Freitag, 30. Oktober 2020

MOTÖRHEAD – ACE OF SPADES 40th ANNIVERSARY

Credit Bild: © BMG Rights Warner

Vor 40 Jahren erschien mit “Ace Of Spades” ein Album, das in vielerlei Hinsicht in die Musikgeschichte eingehen sollte. Oberflächlich betrachtet ist es natürlich  das quintessenzielle Motörhead-Album, das nach den erfolgreichen “Bomber” und “Overkill”-LPs den endgültigen Durchbruch für die Band markierte und zu einem der wichtigsten Klassiker im Heavy-Genre wurde. Darüber hinaus war das was Motörhead 1980 auf ihrer vierten Platte ein paar Jahre vor der großen Zeit des Bay Area Thrash Metal abfackelten, aber auch ein Markstein für eine „neue Härte“, die sich in weiterer Folge als überaus einflussreich erweisen sollte (Stichwort : Metallica). 

Obwohl Motörhead für die erste Welle des Heavy Metal zu spät dran waren, für die zweite Welle zu früh und sich zudem nie richtig als Teil von NWOBHM & Co fühlten, fanden im rüden Klang des Trios  Fans diverser härterer Spielarten eine musikalische Heimat: Spätestens ab 1980 waren Motörhead Identifikations- und Integrationsfiguren für Metalheads, Punks und Old School-Rocker.  

Was machte „Ace Of Spades“ nun so speziell  ? Nun, alle Trademarks der lautesten Band der Welt waren hier in vollendeter Form vereint – ein Sound,  so dreckig wie die wenig um political correctness bemühten Lyrics, harte Speed Riffs mit einem Fuß im Blues, kreischende Soli und ein Dampframmen-Rhythmus der insbesondere vom idiosynkratrischen Bass-Stil von Ikone Lemmy Kilmister geprägt wurde. Dass die knackigen, Songs allen voran der legendäre gewordene Titeltrack dann auch noch Hitpotential aufwiesen katapultierte die im Kern komplett antikommerzielle Scheibe in die Stratosphäre (Gold etwa in Great Britain).„Born To Lose, Live To Win“  kann man da nur sagen. 

Die nun anlässlich des Jubiläums erschienene Neuauflage ist zwar bei weitem nicht die erste Reissue dieses Klassikers, wohl aber die bislang beste und aufwendigste. Die 2 CD-Version präsentiert das Kultalbum in einem ansprechenden Mediabook mit  reich bebildertem Booklet sowie einer Bonus Disc mit einem sehr rauen 1981er Gig aus Belfast. Es sind also nicht die seltensten Raritäten, die hier 4 Jahrzehnte später „unearthed“ wurden, sondern eher gelungener Bonus Content für Komplettisten. Doch runden diese Momentaufnahmen der Early Eighties-Phase der Band das in sich stimmige und attraktive Gesamtpackage ab. 

Blickt man heute auf die „drei Bandidos“ auf dem Spaghetti Western-inspirierten Albumcover, so schwingt einiges an Wehmut mit. Denn mit Fast Eddie Clarke starb 2018 nach Frontman, Sänger und Bassist Lemmy Kilmister  († 2015) und Drummer Phil „Philthy Animal“ Taylor (ebenfalls † 2015)  auch das letzte Mitglied der klassischen Motörhead-Besetzung. Doch „Ace Of Spades“ ist eine jener ewigen Platten, die bleiben und den Rang von Initiations-Alben im Rock-Genre innehaben. Die 2020er- Neuauflage des womöglich besten Werks der legendär Infernalischen unterstreicht erneut die Zeitlosigkeit dieses Albums.

Mit dem "Ace Of Spades"-Jubiläum koinzidierend erscheint mit "Motörhead- Das große Sonderheft" die mittlerweile 30. Ausgabe der Rock Classics-Reihe. Die aktualisierte und erweiterte Version einer früheren Rückschau auf die Karriee von Lemmy & Co. ist  wie schon die vorherigen Hefte ein  Hochglanz-Bookazine das einen  attraktiv gestalteter, kompakter Crashkurs über musikalische Legenden beinhaltet -  inklusive ausführlicher Band-Biographie und umfassender Diskographie-Retrospektive, was beim beachtlichen Output Motörheads eine ganz schöne Leistung ist. Die In Depth-Interviews ( darunter ein neues mit dem Musikjournalisten und Bandintimus Mick Wall und ein verschollen geglaubtes Gespräch mit Lemmy und Philthy Animal Taylor vom Februar 1981) die gewohnt gute Bildauswahl und eine Fülle an Trivias sorgen zudem dafür, dass auch die langjährigen Fan angesprochen werden. 

Credit Coverbild: © SlamZine



Donnerstag, 29. Oktober 2020

100 JAHRE HELMUT NEWTON: BABY SUMO - RELEASE

Credit Bild: © Taschen

Vor wenigen Tagen wurde bei Julien´s Auctions ein großer Teil des eindrucksvollen Nachlasses von Hollywood-Legende Robert Evans versteigert. In der umfangreichen Sammlung dieses Key Players des New Hollywood, der Hits wie „ Love Story“, „The Godfather“  „Chinatown“ oder „The Great Gatsby“ produzierte fanden sich neben Art Prints, Kleidung, Möbeln, persönlichen Korrespondenzen mit Francis Ford Coppola oder Drehbüchern auch einige Bildbände von Helmut Newton – einem engen, persönlichen Freund von Evans.

So nannte der Producer etwa ein signiertes Exemplar der limitierten Erstauflage der Helmut Newton-Retrospektive „SUMO“, sein eigen - jenem Buch, das als eines der Schlüsselwerke des modernen „coffee table“-Booms gilt. Das ist in gleich mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Einerseits zeigt es wie sehr Luxusbildbände zur Grundausstattung der Häuser der Stars zählen, andererseits trafen hier zwei Legenden aufeinander - hier der Ermöglicher künstlerisch anspruchsvoller Filme, da der Kultfotograf. Zudem wäre Helmut Newton heuer 100 Jahre geworden und der Taschen Verlag, der mit dem Release des Sumo-Bandes im Jahr 1999 endgültig zu den hippsten Verlagshäusern zählte, feiert 2020 40- jähriges Bestehen.

Im Jubiläumsjahr erscheint nun eine von Newtons Witwe June bearbeitete Neuauflage des kultigen Sumo –allerdings in kompakterer Format als bei der riesigen, ursprünglichen Werkschau: nämlich genau halb so groß,  Baby Sumo eben, was allerdings immer noch beachtliche Maße bedeutet und auch einen von Philippe Starck-designten Buchständer inkludiert. Obwohl mittlerweile knapp über 20 Jahre seit dem ursprünglichen Release des Sumo ins Land gezogen sind, wurde dieser Bildband bislang nicht übertroffen - noch immer handelt es sich um die ultimative Retrospektive Newtons:  wird hier doch ein extensiver Bogen gespannt von den ganz frühen Editorials (die alle einen speziellen kreativen Touch haben, wie z.B. ein Hitchcock-Zitat aus „North By Northwest“ ), ikonischen Fashion-Aufnahmen, den „Big Nudes“ bis hin zu den expressiven Portraits berühmter Persönlichkeiten (von Gianni Versace bis Robert Evans).

