Freitag, 25. Oktober 2019

TON, STEINE, SÄGESPÄHNE: THE ROLLING STONES - ROCK AND ROLL CIRCUS


Credit Bild: ©  Michael Randolph   Universal Music
Dezember 1968: London swingte noch immer – nun jedoch stark psychedelisch induziert.
Die Rolling Stones befinden sich in einer Umbruchphase, um das neue-Album „Beggars Banquet“ - ein Werk, das als eines der quintessenzielen Bluesrock-Alben in die Annalen der Musikgeschichte eingehen sollte-  zu promoten konzipiert Mick Jagger ein BBC TV-Special das den Zusehern ein Konzert abseits konventioneller Gigs bieten soll. Zusammen mit Regisseur Michael Lindsay-Hogg, der für die Band schon zuvor an Promovideos gearbeitet hatte, wird das ebenso ungewöhnliche wie ambitionierte Konzept einer Verbindung von Zirkus und Rock N´ Roll entworfen. Es ist ein Unterfangen wie es typischer  nicht sein könnte für die experimentierfreudige Sturm & Drang-Phase der Spätsechziger: die Rock Show ist hier nicht nur ein Spektakel sondern ein  ambitioniertes Kunstprojekt.

Neben den Stones trat ein veritables „Who is Who“ von Rock Royalty aus ihrem Umfeld im Rahmen des "Cirque de Stones" auf: Eric Clapton, damals direkt nach dem Ende von Cream,  formierte für diesen Film zusammen mit John Lennon Keith Richards (am Bass!) und Mitch Mitchell von der Jimi Hendrix Experience die All Star-Band The Dirty Mac. Mick Jaggers Freundin Marianne Faithfull war ebenso dabei wie The Who, Taj Mahal, der Geiger Ivri Gitlis, Yoko Ono und die bis dahin noch recht unbekannten Jethro Tull, nicht nur mit dem manischen Flötisten Ian Anderson sondern auch mit einem gewissen Tony Iommi an der Gitarre, der nur ein Jahr später Black Sabbath gründen sollte. Zwischen den Auftritten gibt es revue-artige, teils skurrile Dialoge und Nummern die an einen Acid-Trip während einer Roncalli-Aufführung gemahnen.

„Rock And Roll Circus“ markierte den letzten öffentlichen Liveauftritt von Brian Jones mit den Stones, nur knapp ein halbes Jahr später war der geniale Musiker tot. Ende 1968 hatten er und seine Bandkollegen sich bereits zunehmend entfremdet, die Verschiebung im band-internen Machtgefüge war nicht mehr zu übersehen: so vollzog sich hier der Shift weg von Brian Jones , der auch bei den Performances im Circus  schon stark von seinen ehemaligen Bandfreuden distanziert wirkt.
Obwohl diese Show in die „Beggars Banquet“-Phase fällt atmet sie insgesamt  noch stark den Geist des „Sgt.Pepprs“-Rivalen „Their Satanic Majesties Request“. Die meisten Performances im Zirkuszelt wirken recht roh, versprühen jedoch einen ganz eigenen Charme – ziemlich „elegantly wasted“. Die Stones präsentieren sich hier nicht in jener Form wie man sie etwa von „Gimme Shelter“ oder "Ladies And Gentlemen“  her kennt.
Credit Bild: ©  Michael Randolph   Universal Music
Mit dem Endergebnis war Mick Jagger seinerzeit angeblich nicht sehr zufrieden, weshalb der Film nie zur normalen Ausstrahlung kam und jahrzehntelang in der Versenkung verschwand, Stones-Fans werden sich an den „Cocksucker Blues“-Film erinnert fühlen. Erst 1996 wurde „Rock And Roll Circus“ schließlich doch noch veröffentlicht wurde – zum Glück, ist er doch eine regelrechte Zeitkapsel. Denn was man hier sieht ist nicht nur aufgrund der bunten Farben „as sixties as it gets“, psychedelisch, wild, anarchisch. Dass Yoko Ono auch einen eigenen Auftritt bekommt – es passt perfekt zum Treiben in den Sägespähnen.
Phasenweise wähnt sich der Zuschauer in der Theateraufführung jener Kommune die Wyatt und Billy im ´69er Kultfilm „Easy Rider“ besuchen. Wäre diese ungezügelte Show damals im britischen Fernsehen gelaufen, sie hätte wohl nur die reaktionären Ressentiments der konservativeren Bevölkerungsschicht gegenüber den Hippies und Rockern bestätigt.
Bei „Sympathy…“ etwa erinnert die Performance an modernes Theater, Jagger singt sich in einen regelrechten Wirbel, am Schluss reißt er sich das Shirt vom Leib und gibt mit entblößtem Oberkörper alles – „What´s my nameeeeeeeeeeeee?"
Credit Bild: ©  Universal Music
Die nun neu erschienene Limited Deluxe Edition dieses Kleinods aus der Stones-Diskographie erweitert das ursprünglich 1996er-Release beträchtlich und zählt allein schon aufgrund ihrer äußerst liebevollen Aufmachung zu den schönsten Reissues der letzten Zeit:
 „Rock And Roll Circus“ kommt als Mediabook mit dickem Essay-Booklet und gleich 4 Discs in reich bebilderten Ausklappfoldern -  das dürfte  jeden Fan und Sammler begeistern.
Disc 1 und 2 bieten die gesamte Show inklusiver bislang ungehörter und unveröffentlichter Outtakes: Disc 3 und 4 bieten dann das audiovisuelle Konzertdokument in SD- als auch HD-Form, also sowohl als DVD als auch als Blu ray.
Das neue HD-Master holt sicher das Maximum aus den Vintage-Aufnahmen heraus - klar, man merkt aus welchem Jahr der Film ist, nicht nur wegen der eigenen Art der Kameraeinstellungen – aber die Qualität ist tadellos. Die ans Psychoaktive grenzenden Farben knallen nur so und auch der Klang ist sehr klar und detailreich.
Kleines Detail für alle Gitarren-Freaks: Auf „Rock And Roll Circus“ hört und sieht man sowohl Keith Richards ikonische „Sympathy For The Devil“-Les Paul Custom als auch Eric Claptons legendäre „Royal Albert Hall“- ES-335.

