklich-technischer Sicht einwandfrei wiedergegeben - stellenweise wirken die Versionen vom „Greek“-Gig allerdings auch etwas steril, hat man doch diese Stücke in den letzten Jahrzehnten schon in wesentlich schmissigeren und experimentelleren Versionen gehört. Wer also die hart rockende Seite des Joe B. präferiert, kommt hier etwas weniger auf seine Kosten. Am besten ist der „Greek“-Gig allerdings immer dann, wenn Bonamassa so richtig aufdreht, das Ausgangsmaterial mit rockiger Aggression spielt und so das Korsett der überlebensgroßen - Vorlagen verlässt - wie etwa beim frenetischen „Going Down“.

Credit Bild: © Christie Goodwin   Provogue/Mascot Label Group

Zum Bonus-Material:
Die Features der DVD/Blu ray-Version sind ziemlich sehenswert: einen interessanten privaten Einblick erhält man bei einem Interview mit Joes Eltern; ins Studio geht es in einem Musikvideo zum BB King-Clapton-Song „Riding With King“ (der passend zur „Three Kings“-Thematik in „Riding With The Kings“ umbenannt wird). Die obligatorische Bildergallerie darf genauso wenig fehlen wie ein Blick hinter die Kulissen der Show.

Der Mitschnitt vom „Greek“-Konzert ist insgesamt ein schöner Tribute an die drei Kings,
das überaus hohe Niveau auf dem Bonamassa operiert gehalten - auch wenn man von ihm schon mitreißendere Gigs gesehen hat.

Freitag, 11. November 2016

THE ROLLING STONES - HAVANA MOON

Wenn plötzlich der Ruf des Midnight Ramblers mit der Stimme einer verzerrten Blues-Harp durch die klebrige Schwüle der kubanischen Nacht gellt, dann sind die Stones im Land des Bärtigen gelandet.
Credit Coverbild: © Universal Music
Die Stones-Festspiele des Jahres 2016 gehen munter weiter - nach dem vor dem Sommer veröffentlichten Unplugged-Gig „Totally Stripped“ und dem die Jahre 1964-1969 umfassenden, aufwändigen Boxset „The Rolling Stones In Mono“ dokumentiert nun „Havana Moon“ den  historischen Karfreitags-Gigs vom 25. März 2016.

An jenem Tag spielten die Stones als Finale ihrer „América Latina Olé“-Tour ein Gratis-Konzert in Havanna - kurz nachdem US-Präsident Barack Obama von Fidel Castros Bruder Raul empfangen wurde. Dass nach dem Besuch des „Leader Of The Free World“ die  Steine in Havanna anrollten wurde ebenfalls zum geschichtsträchtigen Event: Während die ältere Generation der Sechziger im Rest der Welt ob dieser „unmöglichen“ Band mit ihren langen Haaren und dem offensichtlich die Jugendlichen verderbendem Sound die Nase rümpfte, war der Rhythm N´ Blues der Steine im Land Castros gar verboten.

Jagger in seinem Element
Credit Bild: © Getty Images     Universal Music

Doch die Zeiten ändern sich bekanntlich - erst seit wenigen Jahren hat sich der kommunistische Inselstaat dem Westen geöffnet. Und nachdem bereits die Haute Couture von Modezar Karl Lagerfeld mit einer Chanel-Show im vermeintlich antikapitalistisch Inselstaat zugelassen wurde, brach nun auch noch der nächste Damm und rund eine Million Zuseher hatten die Möglichkeit zum Ort einer Rock N´ Roll-Zelebration zu pilgern. 

Hier ein Blick ins Konzert mit dem ewigen Ausschweifungsklassiker „Brown Sugar“:


Die Tracklist:
Jumpin´ Jack Flash
It´s Only Rock N´ Roll (But I Like It)
Out Of Control
Angie
Paint It Black
Honky Tonk Women
You Got The Silver
Midnight Rambler
Gimme Shelter
Sympathy For The Devil
Brown Sugar
You Can´t Always Get What You Want
(I Can´t Get No) Satisfaction

Bonus Tracks:
Tumbling Dice
All Down The Line
Before They Make Me Run
Miss You
Start Me Up