Der Baby Sumo-Band wird kommende Woche im Rahmen des Charlottenwalk in Berlin präsentiert - natürlich unter strenger Einhaltung der AHA-Regelungen und der neuen Maßnahmen.

Wann & Wo ? Samstag, 7. November, von 12 bis 18 Uhr im Taschen Flagship Store Berlin Store (Schlüterstr. 39, 10629)

Credit Bild: © Taschen

ABOUT HELMUT NEWTON &  SUMO:

Die erste Auflage des Ur-Sumos belief sich auf exakt 10.000 signierte und nummerierte Exemplare, die allerdings schon kurze Zeit nach dem Release restlos ausverkauft waren. Dass dies wirklich eine neue Art von Buch war, zeigt unter anderem der Fakt, dass sich ein Exemplar des Sumo in vielen bedeutenden, internationalen Kunst-Sammlungen findet – u.a im  Museum of Modern Art in New YorkDas SUMO-Exemplar #1, handsigniert von über 100 der in dem Buch abgebildeten Celebrities, brach den Rekord für das teuerste Buch des 20. Jahrhunderts - bei einer Auktion in Berlin kam es für gut €317,000 an den Meistbietenden.

Abseits all dieser fraglos beeindruckenden Daten bleibt der Sumo aber auch heute noch die Retrospektive auf das Schaffen dieses großen Fotokünstlers, dessen Bildsprache selbst zur Marke wurde. 

Der 1920 als Helmut Neustädter in Berlin geborene und 2004 in Los Angeles bei einem Autounfall verstorbene Fotograf war über Jahrzehnte einer der meistgefragten Vertreter seiner Zunft. Die markante Mischung aus vorwiegend kontrastreich-atmosphärischem Schwarzweiß, dem glamourös-unterkühlten Styling der abgelichteten Frauen und den wiederkehrenden sado-masochistischen (Unter-)tönen brachte Alice Schwarzer auf die Barrikaden und fasziniert seine Fans bis heute. Denn Newton ist schlichtweg Kult, seine expressive, geradezu filmreife Bildsprache beeinflusste zahllose Fashion-Fotografen nach ihm. 

Willi, Fashion Mansfield, British Vogue,London, 1967,  Helmut Newton ©
The Helmut Newton, Estate / Maconochie Photography

Elizabeth Taylor, Vanity Fair, Los Angeles 1989, Helmut Newton ©
The Helmut Newton, Estate / Maconochie Photography

HELMUT NEWTON. BABY SUMO , herausgegeben und überarbeitet von June Newton Limitierte Ausgabe von 10.000 nummerierten Exemplaren, Höhe: 74 cm (mit Buchständer und Podest), 464 Seiten, € 1.000
BABY SUMO wird mit einem von Philippe Starck entworfenen Buchständer aus Edelstahl geliefert – einschließlich Sockel – und einem Booklet, das die Entstehungsgeschichte dieser außergewöhnlichen Publikation dokumentiert.

taschen.com

Montag, 19. Oktober 2020

TRIBUTE: COCKER POWER – AUF TOUR MIT DEN MAD DOGS & ENGLISHMEN

Credit Bild: ©Jim McCrary Getty Images

Fast könnte man meinen, dass angesichts der zahllosen prestigeträchtigen Bildbände, die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind mittlerweile die gesamte jüngere Musikgeschichte eingehend beleuchtet wurde und mit einem oder mehreren Büchern bedacht wurde. Dennoch gibt es sie noch: die „weißen Flecken“ auf der coffee table-Landkarte und die bislang noch nicht retrospektivisch erschlossenen Kapitel der Rock-Historie: Der jüngst erschienene Band „Tribute: Cocker Power“ (Insight Editions) ist so ein Fall. Anders als es der Titel zunächst vermuten lässt hat man es hier jedoch nicht mit einer  karriereumfassenden Rückschau auf das Leben des 2014 verstorbenen Sängers zu tun Vielmehr widmet sich die Autorin/Fotografin Linda Wolf einem ganz speziellen Kapitel im Oeuvre des Mannes aus Sheffield: der nur knapp ein Jahr andauernden „Mad Dogs And Englishmen“-Periode von 1970. In den Achtzigern hatte Joe Cocker mit Hits „Up Were we Belong“ oder „You Can Leave Your Hat On“ sicher die größeren Mainstream-Erfolge, doch diese Frühphase nimmt im Herzen vieler Fans einen besonderen Platz ein. 

Vor genau 50 Jahren  brachen Cocker und seine Mitmusiker (unter ihnen Rita Cooidge, Jim Gordon, Jim Keltner, Carl Radle, Bobby Keys und Chris Stainton) zu einer 2-Monatigen Tour auf aus der ein Konzertfilm und ein Livealbum hervorgingen. Die Mad Dogs waren eine Gruppe die ganz dem Zeitgeist entsprechend keine Genre -Barrieren kannte. Stets unter der Führung des genialischen „Master Of Space And Time“ Leon Russell, der als “Space Captain“ seine Crew vom Rock zum Jazz und Soul und wieder zurück manövrierte. Lange sollte es die Mad Dogs zwar nicht geben, doch in dieser kurzen Zeit waren sie fraglos einer der besten Bands. Die damals 20-Jährige Linda Wolf war die offizielle Tourfotografin und hautnah mit dabei. Ihre treffsichere Beschreibung der damaligen Zeit im O-Ton: "It was a two-month traveling hippie circus that left hotel managers tearing their hair out, concert promoters screaming about a dog on stage, girls dancing naked on the rooftops of a New York city hotel, and forty-three people, including three kids and a five-person film crew, traveling together on a private jet that had COCKER POWER painted on it’s side. It was pure art and one of the greatest rock-and-roll tours of all time." 

Credit Bild: ©  Linda Wolf    Insight Editions
In “Tribute” kann man diese Zeit nun zumindest ein Stück weit nacherleben. Wolf ist stets nah dran an der Band, ihre Bilder wechseln zwischen Aufnahmen die fast schon als „candid shots“ bezeichnet werden können und  ikonischen Schnappschüssen onstage. Dabei ist sie eine Meisterin darin, Atmosphären einzufangen. Man spürt die damals vorherrschende Kameraderie innerhalb der Band, ebenso merkbar ist das Knistern in den Schatten des Fillmores. Beeindruckend auch ihre Aufnahmen vom jungen Publikum, in dem jeder Konzertbesucher einen ganz eigenen Style hat, ein starker Kontrast zum heutigen, oft geradezu uniformiert auftretenden Live-Publikum. Wer Cocker-Fan ist, wird von alldem  nicht genug bekommen können. Nach gut 200 Seiten des insgesamt 336-seitigen Buchs gibt es dann einen Zeitsprung ins Jahr  2015 zum Lockn’ Festival bei dem mit zahlreichen kontemporären Granden der Roots-Szene wie Chris Robinson, Warren Haynes, Doyle Bramhall II und dem Ehepaar Tedeshi-Trucks sowie Members der Mad Dogs-Band wie Leon Russell oder Chris Stainton ein Tribute-Konzert für Joe Cocker abgehalten wurde. Die Bilder dieses Gigs illustrieren die nachwirkende Bedeutung von Cockers und Russells Musik,  haben aber auch teilweise etwas wehmütiges, - „time waits for no one“ - jedoch gelingt es der Autorin dadurch einen sehr schlüssigen Bogen von der fernen Vergangenheit des Jahres 1970 zur jüngeren Vergangenheit zu spannen: Zum 50. Anniversary der Mad Dogs And Englishmen schließt sich mit diesem „Tribute“-Buch jedenfalls auch ein Kreis.

