Samstag, 9. Mai 2026

REACTOR DSP SPACE REACTOR Test: Legendäre Lexicon Reverbs als Plugin

Credit Bild: © Reactor DSP
Die Hall-Effekte der legendären Lexicon PCM 60, 70, 90 und MPX1-Geräte zählten zu den blinden Flecken eines Plugin-Marktes, der beinahe alles bereits mehrfach abgedeckt hat – bis jetzt. Mit dem Space Reactor legt die junge Plugin-Schmiede Reactor DSP nun eine Version jener ikonischen Reverb-Effekte vor, die man insbesondere als essenziellen Bestandteil für 80s-Rock-Sounds kennt. Tiled Room, Large Hall und Co. – klassische Räume, neu gedacht, mit geringer Latenz und niedriger CPU-Belastung. Doch wie authentisch klingt das Ganze? Die kurze Antwort: erstaunlich nah am Original bzw nicht zu unterscheiden. Die lange: Für cleane wie verzerrte Gitarrensounds der Achtziger ist dieser Effekt nicht nur hilfreich, sondern nahezu unerlässlich – so sehr, dass dieses Plugin durchaus das Potenzial hat, zum „Go-To“ und „Always-On“-Reverb zu avancieren.

Nachhall der Geschichte

Seinerzeit waren die Lexicon-Reverbs State of the Art – geradezu futuristisch. Heute erscheinen sie, rein technisch betrachtet, fast wie die Antithese zu modernen, hochauflösenden „Pristine Verbs“ . Und doch: Wirklich übertroffen wurden sie nie. Denn die Lexicon-Reverbs prägten den Sound einer ganzen Ära – und wer genau diesen Klang für eigene Produktionen rekonstruieren will, kommt an diesem spezifischen, ungemein musikalischen Reverb-Charakter nicht vorbei.JCM800, ein vorgeschalteter Super Overdrive, ein passendes Delay – und dahinter dieser typische Lexicon-Hall: Wer eine solche Kette kennt oder spielt, weiß, dass genau dieses Reverb das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i ist. Das Icing auf dem Cake. Ohne diesen Hall fehlt etwas. ReactorDSP schließt hier eine Lücke – und liefert ein Plugin, das ohne große Einarbeitung „straight out of the box“ funktioniert. Kein langes Schrauben, keine verschachtelten Menüs. Stattdessen: Reverbs mit Charakter, mit Vibe, mit unmittelbarer musikalischer Verwendbarkeit.

Klangästhetik & Praxis: Zwischen Retro-Charme und moderner Effizienz

Hinter Reactor DSP stehen Software Entwickler  Heinrich Kollner und Metal Producer Lasse Lammert. Lammert ist bekannt für großartige Sounds, sein neues Plugin bildet da keine Ausnahme. Was sofort auffällt, ist die klangliche Kohärenz der Presets. Der berühmte Tiled Room klingt dicht, leicht körnig, mit genau jener räumlichen Signatur, die man aus zahllosen Produktionen kennt. Die Algorithmen arbeiten nicht steril, sondern bewusst mit einer gewissen Textur – ein Umstand, der insbesondere bei Gitarren und Drums für jene organische Einbettung sorgt, die viele moderne Reverbs vermissen lassen.

Ein weiteres Detail, das im Alltag schnell zum entscheidenden Faktor wird: Pre-computed Normalization. Jeder Preset-Wechsel erfolgt ohne Lautstärkesprünge. Kein Nachregeln, kein A/B-Chaos – stattdessen ein konsistenter Workflow, der den Fokus auf das Wesentliche lenkt: den Klang.

Entwicklung & Konzept: Vom Hardware-Frust zur Software-Lösung

Space Reactor ist kein generisches Reverb-Plugin, sondern das Resultat einer sehr konkreten Problemstellung. Ausgangspunkt war die Frustration von Produzent Lasse Lammert darüber, dass kein Plugin den Sound seiner bevorzugten Hardware-Presets wirklich überzeugend reproduzieren konnte – inklusive jener subtilen Stereo-Verschiebungen, die maßgeblich zur räumlichen Tiefe beitragen.

Vier legendäre Hardware-Einheiten aus Lammerts Studio dienten als Grundlage. Das Ergebnis ist eine Preset-Bibliothek, die laut Entwickler „praktisch nicht mehr vom Original zu unterscheiden“ ist – eine Aussage, der man im Praxistest nur zustimmen kann.

Module im Fokus: LSD60, LSD70, LSD90 & LLX-1

Der LSD60 bildet den Charakter früher digitaler Reverbs ab: leicht dunkel, weich, unaufdringlich. Seine Räume fügen sich nahezu unsichtbar in den Mix ein und eignen sich hervorragend für Drums, Gitarren und Vocals, die Tiefe brauchen, ohne in den Vordergrund zu rücken.

Der LSD70 hingegen steht für jene brillante, schimmernde Ästhetik, die unzählige Hits geprägt hat. Von engen Tiled Rooms über weitläufige Konzerthallen bis hin zu dichten Plate-Programmen – hier geht es um Präsenz, um Glanz, um jene Art von Raum, die nicht nur ergänzt, sondern definiert.

Mit dem LSD90 erreicht die digitale Hallästhetik schließlich eine neue Reifestufe. Dichtere Reflexionen, verlängerte Decays und insgesamt weichere, homogener ausklingende Tails sorgen für ein deutlich verfeinertes Raumgefühl. Die Räume wirken größer, immersiver, fast schon dreidimensional, während insbesondere die Plate-Algorithmen mit einem polierten, sofort „mix-ready“ wirkenden Studio-Glanz überzeugen.

Das LLX-1-Modul öffnet den Raum schließlich in Richtung moderner, vielseitiger Reverb-Ansätze. Hier trifft klassische Hallästhetik auf eine flexiblere, teils experimentellere Ausrichtung: große Halls mit ausgedehnten Decays, Vocal-Plates, die sich regelrecht um eine Performance legen, und jener charakteristische Sound eines Studio-Workhorses, der auf zahllosen Produktionen seine Spuren hinterlassen hat. Ein Modul, das weniger rekonstruiert als interpretiert – und gerade darin seine Stärke ausspielt.

Fazit

Space Reactor ist eine großartige Emulation klassischer PCM-Reverbs. Es ist eine durchdachte, praxisorientierte Interpretation eines Sounds, der bis heute nichts von seiner Relevanz verloren hat. Die Kombination aus authentischer Klangästhetik, moderner Performance und bewusst reduzierter Bedienoberfläche macht dieses Plugin zu einem Werkzeug, das sich nicht in Optionen verliert, sondern auf den Punkt liefert.

In einem Markt, der von Überangebot geprägt ist, gelingt Reactor DSP etwas Seltenes: ein Plugin zu schaffen, das sich wie eine notwendige Ergänzung. Ein Effekt mit Geschichte und Zukunft und für mich persönlich eines der besten Reverb-Plugins, das ich je gespielt habe.

Mastermind Lasse Lammert über sein Plugin: