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| Credit Bild: © Sabol Hill |
All diese klanglichen Ideale sind der absolute Heilige Gral
moderner Musikproduktion. Und genau diese Magie verspricht die
Entwicklerschmiede Sabol Hill nun in ihrem ersten Plugin zu bündeln: nämlich in
Lacuna das klangliche Komplexität mit einfacher Bedienung verbinden soll. – ein Widerspruch?
Zweifellos. Aber eben nur vordergründig. Denn genau diese scheinbare Paradoxie
ist die DNA von Sabol Hills kreativem Studio-Plugin.
Zwei Jahre Entwicklung: Zwischen Politur und
Schmutz
Das Plugin befand sich geschlagene zwei Jahre in der
intensiven Entwicklung Die
Erwartungshaltung an ein Plugin mit einer derart langen Inkubationszeit ist in
einem völlig übersättigten Markt naturgemäß hoch. Doch schon nach meinen ersten
Testläufen in diversen Pro Tools-Projekten wird klar, dass hier keine
generischen Algorithmen aufgewärmt wurden.
Lacuna ist faszinierend schwer in eine einzige, simple
Kategorie zu pressen: Es fungiert gleichzeitig als ein extrem edles
Polishing-Utility-Tool, das einem sterilen digitalen Mix den letzten,
glänzenden klanglichen Schliff verleiht. Auf der anderen Seite ist es aber auch
ein wunderbar räudiges, ungezähmtes Piece of Outboard-Gear. Es besitzt eine
unberechenbare, Attitüde, die sich absichtlich gegen perfekt berechnete
digitale Standards sträubt – nur eben im bequemen, abrufbaren Plugin-Format.
It´s Electric: Analoge
Unberechenbarkeit
Das technische Zauberwort, mit dem Sabol Hill diese
akustische Lebendigkeit erreicht, lautet „Stochastic“. Dieser Begriff mag im
ersten Moment hochkompliziert und etwas umständlich anmuten, letztlich
beschreibt er jedoch exakt jenen Vorgang, der das Plugin von der breiten Masse an
Saturation-Tools abhebt: Lacuna emuliert durch stochastische Prozesse (ein sog.
mathematisches Objekt zur Modellierung von zufälligen, oft zeitlich geordneten,
Vorgängen) das völlig unvorhersehbare
(unpredictable), non-lineare Verhalten historischer analoger Hardware.
In der analogen Vintage-Welt klingt kein Schaltkreis in
jeder Millisekunde exakt gleich. Spannungsfluktuationen, Bauteiltoleranzen und
die schiere Physik sorgen für ständige, mikroskopisch kleine Variationen. Genau
dieses vibey Chaos bringt Lacuna zurück in die perfekte, oft zu statische
digitale Umgebung. Es haucht flachen Drum-Samples, starren Synthesizer-Pads
oder Gitarren jenes Leben ein, das man sonst oft nur durch das aufwendige
Routing durch Racks erreicht. Das Resultat: elektrische Schwankungen und Vintage
Mojo ist nun mit nur ein paar Klicks entfernt.
Dieses enorme Maß an mathematischer Detailversessenheit unter der Haube hat allerdings logischerweise auch seinen Preis: Das Plugin ist ziemlich CPU-intensiv, selbst bei einem starken Rechner. Der Lüfter meines Rechners fuhr jedenfalls ziemlich schnell in den höheren Leistungsbereich. Auf der anderen Seite: die Klangergebnisse sprechen für sich, Beim Gitarren-Quad Tracking ließ Lacuna die einzelnen Spuren noch fetter klingen.
Exzellente Presets, custom made u.a. von Nickelback-Producer
Chris Baseford und Szenegröße Colt Capperune eignen sich perfekt für
Gitarren-Parts oder um Vintage Vibe in die eigenen Spuren zu bringen. Gerade
die Settings dieser beiden Produzenten
Fazit
Mit Lacuna bekommt ein mächtiges Werkzeug in die Hand, das
echten analogen Vibe, subtile Tape-Wärme und brachiale Durchsetzungskraft
liefert. Es ist kein klinisch reines Utility Tool, sondern ein charakterstarkes
Plugin mit Ecken und Kanten, das den Sound nicht nur bearbeitet, sondern ihn
formt und atmen lässt.