Credit Bild: © Insight Editions


Donnerstag, 15. Oktober 2020

BILL WYMAN - STONES FROM THE INSIDE


Credit Bild: © Bill Wyman ACC Art Books

 Während Mick Jagger das Publikum mit seinen ihm eigenen Moves geradezu hypnotisierte und Keith Richards die Riffs regelrecht aus seiner Gitarre meißelte stand ein Member der Stones immer etwas im Abseits und dem Schatten der Stage: Noch stoischer als Rhythmusgeber Charlie Watts sorgte Bill Wyman nicht nur für die reduziert-treffsicheren Basslines zahlloser Klassiker sondern schien das Geschehen Teils mit dem leichten Anflug eines Lächelns regelrecht zu scannen und blieb selbst beim treibendsten Groove nahezu unbewegt. Abseits der Bühne ließ er es zwar nicht weniger krachen als seine Bandkollegen, dennoch blieb stets der Eindruck eines sehr distanzierten Beobachters.

Der neu erschienen Bildband „Stones From the Inside“ (erschienen bei ACC Art Books) festigt diesen Eindruck - und liefert für den „Wyman Gaze“ auch eine Erklärung:Der starke stille Typ im Background der Steine ist nicht nur ein herausragender und bis heute underrated gebliebener Bassist sondern auch Fotograf, dessen eindringliche Aufnahmen eine interessante Bereicherung des Genre der Rock N´ Roll Photography darstellen. Ein Hauptmerkmal der anarchischen und damals revolutionären R N´R  Photography war ja, dass  die natürliche Distanz die sich in einem Shooting in einem sterilen Studio zwangsläufig  ergibt, weitgehend aufgehoben wurde. Unmittelbar, direkt - das war der neue Stil, der den Zeitgeist der „Youth Culture“ widerspiegelte. Die Fotografen waren meist keine arrivierten Grandsigneurs sondern junge Künstler, die am Anfang ihrer Karriere standen und mitunter nur wenige Jahre älter oder sogar gleich alt waren wie die Objekte ihrer Bilder. Dennoch – trotz dieser neuen Unmittelbarkeit bestand immer ein letzter Rest von „Abstand“, der Rockstar am Podest. Bei Wyman ist dies naturgemäß etwas anders, Vergleiche zu den Bildern Linda McCartney drängen sich auf. 

Credit Bild: © Bill Wyman ACC Art Books

"Stones From the Inside“ ist demnach keine Legendenbildung wie etwa bei den Bildern eines Jim Marshall oder Ross Halfin. Hier stehen nicht die Ikonen im Vordergrund, sondern die privaten Musiker. Wyman zeigt seine Kollegen als ganz  normale Menschen, nicht als mythische Wesen. So gibt es in diesem Buch eine ganze Reihe  komplett ungekünstelte Backstage-Momente zu sehen quasi  das Stones-Familienalbum. Man ist hautnah in der „Manege“ des „Rock And Roll Circus“, im Studio mit dem Chor wenn „You Can´t Always Get What You Want“ aufgenommen wird oder auch wenn die Steine im Gespräch mit ihren Bluesidolen versunken sind: Damit richtet sich dieser Band natürlich so gut wie ausschließlich an die Hardcore -Fans, die bekommen jedoch einen interessante Perspektive auf die Stones-History und eine Reihe unveröffentlichter Fotos im attraktiven Sammler-Band.
Credit Bild: ©  ACC Art Books

Mittwoch, 7. Oktober 2020

R.I.P. EDDIE VAN HALEN

© Fin Costello/Redferns/Getty Images
Gute Gitarristen gibt es so einige. Auch zahlreiche Virtuosen. Doch nur eine Handvoll sind richtige Innovatoren, die das Vokabular eines ganzen Instruments erweitern, Sounds kreieren, die es zuvor nicht gab und so in weiterer Folge Generationen von Instrumentalisten beeinflussen. Der gestern in Santa Monica an den Folgen von Kehlkopfkrebs gestorbene Edward Lodewijk „Eddie“ Van Halen war einer von Ihnen.  Nach  Eric Clapton, Jeff Beck, Jimmy Page und Jimi Hendrix war Van Halen einer der wichtigsten Einflüsse für die Entwicklung der Rockgitarre. Mit einem "style all of his own" wurde Eddie zur absoluten Benchmark, das Album "Van Halen I" ist bis heute ein Schlüsselwerk für Gitarristen. 

R.I.P. KING EDDIE

Aus dem traurigen Anlass ein #FlashbackReview und ein Ausflug ins Pasadena der 70er Jhare und der Chronik der frühen Jahre der Band:

VAN HALEN RISING - How A Southern California Backyard Party Band Saved Heavy Metal

Man vergegenwärtige sich kurz folgende Szene:

Es ist ein lauer Sommertag in  Pasadena, die letzten Strahlen der kalifornischen Sonne färben den Abend in dieses berühmte warme, gelbliche Licht, wie man es nur an der Westküste der USA findet.
Vorbei an chromblitzenden Autos näherst du dich einem Haus in dem unüberhörbar eine zügellose Party steigt, der Lärm der feiernden Menge vermischt sich mit einem zunächst undefinierbaren, tieffrequenten Grollen, das an das Fallen einer Fliegerbombe erinnert.
Die hübsche Blondine im engen Collegeshirt zwinkert dir zu, die „dive bomb“-Noise von vorhin wird nun immer lauter und kommt immer näher und näher bis du im Hinterhof des Hauses die Quelle jener Geräusche ausmachst. Auf der Bühne spielt eine dir unbekannte Band, der Gitarrist entlockt seiner gestreiften Gitarre Klänge die du bislang nicht kanntest, der Bassist und der Drummer halten einen donnernden Groove, während der Frontman mit blanker Brust mehr als eindeutige Moves in Richtung der versammelten kreischenden Ladies macht…..

Was sich anhört wie eine Szene aus einem College-Klamauk-Film der Seventies oder Eighties ist vielmehr eine akkurate Beschreibung der Besonderheiten der kalifornischen Musikszene der Siebzigerjahre – in der es tatsächlich vorkommen konnte, dass man bei einer Privatparty nicht irgendeine semitalentierte Studentenband sondern Van Halen höchstpersönlich sehen konnte.
Klingt unglaublich, ist aber so ... Die Frühphase der Band im Besonderen und die kalifornische Szene im Allgemeinen sind auch die bestimmende Themen  von Greg Renoffs „Van Halen Rising“  - ein Buch das einerseits den Aufstieg der Hardrock Band von einer (Privat-)Partyband zu Legende des Rock nachzeichnet und anderseits an eine  (unterhaltsame) soziologische Studie gemahnt.
Denn  Renoffs Buch ist mehr als eine überaus genaue Chronik der Frühphase Van Halens, kurz bevor jeder zweite Gitarrist versuchte, seinen unnachahmlichen Stil zu kopieren. Es ist eine plastische Schilderung einer ganzen (Subkultur-)Szene und eines bislang recht wenig beleuchteten Kapitels amerikanischer Musikgeschichte.