Die 2019-Neuauflage ist fraglos die ultimative Art den eigentümlichen Charme in der Manege des „Rock And Roll Circus“ aufzusaugen: auch wenn diese Revue seinerzeit nicht alle Ambitionen erfüllen konnte, ist sie dennoch ein echtes Zeitdokument mit teils faszinierenden historischen Aufnahmen.

ROCK CLASSICS Nr. 27: THE DOORS

© Rock Classics/ Slam Media GmbH 
Die neue, mittlerweile schon 27. Ausgabe der Rock Classics verlässt  Großbritannien (siehe frühere Ausgaben zu den Stones, den Beatles oder Led Zeppelin) in  Richtung weitaus wärmerer Gefilde und landet im Land des immerwährenden Sommers, im sonnigen Kalifornien - das Thema: Mr. Mojo Risin´ himself bzw. die Doors .

Das Hochglanzheft bietet wie man das von dieser Reihe gewohnt ist einen ebenso kompakten wie detaillierten Crash Kurs in Sachen Lizard King und der Entstehungsgeschichte aller Alben dieser Kultband. 
Der alte Fan wird hierbei naturgemäß keine Türen zu neuen Erkenntnissen aufstossen  und auch der Bildanteil war in früheren Ausgaben schon mal gefühlt höher  -  die inotmativen Texte sorgen  jedoch wieder dafür, dass dieses Sonderheft ein sehr lesenwertes geworden ist.

Montag, 14. Oktober 2019

GUITAR KING – MICHAEL BLOOMFIELD´S LIFE IN THE BLUES von DAVID DANN


Credit Coverbild: © University of Texas Press
Mitte der Sechziger des vorigen Jahrhunderts: Während in der alten Welt Eric Clapton, Jeff Beck,  Jimmy Page und Jimi Hendrix marshallverstärkt und psychedelisch die Grenzen der traditionellen amerikanischen Musikform Blues ausloten, nimmt in der neuen Welt die Karriere eines weiteren großen amerikanischen Gitarrenhelden Form an: Michael Bloomfield.
Wie seine Kollegen zeigt er schon in jungen Jahren eine beeindruckende spielerische Reife, demonstriert eine voll ausgebildete Spieltechnik und fasziniert mit der lyrischen Schönheit seines Vibratos. Für Bob Dylan wird er in dessen Transformation vom Folk Hero zum Rockstar eine wesentliche Rolle einnehmen, mit der Paul Butterfield Blues Band spielt er einige der wichtigsten Blues Rock-Alben ein und mit seinen Band Projekten (Black Flag, Blood, Sweat & Tears) findet er sich im Epizentrum der Counterculture-Bewegung wieder - und bleibt dennoch immer etwas im Schatten anderer großer Gitarrenikonen. Die neu erschiene Biographie „Guitar King“ (University Of Texas Press) beleuchtet nun das Leben und kreative Schaffen des 1981 verstorbenen Musikers, der zwar nie den Superstar-Status seiner Zeitgenossen erreichte jedoch fraglos einer der ersten großen amerikanischen Gitarrenhelden  einer neuen Generation war.

Es ist dies nicht die erste Biographie über Bloomfield, die neue erschienene Würdigung Bloomfield aus der Feder David Danns ist jedoch klar die längste und vor allem ausführlichste: Ganze 776 Seiten umfasst der Hardcover-Band und zeichnet in plastischen Details den Werdegang dieses „troubled genius“ nach. Von der frühen Faszination für schwarze Musik, der Zeit als Dylan-Sideman hin zu den späten Jahren und dem tragischen, viel zu frühen Tod.
Interessant ist neben dem flüssigen, alles andere als trockenen Schreibstil und dem geradezu wissenschaftlichen Detailgrad (dass dieses Buch in einem der renommiertesten Uni -Verlage erscheint ist kein Zufall) mit der er die ereignisreiche Zeit in der Bloomfields Karriere stattfand, rekonstruiert wird und vor allem auch der explizit gitarristische Zugang. David Dann geht mit Leidenschaft und Fachwissen auf Bloomfields Spielweise ein - dies wird etwa bei der durchaus mitreißenden Schilderung legendärer (Super-)Sessions deutlich, wenn der etwa Autor minutiös die einzelnen Noten und „Runs“ beschreibt, die Bloomfield auf seiner Les Paul spielte. Diesen dezidiert musikalischen Approach finde ich sehr erfrischend, „Guitar King“ hebt sich auch dadurch wohltuend von der riesigen Menge an Künstlerbiographien ab, zumal ein solcher Fokus  ja auch äußerst passend ist für das Portrait  eines Mannes der zeitlebens für die Gitarre brannte.

Die Rosen die prominente Testimonials wie Conan O´Brien-Bandleader und Bloomfield-Adept Jimmy Vivino oder Blues-Harp Legende Charlie Musslewhite dem Buch am Klappentext streuen sind tatsächlich gerechtfertigt. Danns Buch könnte zwar angesichts des schieren Umfangs durchaus reicher mit seltenen Aufnahmen bebildert sein, zählt jedoch fraglos zu einer der lesenswertesten Musikerbiographien der letzten Zeit -  und das nicht nur für bereits zum Bloomfield-Kult konvertierte Leser.

Samstag, 12. Oktober 2019

PETER GRANT – EIN LEBEN FÜR LED ZEPPELIN

Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Sie sind zwar die Lenker der Geschicke auftsrebender Bands , doch stehen sie selten im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit: die Manager, denen eine essentielle Rolle im großen Schauspiel des Rock N' Roll  zukommt. Einige dieser Svengalis hinter den Weltkarrieren erreichten sogar einen Bekanntheitsgrad weit über den Zirkel von Business-Insidern hinaus.
Elvis hatte den mit weitreichenden Vollmachten ausgestatteten Col. Tom Parker, die Stones hatten am Anfang ihrer Karrier den umtriebigen Andrew Loog Oldham, die Fab Four aus Liverpool wurden von Brian Epstein repräsentiert. Und der bleierne Zeppelin, der Ende des britischen Blues Rock Booms der Sechziger abhob und an Flughöhe gewann hatte Peter Grant.

Dieser transzendierte den Beruf des nromalen Managers. Wie der Unteritel der neu erschienenen Biographie über diesen streitbaren Mann schon andeutet: er lebte und atmete Led Zeppelin. Zwischen ihn und seine Schützlinge ließ er nichts kommen. Diese Aufopferung machte Grant selbst über die Grenzen der Zep-Aficionados  bekannt – und auch gefürchtet. Denn um seine Jungs an die Spitze zu bringen schien ihm jedes Mittel recht. Bevor er zum Manager-Mogul aufstieg, kämpfte er als Wrestler, war als Schauspieler in verschiedenen Filmen tätig – darunter als Stunt Double von Anthony Quinn in "The Guns Of Navarrone"  oder in einem Mini-Part in Stanley Kubricks Nabokov-Verfilmung  "Lolita" . Daneben verdingte sich der hünenhafte Mann auch noch als Bühnenarbeiter. Sein Big Break kam erst als  er dem späteren Black-Sabbath-Manager Don Arden begegnete. Von diesem lernte er all die legalen, halblegalen und bisweilen haarstreubenden Tricks des Musikgeschäfts der Sechziger. Kurz darauf betreute er schon die Yardbirds bei denen ein gewisser Jimmy Page  spielte. Als sich dann Led Zeppelin firmierten gab es für den so rücksichtslosen wie gewieften Grant kein Halten mehr: er boxte astronomische  Gagen durch, die zuvor niemand für möglich gehalten hätte, entwickelte clevere Geschäftsstrategien und begriff die immense Bedeutung von Skandal-Publicity. Nebenbei gründete der kompromisslose Geschäftsmann ein Plattenlabel und managte andere einflussreiche Acts wie etwa Bad Company und die Jeff Beck Group. 
Dies machte ihn – rein finanziell und was das „pushen“ seiner Schützlinge in einer hyper-kompetitiven Industrie anbelangt – zu einem der erfolgreichsten Proponenten seiner Zunft. Die Art wie all dies jedoch vonstatten ging sorgte dafür, dass Grant zu einer der berüchtigsten Figuren der Rock N´Roll-Geschichte wurde. Nicht von ungefähr widmet  Autor Mark Blake dieses Buch seinem Sohn, der es jedoch erst lesen darf, wenn er 18 ist.

Die Sonderstellung die Grant duch seine Personality und seine Geschäftsgebarungen in der Geschichte Zeppelins als auch in der Saga des Rocks der Spätsechziger und Seibziger einnimmt, sorgte dafür dass er eine Hauptfigur in so gut wie allen Biographien über Zeppelin wurde – und von denen gibt es bekanntlich nicht gerade wenige.Insofern hat diese neue Grant-Bio  auch keinen Pionierstatus mit einer erstmaligen Beleuchtung des Lebens dieses legendärdn Managers, der Zeppelin-Fan wrd auch viele der“lurid tales“ längst kennen. Sie ist aber dennoch eine so informative wie gut geschriebene Chronik die ein plastisches Bild eines Berserkers aus jener Zeit, die wir heute  als Classic Rock-Ära kennen, zeichnet.

MANDOKI SOULMATES - LIVING IN THE GAP + HUNGARIAN PICTURES

Credit Bild: © Red Rock Production
Früher, ja da war frei nach Loriot nicht nur mehr Lametta beim Weihnachstfest sondern auch mehr Protest in der Luft: Eine Diagnose, die Kulturpessimisten durchaus auch trotz Fridays For Future & Co. zumindest  im Hinblick auf die aktuelle Popmusik stellen können: Denn während in der 60s Folkszene der gepflegte Protestsong zum guten Ton dazugehörte und der Rock N´ Roll immer schon den Soundtrack zum Straßenkampf der "disenfranchised youth" bot, geben sich die meisten Musiker heute eher apolitsich. Eine tiefere Message? Fehlanzeige. Anders sieht die Sache beim hyper-produktiven Veteranen Leslie Mandoki aus, der nach seinem erst vor wenigen Monaten erschienenen Livedokument nun auch noch ein Doppelalbum veröffentlicht, auf dem die aktuelle weltpolitische Lage der rote Faden ist.
Credit Bild: © Sony Music

Credit Bild: © Sony Music
Das neue Konzept-Doppelalbum atmet sowohl den Geist der prog-beseelten 70er und bezieht sich gleichzeitig auf den aktuellen Zeitgeist: Die "Living In The Gap" Disc umfasst 10 Neukompositionen und ist etwas zeitgenössicher ausgefallen - siehe etwa die erste, nicht eben klischeefreie Singleauskopplung  in der Mandoki fragt, ob die heutigen Aktivisten und Demonstranten  “young rebels with a new dream”, oder “new rebels with an old dream” sind. "Hungarian Pictures” wiederum ist eine klassich inspirierte Progressive Rock-Suite, die auf Motiven von niemand geringerem als Mandokis Landsmann Béla Bartók basiert. 

