Sonntag, 7. August 2016

VINYL: Der Reverend und die Reise von Houston nach Havanna

Credit Coverbild: Universal Music
 
Ungewöhnliche ist sie, die allererste Soloplatte von ZZ TOPs Billy Gibbons - verweilt der bärtige Reverend musikalisch doch nicht an der vertrauten texanisch-mexikanischen Border sondern verlässt die Staaten in Richtung einer neuen Destination: Kuba.

Gibbons verbindet seinen sorgsam kultivierten Blues-Rock mit afro-kubanischen Rhythmen. Eine überraschende Kombination, deren Ursprung man in der Biographie des Mannes aus Texas findet: schon in seiner Jugend begeisterte er sich für diese Musik, studierte gar die hohe Kunst des Percussion-Spiels unter der Ägide Tito Puentes. Ein Einfluss, der im ZZ Top-Sound nicht eben omnipräsent war, der jedoch scheinbar so profund war, dass Gibbons sein erstes Album ohne Dusty Hill und Frank Beard ganz ins Zeichen jener Musik stellt.
Wenn Gibbons seine Bluesgitarre laid back vor einem emsigen Latin-Background  erklingen lässt, gemahnt das immer wieder an den frühen Santana der Sechziger. Maracas, Congas und Bongos spielen ihren ganz eigenen Groove, die Hammond B-3 blubbert im Background nur um im nächsten Moment scharf akzentuierend nach vorne  zu schnellen. Zusammen bildet dies einen extrem dichten, karibisch bis afro-kubanisch beeinflussten Soundteppich, durch den sich  tief im Delta verwurzelte Riffs ihren Weg bahnen - oder es zumindest versuchen.

Denn die Verschmelzung von Blues Rock und Latin-Sound gelingt nicht durchgehend völlig reibungslos und fällt nicht immer so lässig wie bei der das Album eröffnenden Slim Harpo-Nummer „Got Love If You Want It“ oder der ersten Singleauskopplung „Treat Her Right“ aus.
Inmitten von lyrisch zweideutigen Songs blitzen zwar immer wieder Riff-Fragmente auf, die es in ihrer vertrackten Rhythmik auch durchaus auf ein ZZ Top-Album hätten schaffen können - doch allzu oft, werden diese im nächsten Moment vom teils allzu gefällig-smoothen Latin-Sound begraben.
So wirkt „Perfectamundo“ über weite Strecken überfrachtet und etwas zerfahren - sinnbildlich hierfür steht der  Song „Quiero Mas Dinero“, der mit seinem Intro-Lick genial wie ein Stax-Soul Song beginnt, nur um dann urplötzlich den Groove zu ändern und mit einer vollkommen unpassenden Rap-Einlage zu befremden.

Inwieweit das „Perfectamundo“- Experiment als geglückt anzusehen ist, hängt stark von der Affinität des Hörers zu Afro-Cuban-Sounds ab. So manch eingefleischter ZZ-Fan wird wohl nicht viel mit Gibbons Solo-Exkurs anfangen können, wenngleich das Album durchaus immer wieder starke Momente hat.  Der Reverend ist nicht der erste, der die interessanten Möglichkeiten der feurigen Verbindung zwischen Blues-Rock und Latin  erkannt hat  - in seiner Umsetzung  bleibt vom exzentrisch-experimentellen Solo-Debut des 65-Jährigen Texaners jedoch der Eindruck einer Platte, die - wenn man die genialen Gastauftritte Gibbons der vergangen Zeit (siehe etwa Live From Daryl´s House) betrachtet - nicht nur ganz anders hätte ausfallen können sondern auch das Potential zu wesentlich mehr gehabt hätte.

Einige Monate nach dem ursprünglichen Release von Gibbons´ Afro-Cuban-Blues-Rock-Experiment ist „Perfectamundo“ nun auch in der Version für Black Gold-Enthusiasten erhältlich:
Allerdings wird das bekannte Album nicht um zusätzlichen Content erweitert;  keine Bonus Tracks und auch keine aufwändige Picture Disc, wie sie ja zu so einem stylischen Musiker wie Gibbons passen würde - weshalb letztlich eher der Eindruck eines Standard-Vinyl-Releases bleibt.

Dienstag, 21. Juni 2016

TASCHEN WAREHOUSE SALE & ELVIS - GEWINNSPIEL

All jenen, die nach der Lektüre meines Reviews des Gisele Bündchen-Buchs Lust auf hochwertige Bildbände bekommen haben, kann ich einen besonderen Event-Tip geben:
 
Denn Sommerzeit ist auch immer Sale-Zeit - und auch wenn das Wetter mancherorts momentan eher zu wünschen übrig lässt - einen Schlussverkauf gibt´s trotzdem.
Ab diesem Donnerstag findet nämlich wieder der große Sommer Sale des Taschen Verlags statt.
 
Credit Bild: © Taschen Verlag
 
Credit Bild: © Taschen Verlag
 
Vom 23.-26- Juni gibt es für coffee table-Fans Rabatte von 50 - 75 % auf Ansichts- und Mängelexemplare der luxuriösen Bildbände aus Bereichen wie Film, Musik, Popkultur, Kunst, Erotik, Architektur oder Mode & Design. Wer also schon immer ein bestimmtes Exemplar der bibliophilen Sammlerstücke des Kölner Verlags zum besonders günstigen Preis haben wollte, hat in den kommenden Tagen Gelegenheit dazu.
Hier die genauen Adressen der Stores:
 
TASCHEN Store Hamburg
Bleichenbrücke 1-7
20354 Hamburg
Öffnungszeiten für den Warehousesale vom 23.-25 Juni: 10 - 20 Uhr

TASCHEN Store Köln
Hohenzollernring
50672 Köln
Öffnungszeiten für den Warehousesale 23.-25 Juni: 10 - 20 Uhr
 
Wer nicht in Deutschland wohnt oder gerade keinen Städtetrip geplant hat und deshalb den stylishen Stores keinen Besuch abstatten kann: den Sale gibt es auch online auf www.taschen.com
 
WIN - WIN - WIN
Passend zu diesem Warehouse Sale gibt es auch etwas zu gewinnen:
In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich einen Prachtband
über den King Of Rock N´ Roll Elvis Presley mit ikonischen Aufnahmen von Alfred Wertheimer:
 

Credit Coverbild: © Alfred Wertheimer, Taschen Verlag
Alfred Wertheimer. Elvis and the Birth Of Rock N´ Roll
          Chris Murray, Robert Santelli
           Hardcover, 26,5 X 37, 4 cm, 360 Seiten
    € 49,99

Wie ihr mitmachen könnt ? Ganz einfach:
 
1) Schreibt eine E-Mail mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames  kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.
2) In die Betreffzeile der E-Mail schreibt ihr den Titel des Elvis-Buchs und schickt die Mail an  c.henrich@taschen.com
 
Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.
 
Folg mir auf Twitter und Instagram (Links dazu auf der rechten Seite), viel Glück beim Gewinnspiel- und viel Spaß bei der Schnäppchenjagd !
 