Als Leser merkt man auf so gut wie jeder Seite die intensive Recherchearbeit Renoffs - das fängt bei Bildern mit absolutem Seltenheitswert an und endet bei der schieren Detailgenauigkeit mit der der Autor vorgeht und Fragen klärt wie:
Wie kamen Sänger David Lee Roth und die Gebrüder Van Halen eigentlich zusammen ?
Wie genau wurde eigentlich aus einer lokalen Größe namens „Mammoth“ die Band „Van Halen“ ?
Wie schafften sie es von einer Lokalgröße zum Vertrag mit einem Majorlabel?
Und was passierte auf den frühen Touren in denen VH noch Support Act waren und angeblich selbst etablierte Größen wie Black Sabbath übertrumpften ?

Klar, das Buch richtet sich in seiner Genauigkeit natürlich in erster Linie an echte Van Halen-Freaks und weniger an nur oberflächlich Interessierte - doch es ist die Kombination aus einem bislang nicht übermäßig dokumentiertem Thema und den interessanten Facts, die „Van Halen Rising“ zu einem der lebenswertesten Musikbücher der letzten Jahre machen.

Montag, 28. September 2020

100 JAHRE CHARLES BUKOWSKI : PORTRAIT EINES KULT-AUTORS in „THE SHOOTING“

Credit Bild: © Hirmer Verlag

Kaputt in Hollywood: Richtig gute Autoren erfinden nicht bloß mitreißende oder berührende Geschichten, sie bringen auch immer etwas von sich selbst, ein autobiographisches Element in die Zeilen ihrer Werke mit ein. Wenige taten dies so schonungslos wie Henry Charles Bukowski, der zeitlebens den selbstzerstörerischen Lifestyle pflegte der seine harten Stories vom rauschhaften Leben auf der Schattenseite von L.A. dominierte. Bukowskis Welt war die der Barflies, der „all night“-Trinker in den schäbigen Spelunken der vermeintlichen Stadt der Engel: Leichte Mädchen, harte Getränke und die Arbeit als Faktotum in niedrigen Jobs prägten das frühe Leben des Autors ebenso wie das Dasein  seines literarischen Alter Egos Henry Chinaski. Grenzerfahrungs-Suchende waren zwar zuvor schon ein beliebter Topos der modernen amerikanischen Literatur gewesen, mit Bukowski war diese jedoch endgültig auf der Kehrseite des amerikanischen Traumes angekommen, nicht von ungefähr heißt eine seiner Geschichtensammlungen „Das Leben und Sterben im Uncle-Sam-Hotel“. 

Anders als bei Poeten wie Ginsberg, Kerouac oder Burroughs  war Bukowski nicht Teil der Beatszene oder der  Counterculture, den Hoffnungslosen in den Hackler-Berufen blieb  nicht die Dekadenz, der schöne Fall, sondern nur lediglich trostlose Selbstzerstörung am Boden einer Flasche. Obwohl Bukowskis knallharte Stories alles andere als Mainstreammaterial waren  wurden sie dennoch – gerade im deutschsprachigen Raum in den 70er und 80er Jahren - zu Bestsellern. Heuer wäre Charles Bukowski 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dessen erscheint im Hirmer Verlag mit „Bukowski – The Shooting“ von Abe Frajndlich ein Bildband über den Kultautor, der jedoch viel mehr ist als bloß eine Sammlung eindrücklicher Portraits eines enfant terribles der Literatur.  

Es war anno 1985 als der junge Fotograf Frajndlich von der FAZ den Auftrag bekam den „Skandalautor“ zu fotografieren. Shootings mit Bukowksi waren keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Denn dieser weigerte sich beharrlich  von jemand anderem als seinem persönlichen Haus- und Hoffotografen abgelichtet zu werden. Bei Frajndlich macht er jedoch eine Ausnahme. Der Fotokünstler hatte offenbar einen Nerv getroffen, der Ältere zum Jüngeren einen direkten Draht gefunden – wohl  auch aufgrund biographischer Gemeinsamkeiten und deutscher Wurzeln. In mehreren Sessions, auch bei  Bukowskis Hochzeit , fing Frajndlich den großen Autor so ein, wie er wohl wirklich war.

Denn die Bilder zeigen zweierlei: einerseits einen Bukowski der sein öffentliches Image stets bewusst pflegte und dem Fotografen genau das liefert, was die meisten Leute erwarten: Das Bildnis eines Spiegeltrinkers mit der Bottle in der Hand. Wer mit der Biographie Bukowskis vertraut ist, weiß jedoch: er war nicht nur grob sondern manchmal  auch durchaus sensibel, zudem vielseitig gebildet und belesen. Auch diese sanftere Seite vermag Frajndlich zu zeigen.Obwohl  „The Shooting“ ein relativ dünnes Büchlein ist und auch der interessante, essayistische  Textanteil überschaubar bleibt entsteht so ein recht komplexes Bild des Kultautors  – und darüber hinaus eine Annäherung an das Phänomen Bukowski.

Freitag, 25. September 2020

BILLY F GIBBONS – ROCK + ROLL GEARHEAD

Credit Bild: © David Perry  Motorbooks / Quarto
Kraft, Power, Sound, Vibrationen, Chrom, Röhrende Motoren und brüllende Verstärker, spezielle Lackierungen und Custom Colours, das Tunen und minutiöse Einstellen der größten Errungenschaften  der modernistischen Kreationen der Nachkriegszeit, eine eingeschworene Gemeinschaft von Experten und Cracks die in einer eigenen Fachsprache kommunizieren und nach den seltensten „holy grails“ jagen. Da die Ford Motor Company, Dodge & Co, dort Gibson, Fender, Gretsch.

Die Gemeinsamkeiten zwischen Autos und elektrischen Gitarren sind offensichtlich und überdies recht zahlreich. Blues und Rock N´ Roll gingen schon immer Hand in Hand mit hochoktanigen Gefährten. Ob in der Pre-R N´R. Zeit mit den eindeutig zweideutigen Fahrzeug-Allegorien eines Robert Johnson („Terraplane Blues“) über Ike Turners „Rocket 88“ oder dem schnittigen „Little Deuce Coup“ der Beach Boys bis hin zum viel gecoverten „Mercury Blues“ und Eric Claptons 57er Chevy („I´ve Got A Rock N´ Roll Heart“). Hinzu kommen die zahlreichen prominenten Sammler, sowohl in der Gitarren-Szene als auch in den Schrauberwerkstätten der Car-Aficionados. Einer der bekanntesten und legendärsten unter ihnen ist fraglos Billy F Gibbons aka The Reverend von der „lil´ol Band from Texas“, ZZ TOP.

Credit Bild: © David Perry  Motorbooks / Quarto
Gibbons ist seit Jahrzehnten passionierter Collector und nennt neben einigen der legendärsten Gitarren auch einen beeindruckenden Fuhrpark sein eigen. Passend zum kürzlichen 50 Jahr Jubiläum der Band – die seit ihrer Gründung in unveränderter Besetzung spielt, eine absolute Seltenheit im Musikbusiness - nimmt er den Leser des luxuriösen Bildbands „Rock + Roll Gearhead“ (erschienen bei Motorbooks/Quarto) mit auf eine Tour durch seine Welt. Als würde  man einen Spaziergang durch ein Musikvideo unternehmen treffen hier glänzend polierte Boliden auf Girls in High Heels und 50s Fenders und Gibsons. Die selbst ikonisch gewordene ´59er Les Paul namens "Pearly Gates“ (siehe Bild oben) oder der knallrote “Eliminator“ Hot Rod aus Kultclips wie „Gimme All Your Lovin“ sind da natürlich nicht weit. Alle Akquisitionen des Reverend haben dabei eine Gemeinsamkeit: er sammelt nicht jede x-beliebige Gitarre oder irgendwelche alten Autos sondern sie müssen alle das gewisse Etwas haben, über den sog. „Mojo“ verfügen. Die Texte von Gibbons und Co-Autor Tom Vickers sowie die stylishen Bilder von Fotograf David Perry machen diesen coffee table-Band zu einer Zelebration des ZZ-Lifestyles, die sowohl „Gear Book“ als auch Biographie eines legendären Musikers ist. 

Credit Bild: ©  Motorbooks / Quarto

Ursprünglich erschien dieses Buch schon im Jahr 2005, die nun veröffentlichte erweiterte Auflage im kompakteren Format mit Sammlerschuber bringt den Leser up to date mit neuen Akquisitionen in der Casa Gibbons, wie z.B. einem „Mexican Blackbird” 1958 Thunderbird, einem Quintana ’50 Ford Custom, einer  Neiman Marcus BFG SG, einer super raren Telecaster vom Luthier Nacho Baños, einer aufwendig dekorierten Zemaitis Custom Kreation, einer 1939 Rickenbacker Frying Pan oder einem Tonebender Fuzz EffektDas 2005er Buch wird dadurch behutsam, jedoch dennoch merklich erweitert. Der ZZ TOP-Fan hätte sich in dieser neuen Edition zwar durchaus mehr neue (Nah-)Aufnahmen der „Pearly Gates“ und ev. ein paar weiter Hintergrundstories gewünscht, dennoch ist dieser betörend-schauprächtige Streifzug durchs „Billy-Land“  nach wie vor eines der coolsten Rock N´ Roll Bücher - in das man als Fan der jeweiligen Subkulturen immer wieder eintauchen kann.

Dienstag, 22. September 2020

JOCHEN RINDT – DER ERSTE POPSTAR DER FORMEL 1

 Credit Bild © Delius Klasing 

5. September 1970, Monza, Italien:  Was ein Routinetraining werden sollte, beendet die Karriere eines der vielversprechendsten Rennfahrer der damaligen Zeit. Das Datum geht als einer der schwärzesten Tage in die Annalen des Motorsports ein: Das 28-jährige Formel 1-Idol Jochen Rindt ist auf Weltmeisterkurs, stoppen kann ihn scheinbar nichts und niemand, denn Einzuholen ist er als deutlich Führender in der Gesamtwertung nicht mehr. Im Trainingsdurchlauf zum großen Preis von Italien kommt es dann zur Katastrophe. Ein Materialfehler an der Bremswelle vorne rechts sorgt dafür, dass der erfahrene Racer Rindt seinen Lotus 72 in der Parabolica nicht mehr kontrollieren kann und ungebremst mit voller Geschwindigkeit in die Leitschienen kracht. In dieser Zeit ist Formel 1 ein absoluter Hochrisikosport, noch gefährlicher als heute, der Tod fährt immer mit. Sicherheitsvorkehrungen wie sie mittlerweile usus sind, kennt man damals noch nicht.Für den jungen Mann am Höhepunkt seiner Karriere, kommt jede Hilfe zu spät.

Es gibt da dieses schaurig anmutende Rindt-Zitat :"Bei Lotus kann ich Weltmeister werden oder sterben". Es ist eine makabre Aussage, die sich an jenem Spätsommertag ´70 jedoch bewahrheiten sollte. Denn er wird posthum World Champion, den Preis nimmt seien Witwe Nina entgegen. War Rindt zuvor schon überaus populär, so wurde er durch den viel zu frühen Unfalltod unsterblich. Anlässlich des 50. Todestags ist im Delius Klasing Verlag eine überarbeitete, erweitere Auflage des Bildbandes und Standardwerks „Jochen Rindt – Der erste Popstar der Formel 1“ erschienen. Fotograf Ferdi Kräling begleitete Rindt fast seine gesamte Karriere hindurch und zeichnet in diesem Buch mit seinen Co-Autoren Herbert Völker ein sehr plastisches Bild einer Legende, die bis heute fasziniert.

Was war es, das Rindt schon zu Lebzeiten so herausstechen ließ? Das Buch, Kompaktbiographie und Bildband in einem, gibt darauf einige Antworten: Natürlich sind da die beeindruckenden Erfolge, die Rindt auch einfuhr, wenn er nicht das beste Material, sprich Auto, zur Verfügung hatte. Doch mehr als noch die Meriten am Racetrack ist es das Charisma dieses Mannes, das ihn s auszeichnete. Man merkt das einerseits in den glühenden, teils berührenden Zitaten und O-Tönen der Racing-Kollegen von einst und dem Vorwort von Legende Jackie Stewart. Andererseits wird das Phänomen Rindt auch durch die hier gezeigten Bilder nachvollziehbar.

In einer Zeit in der es nicht gerade wenige markante und charismatische Persönlichkeiten gab, galt er als einer er Coolsten. Die Fotos zeigen ihn meist lässig und konzentriert zugleich, ein Prototyp eines Racers. Sieht man sich die Aufnahmen in diesem Band an, so denkt man zudem unweigerlich an die große Leinwand. Rindt hätte auch in einem klassischen „car movie“ alles andere als deplatziert gewirkt. Zusammen mit seiner Ehefrau Nina verkörperte er Glamour und Jetset. Das Bild vom ersten Popstar passt da letztlich perfekt. Kräling zeigt in seinem Buch all diese unterschiedlichen Facetten und macht für den Leser die damalige „wilde“ Zeit dieser Sportart ein Stück weit nachvollziehbar – so entsteht eine mitreißende Chronik über eine vergangenen Epoche des Motorsports und eine ihre größten Ikonen.

Montag, 14. September 2020

TOP JIMI # 5: BURNING DESIRE


Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Flamme vs. Stratocaster.
Feuerzeugbenzin und ein Streichholz – mehr brauchte es nicht für einen der ganz großen Rock N' Roll-Momente zu schaffen.