Neulingen im Land des ehemaligen Dschingis Khan wird all das mitunter phasenweise zu dick aufgetragen sein. Doch langjährigen Mandoki-Anhängern bietet dieses überaus ambitionierte Doppelalbum genau jenen Bombast-Sound für den der ungarisch-stämmige Weltbürger bekannt ist - also Production Value hoch 100, eine Melange aus Fusion Rock mit Pop-Sensibilität und dazu wieder Gäste, Gäste, Gäste: darunter Al di Meola, , Nick van Eede, Bobby Kimball und Jesse Siebenberg, Richard Bona , Cory Henry ,  Mike Stern oder John Helliwell.

Freitag, 11. Oktober 2019

SALGADO "GOLD": DIE SUCHE NACH EINEM EL DORADO AUF DER FRANKFURTER BUCHMESSE 2019

Credit Bild: © Sebastião Salgado
Nicht nur den Verhüllungskünstler Christo kann man demnächst "in person" treffen, sondern auch den "Welt-Chronisten" unter den Fotografen, Sebastião Salgado, den heurigen Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels. 

Dieser stellt auf der Frankfurter Buchmesse seinen neuen Bildband über den großen brasilianischen Goldrausch vor. Und dieser ist "Salgado Pur"  - mit archaischen, monochromen Aufnahmen die an eine Tradition anknüpfen, die im  20. Jahrhundert von Meistern wie Edward Weston, Brassaï, Robert Capa oder Henri Cartier-Bresson begründet worden war.

Die Hintergrundstory zu diesem Projekt liest sich dabei wie ein Abenteuerroman. Wir befinden uns in Brasilien in den späten Siebzigern:
Nachdem man in einem der Flüsse der Gegend um die Serra Pelada Gold gefunden hat, bricht eine regelrechte Hysterie aus: Utopische Sehnsüchte nach dem legendären Goldland El Dorado werden wach. Die totale Ausbeutung ds Bodens und der Arbeitskräfte ist die Folge.  Ein Jahrzehnt lang war Serra Pelada  die weltgrößte Freiluftgoldmine, in der rund 50.000 Goldgräber unter extremen, unmenschlichen Bedingungen arbeiteten. Heute ist Brasiliens Goldrausch
Geschichte – ein Kapitel der Landeshistorie, das jedoch in den wuchtigen Bildern  Salgados weiterlebt.
Der fragte sich geradezu philosophisch:  „Was hat dieses leblose gelbe Metall nur an sich, dass es die Menschen dazu bringt, ihre Heimat zu verlassen, all ihre Habe zu verkaufen und einen ganzen Kontinent zu durchqueren, um ihr Leben, ihre Knochen und ihre Gesundheit für einen Traum aufs Spiel zu setzen?" 
Seine Bilder können darauf zwar keine Antwort geben, sie dokumentieren jedoch was Gold bzw. die Gier nach ihm mit Menschen machen kann

 WANN ?
Samstag, 19. Oktober, von 11 bis 12 Uhr 
WO ?
Taschen Verlag-Stand auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 3.0, D 85) 

Hier ein exklusiver Blick ins Buch: 
Credit Bild: © Sebastião Salgado
Credit Bild: © Sebastião Salgado
Credit Bild: © Sebastião Salgado
Credit Bild: © Sebastião Salgado

Kunstsuperstar CHRISTO signiert seine Gesamtwerk-Retrospektive in München

Credit Bild: ©  Taschen Verlag
Er verhüllte den Reichstag, installierte die "Floating Piers" auf dem italienischen Iseosee oder ließ zuletzt die geheimnisvolle "Mastaba" im Londoner Hyde Park schwimmen. 
Überlebensgroße ephemere Kunst mit ausgeprägtem Event-Charakter ist seit Jahrzehnten das erklärte Spezialgebiet des bulgarischen Art-Superstars Christo.

Nächste Woche kann man den Mann hinter diesen ebenso temporären wie spektakulären Projekten persönlich treffen. Denn da wird er im Münchner Hugendubel Fünf Höfe seine neu erschienene Retrospektive Christo and Jeanne Claude – das künstlerische Gesamtwerk signieren.
Dieses  XXL-Buch gibt einen umfassenden Überblick über das Werk  Christos und seiner verstorbenen Frau Jeanne-Claude: Hunderte von Fotos und Entwürfen/Skizzen zeichnen dabei das Schaffen des Paares nach und gewähren außerdem Einblicke in noch nicht ab-geschlossene Großprojekte wie etwa „The Abu Dhabi Mastaba“ oder „L’Arc de Triomphe Wrapped, Paris“.