Natürlich muss man im Hinblick auf die Lied-Auswahl anmerken, dass es sich - abseits von den historischen Rahmenbedingungen und der ideellen Bedeutung des Gigs - weitgehend um „business as usual“ in Sachen Stones-Konzerte handelt. Die Setlist setzt sich abseits von „Out Of Control“, „You Got The Silver“ vom „Let It Bleed“-Album oder dem „Exile On Main Street“-Shuffle „All Down The Line“ vornehmlich aus den bekanntesten Gassenhauern zusammen.
Das Richards-Spotlight mit „Before They Make Me Run“ ist dabei ebenso bekanntes Ritual wie das Finale mit dem frühen Bandklassiker „Satisfaction“. Gerade bei einem solchen Ereignis wird sich manch langjähriger Hardcore-Fan eine etwas abenteuerlichere Songauswahl und mehr  selten gespielte Raritäten erhofft haben. Aber gut, die Kubaner mussten Jahrzehnte auf einen Gig ihrer Helden warten - so gibt es eben ein Greatest Hits-Set. Und trotz der Absenz großer Überraschungen ist „Havana Moon“ ein stones-typisches Show-Spektakel - auch wenn auffällt, dass die Songs des Kuba-Gastspiels durchaus schon mal mit mehr Drive und Power gespielt wurden.
Die Stimmung im Publikum ist trotzdem ausgelassen bis frenetisch - das Lebensgefühl am Malecón, dass Pedro-Juan Gutiérrez in seinen Büchern beschreibt, steigt förmlich aus den
ultra-scharfen Bildern der Blu ray.
Die Möglichkeiten dieses HD-Mediums werden auch optimal genutzt, denn die Kameras fangen in cinematischen Einstellungen wahrlich traumhafte Bilder ein, von der effektvollen Bühne mit ihren HD-Videowalls, den entfesselten chicas vor der Stage  oder dem gut gelaunt-lässigen Zusammenspiel der Band - und über allem wacht der titelgebende Mond Havannas.  

Die imposante Bühne bei "Sympathy For The Devil"
Credit Bild: © Getty Images    Universal Music

Cuba Libre: Die Stones mögen mit diesem Gig Kuba nicht frei gemacht haben,
aber es ist ein weiteres Symbol der Öffnung eines vormals abgeschotteten Landes, das langsam aus dem selbstgewählten Exil zurückkehrt. Die Zeiten in denen  Musik ein bisschen die Welt verändern konnte mögen vorbei sein, der historische Nimbus dieses Kuba-Auftritts war sicher größer und spektakulärer als der Gig selbst - doch wenn die weltgrößte Rock N´ Roll-Band ihre zeitlosen Klassiker an einem solchen Ort spielt, dann hat das was von einem Ereignis - und "Havana Moon" fängt die Stimmung dieses Karfreitags sehr gekonnt ein.

Ein gut gelauner Ronnie Wood mit Vintage Fender Stratocaster
Credit Bild: © Getty Images      Universal Music

Dienstag, 8. November 2016

SLASH FEATURING MYLES KENNEDY AND THE CONSPIRATORS - LIVE AT HE ROXY 25.9.2014


Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment, Eagle Vision, EDEL
Und beinahe war es wieder 1987.
Am 25.September letzten Jahres kehrte Slash mit Myles Kennedy und den Conspirators
wieder an den Sunset Strip zurück um einen Gig im legendären Roxy in West Hollywood zu spielen - einem jener Orte an dem in den Achtzigern für Guns N´ Roses alles angefangen hatte. Und tatsächlich: für diesen einen Abend - den man nun per Blu Ray Revue passieren lassen kann - wähnte man sich beinahe wieder in der Zeit des Höhepunkts des L.A.-Hard Rocks - wenngleich die Anzahl an entsprechend aufgedonnerten Rock Chicks im Publikum - als Kontrast zu den Eighties - mehr als überschaubar blieb.
Der Gig geriet dennoch triumphal - die derzeitige Besetzung u.a. mit dem jungen Frank Sidoris an der zweiten Gitarre harmoniert geradezu perfekt. Myles Kennedy mit seiner beeindruckenden Stimme, die von tiefergelegt bis hin zu sirenenartig alle Schattierungen abdeckt, ist der beste Sänger mit dem Slash seit dem Guns N´ Roses-Ende in einer Band gespielt hat. Die Setlist des routinierten Gigs besteht aus einer Mischung von Solonummern („Back From Cali“, „Ghost“ oder „Anastasia“), Velvet Revolver („Slither“) und natürlich Guns N´ Roses-Klassikern („Nightrain“, „Sweet Child O´ Mine“, „You Could Be Mine“ oder als Finale „Paradise City“).
Gerade Songs wie „Back From Cali“ fügen sich dabei gut neben den  Sleaze-Klassikern aus früheren Zeiten ein. Bei anderen Songs der letzten Jahre wie etwa „Ghost“  merkt man dennoch , dass ihnen diese hymnisch-zeitlose Qualität des „Appetite For Destruction“-Albums fehlt.