Schon bevor der überirdische Gitarrenmagier James Marshall Hendrix seine Fender beim ersten großen Rock-Festival der Geschichte den Flammen übergab hatten Rockstars ihre Instrumente in Brand gesteckt. Der Killer Jerry Lee Lewis etwa entzündete schon mal sein Piano an und Pete Townshend donnerte seine Gitarre auf den Boden oder spießte gleich seinen Marshall Verstärkerturm auf. Doch was Hendrix da beim Monterey Festival machte kam einem semi-religiösen Akt gleich – eine Opferung, ein Ritual: "sacrifice what you love"...
In der Front Row von Monterey war damals auch ein 17-jähriger Fotograf der jene Momente festhielt uny sich so alsbald in der illustren Riege der Rock N' Roll Photographer wiederfinden sollte. Hendrix auf den Knien wie er die Flammen geradezu beschwört - ein Bild für die Ewigkeit war geschaffen; es findet sich auch im Bildband "Burning Desire - Jimi Hendrix: The Jimi Hendrix Experience Through the Lens of Ed Caraeff(ACC Art Publishing) wieder in dem Caraeff eindrucksvolle Momentaufnahmen seiner Begegnungen mit der Jimi Hendrix Experience Revue passieren lässt. Der Clou , dieser großartige Band zeigt lauter unpublished photos aus dem Archiv Caraeffs. Folgende Gigs (1967-1969) der Band wurden fotografisch in beeindruckendem Detailgrad festgehalten:

Monterey International Pop Music Festival: June 18, 1967
Hollywood Bowl: August 18, 1967
Anaheim Convention Center: February 9, 1968
Ackerman Union Ballroom: February 13, 1968
Hollywood Bowl: September 14, 1968
Whiskey-A-Go-Go: October 1968
Newport '69: June 20-22, 1969
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing

Sonntag, 13. September 2020

TOP JIMI # 4 : HENDRIX – DIE ILLUSTRIERTE BIOGRAFIE

©Hannibal Verlag
 © Hannibal Verlag 

„Have you ever been experienced ?“ fragte der Saitenvirtuose Hendrix seine Zuhörer auf dem finalen Track seines Debut-Albums aus dem Jahre 1967. Wenn ihnen die bisherigen Sechziger nicht die eigenen Pforten der Wahrnehmung geöffnet hatten, so war das spätestens nach diesem innovativen und bahnbrechenden Album der Fall. Mit Klängen wie „from outer space“ , einem trendsettenden Modestil und den dazu passenden Plattencovern war Hendrix einer der Hauptproponenten des Psychedelic-Trends.

Da ist es nur passend, dass ein Buch über sein Leben und Wirken im ebensolchen Stil gehalten ist – in einer neu erschienen illustrierten Biographie spiegelt sich der psychoaktive Technicolor-Rausch der Sixties im gesamten Layout wider. Ein Band komplett im „Hendrix Style“ gehalten: schwarzes Samtcover mit 3D-Effekt und Farben wie aus der Schilderung eines Trips von William S. Burroughs, im Inneren zahllose Bilder und von Ornamenten eingerahmte Texte – das spiegelt nicht nur den damaligen Zeitgeist wider und ist ansprechend gemacht sondern sorgt auch dafür, dass dieses Buch ungemein wertig wirkt. Auf die reine Optik sollte man „Hendrix- Die illustrierte Biografie“ jedoch dennoch nicht  reduzieren.  Grundsätzlich hat die Autorin Gillian G. Gaar - die auch in der Geburtsstadt Hendrix, in Seattle lebt – zwar ein ähnliches Problem wie andere Biographen vor ihr: es gibt einfach schon sehr viel Literatur zum Thema Hendrix, da etwas Neues zu finden und damit auch alte Fans anzusprechen, wird schwer.

Bislang ungekannte Facetten der Lebensgeschichte enthüllt Gaar dann auch keine -  da die 7 Kapitel – in denen die Kindheit, die Militärzeit, der Durchbruch und die posthume Rezeption der Ikone beleuchtet wird  - jedoch ebenso gut geschrieben wie recherchiert sind, ergibt sich ein sehr stimmiges Gesamtbild, das von den toll ausgesuchten Bildern abgerundet wird.So ist „Hendrix - Die illustrierte Biografie“ zwar nicht das umfangreichste Buch unter den Neuerscheinungen zum 50. Todestag des Virtuosen, dafür aber fraglos eines der Attraktivsten, in dem die Autorin eine ebenso kompakte wie ausführliche Retrospektive einer Legende entwirft.

Donnerstag, 3. September 2020

TOP JIMI # 3 : JIMI HENDRIX – ALLE SONGS

Sein progressives Spiel verhalf ihm im Swingin´ London der Sechziger zum Durchbruch, vom „West Coast Seattle Boy“ wurde er zu einem prototypischen Rocksuperstar und einer der Gallionsfigur der Counterculture-Bewegung. Sein Showmanship übertraf sogar Pete Townshends Zerstörungsorgien bei den donnernden „The Who“-Gigs. Die Sounds die er aus seinen Gitarren, Amps und Effekten holte, hatte man bis dahin nicht gehört und zählen noch heute zu den Grundsteinen im Vokabular von Gitarristen weltweit: Jimi Hendrix, das kann man ohne Übertreibung sagen, war (und ist) ein Phänomen. Die mannigfaltigen Meriten und biographischen Fakten des Ausnahmemusikers sind dementsprechend gut dokumentiert, auch weil schon früh die posthume literarische Aufarbeitung des viel zu kurzen Lebens  - Hendrix starb mit nur 27 Jahren - einsetzte. Nach mehreren Jahrzehnten der intensiven Beschäftigung mit biographischen Fakten wie minutiösen Analysen des Equipments des „Voodoo Child“ etwas Neues über diese Legende zu finden wird also schwer. 

Dem französischen Autorenduos Philippe Margotin und Jean-Michel Guesdon ist dies dennoch bis zu einem gewissen Grad gelungen. Man kennt das Duo von ihren Anthologien zu den Rolling Stones oder Pink Floyd. Dass sie sich nun mit Hendrix einer weiteren ganz großen Ikone der Rock-Mythologie widmen, ist da nur folgerichtig. Am erfolgreichen Konzept der umfangreichen Vorgänger wird nichts geändert, der Anspruch ist auch hier ein lexikaler. Das so nüchtern wie programmatisch betitelte „Alle Songs“ ist ein extensives Kompendium, das anhand von Songanalysen, Trivias und zig Bildern, das  Leben des Jimi Hendrix beinahe minutiös nachzeichnet. 

All die wundersame Kompositionen werden hier unter die Lupe genommen, die Diskographie eingeordnet und immer wieder wird der Scheinwerfer auf bislang wenig Beleuchtetes gerichtet, bspw. darauf, dass Hendrix zu Beginn seiner Karriere Hollywood -Sirene Jayne Mansfield auf ein paar Gesangsaufnahmen begleitete? Neben dem profunden A-Z in Sachen Hendrix und den zahlreichen Fotos sind es gerade diese Details, die dieses umfangreiche Buch zu einem Nachschlagewerk machen, das man immer wieder zur Hand nehmen kann.

Mittwoch, 19. August 2020

DEEP PURPLE – WHOOSH!

Eigentlich hatte man angenommen, dass das  2017er Album „Infinite“ das selbstgewählte Farewell der britischen Rock-Ikonen Deep Purple war. Ein Schlussstrich unter die Studio Recording-Karriere einer der produktivsten und beständigsten Bands aus der Hochphase des Rock mit einem grundsoliden 20. Album. Aber wie das glücklicherweise so ist mit den Legenden kam es ganz anders als gedacht: Warum auch aufhören, wenn die (Chart-)Erfolge nicht ausbleiben und Gillan, Glover & Co. die Ideen nicht auszugehen scheinen. ? Nach einer Corona-bedingten Verschiebung ist dieser Tage also nun das 21. Album erschienen und die Erwartungshaltung war äußerst hoch: Denn das lautmalerisch betitelte „Whoosh!“ soll nicht einfach nur ein weiterer Eintrag in der extensiven Diskographie der Band sein sondern so etwas wie eine Rückbesinnung auf all das was DP zu Legende werden ließ.