 WANN ?
Montag, 21. Oktober 17-18 Uhr
WO ?
Hugendubel Fünf Höfe (Theatinerstraße 11, 80333 München)
Credit Bild: ©  Christo /Wolfgang Volz     Taschen Verlag

Donnerstag, 26. September 2019

TERRY O´NEILL - RARE AND UNSEEN

Credit Bild: © Terry O´Neill  ACC Art Publishing
“Terry was everywhere in the 60s - he knew everything and everyone that was happening" - Keith Richards

Geht es um eine retrospektivische Betrachtung der zahlreichen Meriten des britischen Starfotografen Terry O´Neill so tut man sich eigentlich  leichter damit jene überschaubare Gruppe  an Celebrities aufzuzählen , die er nicht vor der Linse hatte. Denn der Cast seiner unaufgeregten, ebenso klassisch wie modern anmutenden Bilder liest sich wie das Who Is Who der Rock N' Roll und Filmwelt. So würde die Liste jener Popkultur-Ikonen, die sich im Sucher von O´Neills Kamera fanden, locker mehrere Seiten füllen: von Hollywood zur Musikszene des Swingin' London, von Poiltikern zu Künstlern. Von Winston Churchill zu William S. Burroughs von David Bowie zu Elton John, von Kate Moss am Beginn ihrer Karriere zu Sean Connery oder Brit Ekland....
Credit Bild: © Terry O´Neill  ACC Art Publishing
Diese Superstars sind auch die Hauptfiguren in seinem jüngsten Buch “Rare & Unseen”, in dem bislang unveröffentlichte Shots aus dem umfangreichen Archiv des Fotografen vereint sind. Man hätte zwar gern mehr von den einzelnen Sessions gesehen und nicht nur
ein oder zwei Bilder  - doch die hier gezeigten sind ausnahmslos interessant, bisweilen sehr "candid" und vor allem unreleased.
Als Pionier der Backstage-Fotografie gelang es O'Neill eine spezielle Beziehung zu den von ihm abgelichteten Jetset-Größen aufzubauen. Davon zeugt nicht nur das handschriftliche Vorwort von Keith Richards am Beginn dieses coffee table-Bildbands oder die persönlichen Kommentare von Raquel Welch oder Brit Ekland über ihren Freund O'Neill----man merkt es auch in den teils geradezu intimen Aufnahmen - die in einer Zeit als Instagram noch nicht einmal angedacht war, einen seltenen, glamourösen Einblick in das Leben der unnahbaren Stars bot - ohne  dabei voyeuristisch oder sensationslüstern zu sein.
Credit Bild: © Terry O´Neill  ACC Art Publishing

Burning Desire - Jimi Hendrix: The Jimi Hendrix Experience Through the Lens of Ed Caraeff


Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Flamme vs. Stratocaster.
Feuerzeugbenzin und ein Streichholz – mehr brauchte es nicht für einen der ganz großen Rock N' Roll-Momente zu schaffen.

Schon bevor der überirdische Gitarrenmagier James Marshall Hendrix seine Fender beim ersten großen Rock-Festival der Geschichte den Flammen übergab hatten Rockstars ihre Instrumente in Brand gesteckt. Der Killer Jerry Lee Lewis etwa entzündete schon mal sein Piano an und Pete Townshend donnerte seine Gitarre auf den Boden oder spießte gleich seinen Marshall Verstärkerturm auf. Doch was Hendrix da beim Monterey Festival machte kam einem semi-religiösen Akt gleich – eine Opferung, ein Ritual: "sacrifice what you love"...
In der Front Row von Monterey war damals auch ein 17-jähriger Fotograf der jene Momente festhielt und sich so alsbald in der illustren Riege der Rock N' Roll Photographer wiederfinden sollte. Hendrix auf den Knien wie er die Flammen geradezu beschwört - ein Bild für die Ewigkeit war geschaffen; es findet sich auch im Bildband "Burning Desire (ACC Art Publishing) wieder in dem Caraeff eindrucksvolle Momentaufnahmen seiner Begegnungen mit der Jimi Hendrix Experience Revue passieren lässt. Der Clou , dieser großartige Band zeigt lauter unpublished photos aus dem Archiv Caraeffs. Folgende Gigs (1967-1969) der Band wurden fotografisch in beeindruckendem Detailgrad festgehalten:

Monterey International Pop Music Festival: June 18, 1967
Hollywood Bowl: August 18, 1967
Anaheim Convention Center: February 9, 1968
Ackerman Union Ballroom: February 13, 1968
Hollywood Bowl: September 14, 1968
Whiskey-A-Go-Go: October 1968
Newport '69: June 20-22, 1969
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing

Montag, 23. September 2019

Ai Weiwei - Papercut Portfolio: Ausstellung in Berlin

Credit Bild: © Ai Wei Wei  Taschen Verlag
Der chinesische Superstar Ai Weiwei zählt nicht nur zu den derzeit gefragtesten und bekanntesten Gegenwartskünstlern, er sorgt auch mit so gut wie jedem seiner zahlreichen Projekte für enorm viel Publicity  -  was einerseits an seinen  teils provokanten und sozialkritischen Entwürfen liegt und andererseits auch daran, dass sich der 62-Jährige auch nach Jahrzehnten im Art Business immer wieder neu erfindet: Bei seinem jüngsten Prestige-Projekt „Papercut Portfolio“ geht er reichlich abstrakt vor und  bedient sich einer alten Tradition seiner Heimat : dem  Scherenschnitt , einer chinesische Kunstform, die ganze  2.000 Jahre zurückreicht.

Exklusiv für den Taschen Verlag hat er im Gewand dieses  traditionellen Medium der bildlichen Erzählung eine Retrospektive auf sein bisheriges Schaffen kreiert.
Der kunstvolle Scherenschnitt als Reflexion über sein bisheriges Leben und Werk.