Einsendeschluss ist der 26. Juni 2016
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 

Sonntag, 19. Juni 2016

GISELE BÜNDCHEN

 
Credit Coverbild: © Mark Seelen, Taschen Verlag
TASCHEN
Gisele Bündchen
Hardcover, Schweizer Bindung, 536 Seiten
€ 59,99
 
Als die Ära der Supermodels - jener Modeikonen der späten Achtziger und frühen Neunziger,  die erst ab einer gewissen Summe morgens aufstanden, sich für George Michael im „Freedom ! ´90“-Musikvideo rekelten und auch abseits des Fashion-Zirkels eine solche Popularität erreicht hatten, dass die Nennung ihrer Vornamen bereits genügte - zu Ende ging, schafften es nur noch zwei Laufstegschönheiten sich auch im Mainstream langfristig zu etablieren und in diesem Zuge selbst zu Marken wie zuvor Linda, Claudia, Naomi, Cindy und Christy  zu werden: Die eine, die Britin Kate Moss, prägte mit ihrem androgynen Skinny-Look den düsteren Nineties Heroin Chic maßgeblich mit. Die andere stellte in vielerlei Hinsicht die genaue Gegenthese zu ihrer englischen Kollegin dar: die Brasilianerin Gisele Bündchen verkörperte einen Typ Frau, der mit einer sportiv-trainierten Sexiness die Köpfe verdrehte.

Hot, Hotter, Gisele: Bündchen für Mert & Marcus
Credit Bild: © Mert Alas & Marcus Piggott / Art Partner licensing
Bis heute ist die Bündchen ein topgebuchtes Model, das es noch immer schafft Gesicht der prestigeträchtigsten und lukrativsten Kampagnen zu werden - Stichwort Chanel.
Der brasilianischen Schönheit mit den markanten Gesichtszügen ist nun ein Prachtband aus dem Taschen Verlag gewidmet, ihre Einnahmen aus dieser stylishen Publikation lässt die engagierte Philanthropin Bündchen karitativen Zwecken zukommen.
Allein schon das Cover dieses coffe table-books mit der nackten Gisele und dem mehrfarbigen Schutzumschlag ist ästhetisch ungemein gelungen. Der Band ist eine umfassende Retrospektive auf ihre außergewöhnliche Karriere geworden und stellt gleichzeitig ein Best Of der Modefotografie der letzten Jahre dar. Denn Gisele wurde regelmäßig  für die renommiertesten Modezeitschriften und größten Lables fotografiert - und das vom  „Who Is Who“ der internationalen Szene: Steven Meisel (der auch ein Vorwort verfasste), Terry Richardson, David Sims, Mert & Marcus, Inez & Vinoodh, Jürgen Teller, David LaChapelle, Rankin, Mario Testino, Ellen von Unwerth, Mark Seelen......


Bündchen in einem unpublished shot von Juergen Teller für eine Sonya Rykiel-Kampagne
Credit Bild: © Juergen Teller
Spricht man von Fotografen und ihren Models fällt häufig das Klischee vom Spiel mit der Kamera. Dass dies jedoch nicht lediglich eine Phrase ist, wird beim Durchblättern der 536 hochglänzenden Seiten dieses Bandes deutlich: Bündchen hat dieses gewisse Etwas, das sie tatsächlich von den meisten ihrer Kolleginnen abhebt - das „Girl from Horizontina“ ist nämlich nicht nur unglaublich fotogen sondern strahlt darüber hinaus einen irrsinnigen Sex-Appeal aus.
Was zudem auffällt, ist die Wandlungsfähigkeit der Bündchen. Sie passt bemerkenswerterweise zu jedem Stil und das ohne zur sprichwörtlichen weißen, eigenschaftslosen Leinwand zu werden. Vielmehr gelingt es ihr in unterschiedlichen Settings völlig glaubhaft, überzeugend und nie deplatziert zu wirken - ganz gleich ob sie unschuldig in die Kamera lächelt  oder aber ihr laszive Blicke zuwirft; ob sie bodenständigen Sexappeal als Cowgirl in einer Dolce & Gabbana Kampagne ausstrahlt oder sich als lasziver Vamp in Strümpfen räkelt; ob als „dirty bride“ für Ellen von Unwerth oder in distanziert-artsy Shoots.  

Das Model mit einem der ausdrucksstärksten Gesichter der Branche
Credit Bild: © Paulo Vainer
Die überaus gelungene Auswahl der Fotos in diesem Bildband - eine bemerkenswerte Aufnahme folgt hier auf die nächste  - spiegelt diese Vielseitigkeit gekonnt wider. Überdies gibt es einige bis dato „unpublished shots“ zu sehen: Für Nude - Aufnahmen von Mario Sorrenti zeigt sich die Bündchen hier etwa besonders freizügig.
 So ist dieser Bildband nicht nur in  ästhetischer Hinsicht gelungen, er macht auch nachvollziehbar wieso die Bündchen eigentlich so einen enormen Erfolg haben konnte und verdeutlicht zudem weshalb sie so viele Jahre nach ihrem Start im Fashion-Business noch immer dermaßen gefragt ist.

Samstag, 11. Juni 2016

QUENTIN TARANTINO, HELMUT BERGER UND DER KALK

Intertextualität und Referenzialität: Zitate, Referenzen und Querverweise, die sich auf eine (pop-) kulturelle Vergangenheit und andere Werke beziehen - sie sind einer der Aspekte im Schaffen von Kultregisseur Quentin Tarantino, der zwar vielen Zusehern verborgen bleibt, der jedoch seine Filme zum Genuss für Cineasten macht.
Ein Beispiel für einen solchen Moment der dichten Verwobenheit mit der Kinogeschichte findet man etwa in „Jackie Brown“ (1997) - jenem Film, der nach dem epochalen „Pulp Fiction“ kam.

In „Jackie Brown“ verbringt  die von Bridget Fonda verkörpere Melanie ihre Zeit damit sich zuzudröhnen und high zu werden, den erst aus dem Gefängnis entlassenen Louis (Robert De Niro) zu teasen und im Appartement ihres Waffenhändler-Freunds Ordell (Samuel L. Jackson) fernzusehen: Auf ihrem persönlichen Spielplan stehen dabei der Seventies Car Chase-Streifen  „Dirty Mary Crazy Larry“ - mit ihrem real-life Vater Peter Fonda - und auch Sergio Griecos „Der Tollwütige“ aka „Beast With A Gun“, ein Paradebeispiel für das italienische Exploitation-Kino der Siebziger.

Exploitation-Kino  -  das waren Filme, die in mitunter reißerischer Manier gewisse Themen „exploiten“, also ausnutzen bzw. ausschlachten - und dafür eignet sich natürlich der Topos „Sex and violence“ ganz besonders. Doch eigentlich könnte man zur „Erklärung“ dieser Filmgattung auch  nur Sergio Griecos Tollwütigen von 1977  hernehmen: denn selten, war ein Film so etwas wie die Definition eines ganzen Genres.
Der dünne, bisweilen auf Poilziottesco (italienische Polizei/Gangsterfilme)-Pfaden wandelnde Plot bietet dabei alles, was dieses geschmähte und oftmals unterschätzte Genre zu bieten hat: exzessive Gewalt, Tabubrüche am laufenden Band und natürlich Sex (der hier mitunter mit Gewalt kombiniert wird). Aber halt: Dieser Film bietet noch etwas anderes - nämlich einen übeaus überzeugenden Hauptdarsteller, der seine Sache derartig gut macht, dass man ihm den total Irren einfach abnimmt.
Im Zentrum der Story steht ein vergewaltigender Killer, der sich an denen die ihn hinter Gitter brachten rächen möchte, gespielt von Österreichs vielleicht am meisten unterschätzten Darsteller Helmut Berger. Berger, damals nach den großen Visconti-Erfolgen (wie zB.. „Die Verdammten“) auf dem Höhepunkt seiner Exploitationkarriere (aus der immerhin Tinto Brass´ „Salon Kitty“ hervorkam), zieht hier als Hauptfigur Nanni Vittale alle Register.

Seine berserkerartigen Anfälle bekommen u.a. der von Richard Harrison verkörperte, ermittelnde Kommissar und Marisa Mell zu spüren, die sich zunächst unfreiwillig und danach bereitwillig ihrem Peiniger hingibt. Diese beiden sind es auch, die dafür sorgen, dass der Film nicht nur zur One-Man Show für Berger wird. In einer weiteren Nebenrolle sieht man noch den Nello Pazzafini, der einigen vielleicht aus den Sergio Sollima-Italowestern wie „Von Angesicht zu Angesicht“ bekannt sein dürfte.
Dass die Handlung gerademal ein dürftiges Gerüst für die episodenhaften Exzesse Vittales darstellt, ist verschmerzbar - denn wo „Der Tollwütige“ nicht mit Handlung oder gar Logik punktet, da trumpft er mit seiner schieren Zügellosigkeit auf. An sadistischer Gewalt ist der Film tatsächlich schwer zu überbieten: Da werden Unschuldige wahllos gefoltert oder - in einer besonders einprägsamen Szene - Verräter mit Kalk übergossen und lebendig begraben.

Das ganze abgründige Treiben wird von einem einzigartigen Score von Umberto Smaila untermalt. Der Soundtrack besteht zwar nur aus einem bzw. zwei Stücken die ad nauseam wiederholt werden, aber schon nach dem ersten Hören bleibt der einprägsam minimalistische Track mit dem der Charakter des Nanni Vittale eingeführt wird im Gedächtnis. Für Helmut Berger-Fans ist der Film natürlich Pflicht, denn was er hier für ein Feuerwerk an Verkommenheit abfackelt, ist wahrlich einmalig.


Dennoch muss man einräumen, dass dieser Film sicher nicht jedem uneingeschränkt zu empfehlen ist: Dafür verzichtet er zu sehr auf eine im herkömmlichen Sinne stringente und logische Handlung und ist im Gezeigten sicher zu extrem: Alteingesessene Genrefans, die diesen zu Unrecht vergessenen Film noch nicht kennen, werden allerdings ihre wahre Freude mit einem der schmutzigsten Italo-Reißer haben, doch wer bis jetzt mit Poliziottesco & Co nichts anfangen konnte , wird seine Einstellung diesen Subgenres gegenüber nach dem Genuss des Films nur bestätigt wissen.

Dienstag, 7. Juni 2016

ERIC CLAPTON - I STILL DO



Credit Coverbild: Universal Music
„I Still Do“ -  ein Albumtitel, dem durchaus etwas programmatisches anhaftet, wenn man an die letzten Jahre in der Karriere von Gitarrenlegende Eric Clapton denkt: In Interviews und auch bei der emotionalen Konzertdoku „Planes, Trains and Eric“ konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, dass die Zeichen in Richtung eines Abschieds wiesen: Eine Abkehr vom Touren ? Würde Clapton dann auch dem Tonstudio den Rücken zuwenden? Nach dem „Slowhand At 70“-Jubiläum aus dem Vorjahr und wenige Monate nach ECs 71.Geburtstag gibt es jetzt jedoch glücklicherweise mit „I Still Do“  ein neues Studio-Album, das den Mann aus Surrey mit zwei Wegbegleitern aus seiner langen Karriere wiedervereint:
Das Cover malte der britische Popart-Künstler Peter Blake, der in den Sixties mit den Beatles bei „Sgt. Pepper´s“ gearbeitet hatte und für Clapton schon das „24 Nights“- und „Me and Mr. Johnson“-Cover entwarf. Am Stuhl des Produzenten nahm  der legendäre Glyn Johns (Led Zeppelin, Faces, Stones, Eagles....) Platz, der 1977 Claptons „Slowhand“ produzierte: ein Album, das mit „Cocaine“, „Wonderful Tonight“ und Lay Down Sally“  drei seiner größten Smash-Hits beinhaltete.

Claptons 23. Studioalbum eröffnet gleich mal mit einem der besten Opener eines EC-Albums seit geraumer Zeit: Leroy Carrs „Alabama Woman Blues“,  ein energischer, stampfender Blues mit heavy verzerrter Slidegitarre. Bluesig - allerdings mehr in Richtung Tulsa/Oklahoma -  gehts auch auf Track 2 „Can´t Let You Do It“ weiter: Diese erste Singleauskopplung ist wieder ein JJ Cale-Song, der sich auch auf dem Tribute-Album „The Breeze“ gut gemacht hätte; ein typischer Groove, bei dem besonders die mit den Rhythmus-Riffs verschmelzenden Wah-Licks herausstechen. Ab Track 3  „I Will Be There“ wechseln sich dann regelmäßig ruhige, balladeske Stücke und Blues-Rocker ab, ein Muster das fast ausnahmslos bis zum Schluss von „I Still Do“ durchgehalten wird.

Wie wichtig Clapton die Musik nach wie vor ist, wird in den Lyrics von  „Spiral“ - dessen Musikvideo Clapton in unterschiedlichen Phasen seiner langen Karriere zeigt - überdeutlich.
Es ist alles ein großer Song; alles ein Kreislauf. Robert Johnsons „Stones in My Passway“ hätte auch auf dem „Me and Mr. Johnson“-Album stehen können, „Somebody´s Knockin´“ (wieder von Cale) kennt man schon von Clapton-Konzerten der letzten Jahre, der atmosphärische Slow-Shuffle erhält hier eine gute Studioversion.

Die  Aufnahmen selbst müssen beschwerlich gewesen sein, wurde  Clapton doch während des Recordings von  Ekzemen befallen  - ein Bild seiner geschundenen, einbandagierten Hände am Backcover der CD ist Zeuge dessen.
„I Still Do“ überrascht den Zuhörer über die gesamte Spielzeit von knapp einer Stunde nicht, aber es sind die zuvor genannten Tracks, bei denen „I Still Do“ am besten ist:  Clapton lässt sich Zeit, laid back, ohne Hast, mit diesem sexy Gitarrenton; die sparsam eingesetzten Licks schlängeln sich  einer Schlange gleich entlang des Rhythmus. Die Balladen - mitunter mit Zydeco-Einschlag - fallen demgegenüber eher schwach aus und erinnern an Claptons 90s Phase.

Trotz Johns hinter der Konsole des Produzenten ist das Album kein Throwback zu den Seventies: Nur in Ansätzen - etwa in „Can´t Let You Do It“ - gemahnt „I Still Do“  vage an diese Zeit: Der 71-Jährge Clapton von heute ist merklich ein anderer geworden. Die Zeit des aufgerissenen Marshalls und der wilden Soli - sie scheint vorbei. So ist „I Still Do“ vor allem ein typisches Album für diese Phase in Claptons Karriere geworden: Cale-Groove, Johnson-Blues, Balladen - all das kennt man natürlich in genau dieser Form schon von den letzten Clapton-Platten. Doch als Zuhörer merkt man  auch - und das nicht nur bei  „Spiral“, in dem das explizit thematisiert wird -  wieviel dieser Legende die Musik bedeutet.
„I Still Do“  ist dennoch kein neues „From The Cradle“ geworden, wenngleich die solide Platte wesentlich besser ist als so manch Album der letzten 12,13 Jahre - wie beispielsweise „Old Sock“ oder „Back Home“. Ganz am Schluss, beim finalen Track „I´ll Be Seeing You“, das zwischen Optimismus und Traurigkeit balanciert,  schafft er es einen noch tief zu rühren....he still does.

QUENTIN TARANTINO´S THE HATEFUL EIGHT ORIGINAL MOTION PICTURE SOUNDTRACK



Credit Coverbild: Universal Music
Trotz seiner jahrzehntelangen, wegweisenden Kompositionen wurde Ennio Morricone erst bei der diesjährigen Oscar-Verleihung endlich mit einem regulären Oscar ausgezeichnet - für seinen Soundtrack zum Western „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino.
Einem Regisseur, bei dem die Musik eine so zentrale Rolle wie keinem anderen Director der Gegenwart spielt. Soundtracks sind bei ihm nicht bloße szenische Untermalung  sondern integraler Bestandteil des filmischen Gesamtkunstwerks. Mit großer Spannung wird nicht nur jeder neue Streifen des derzeit aufregendsten Auteurs erwartet sondern auch die jeweils filmbegleitenden kultigen Musik-Releases.

Auch der OST zu seinem achten Film ist wenig verwunderlich - es ist eine Konstante seit „Reservoir Dogs“ von 1992 - wieder eine Klasse für sich. Dabei unterscheidet sich der „The Hateful Eight“-OST
jedoch recht deutlich von all seinen Vorgängern. Tarantinos bisherige Werke waren von einem beinahe ausschließlichen Zurückgreifen auf pre-existente Musik, die rekontextualisiert eingesetzt wurde, geprägt.
Diesmal verwendet der Regisseur jedoch zu weiten Teilen einen orchestral-instrumentalen Score, der von Maestro Ennio Morricone extra für diesen Film kreiert wurde (Ausnahme bilden nur einige Stücke, die Morricone für den ´82er John Carpenter Paranoia-Klassiker „The Thing“ komponierte, die  dann jedoch nicht im Film eingesetzt wurden).
Was beim „Django Unchained“-Soundtrack begann wird bei „The Hateful Eight“ fortgesetzt: Damals steuerte Morricone nur ein einziges neues Stück bei („Ancora Qui“, in der Szene kurz vor dem Abendessen im Anwesen des von Leonardo DiCaprio verkörperten Calvin Candie).

Nun hat der italienische Meister  für Tarantino - der seit Jahrzehnten ein Verehrer Sergio Leones und Morricones ist - den Großteil des Soundtracks für „The Hateful Eight“ komponiert  - und wieder einen Geniestreich geschaffen. Morricones Stücke sind wuchtig, unheimlich, unglaublich düster, unheilvoll und bedrohlich und erinnern weniger an seine Western-Kompositionen für Leone als an den Score eines Horrorfilms oder Giallo der Siebziger. Dabei entfacht die Musik eine faszinierende Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann.
Neben dem Morricone-Score und einigen Tracks mit den genialen Monologen bzw. Dialogen aus der Feder Tarantinos (und der Performance des Lieds „Jim Jones At Botany Bay von „Daisy Domergue“ Jennifer Jason Leigh aus einer Schlüsselszene des Films) finden sich auf der CD nur drei Songs aus dem Bereich der Populärmusik. Während bei „Django Unchained“ die vereinzelten unpassend- anachronistischen Rap-Nummern verwunderten, fügen sich die drei kontemporären Lieder - der Country/Folk-Song „Apple Blossoms“ der White Stripes mit  an Spaghetti Western erinnerndem Gitarrensolo; David Hess´ Gänsehaut erzeugende „The Last House On The Left“-Ballade „Now You´re All Alone“ und Roy Orbisons bebendes „There Won´t Be Many Coming Home“ aus „The Fastest Guitar Alive - diesmal nahtlos ins historische Film-Setting nach dem amerikanischen Sezessionskrieg ein.
„The Hateful Eight“ ist ein faszinierendes Album geworden, das zum Besten zählt, was man im Bereich classical music und Soundtrack seit geraumer Zeit hören durfte.

Montag, 23. Mai 2016

FROM DUSK TILL DAWN - Die komplette zweite Staffel

Credit Coverbild: WVG/Entertainment One
Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez´ „From Dusk Till Dawn“, ein wilder Mix aus Gangstermovie und Splatter-Horror wurde zu recht einer DER Kultfilme der 90er. Für Rodriguez’ eigenen 2013  gestarteten US-Fernsehsender El Rey Network wurde dieser Streifen als TV-Serie neu adaptiert - mit unerwartetem Ergebnis. Denn trotz des schier übermächtigen Films von 1996 schaffte die erste Season dieses prestigeträchtigen Projekts das beinahe Unmögliche - die Fernseh-Interpretation fiel mehr als solide und über weite Strecken sehr unterhaltsam aus. Die spritzigen Dialoge, coole One-Liner und selbst die jungen Darsteller -  allen voran Zane Holtz als Richard Gecko und die fesche Eiza Gonzalez als Santanico Pandemonium - wussten zu überzeugen.
Die Ausgangshandlung nach dem Script von Quentin Tarantino - die beiden kriminellen Brüder Seth und Richard Gecko setzen sich mit Hilfe ihrer Geißeln, dem Prediger Jacob und seinen Kindern, über die Grenze nach Mexiko ab und landen in der Stripbar Titty Twister, die sich jedoch weniger als Sündenpfuhl denn als Vorhof zur Hölle entpuppt - wurde übernommen, jedoch für das „small screen“-Format stark modifiziert und ausgebaut. Season 2 geht einen anderen Weg, kappt jetzt weitgehend die direkte Verbindung zum Original und dreht so alle  Zeichen auf einen Neustart.