Als Zuseher dieses Konzertfilms ist man sehr nah an der Band dran, da die Kamera auch aufgrund der geringen Größe des Clubs stets sehr dicht bei den Musikern verweilt . Die Blu ray liefert ein erfreulich detailreiches,  gestochen scharfes Bild - fast jede Schweißperle, die auf die Gitarren tropft ist so wahrnehmbar. Klanglich ergibt sich ein ähnliches Bild: der unverwechselbar crunchige Les Paul/ Marshall-Sound des Mannes mit dem Zylinder wird plastisch und drückend wiedergegeben.Und auch wenn die hier eingefangene Atmosphäre im Roxy anno 2014 nicht mehr mit der wilden Zeit der Achtziger vergleichbar ist,  zählt dieses energetische Live-Dokument zu den besten Slash-Releases der letzten Jahre.

Dienstag, 1. November 2016

JUNIOR BONNER

Während die Steel Guitar ihr klagendes Lied spielt, geht es für die Männer beim Rodeo-Wettkampf  um alles.Junior Bonner (Steve Mc Queen) ist einer von ihnen.
Der Haudegen hat seine besten Tage schon hinter sich. Er ist völlig pleite und driftet von einem Wettkampf zum anderen.Er kommt ganz nach seinem Vater Ace,w ie dieser  hat Junior nie ein stetes Leben gekannt. Obwohl die körperliche Anstrengung der er bei jedem Wettkampf ausgesetzt ist,  langsam aber unaufhaltsam ihren Tribut fordert, gibt es für ihn kein anderes Leben.

Sam Peckinpahs fast schon dokumentarisch anmutender 1972er Film begleitet Bonner auf seiner Reise  durch ein Amerika, das zwischen Tradition und Moderne geradezu zerrissen scheint.Es ist ein unsagbar melancholischer Film, der eines von Peckinpahs liebsten Themen aufgreift:den Abgesang auf den alten Westen und die Werte die mit ihm einhergehen.Diese Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Werke des amerikanischen Filmemachers:
In  “Pat Garrett jagt Billy The Kid” wurde Kris Kristofferson, der sich nicht anpassen konnte, gnadenlos verfolgt und in “The Wild Bunch” geht der Haufen der alternden Revolverhelden lieber in den sicheren Tod als sich den neuen Zeiten unterzuordnen.
So erzählt auch „Junior Bonner“ als elegischer „Neo-Western“ ,vom dem Niedergang einer Ära.Und Steve Mc Queens Figur des Junior steht ganz in der Tradition dieses „peckinpah´schen“ Helden. Er ist noch einer vom „alten Schlage“, dem der eigene Stolz und Ideale wichtiger sind als das schnelle Geld.

In den Rodeo-Reitern sieht Peckinpah  die letzten Cowboys. Doch auch von seinen Berufskollegen unterscheidet sich der einsame Held Junior. Wo andere Bestechungsgeld zahlen, damit sie nicht auf dem gefürchteten Bullen Sunrise reiten müssen ist Bonner davon besessen das widerspenstigen Tier zu bezwingen und den Quasi-Rekord aufzustellen und 8 Sekunden lang nicht vom rasenden Stier abgeworfen zu werden.Mit dieser Einstellung zähl er zu einer aussterbenden Spezies.Sein von Joe Don Baker verkörperter Bruder Curly  hingegen  symbolisiert den Fortschritt. Der Geschäftsmann hat mit den Idealen für die sein Vater und Junior stehen nichts mehr am Cowboyhut.Wo sein  Bruder die Rodeos als Übelebensgrundlage braucht, er an seiner ersten Million.Er lässt das Grundstück seines eigenen Vaters, das er für einen Spottpreis erworben hat, einfach abreißen.Die Zerstörung des alten Hauses wird in Zeitlupe zelebriert. Die Tradition wird brutal von Maschinen zerstört. Bonner kann dem nur fassungslos gegenüber stehen.Immerhin findet er bei einem sexy Cowgirl ( Barabara Leigh)Zerstreuung.