Das beginnt bereits beim atmosphärischen Albumcover das nicht zufällig an Artworks aus den 70s erinnert. Dann ist da noch das Re-Recording von „And the Address“, dem instrumentalen Opener des Debuts „Shades Of Deep Purple“ aus dem Jahre 1968, das originellerweise der letzte Track auf „Whoosh!“ ist. Die das Album begleitende Tagline hat es überdies in sich:„Putting The Deep Back In Purple“  - eine Ansage, zumal es nicht wenige Fans gibt, die sich nicht nur insgeheim die Mark II-Zeit zurückwünschen.  Eine Reunion mit dem schwierigen Saitenehxer Ritchie Blackmore gibt es allerdings auch hier keine und auch ist „Whoosh“ stilistisch keine reine Reimagination von „In Rock“ oder „Machine Head“. 

Letztlich machen Purple nämlich genau das, was sie schon seit Jahren bzw, Jahrzehnten machen: eine gekonnte Pflege eines sorgsam kultivierten Signature Sounds mit ganz dezenten modernen Zeitgeist-Zugeständnissen. Nur das diesmal die Riffs noch eine Spur grooviger, heavier und erdiger rüberkommen - man kann durchaus sagen: mehr Spätsechziger/Frühsiebziger-Flair atmen – inklusive besonders deutlicher Prog Rock und 50s Rock N Roll-Bezüge. Kontrapunkt zu den lässigen wie tonnenschweren Riffs ist die klassisch inspirierte Hammond Orgel, auf der Tastenmann Don Airey ganz besonders leichtfüßig und ausgiebig soliert. All das macht „Whoosh!“ zur besten Purple-Platte seit vielen Jahren - ein starkes Album, das vor Spielfreude nur so strotzt und dessen Nummer 1 Platz in den aktuellen Charts alles andere als verwundert.

Die Deluxe Version von „Whoosh!“ erscheint im attraktiven Mediabook mit Bonus DVD die einen Livemitschnitt vom 2017er Hellfest beinhaltet (mit Klassikern von – eh klar – „Smoke On The Water“ bis „Hush“) sowie einem einstündigen Film mit einem Gespräch zwischen Produzent Bob Ezrin und Bassman Roger Glover. 

Hier zwei Hörproben aus dem Album mit den Songs „Man Alive“ und „Throw My Bones“ – oder anders asugedrückt: ein Taste Of The Band:

MELODIÖSER SCHWEDENROCK von H.E.A.T.

Geht es um Mainstream Pop und elektronische Musik so zählt Schweden sicher zu den absoluten Hotspots – sowohl von Performer als auch Produzentenseite. Gleichzeitig gibt es jedoch eine beständige Szene voll von engagierten „Trendverweigerern“,  die sich vornehmlich im Rock-Grenre betätigen. Zu dieser gehören auch die Jungs von  H.E.A.T.– einer Band aus dem 30 km von Stockholm entfernten Upplands Väsby, die handwerklich perfekt gemacht die ewigen Achtziger abfeiert. Die dazugehörigen Ingredienzen: Kajal, Lederhose und kreischende Gitarren. Hinzu kommen breite Keyboardwände – allerdings ohne dabei nur nach „Vintage“ oder „Retro“ zu klingen.

Hinzu kommen treibende, bisweilen hymnische Songs mit durchaus pop-affinen Hooklines. Wer da an gewisse Landsleute von H.E.A.T. – Stichwort: Europe – denkt, liegt durchaus richtig. Assoziationen zum melodiösen Schwedenrock der in den 80s Chartpotential hatte, drängen sich förmlich auf -  die akrobatischen Gitarrensoli, die der Höhepunkt der meisten H.E.A.T.-Songs sind, tun ihr übriges dazu.

Mit dem in guter Hardrock-Tradition  betitelten „H.E.A.T II-Album legt die Band nun  ihr erstes selbst produziertes Album vor, das genau dort anknüpft wo der Vorgänger aufgehört hat. Auch wenn die neuen Lieder nicht immer das in diesem Genre in der Neuzeit inhärente Epigonen-Problem vermeiden können (die Grenze zwischen gekonnter Hommage und derivativem Songwriting ist oftmals nur ein schmaler Grat) werden Fans des Heavy Rock der Eighties gut bedient.


Montag, 17. August 2020

DIE GESCHICHTE HINTER DER ROCKOPER „TOMMY“

© Hannibal Verlag

Das Leben hat es alles andere als gut gemeint mit dem kleinen Tommy – blind, stumm und taub geboren ist er scheinbar zu einem Leben als Außenseiter verdammt. Bis er seine besondere Begabung und letztlich seine Bestimmung entdeckt. Denn trotz seiner schweren Beeinträchtigungen ist er ein absoluter Meister an der Pinball-Maschine , niemand spielt so virtuos mit dem Flipperautoamten wie er. Ähnlich wie die jungen Rockstars der Sixties wird er dank seiner speziellen Fähigkeiten aus der Anonymität gerissen und ins Scheinwerferlicht einer dekadenten Welt der Versuchungen und der Exzesse geworfen - eine Welt, die jedoch auch bald ihre Schattenseiten zeigt…

Diese so seltsame wie düstere Geschichte bildet das Zentrum des Konzeptalbums „Tommy“ von The Who, veröffentlicht 1969 – einem denkwürdigen Jahr, in dem ja nicht gerade wenige Klassikeralben erschienen und im Monatstakt eine „Landmark-LP“ nach der anderen die Charts stürmte. Auch „Tommy“ zählt zum allgemein anerkannten Kanon der „großen Weke“ dieser Zeit. Retrospektiv mag es schlechter gealtert sein als andere Alben der „Woodstock“-Ära, die musikhistorische Bedeutung als Pionierleistung  in der Konzeptualisierung der Rockmusik sowie die interessante Entstehungsgeschichte sind jedoch unbestritten. Um die Entwicklung des „Tommy“-Phänomens vom progressiven Album bis hin zur kultigen Verfilmung ( die vor allem aufgrund der denkwürdigen Auftritte von Tina Turner als „Acid Queen“, Eric Clapton als Priester und Elton John als der „Pinball Wizard“ im Gedächtnis bleibt)  geht es auch im monothematischen Band „Tommy - Stil, Zeitgeist, Musik und Vermächtnis der legendären Rock-Oper (erschienen im Hannibal Verlag).

Der reichhaltig illustrierte Band dokumentiert die Geschichte dieser ersten Rockoper der Musikgeschichte bis ins kleinste Detail und beleuchtet deren Genesis vor dem Hintergrund der Sixties-Umbrüche. Mit seiner inhärenten Progressivität traf „Tommy“ den Zeitgeist der Spätsechziger und wies den Weg zu den Progressive Seventies: das Theatralische in der Rockmusik hatte zwar schon zuvor immer stärker an Bedeutung gewonnen, die ganz großen Konzeptalben sollten sich jedoch erst im darauffolgenden Jahrzehnt etablieren. "Tommy" bleibt als eines der ersten Werke seiner Art bis  heute faszinierend - wie innovativ dieses vollständig ausgereifte Experiment von Daltrey, Townshend, Entwistle und Moon war unterstreicht die "Tommy-Chronik" zudem nochmals eindrucksvoll. 