Zur Story von Season 2:
zunächst eine kleine Spoiler-Warnung, wer Season 1 noch nicht gesehen hat, einfach den folgenden Absatz skippen und nach dem Bild weiterlesen: Die vampirartigen Schlangenwesen Culebras, die im Titty Twister stets Nachschub an menschlicher Nahrung bekommen haben, wurden zwar in Scharen dahingemetzelt - doch nicht nur in den Brustkorb so mancher Kreatur der Hölle wurde ein Pfahl getrieben - sondern auch zwischen die Beziehung zwischen Richard und Seth Gecko. Denn Richie wurde in Kontrast zum Original nicht von seinem Bruder gepfählt  sondern hat das Blutbad im Titty Twister überlebt. Nach dem wörtlich zu nehmenden Biss der Schlangenfrau Santanico macht er sich mit dieser auf in die „estados unidos“ und lässt Seth zurück. Vom Verlust des ge- bzw. verwandelten Bruders gebeutelt, schließt sich dieser mit der Predigerstochter Kate Fuller  zusammen. Während Seth in die Drogensucht abgleitet, plant Kate  ihren Bruder aus den Klauen der Culebras zu erretten. Diese sind nämlich nicht vollends besiegt, sondern haben noch ein Ass in Form des prominenten Gaststars Danny Trejo (der auch hier über weite Strecken Danny Trejo bzw. eine für ihn typische Rolle spielt) im Ärmel, dass ihnen ihre Hohepriesterin Santanico schnellstmöglich zurückbringen soll....

Richie Gecko (Zane Holtz) und seine Königin der Nacht, Santanico Pandemonium (Eiza Gonzalez)
Credit Bild: WVG/Entertainment One
Zu Beginn von Staffel 2 ist das geniale Originalscript Tarantinos abgearbeitet worden; die Handlung gänzlich neu - und obwohl in einem solchen Neuanfang durchaus Potential schlummert: bei der zweiten Staffel ist genau das das Problem. Denn schon Season 1 war immer dann am schwächsten wenn die Fantasy-Elemente mit den Culebras überhandnahmen und die reichlich verworrene Backstory zu jenen Wesen eingeführt wurde. Bei Season 2 dominieren nun über weite Strecken diese übersinnlichen Elemente. Gerade dies dürfte so manchen Horrorfans gefallen - denn eines muss man sagen, die Serie ist aufwändigst produziert, ihr Look gleicht eher einem Film als einer Serie, zudem gibt es zahlreiche Effekte und recht aufwändige Action-Sequenzen - doch kann all dies nicht über die streckenweise dürftige Handlung hinwegtäuschen. Auch die vereinzelten Popkultur-Exkurse in den Dialogen - ein eindeutiger Wink auf die berühmten Tarantino-Texte - wirken diesmal eher bemüht und etwas aufgesetzt.
Wer die Gangsterhandlung aus dem Original und die mysteriösen erste Hälfte der Season 1 mochte, wird mit der zweiten Staffel wohl weniger Freude haben. Wem hingegen Rodriguez letzte Filme wie „ Machete Kills“ gefielen, wird auch hier gut unterhalten werden.

Letztlich sind es vor allem die gut aufgelegten Darsteller und das ungebrochen interessante Setting der Serie, die  den Zuseher trotz des relativ hohen Trash-Faktors der deutlich schwächeren zweiten Staffel letztlich doch vorm TV-Gerät halten und zum Binge-Watching einladen.

Donnerstag, 28. April 2016

THE ROLLING STONES LIVE FROM THE VAULT LIVE IN LEEDS 1982 & LIVE AT THE TOKYO DOME

Nach dem Release des 1975er L.A. Forum-Gigs, dem 81er Hampton Coliseum-Konzert und  dem Roundhouse-Gig aus der „Sticky Fingers“-Periode  öffnen die Stones wieder ihre Archive - diesmal geht die „From The Vault“-Reise zurück in die Jahre 1982 und 1990.
Der  Zuseher begibt sich mit diesen Konzertfilmen zurück in eine interessante Phase in der Karriere der Stones: Die Mick Taylor-Periode, die ein legendäres Album nach dem anderen hervorgebracht hatte, lag hinter ihnen. Ron Wood war als Bandmitglied etabliert, die Transition zum Stadion-Spektakel-Gig abgeschlossen. Und die Stones hatten bereits den Status lebender Legenden inne, die einerseits zwar neue Alben veröffentlichten, andererseits allerdings auch Verwalter eines umfangreichen Klassiker-Backkatalogs waren.


LIVE IN LEEDS 1982  Roundhay Park
 

Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment/Eagle Vision/EDEL
´82 kehrten die Stones nachdem sie im Vorjahr auf großer US-Tournee gewesen waren(dokumentiert auf dem „Live From The Vault“-Titel aus dem Hampton Coliseum) auf die Bühnen ihres Heimatkontinents zurück. Diese Europatour brachte sie auch nach Leeds, wo im Roundhay Park eine riesige Outdoor Show stieg. Ein Großteil der Setlist war zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert, die Stones hatten damals einfach schon derart viele Hits aufgenommen, dass es zahlreiche „Must Play“-Songs gab - siehe etwa „Honky Tonk Women“,  „Brown Sugar“, „ Satisfaction“ oder „You Can´t Always Get What You Want“.

Die Show beginnt auch mit einem Throwback in die Frühphase: „Under My Thumb“ eröffnet den Leeds-Gig, ein Song, der bei heutigen Stones-Konzerten selten zu finden ist. Generell ist jedoch zu konstatieren, dass beim Leeds-Gig damals neues Material und Klassiker relativ gleich berechtigt gegenüber stehen; das „Tattoo You“-Album war noch jung, dementsprechend finden sich einige Songs dieser Platte - wie „Start Me Up“ oder „Black Limousine“ - in der Setlist wieder. Es sind auch jene Songs, die eine klangliche Reminiszenz an frühere Stones-Zeiten darstellen, die sich im Vergleich zu anderen Eighties-Songs (z.B. „Hang Fire“, „Let Me Go“) am besten neben den Klassikern in die Show einfügen.

Andere Raritäten , die sonst bzw. heute nicht mehr gespielt werden, gibt es nicht wirklich- abgesehen etwa vom genialen Covers „Twenty Flight Rock“, eine der besten Versionen dieses oft gecoverten Eddie Cochran Rockabilly-Klassikers. Vergleicht man nun diesen Gig mit dem ´81er Hampton-Konzert so unterscheidet sich die Setlist von „Live Leeds“  auch nur marginal - „Live In Leeds“ zeigt einen typischen early Eighties-Stones Gig, der trotz fehlender Überraschungen sehr sehenswert ist. Was auch für die absolut extravaganten Outfit Jaggers  gilt.
 

LIVE AT THE TOKYO DOME   Tokyo 1990
 
Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment/Eagle Vision/EDEL
Fast Forward zum Beginn einer neuen Dekade und Zeitsprung ins Jahr 1990 zur „Steel Wheels“-Tour, die noch größere Dimensionen als in Leeds annahm. Ein Gig bzw. eine Tour, die sich etwa vom Aufbau der Show wegweisend für Stones-Konzerte der kommende Dekade(n) erweisen sollte.
Letztlich bietet sich bei diesem Gastspiel im Land der aufgehenden Sonne ein sehr ähnliches Bild wie in Leeds: Die Greatest Hits stehen damals aktuellen Songs gegenüber, wobei sich  die damals neuen Lieder sich weniger gut in Gesamtbild mit den alten Klassikern einfügen.
Selten Gespieltes gibt es auch hier nicht - dafür macht der Gig wie in Leeds großen Spaß -  Zum einen werden die Stones-Classics selbst nach dem zigten Mal anhören nicht langweilig. Zum anderen verdeutlichen die „Vault“-Konzerte  auch, dass nur wenige Gruppen es so wie die Stones schaffen selbst Bühnen gigantischen Ausmaßes vollkommen dominieren können - man schaue sich nur Jagger an, der hier beinahe einen Marathon auf der Bühne läuft.


Zur technischen Seite der beiden Releases: Qualitätsmäßig wird aus diesen immerhin jahrzehntealten Aufnahmen auf den SD Blu Rays das Maximum herausgeholt. Beide Releases liefern sehr gute Bild-und Tonqualität. Für Stones-Historiker sind  diese „Vault“-Titel auch deshalb interessant, da durch sie (wenn man die gesamten bisher erschienenen Teile in chronologischer Reihenfolge ansieht) spotlightartig die Entwicklung dieser legendären Band nachgezeichnet wird.

Dienstag, 26. April 2016

Classics Revisited: TRUE ROMANCE

Clarence Worley (Christian Slater) hat Geburtstag. Wie jedes Mal zelebriert er diesen, indem er sich ein Sonny Chiba - Triple Feature im örtlichen Grindhouse ansieht.  Dabei trifft er „zufällig“ auf die hinreißende Alabama(Patricia Arquette).
Clarence kann sein Glück kaum fassen: Eine Frau, die seine ausgefallenen Interessen teilt und zudem scheinbar auf ihn steht. Was für ein Geburtstag!
Für die Beiden ist es dann auch kein einfacher One Night Stand sondern die wahre, große Liebe. Nur gibt es da ein beträchtliches Problem.
Alabama ist eine Nutte und ihr gewalttätiger Zuhälter Drexel will sie nicht so einfach gehen lassen.
Was soll Clarence nun also machen, wenn dem üblen Pimp nur mit roher Gewalt beizukommen ist?
Wenn Clarence schwierige Entscheidungen zu treffen hat, kann er sich glücklicherweise immer auf Hilfe verlassen: denn ihm erscheint regelmäßig der King Elvis höchstpersönlich und gibt ihm Ratschläge was er zu tun hat.
Also rechnet Clarence mit Drexel ab und nimmt dabei noch zufällig einen großen Koffer voller Koks mit.
Der Stoff ist ziemlich viel wert, deshalb macht sich das frisch verliebte Paar auf, die Drogen in L.A. zu verscherbeln und sich so den Honeymoon zu versüßen.
Nichts ahnend, dass die Mafia mit diesen Plänen so gar nicht einverstanden ist und sich der eiskalte Killer Vincent Cocotti an ihre Fersen geheftet hat…..

Das Drehbuch von „True Romance“ stammt von Quentin Tarantino. Es ist seine Variation des in der Filmhistorie immer wieder auftauchenden „Lovers on the Lam“ oder „Lovers on the Run“ - Genres :  einem Genre in dem ein Liebespaar gegen widrigste Umstände ankämpfen muss oder aber auch auf der Flucht vor einer höheren Macht wie zB. dem Gesetz (oder der Schwiegermutter) ist.
Weitere erwähnenswerte Genrevertreter wären der Klassiker „Bonnie und Clyde“ oder aber auch das nur wenige Jahre vor „True Romance“ entstandene David Lynch-Meisterwerk „Wild At Heart“.

Der Film ist durch und durch (ur-)typisches Tarantino-Kino mit all den lieb gewonnenen Popkultur-Referenzen, Filmzitaten und aberwitzigen Dialogen.
Dabei hat Tarantino diesmal gar nicht selbst Regie geführt, er verkaufte das von ihm verfasste Drehbuch nämlich schon ganz zu Anfang seiner Karriere.
Der von ihm aufgrund seiner Arbeit beim Kevin Costner Rache-Reißer „Revenge“ geschätzte und an den Kinokassen besonders seit seinem Erfolg mit „Top Gun“ in den 80ern gefragte Mainstream Action-Spezialist Tony Scott übernahm schließlich den Platz im Regiesessel..
Scott blieb der ursprünglichen Vision seines Screenwriters großteils treu die Handschrift des Meisters bleibt  überdeutlich zu bemerken.
Insbesondere weil „True Romance“ ein mitunter autobiographisch gefärbtes Script Tarantinos ist, wie man an den eindeutigen Parallelen zwischen Hauptcharakter Clarence und seinem Erfinder sieht: Clarence ist ebenso ein Elvis-Fan wie Tarantino selbst.
Clarence arbeitet in einem Comicladen, ein Paradies in dem es nur eine Schattenseite gibt, die dürftige Bezahlung. QT arbeitete vor seinem Durchbruch in einer Videothek.
Natürlich sind auch die Anspielungen an QTs Lieblingsfilme, die beständig in die Handlung eingebaut werden: Z.B.: Clarence hat zu Beginn eine Army-Jacke wie Travis Bickle. Als es schließlich zur Abrechnung mit Alabamas Zuhälter Drexel kommt, wird der Scorsese/Taxi Driver-Bezug überdeutlich.
Apropos Drexel: Dieser abgefuckte Pimp wird köstlich von Gary Oldman verkörpert.
Der allein liefert schon eine denkwürdige Performance ab. Doch er ist erst die Spitze eines Eisberges von guten Schauspielern mit noch besseren Auftritten: Es folgen noch
Brad Pitt als dauerbedröhnter Kiffer, Christopher Walken als leicht reizbarer Mafioso oder James Gandolfini als sadistischer Killer (der in einer der härtesten Szenen des ganzen Films alle Register zieht). Und Val Kilmer gastiert als King im goldenen Jacket. Dennis Hopper hat dann auch noch seinen großen Auftritt als Clarences Vater, der von Cocotti (Walken) „verhört“ wird um dem Mafiaboss das Versteck seines Sohnes zu verraten. Hierbei entspinnt sich zwischen ihnen eine politisch unkorrekte aber für Tarantino typische Diskussion über die ursprüngliche Abstammung der Sizilianer von den Mauren.