Ein Großteil der Handlung wurde bei echten Rodeos gefilmt. Nicht umsonst mutet der Film stellenweise wie eine Doku über den Sport an. Das führt leider zu einigen Längen. Dafür ist der Film formal unglaublich stark. Die Zeitlupeneinstellungen, für die Peckinpah so berühmt ist, werden hier wieder ausgiebig zelebriert. Der Sabber spritzt aus den Mäulern der Stiere. Der Dreck wird effektvoll aufgewirbelt. Und offensichtlich machte Teufelskerl McQueen viele Stunts selber.Allein schon für Mc Queen-Fan eine klare Empfehlung Denn er hat den typischen „cowboy swagger“ einfach 1A drauf.

Montag, 31. Oktober 2016

CREEPY STUFF FOR HALLOWEEN: Lucio Fulcis New York Ripper

„The sickest movie ever made“
Nur eine der Taglines für einen von Luco Fulcis berüchtigtsten Filmen.
Nun ja, als Eurokult- und insbesondere Italofan hat man schon einiges gesehen.
Ausnahmsweise ist die Werbung und der um den Film entstandene Hype jedoch einmal nicht vollständig aus der Luft gegriffen.
So  kann sich Fulcis 1982 Reißer locker einen Platz in den Top 10 der grausamsten Giallo - Produktionen aus bella italia sichern.
In den 80ern, schon einige Zeit nach der ganz großen Siebziger Jahre Giallowelle  entstanden, gehört der Film eigentlich zum Pflichtprogramm für Genrefans– zumindest für diejenigen, die es gern mal deftiger mögen und für die es auch durchaus mal trashig sein darf. Das ist nämlich die Grundvoraussetzung um „NY Ripper“ etwas abzugewinnen.

Fulci geht hier wieder mit dem Holzhammer um und der misogynisitische Pussyslasher macht New York unsicher.
Waren seine bisherigen Gialli wie „Woman In A Lizards Skin“ oder auch „Don´t Torture A Duckling“ im Vergleich zu seinen bluttriefenden Horrorfilmen noch recht subtil, so fährt der Regisseur hier voll die Exploitationschiene.
Sex und Gewalt, wo man nur hinblickt. Mitunter wird hier beides gern miteinander kombiniert.
Die Feinheiten die Fulcis zahlreiche andere Gialli ausmachten sind großteils verschwunden.
Fulci macht schon in der ersten halben Stunde klar, warum er zu den berüchtigtsten Genreregisseuren italienischer Herkunft gehört.

Zur Story: New York wird von einem grausamen Killer in Atem gehalten.
Der offensichtlich völlig gestörte Schlitzer foltert seine bevorzugt weiblichen Opfer bevor er sie schließlich ermordet.
Lt. Williams von der zuständigen Dienstselle ist erst Mal völlig überfordert.
Er kann sich nur auf diffuse Aussagen von Zeugen stützen,  die berichten, dass der Killer mit einer „Donald Duck“ - Stimme gesprochen habe.
Höchst verwunderlich, auch für Williams – bis er eines Tages einen Anruf annimmt und eine kreischend – quakende Stimme an sein Ohr dringt……

Die britischen Genrespezialisten von Shameless Screen Entertainment bringen den Film in ihrer mittlerweile recht umfangreichen Kultreihe ganz in gelber DVD – Hülle heraus. Vollständig uncut, versteht sich. Grund genug für die Zensoren zum Ansetzten der Schere würde der Streifen ja bieten.