Das ungewöhnliche Projekt im Detail:
Papercut Portfolio besteht aus acht einzelnen Scherenschnitten, jedes dieser großformatigen Blätter ist aus hochwertigem, rot eingefärbtem Fine-Art-Papier gefertigt und behandelt entscheidende Stationen aus Ai Weiweis Biografie. Von seiner Zeit in New York in den 80er Jahren über seine Auseinandersetzung mit chinesischem Kunsthandwerk in Peking in den 90ern bis hin zum politischen Aktivismus in den jüngsten Arbeiten.
Jedes dieser Blätter der auf 250 Exemplare limitierten Collector's Edition wurde vom Künstler selbst signiert.

Diese auf den ersten Blick unscheinbaren, bei genauerer Betrachtung jedoch sehr aufwendigen Scherenschnitte kann man demnächst übrigens auch in Berlin sehen:
Anlässlich des mittlerweile schon traditionellen Galerienrundgangs, dem Charlottenwalk kann man am Freitag, den 27. September, im Taschen Store Berlin das gesamte "Papercut Portfolio" begutachten.

 WANN ?
 27. September, von 18 bis 20 Uhr
WO ?
 TASCHEN Store
 Schlüterstraße 39 (10629 Berlin)
Zur Person:
Ai Weiwei,wurde 1957 in Peking geboren. Auf eine einzelne Technik lässt er sich bei der Umsetzung seiner Ideen nicht reduzieren. So nutz er von Skulpturen und Installationen zu Architektur, Dokumentationen und Social Media eine Vielzahl von Medien. Der rote Faden dabei: fast immer stellen seine Arbeiten einen kritischen Kommentar zur Gegenwartskultur dar. Dies machte ihn nicht nur zur Fixgröße am Kunstmarkt und in den Medien sondern brachte ihm auch höchste Ehrungen ein: So ist er bspw. Träger des von Amnesty International vergebenen Ambassador of Conscience Awards 2015 und des Václav-Havel-Preises für kreativen Dissens der Human Rights Foundation 2012. Derzeit lebt und arbeitet er in Berlin.
Credit Bild: ©  Taschen Verlag

Donnerstag, 12. September 2019

LOS ANGELES – PORTRAIT OF A CITY


Credit Bild: ©  Robert J. Frank Taschen Verlag
Die Stadt der Engel: Für viele Touristen und Globetrotter ist der kulturelle Hotspot der hippe „Place to be“ , für andere ist die in permanentem Wandel begriffene  Metropole an der amerikanischen Westküste das Tor zur Chance auf eine Weltkarriere - eine geradezu mystische "City Of Stars" der Verheißung. So mancher findet sich wiederum auf dem harten Asphalt des Boulevard der Dämmerung, auf dem Träume zerschellen, wieder...

Obwohl L.A. eine – im Vergleich zur alten Welt – verhältnismäßig junge Stadt ist, ist sie wie wenige andere  eine fast schon irreale Projektionsfläche mit einer extrem wechselvollen Geschichte. Diesen rapiden Wandel in kurzer Zeit kann man auch im Großformat-Bildband LOS ANGELES – PORTRAIT OF A CITY, einer fotografischen Hommage an die Stadt nachvollziehen: angefangen von der ersten in Los Angeles entstandenen Fotografie bis hin zu den jüngsten Panoramabildern der ausufernden Metropole.

In unzähligen Bilddokumenten wird die Geschichte dieses faszinierenden Ortes nacherzählt und damit auch der  kulturelle, politische, industrielle und soziologische Wandel einer City eingefangen, die sich seit ihrer Gründung beständig weiterentwickelt hat -  vom Immobilienboom der 1880er Jahre bis hin zur unkontrollierten Zersiedelung im späten 20. Jahrhundert. 
Über 500 Bilder zeigen den Aufstieg Los Angeles' vom Brachland in der Wüste zum grünen Garten Eden, zu der Hauptstadt des Kinos und zum Wohnort von Celebrities - sowie zum Rock N' Roll-Mekka und zur berüchtigten Mob City (James Ellroy lässt grüßen).
Nur die 60s/70s und die jüngere Vergangenheit kommen im Vergleich zum ganz alten L.A. etwas zu kurz
- diese spannende Zeit hätte durchaus mehr Platz bekommen können. Dennoch sind die 572 Seiten dieses Buchs ein spannender Streifzug durch die pulsierende Großstadt, die auch für all jene interessant ist, die L.A. nur von der Leinwand her kennen.

Los Angeles. Porträt einer Stadt
Kevin Starr, David L. Ulin, Jim Heimann
Hardcover, 25 x 34 cm, 572 Seiten

History of Information Graphics + Signierstunde

Credit Bild: © Taschen Verlag
Vor ihnen gibt es heutzutage einfach kein Entkommen mehr: die in so gut wie allen Medien geradezu omnipräsente Infografik -  jene ungebrochen populären Helferlein mit denen versucht wird, teils komplexe Sachverhalte möglichst anschaulich und einfach darzustellen. Dabei handelt es sich jedoch mitnichten um ein neues Phänomen, dass erst in der technokratischen „data based society“ aufgekommen ist. Vielmehr reicht die Geschichte bzw. das Grundprinzip der Infografik schon Jahrhunderte (!) zurück und erstreckt sich über viele Länder, Medien und Epochen: von mittelalterlichen Manuskripten bis zu farbigen Druckgrafiken, von Pergamentrollen bis zu Atlanten, von handgemalten Diagrammen bis zu heutigen digitalen Datenkarten.