Der Film wäre wohl noch besser geworden, wenn QT das Regiezepter selbst übernommen hätte (von ihm war ursprünglich auch ein ganz anderes Ende angedacht, das jetzt endlich auf der Special Edition DVD zu sehen ist).
Scott macht seine Sache jedoch sehr gut (und blieb dem Geist des Erfinders wesentlich treuer als beispielsweise Oliver Stone bei seiner Umdeutung des „Natural Born Killers“-Stoffes, das ja aus derselben Feder stammt). So ist "True Romance"  ein unterhaltsamer und sehr kultiger Film - und zudem in seinem Subgenre ganz vorne mit dabei.

ERIC CLAPTON - SLOWHAND AT 70 LIVE AT THE ROYAL ALBERT HALL


Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment/Eagle Vision/EDEL
Wenn Eric Clapton im Konzertfilm „Slowhand At 70“ die Bühne der Royal Albert Hall betritt, so weist zunächst recht wenig darauf hin, dass es sich um kein normales Konzert der Gitarrenlegende handelt. Tatsächlich  sind es nur wenige Indizien, die auf die Größe des Anlasses hinweisen, dessen Zeuge man mit dieser Blu Ray wird. Immerhin handelte es sich um ein besonderes Anniversary - die Gitarrenlegende Mr. Slowhand himself feierte runden 70. Geburtstag und beging dieses Jubiläum auch in der Royal Albert Hall -  einer Konzertvenue, in der der britische Bluesman gar zum 200. Mal auftrat.

Ungeachtet all dessen ist „Slowhand At 70“ klassisches Understatement pur: Es gib keine speziellen Stargäste, der Fokus liegt allein auf EC und  seiner aktuellen Band. Clapton nimmt sich auch sehr zurück, überlässt an einer Stelle - dem Cover von „You Are So Beautiful“,  eindeutig ein  Tribute an den verstorbenen Freund Joe Cocker - gar Paul Carrack an der Orgel fast das ganze Scheinwerferlicht.
Gerade mal Claptons Gitarre, diesmal nicht schwarz oder grau, sondern in Sunburst  kann man als Referenz auf seine legendäre Derek And The Dominos Fender „Brownie“ deuten.
Auch die Setlist kommt ohne große Überraschungen aus und erweist sich vielmehr  als prototypisch für die meisten EC-Live-Konzerte der letzten Jahre:

Tracklist:

Somebody´s Knockin´On My Door
Key To The Highway
Tell The Truth
Pretending
Hoochie Coochie Man
You Are So Beautiful
Can´t Find My Way Home
I Shot The Sheriff
Drifin´Blues
Nobody Knows You When You´re Down And Out
Tears In Heaven
Layla
Let It Rain
Wondeful Tonight
Crossroads
Cocaine
High Time We Went

 Bonus Song: Little Queen Of Spades

Die Songauswahl ist - abgesehen von der Yardbirds- und Bluesbreakers-Phase - mit „Blind Faith“-,„Derek And The Dominos“-, 70s und 80s-Material zwar durchaus karriereumspannend - gerade bei so einem Jubiläumskonzert vermisst man sich jedoch z.B. "Layla" in der elektrischen Version und Klassiker wie „White Room“, „Sunshine Of Your Love“ oder selten gespieltes wie „Tulsa Time“.

Die Blu Ray selbst kann man hingegen getrost als Referenz für ein ausgezeichnetes HD-Erlebnis nehmen: Gestochen scharfes Bild ist man ja gewohnt, Konzertmitschnitte wie „Slowhand At 70“ verdeutlichen dann aber doch noch einmal was in dem 1080p-Medium drinstecken kann:
Transparenter und detailreicher Klang; satte Farben - die traumhafte Venue und die extrem atmosphärische Lichtshow, die die Royal Albert Hall in ein beinahe gespenstisches Licht taucht, wird perfekt und äußert plastisch transportiert - was durch die unaufgeregte Kameraarbeit, die sich Musik anpasst noch verstärkt wird.
„Slowhand At 70“ ist fraglos ein schönes Konzertdokument, das der Fan braucht -  gleichzeitig kann man sich nicht es Eindruckes erwehren, dass gerade bei so einem Anlass auch eine ganz andere Zelebration der Karriere Claptons drin gewesen wäre.

LENNY KRAVITZ - JUST LET GO: LENNY KRAVITZ LIVE

Trotz der beträchtlichen Popularität, die Lenny Kravitz selbst beim Mainstream-Publikum genießt, waren Livemitschnitte seiner Gigs bislang eine echte Rarität.
Doch getreu dem oft bemühten, hier jedoch durchaus zutreffenden Motto „was lange währt, wird endlich gut“ ist der von Eagle Rock Entertainment veröffentlichte „Just Let Go“ ein ganz hervorragender  Konzertfilm geworden - der auch eine Bestandsaufnahme von Kravitz´ Karriere darstellt.
Und da dreht sich alles vornehmlich um das Album „Strut“ - eine Platte, in der Retro-Rocker Kravitz konsequent Richtung Vintage Funk- und Soul-Rock ging und dabei mehrmals an den Bowie der späten 70er und frühen 80er erinnerte. Derartig funky Riffs hat man auf neuen Aufnahmen schon lange nicht mehr gehört; warum diese Musik nicht in jeder Disco Pflicht-programm ist, bleibt unerklärlich...

Auch bei „Just Let Go“  liegt der Fokus stark auf dem Material jenes Albums,  neue Nummern wie „Dirty White Boots“, „Sex“, „The Chamber“ oder „New York City“ stehen gleichberechtig bekannten Kravitz-Standards wie dem Guess Who-Cover „American Woman“, „Let Love Rule“, „ Fly Away“ oder „Are You Gonna Go My Way“ gegenüber - und fügen sich nahezu nahtlos ein, ein Umstand der bei einer so langen Karriere und einem an Hits reichen Backkatalog wie dem von Kravitz keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Tracklist:

Fly Away
Dirty White Boots
American Woman
Dancin´ Til Dawn
Strut
It Ain´t Over ‘Til It´s Over
New York City
The Chamber
Sister
Dig In
Let Love Rule
Are You Gonna Go My Way

Bonus Tracks:
Sister
Always On The Run
Sex
I Belong To You
New York City
Let Love Rule

Für den Zuseher ist „Just Let Go“ einerseits  ein Throwback in eine Zeit in der der Rock N´ Roll überlebensgroß war und man den Musikern auf der Bühne abnahm, dass sie auf ihren eigenen Sound ähnlich steil abgingen, wie das entfesselte Publikum: Kravitz und seine Band - allen voran Gitarrist Craig Ross - liefern schlichtweg eine mitreißende Bühnenshow ab.
Gleichzeitig gemahnt  der Film an die großen Konzertdokus der späten 60er und frühen 70er: immer wieder gibt es Interviewsegmente, die einen Einblick abseits des Bühnengeschehens ermöglichen und alles ist konsequent im Vintage-Stil gehalten - dezenter Effekteinsatz und Kameraeinstellungen und Schwenks im Stile der Seventies als Antithese zu modernen, hektischen Konzertaufnahmen.