Fazit:
Sicherlich ein sehr sehr derber Film, der nicht unbedingt mit Fulcis eigener Konkurrenz in Form seiner schon oben angesprochenen  Suspenseknaller mithalten kann.
Dennoch eine der besseren Produktionen, die in den Achtzigern  im Exploitationsegment herausgekommen sind.  Fulci schafft es routiniert die Spannungsschraube immer weiter anzudrehen -Für zarte Gemüter ist das alles aber, wie gesagt, nicht zu empfehlen.

JEFF LYNNE´S ELO - LIVE IN HYDE PARK


Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment, Eagle Vision, EDEL
Die Verbindung unterschiedlicher Genres funktionierte bei keinem Crossover so schlecht wie bei der Verschmelzung von Klassik mit Rock und Pop. Statt einer gelungenen Amalgamation zwischen E- und U-Musik kam häufig einfach ein klischeehafter, fremdkörperartiger Klassik-Anstrich von Werken der Populärmusik oder ein gekünsteltes Verbiegen von Opernstimmen in einem Popkontext heraus.

Eine der wenigen Ausnahmen - Jeff Lynne, der  mit seinem Electric Light Orchestra in den ohnehin äußerst experimentellen 70ern die Möglichkeiten des Klangkosmos der „alten“ und der „neuen“ Musik auslotete. Wie gut ihm diese Sound-Experimente gelangen, kann man etwa bei einem neuen Blu Ray-Konzertmitschnitt eines Gigs vom September 2014  nachhören.
Lynne und seine Band waren Headliner des vom BBC Radio 2 veranstalteten „Festival In A Day“ im Londoner Hyde Park, spielten vor vollem Haus....äh, Park ein 17 Songs umfassendes Set; darunter „All Over The World“, „Evil Woman“, „Ma-Ma-Ma Belle“,  „Livin´Thing“ ,  das erst zuletzt  genial im Film „American Hustle“ eingesetzte „10538 Overture , „Rock N´ Roll Is King“,  die Travelling Wilburys-Nummer „Handle With Care“, „Don´t Bring Me Down“  oder zum Schluss ein furioses „Roll Over Beethoven“. Lynne´s unverwechselbarer Sound hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren:

Extrem melodische Songs mit Hang zum Million Dollar-Hook, Pop mit Beatles-Sensibilität, klassischer Rock N´ Roll der in so eingängigen wie anspruchsvollen Arrangements auf Experimental-Sounds und Klassik-Elemente trifft.

Phasenweise setzt Lynne im Hyde Park zwar zu sehr auf der Pop- und Balladenschiene, was auf Kosten von - nicht gespielten - Hits wie „Rockaria!“, „Hold On Tight“ oder „Long Black Road“ geht, doch die merkbare Spielfreude der Band (und des Orchesters) machen dieses kompakte Best Of-Konzert zusammen mit der exzellenten Bild-und Tonqualität der Blu Ray zu einem Stammgast im Player von ELO-Fans.

Zudem bietet diese Veröffentlichung nicht nur den sehr guten Konzertfilm sondern auch eine abendfüllende und äußerst sehenswerte Dokumentation über Mastermind Lynne: In „Mr. Blue Sky: The Story of Jeff Lynne & ELO“ besucht man den ELO-Frontman in seinem geschmackvollen Anwesen und erfährt - mit interessanten Anekdoten gespickt - die Geschichte des vielseitigen Produzenten und Songwriters.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Throwback Sunday: HARLEY DAVIDSON 344 - ELECTRA GLIDE IN BLUE

John Wintergreen ist ein typischer amerikanischer Motorcycle Cop, dessen Einsatzgebiet das Monument Valley ist.
Auf seiner Harley Davidson durchquert  er die endlosen Highways, immer auf der Suche nach ein wenig Abwechslung.
Denn so wunderschön die nicht enden wollende  Landschaft auch ist, so trostlos wirkt sie auf den gelangweilten  Polizisten. Nichts passiert, der Cop ist frustriert.
Dabei nimmt er seine monotone Tätigkeit überaus ernst.
Seine einzige Freude abseits dem Schikanieren von Hippies und Schnellfahrern ist die Affäre mit einer Bardame , die es scheinbar mit den gesamten Polizeieinsatzkräften treibt.
John hat seinen Job satt und träumt von einem beruflichen Aufstieg .
Er möchte endlich  zur Mordkommission versetzt werden, doch seine Vorgesetzten verfolgen dieses Ziel mit weniger Elan als Wintergreen.
Zu allem Überfluss leidet er unter einem Minderwertigkeitskomplex aufgrund seiner geringen Größe.
Als in seinem Einsatzbereich ein scheinbarer Selbstmord geschieht, sieht er seine große Chance, auf die er Jahre gewartet hat, endlich gekommen. Er möchte beweisen, dass es sich nicht um einen Selbstmord gehandelt hat und dass er ein fähiger Mann für die Mordkommission wäre……