Donnerstag, 23. Juli 2020

DEPECHE MODE – SPIRITS IN THE FOREST

Credit Bild: © Sony
Erinnert sich noch jemand  an Live-Konzerte ? Diesen wundersamen, in der aktuellen Lage jedoch undenkbaren Events wohnt ja stets ein eigentümlicher Charakter der Ekstase und der feierlichen Selbstvergessenheit inne. Der kontrollierte Kontrollverlust in der Crowd. Es soll sogar schon bei Schlager-Shows zu euphorischen Entrückungszuständen gekommen sein, als wären die Fans beim Isle Of Wight-Festival. Also so wurde es mir zumindest aus verlässlicher Quelle überliefert. Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um jene Livebands die nicht „nur“ ein spektakuläres Feuerwerk auf der Bühne abfackeln, sondern die Shows gestalten, die „mehr“ sind und eine Symbiose mit dem Publikum schaffen, die sich in einem kollektiven Erlebnis sondergleichen manifestiert.

Die Stones zählen auf alle Fälle dazu, wer die gut geübten „Wooh“-Chöre beim Finale von „Brown Sugar“ kennt, weiß wovon ich rede. Auch Metallica oder Rammstein fallen bspw. in diese Kategorie, genauso wie Depeche Mode. Deren Musik ist ja zunächst nicht gerade prädestiniert für die ganz große Party, melancholisch und schwer die Lyrics, nicht unbedingt  eingängig und tanzbar die Songs abseits der Mainstream-Hits.
Und dennoch – nicht erst in jenem Moment, wenn das endlose Meer aus Armen im Rhythmus zu „Enjoy The Silence“ unter der Anleitung von Chefdirigent Dave Gahann hin und her wogt, weiß man: das hier ist nicht bloß ein Gig, für so manchen Fan hat das geradezu messe-artigen Charakter.
Credit Bild: © Sony
 Ein Umstand den auch der neu erschienene Film „Spirits In The Forest“, directed by niemand Geringerem als Anton Corbijn, unterstreicht. Dieser ist keine herkömmliche Band-Biographie im Stile „The Rise And Fall Of The Self Destructive Dave Gahan“ sondern eine Mischung aus Konzertfilm (festgehalten wurden die finalen Abende der „Spirits“ -World Tour auf der Waldbühne in Berlin) und Doku über die härtesten der harten Depeche -Fans.
6 glühende Anhänger britischer Synthie-Schwermut stehen im Fokus der Kameras und erzählen was die Musik der Band für sie bedeutet und wie sie sie teils durch schwere Zeiten begleitete. Die Musiker selbst kommen hier nicht zu Wort, es ist ein Film über die Fanbase für die Fanbase. Bei der stieß dieses Projekt ironischerweise nicht durchwegs auf Gegenliebe, das Echo bei der Kinopremiere dieses Streifens fiel mitunter durchwachsen aus.
Dabei: Ganz neu ist dieses Konzept nicht, schon 1989 stellten Gahan & Co ihre Anhänge in der Konzertdoku „101“ in den Mittelpunkt. Die Corbin´sche Variante geht jedoch noch einen Schritt weiter, das Ergebnis wirkt  stellenweise sonderbar und auch nicht frei von Kitsch - und hat in seiner abendfüllenden Spieldauer zudem deutliche Längen.
Diese Längen treten in der 4 Disc Deluxe Edition von „Spirits In The Forest“ jedoch eher in den Hintergrund– denn neben der Doku gibt es hier dankenswerterweise auch den vollständigen Konzertfilm des Waldbühnen-Gastspiels als Blu Ray-Mitschnitt (sowie als Audiodokument als Doppel CD). Die visuell eindrucksvolle Gestaltung mit ihren betörenden Bildern und der ganzen Theatralik der Bühnenshow sowie der gute 5.1, Sound können dann vollends überzeugen- am Schluss wird das mit den großen Hits gespickte „Spirits“-Package dann doch wieder etwas für alle Fans.

Samstag, 11. Juli 2020

BOB DYLAN – ROUGH AND ROWDY WAYS


Der junge Dylan - in seinen "rough and rowdy days"
Credit Bild: © Sony
Mit ihm hatte man wohl am wenigsten gerechnet, dabei gab es letztlich keinen passenderen Zeitpunkt: Bob Dylan, jener Künstler der sonst nie das macht, was seine Kollegen tun, meldete sich so wie die gefühlt  gesamte Musikwelt ohne Vorankündigung mit neuem Material aus der Quarantäne in der Coronakrise.
Der stets enigmatische Songwriter gibt sich abseits seiner regelmäßigen Fortsetzungen der „Neverending Tour“ ja eher als Eremit, so gut wie nie dringen News über „His Bobness“ an die Öffentlichkeit, die Gazetten mied er spätestens ab den Siebzigern sowieso und neue Alben mit Eigenkompositionen gibt es nur in homöopathischen Dosen. Im März dann vollkommen überraschend: das Release einer epischen neuen Single, die erste neue Eigenkomposition seit acht Jahren. „Murder Most Foul“ – borgt den Titel aus Shakespeares „Hamlet“ und ist dann auch noch näher an reiner Lyrik als manch anderes von Dylan, eine 17 minütige Meditation über ein amerikanisches Trauma, jenen einschneidenden Tag im November 1963  als Hoffnungsträger John F- Kennedy in Dallas. Texas erschossen wurde.

Der Song war der erste Vorbote der neuen LP „Rough And Rowdy Ways“, die im Gegensatz zu den Vorgängeralben keine Neudeutung des Songbooks nach Frank Sinatra ist, sondern vielmehr eine  logsiche Fortsetzung von „Modern Times“, oder „Together Through Life, den Platten auf denen Dylan zunhemend wieder auf den Highway 61 einbog. So gibt es auf „Rough And Rowdy Ways“ eine so eklektische wie gediegene Mischung aus dem amerikansichen Schemztigel der Genres: Treibenden Chicago Blues Country, Folkiges mit dezentem Crooner-Einschlag. Es sind Barrelhosue-Meditationen über Amerika und das Ende der Zeit die Dylan mit einer stilvoll „zerstörten“ Stimme vorträgt ä, die sich immer näher in Richtung  Tom Waits bewegt.
Credit Bild: © Sony
Der Moment für das Release dieses Albums könnte angesichts der aktuellen Krisen nicht passender sein, war Dylan doch immer Beobachter um nicht zu sagen Chronist gesellschaft Umbrüche. Die Zeiten ändern sich, wenn der harte Regen fällt – um hier einmal klassiche Textzeilen zu paraphrasiern. 

 "Rough..." ist eines der besseren "later period"-Alben, ein dichtes, stellenweise richtig packendes "Hörspiel" für Dynalogen die sich wohl wieder einige Jahre an den vieldeutigen Lyrics des widerwilligen Nobelpreisträgers abarbeiten können - auch wenn dieses jüngste Opus bei aller Atmosphäre ist kein neues "Blood On The Tracks" geworden ist.