Der eingefleischte Kravitz-Fan wird zwar wohl einige nicht gespielte Songs vermissen, da hier generell die funky Seite von Kravitz im Vergleich zu seiner härter rockenden betont wird,
- doch „Just Let Go“ ist dennoch ein durchaus sehenswerter  Konzertfilm, der nicht nur musikalisch sondern vor allem auch optisch gelungen ist.

LYNYRD SKYNYRD - PRONOUNCED ‘LEH-‘NÉRD ‘SKIN-‘NÉRD & SECOND HELPING

Während viele Bands ihren persönlichen Trademark-Sound erst durch Experimente im Laufe einiger Alben finden müssen, war er bei Lynyrd Skynyrd bereits frühzeitig in Stein gemeißelt - und das schon auf ihrem ersten Album, dem 1973er Debut: Ronnie Van Zants teils melancholische, teils lässige Lyrics;  die typischen  Grooves; die von britischem Sixties Blues-Rock-beeinflussten Riffs  der sich perfekt ergänzenden Gitarren. 

Außerdem enthielt diese Platte auch eine der Hymnen schlechthin: das zunächst ruhig beginnende und dann in einem wahren Gitarren-Inferno kulminierende „Free Bird“. Das „Problem“ mit dem „verflixten“ zweiten Album nach einer solchen Großtat, lösten Skynyrd damals elegant mit dem nicht minder starken zweiten Streich „Second Helping“ , das mit „Sweet Home Alabama“ wieder ein Rock Classics-Anthem enthielt, das selbst Leuten ein Begriff ist, die sonst überhaupt nichts von Skynyrd wissen.

Diese beiden Klassiker-Alben sind es auch, die im Zentrum eines historischen Konzerts standen, das von Eagle Rock Entertainment nun auch auf Blu Ray released wird.
Es ist ein Gig bei dem alles in die Siebziger, in die Frühphase der legendären Southern Rocker weist. Der Gig fand im Florida Theatre in Jacksonville statt, also in jener Stadt in der alles für die Band - in ihrer damaligen Inkarnation - begann. Durch tragische Schicksalsschläge und zahlreiche Umbesetzungen ist aus dieser Zeit heute nur mehr ein Gründungsmitglied mit dabei: Gitarrist Gary Rossington.
Die 16 Songs umfassende Setlist speist sich ausschließlich aus zwei Platten, den besagten Frühwerken „Pronounced...“ und „Second Helping“, die in voller Länge aufgeführt werden.

Tracklist:

„Pronounced...“-Segment:

I Ain´t The One
Tueday´s Gone
Gimme Three Steps
Simple Man
Things Goin´On
Mississippi Kid
Poison Whiskey
Free Bird

 „Second Helping“ Segment:

Sweet Home Alabama
I Need You
Don´t Ask Me No Questions
Workin´For MCA
The Ballad Of Curtis Loew
Swamp Music
The Needle And The Spoon
Call Me The Breeze

Wobei man anmerken muss, dass ohnehin zahlreiche Songs dieser Scheiben - siehe etwa „Free Bird“, „Tuesday´s Gone“, „Sweet Home Alabama“ und das JJ Cale-Cover „Call Me The Breeze“ -  bei keinem Skynyrd-Gig fehlen dürfen.
Die Band selbst ist wie immer in bester Spiellaune - auch wenn man sie schon oft gesehen hat, es macht einfach immer wieder Spaß ihnen auf der Bühne zuzusehen, allein schon wie locker etwa Rickey Medlocke herumalbert...

Gleichzeitig ist jedoch auch evident, dass dieses Konzert auch ohne große Überraschungen auskommt - was insofern schade ist, als dass es gerade bei einem so speziellen Gig schön gewesen wäre, wenn man trotz der Dispute der Vergangenheit z.B. Gitarrist Ed King als Gaststar mit auf die Bühne geholt hätte.
So bleibt von diesem  neuesten Konzert-Film zwar einerseits der Touch eines historischen Dokuments jedoch auch der Eindruck eines nur solid-routinierten, typischen Skynyrd-Gigs.

Mittwoch, 20. April 2016

CHRIS ISAAK - FIRST COMES THE NIGHT


Credit Coverbild: Warner/Vanguard Records/Wicked Game Records/Rhino UK
Auf seinem ersten Album seit sechs Jahren pflegt Chris Isaak routiniert seinen bereits in den Achtzigern etablierten Sound - und legt damit eine der schönsten Platten des bisherigen Jahres vor.

Das Album beginnt zunächst  recht ruhig mit dem titelgebenden Song „First Comes The Night“ - ein durchaus atmosphärischer und solider, allerdings nicht wirklich aufregender Opener. Doch schon ab dem zweiten Track wird die Platte immer besser.
Isaaks Trademarks sind alle vorhanden, der 59-jährige Kalifornier verzichtet auf Experimente und bleibt seinem Stil treu: die in Reverb gebadeten Gitarren, die twangigen Riffs, die Balance zwischen tief empfundener Melancholie und Hochgefühl, zwischen Late 50s/Early 60s Elvis-Style Rock N´ Roll und Roy Orbison-Balladen.
Hinzu kommen auch recht deutliche, reine Country-Einflüsse und natürlich Isaaks samtweiche Stimme,  der man letztlich keine „Abnutzung“ oder Alterserscheinungen anmerkt  - nach wie vor unglaublich klar sowohl in den hohen wie in den tieferen Lagen,  mit diesem gewissen melancholischen Twang, der sowohl in den das Album dominierenden Balladen als auch in Up Tempo-Nummern wie „Insects“ glänzt.

Einerseits mag „First Comes The Night“ keine neuen Mega-Hits a la  „Wicked Game“ beinhalten - andererseits findet sich auf Isaaks 13. Studioalbum auch kein richtig schlechter Song. Isaak-Fans sollten unbedingt die Deluxe-Version von „First Comes The Night“ checken-
denn in dieser Version wird das Album beträchtlich erweitert - und zwar um gleich 5 Songs, die alles andere als Outtakes sind sondern den übrigen 12 Tracks in nichts nachstehen und den positiven Eindruck, den diese Platte auch nach mehrmaligem Hören hinterlässt, nur verstärken.

 „First Comes The Night“ bietet dem Zuhörer zwar keine wirklichen Überraschungen - aber das muss es letztlich auch nicht. Isaak hat seine Nische immerhin schon vor Jahrzehnten gefunden und ist heute einer der wenigen Vertreter eines in dieser Qualität gespielten puristischen Rock N´ Rolls - so ist seine 12. Studioplatte Classic-Issak mit der vertonten Schönheit gebrochener Herzen in einem Ozean von Reverb.

Donnerstag, 31. März 2016

WELCOME TO MY NEW BLOG


Willkommen auf meinem neuen Blog, der sich um
Music - Movies - Fashion & Style - Kunst - Reviews - Essays und Gedanken zur Popkultur
drehen wird.