Regisseur James William Guercio entwirft ein pessimistisches Zeitportrait, das nicht unähnlich zu (Counterculture- ) Kultfilmen wie Dennis Hopper´s „Easy Rider“ oder „Fluchtpunkt: San Franciso“ ist.
Nur das der Film diesmal den Blickwinkel der „anderen“ Seite einnimmt.
Nämlich die jener Personengruppe, die Richard Nixon einst als die silent majority beschrieb- also jenen die in den 60en und 70ern mit ihrer Regierung ganz zufrieden waren oder zumindest ihren Protest nicht, wie die vom Establishment verhassten Hippies, in die Straßen trugen.
Ja, der Hauptcharakter in Guericos Film nimmt sogar ein Bild der beiden von Peter Fonda und Dennis Hopper dargestellten Hauptfiguren aus „Easy Rider“ als Zielscheibe im Schießstand des örtlichen Polizeireviers.
Doch Guerico geht es natürlich nicht darum, den erzkonservativen Lebensstil zu glorifizieren.
Der Film ist vielmehr eine ironische Abrechnung mit Kleingeistern wie sie eben Wintergreen und besonders dessen dümmlich-primitive Kollegen darstellen, bei der aber auch die Hippiekommunen ihr Fett abbekommen.
1973  wurde der Film im Rahmen der Filmfestsiele von Cannes gezeigt.
Dort hasste man den Streifen und ein Verriss folgte auf den nächsten.
Obwohl nicht alle Kritiker so hart mit ihm ins Gericht gingen war dem Film ken großer finanzieller Erfolg beschieden.
Zu Unrecht, wie man nach dem Genuss der neu erschienenen DVD von AT-Medien/Pierrot Le Fou, sagen muss-obwohl der Film nicht ganz mit den oben genannten Filmen mithalten kann. James William Guercio macht seine Sache jedenfalls sehr gut. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass Guercio „hauptberuflich“ eigentlich gar kein Regisseur ist. Sein Ausflug ins Land des Zelluloids war folglich nur kurz, den meisten ist er vielleicht eher als Produzent er Band Chicago bekannt.
Einige Chicago-Musiker haben dann auch gleich Gastauftritte im Film und im Soundtrack sind sie ebenfalls vertreten.
Guercio hat ein sicheres Gespür für gute Bildkompositionen, besonders gelungen hat er die langen Fahrten durch den Grand Canyon und die teils in Slow Motion ablaufenden Action-Sequenzen eingefangen.

Hautdarsteller Robert Blake ist die Idealbesetzung als der Komplexer, dessen einziger Stolz sein Beruf ist, zu dem ihn eine seltsame Hassliebe verbindet.
Auch sonst ist „Electra Glide….“ gut besetzt worden:„ Der Malteser Falke“-Star Elisha Cook Jr. Hat einen Auftritt als verrückter Alter und Mitch Ryan ist spitze als der präpotente Harvey Poole. Berechtigte Kritik muss man hingegen an der stellenweisen Behäbigkeit der Handlung üben.
Fazit: Ein kleiner Kultfilm -  für Freunde typischen 70er Jahre Kinos eine klare Empfehlung!

Throwback Sunday: VENUS IN FURS von JESS FRANCO

Jess Franco. Ein Name der bei Freunden derber Exploitation-Kost ein Lächeln auf die Lippen zaubert und bei allen anderen entweder auf Unkenntnis oder auf totale Ablehnung stößt.
Wer den „Meister des Perversen“ bis jetzt nicht mochte wird auch mit „Venus in Furs“ , der bei uns unter dem Titel „Paroxismus“ bekannt ist, auch kein neuer Anhänger .
Dafür ist der Film nämlich viel zu typisch „Jess Franco“, was wiederum bedeutet dass der Film komplett untypisch verglichen mit anderen Streifen ähnlicher Genres ist und ihn letztlich somit jeglicher herkömmlicher (Film-)betrachtungsweise enthebt.