Diese lange und teils durchaus überraschende Tradition der Infografik zeichnet ein neuer im Taschen Verlag erschienener Bildband anhand von über 400 Karten, Diagrammen und Zeichnungen nach -  und zeigt einerseits wie ein recht trockenes Thema ansprechend beleuchtet werden kann und andererseits wie vielfältig diese spezielle Form visueller Wissensvermittlung sein kann.

Passend zum Release dieses Buchs gibt es kommende Woche in Berlin ein Event mit den Autoren und Infografik-Experten Sandra Rendgen, Michael Stoll und Julius Wiedemann, die  ihr Werk nicht nur präsentieren sondern es auch signieren werden:

WANN ?
Freitag, den 20. September, von 18 bis 20 Uhr
WO ?
 TASCHEN Store
 Schlüterstraße 39 (10629 Berlin)
Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Montag, 2. September 2019

ELLIOTT LANDY – WOODSTOCK VISION


Credit Coverbild: © Elliott Landy  Zweitausendeins
Die globale Liebes-Umarmung ...“Take the world in a love embrace” sang einst Steppenwolf-Frontman John Kay während Captain America und Billy auf ihren Stahlrössern in “Easy Rider” den Highway entlang bretterten. Besser konnte man den Grundgedanken, welcher der Hippie-Bewegung zumindest ideell zugrunde lag wohl kaum beschreiben -  der Höhepunkt dieses Ideals und die Manifestation, dass der utopische "Love & Peace"-Gedanke vielleicht doch Realität werden konnte, war das legendäre gewordene Woodstock-Festival . Dieses feiert ja heuer -  der ein oder andere mag es womöglich noch nicht gehört haben 😊  – 50 jähriges Jubiläum.

Die Hardfacts zum Jahrhundertereignis lesen sich wie eine Auflistung von Superlativen 
(viele Acts wurden durch das Festival zu Superstars). Sie liest sich jedoch ebenso wie eine Mär vom Vorbeischrammen an einer Katastrophe: Die Organisation der „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music, so der vollständige Name der Veranstaltung, war gelinde gesagt improvisiert, das Besucherinteresse wurde vollkommen unterschätzt. Gut 60.000 Musikfans wurden von Veranstalter Michael Lang und seinen Partnern erwartet. Je nachdem welchem zeitgenössischen Bericht man Glauben schenkt, machte sich jedoch eine schier endlos anmutende Karawane von fast einer Million Hippies auf den Weg zum Festivalgelände. Ein totaler Verkehrskollaps war die Folge, die Anreise wurde zum  Chaos, am Schluss erreichten schätzungsweise 400.000 Personen das bald durch starke Regenfälle im Schlamm versinkende Gelände. Was logistisch einem Super-GAU gleichkam endete jedoch - teils dank der sehr entspannten Besucher, aber auch durch das sanitäre Eingreifen des  Militärs - nicht in einer Tragödie. Und dass all dies so über die Bühne gehen konnte, lag sicher auch am Spirit einer Generation.

Woodstock war ja immer schon mehr als "nur" ein ikonisches Festival. Um es pathetisch auszudrücken: der Geist von Woodstock flackerte womöglich in jenem Feld in Bethel zum letzten Mal auf, doch prägte er generell die Zeit vom Summer Of Love bis zum Ende der Sixties. Der Rock N´Roll Photographer Elliott Landy war in dieser Zeit immer ganz vorne mit dabei: sowohl in Woodstock als offizieller Dokumentarist des Geschehens während jener 3 Tage als auch als Fixgröße in einer boomenden Counterculture-Szene.
So nahm er mit seiner Kamera an Demonstrationen und Sit-Ins teil und stand bei Gigs von Janis Joplin,  The Band, Bob Dylan oder Van Morrison in der ersten Reihe. 
Im neu im Zweitausendeins-Verlag erschienenen Bildband „Woodstock Vision" kann man diese eindrücklichen Bildern nun am heimischen coffee table betrachten.
Elliotts Bilder sind ästhetisch in ihrer Dynamik und Farbdramaturgie klar vom damaligen Zeitgeist beeinflusst. Bisweilen scheinen sie das Feeling der eingefangenen Musikperformances zu spiegeln und wirken geradezu psychedelisch.
Mit diesem Bildband gelang Landy eine beinahe wehmütige Hommage nicht nur an Woodstock sondern an eine ganze Generation.

REMBRANDT - DIE SELBSTPORTRÄTS


Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Die Selbstbildnisse der großen alten Meister der Malerei sind historisch bedingt meist die einzigen Dokumente, die der Nachwelt zeigen, wie diese Pioniere ausgesehen haben. So gut wie jeder klassische Maler verewigte sich selbst - besonders häufig tat dies Rembrandt Harmenszoon van Rijn (* 15. Juli 1606 in Leiden; † 4. Oktober 1669 in Amsterdam).
Er schuf über 80 Selbstdarstellungen in Form von Gemälden, Radierungen und Zeichnungen – mehr als jeder andere Künstler vor ihm.

Für den gefragtesten Maler Amsterdams waren diese Selbstbildnisse vor allem die Möglichkeit stilistisch zu experimentieren. Dementsprechend vielfältig sind dann auch die Darstellungen: mal zeigt er sich als normaler junger Mann, dann  in der Pose des Soldaten oder gar im biblischen oder mythologischen Gewand. Auf manchen dieser detailreichen Bilder wirkt er nachdenklich, geradezu melancholisch, dann wieder sieht man ihn in seinem Element beim Schöpfungsakt an der Staffelei. Rembrandts Bilder dokumentierten so nicht nur den eigenen Alterungsprozess sondern auch unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit.
Kunsthistorisch betrachtet, wohnt diesen Bildern mit ihrer präzisen Erfassung von Stimmungen, Mimik, und teils flüchtigen Momenten durchaus revolutionäres Potential inne. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger stand für den Niederländer nicht die idealisierte Form einer Selbstdarstellung im Mittelpunkt sondern vielmehr eine extrem genaue, teilweise geradezu schonungslose Selbstbeobachtung.