Der Jazzer (James Darren, bekannt aus „The Guns of Navarrone“) wird Zeuge eines SM-Rituals in der Villa eines pervertierten Adeligen(gespielt von, wie könnte es anders sein, Klaus Kinski). Dabei wird die „Hauptakteurin“ jedoch ins Jenseits befördert.
Das Gesehene lässt den von Selbstzweifeln geplagten Musiker nicht mehr los und als schließlich eines Tages der Leichnam der Ermordeten an den Strand angespült wird und einer der Mörder nach dem Anderen auf mysteriöse Art und Weise ins Gras beißt, glaubt er den Verstand zu verlieren….

Soviel zu Handlung, die sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit des Films immer mehr verdichtet bzw. immer vielschichtiger wird - beinahe ist man geneigt von einer Exploitation-Variante von „Blow-Up“ zu sprechen. Francos Vorliebe für psychedelische Kameraeinstellungen und eine teils seltsam anmutende „rastlose“ Kamera, die scheinbar unwichtige Dinge mit hektischen Schwenks in den Fokus und damit ins Auge des Betrachters rückt, ist auch hier vertreten, wenn auch nicht in dem Ausmaße wie in „Vampyros Lesbos“ vom gleichen Regisseur.
Dennoch ist der Rausch aus Bildern und Musik (die Manfred Mann komponiert hat) noch abgedreht genug, dass man sich nach gut einer Dreiviertelstunde Spielzeit in einem ähnlich delirierenden Zustand wie der Hauptakteur wähnt.
Die Hauptdarsteller agieren ansprechend, allen voran natürlich Kinski(der allerdings nicht allzu viel Screentime bekommt) und Blickfang Maria Rohm.

Der ambitionierte Plot ist, leider wieder typisch für Franco, nicht ganz konsequent umgesetzt und bietet etliche Längen, die sogar die gerade mal 83 Minuten Spielzeit lang erscheinen lassen.
Sleaze-Fans, die eher des Regisseurs späteren Output bevorzugen, werden vermutlich auch etwas enttäuscht sein-Denn Franco gibt sich hier (noch ) nicht so exploitation-freudig wie in seinen Filmen einige Jahre später.
Mit Leopold von Sacher-Masochs Buch „Venus im Pelz“ hat der Film übrigens bis auf eine Frau die sich nackt im Pelz räkelt nicht viel zu tun.

Ob es sich bei „Venus in Furs“ um Francos Meisterwerk handelt, muss jeder nach dem Sehen des Streifens für sich selbst entscheiden.
Sehenswert ist der Film-Trip allemal und besonders der starke Schluss weiß zu überzeugen -  Hängen bleiben aber letztlich nur die psychedelischen Kamerafahrten und der interessante Soundtrack, dem aber vermutlich nur Jazzliebhaber etwas abgewinnen können.

Throwback Sunday: THE WILD ANGELS von ROGER CORMAN

Von allen Bikergangs (wobei Gang eigentlich der falsche Ausdruck ist, immerhin sehen sich die Members als Zugehörige eines Motorcycle CLUBS) sind die Ende der 40er Jahre gegründeten Hells Angels mit ihrem Anführer Sonny Barger sicher die Bekannteste und vor allem die Berüchtigtste. Was wenig verwundert. DEnn insbesondere in den sonst so friedlichen und rückblickend verklärten Sechzigern gewannen die Angels an fragwürdiger Bekanntheit durch ihren rauen, zügellosen Lebensstil, der Stilisierung als letzte Outlaws Amerikas und eine Reihe tragischer, gewaltsamer Zwischenfälle.

Trash-Papst Roger Corman näherte sich zusammen mit seinem Regieassistenten Peter Bogdanovich dem Stoff aus der Sicht des Exploitationfilmers und schuf damit einen seiner besten und vor allem denkwürdigsten Filme sowie einen waschechten Kultflick der Sechziger, der ein ganzes Lebensgefühl einfängt( wenn auch nicht unbedingt ein positives).

Jahre bevor er sich unter der Regie Dennis Hoppers in „Easy Rider“ als Captain America in den Sattel eines Choppers schwingen sollte, war Peter Fonda schon einmal in einer Hauptrolle als Biker zu bewundern. Er spielt den Anführer des fiktiven San Pedro Chapters der Hells Angels, Heavenly Blues.Ganz in schwarz gewandet cruised er durch die Straßen wie Marlon Brando zu seinen besten Zeiten.
Bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd mit der Polizei, die zum Alltag der Angels gehört, bleibt sein Kumpel Loser (Bruce Dern, bekannt aus „Driver“),von Polizeikugeln getroffen, schwer verletzt zurück.
Der Rest der Bande kann noch rechtzeitig die Fliege machen.
Doch Blues vergisst seinen Freund nicht und ist wild entschlossen ihn aus dem Gefängniskrankenhaus zu befreien. Dass dabei keine Gefangenen gemacht werden, versteht sich von selbst….

Die Gewaltbereitschaft seiner Protagonisten erklärt sich Corman mit dem Auftreten eines „Generation Gaps“: Die Jungen können sich in keinster Weise mit ihren stockkonservativen Eltern identifizieren.
Die Folge ist Rebellion, die zum benebelten Hippietum oder eben zu den Gesetzlosen auf ihren heißen Öfen führt.
Die Angels lehnen sich gegen das System auf, indem sie sich mit Naziorden behängen um ihre Väter, die im Krieg gedient haben, zu verschrecken und veranstalten als Bürgerschrecks Wettrennen genau da wo strikte Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten.
Die echten Hells Angels waren mit der Darstellung ihres Alltags nicht gerade glücklich.
Sie vertraten die Ansicht, dass sie als eine Bande gewaltbereiter Rüpel im Dauerstoned - Zustand rüberkamen.
Eine Klage gegen Corman folgte.
Schon während den Dreharbeiten hatten sich erste Probleme mit seinem Cast gezeigt der teilweise aus echten Hells Angels vom kalifornischen Venice - Chapter bestand.
Darsteller Bruce Dern wurde von nicht am Dreh beteiligten Hells Angels - Mitgliedern brutal zusammengeschlagen, da sie dachten der Mime würde ich zu Unrecht mit den Colours (quasi die „Uniform“, die einen echten Angel für die eingeschworene Gemeinde sofort als solchen erkenntlich macht) des Clubs schmücken.

Doch auch sonst kehrte abseits des Filmsets keine Ruhe ein:
Bereits nach seiner Erstaufführung sorgte der Film für einigen Wirbel.
In England wurde ihm gar eine Freigabe verweigert. Zu brutal und nihilistisch war den Behörden zufolge das wüste Treiben auf der Leinwand.
Das sollte Corman finanziell jedoch nicht schaden. Ganz im Gegenteil: der Streifen war ein großer Erfolg.
Wen wunderts, bei solch einer Publicicty.
Der Staub hat sich mittlerweile gelegt. Von der 18er Freigabe nahm man Abstand, den Film gibt’s jetzt erstmals ungeschnitten mit einer 16er Freigabe in einer exzellenten DVD-Version von Pierrot Le Fou.

Hauptdarsteller Fonda kam durch den Film auf die Idee eines Roadmovies über zwei Biker, weswegen Cormans Werk gleich eine doppelt wegweisende Bedeutung erhielt.
Für Filmkritiker Leonard Maltin war der Film zwar nur nach 24 Bieren erträglich und auch sonst stieß der Film auf ein eher verhaltenes Kritikerecho, doch trotz der stellenweise holprigen Inszenierung (und der lächerlichen dt. Synchro - aber für die kann der gute Corman ja nun nichts) muss man „Wild Angels“ als wegweisenden Meilenstein für ein ganzes Genre und das Werk Cormans anerkennen.
Exploitation-typisch wirkt das Endresultat ein wenig ziellos und episodenhaft-daran kann man nicht rütteln.
Spätestens wenn aber Fonda unglaublich lässig im Sattel seines hochgezüchteten Feuerstuhls sitzt und der geniale Soundtrack aus den Speakern schallt, ist alles wieder gut.