Anlässlich des 350. Todestages des Künstlers präsentiert ein neuer Taschen-Band nun sämtliche Selbstporträts. Die Monographie mit faszinierendem Hologramm-Cover richtet natürlich in erster Linie an Kunsthistoriker und Rembrandt-Hardcore-Fans und zeigt in aufwendigen Reproduktion die ersten Werken im Alter von 22 bis zum letzten Bildnis, das kurz vor seinem Tod entstand, als der einstige Superstar völlig verarmt starb.
  
Rembrandt. Die Selbstporträts
Volker Manuth, Marieke de Winkel
Hardcover mit Hologramm, 25,9 x 34 cm, 176 Seiten
ISBN 978-3-8365-7701-4
Ausgabe: Deutsch

BETTIE ! - THE INCOMPARABLE BETTIE PAGE ARCHIVES OF IRVING KLAW


Credit Coverbild: © PSG
Heute gilt sie als die unangefochtene „Queen Of Pinup“, eine Rock N´ Roll-Ikone , die als geheimnisvoller Dark Angel das nachtschwarze Gegenstück zur blonden Marilyn Monroe darstellte: Bettie Page (* 22. April 1923 in Nashville, Tennessee; † 11. Dezember 2008 in Los Angeles, Kalifornien).
Die legendäre Page arbeitete zwar nur einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum als Fotomodell, ihre Aufnahmen die in Zusammenarbeit mit US-Fotografen wie Bunny Yaeger oder Irving Klaw entstanden, prägen jedoch bis heute die Pin Up-Szene und gelten schlichtweg als Kult. Zur Zeit ihrer Entstehung war dies jedoch noch ganz anders.
Zwar zierten Pinups die Spinde heißblütiger Männer und die Flugzeuge der Soldaten im Dienste Uncle Sams, doch insgesamt waren die USA in den 40s und 50s über weite Strecken noch sehr konservativ:  Rockabilly und  Rock N´Roll waren noch jung und ohnehin ein Affront für die Altvorderen , die sexuelle Revolution lag noch in weiter Ferne: Magazine mit Pinup-Girls stellten also eher ein Fall für den mehr oder minder heimlichen Verkauf unterm Tresen dar.

In der von Paranoia geprägten McCarthy-Ära ängstigte man sich vor vermeintlichen Kommunisten in der Nachbarschaft mindestens so sehr wie vor der Darstellung von Erotik.
Auch Pages Arbeiten mit Irving Klaw die zwischen 1952 und 1957 entstanden, waren so manchem selbsternannten Sittenwächter ein Dorn im Auge. Ein gewisser Senator Kefauver versuchte etwa „Pornographie“ mit jugendlicher Kriminalität in Verbindung zu bringen und hielt die gefürchteten „Kefauver Hearings“ ab – dort musste auch der zuvor erwähnte Fotograf Irving Klaw aussagen, der eine Razzia der Bundesbehörden befürchtete und sein Archiv unzähliger Aufnahmen -  darunter zahlreiche mit Bettie Page – vernichtete. Dass die Nachwelt von den ästhetischen Pionierleistungen des Duos Klaws/Page weiß, ist vor allem der Schwester des Fotografen zu verdanken, die einen Teil der Bilder heimlich rettete.

Heute kann man diese verbliebenen Aufnahmen des Dark Angel im großformatigen Luxus-Bildband „Bettie ! - The Incomparable Bettie Page Archives Of Irving Klaw“ aus dem Hause Press Syndication Group (PSG) ,einem Independent- US-Verlag, der sich ganz dem Thema  „museum quality photography books“ verschrieben hat, bewundern. Die monochromen Aufnahmen der Schönheit aus Tennessee wirken aus einem Film Noir. Die Femme Fatale mit dem ikonischen Pony-Haarschnitt in BDSM-Posen…wenige konnten so gekonnt zwischen sorgloser Unschuldigkeit und Laszivität switchen wie Page.
Betrachtet man diese Bilder aus einem modernen, heutigen Blickwinkel lässt sich natürlich mitunter schwer nachvollziehen, dass diese  ästhetisch sehr hochwertigen Bilder einst einen solchen moralischen  Aufschrei nach sich zogen, man muss sich eben die
ambivalente Einstellung der damaligen Zeit zum Thema Erotik & Sex (der berüchtigte Hays Code in Hollywood ist nur ein Beispiel dafür)  vergegenwärtigen.
„The Incomparable Bettie Page“ ist jedenfalls eine schöne Werkschau und ein attraktiver
Sammlerband mit heute als durchaus ikonisch zu bezeichnenden Aufnahmen und Bilderserien.

Freitag, 23. August 2019

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL – LIVE AT WOODSTOCK


Credit Coverbild: © Universal Music
„Born On The Bayou“, „Bad Moon Rising“ oder „Green River“ – jene ewigen Oden an den tiefen Süden der USA,  in denen John Fogerty die flirrende Hitze der Sümpfe sowie Bilder von barfüßigen Mädchen, die gerne mal im Widerschein des Mondes zum Soundtrack der Geräusche eines Ochsenfroschs tanzen, evozierte – sie alle findet man in der Tracklist des jüngsten CCR-Releases wieder. Fast könnte man also meinen, es handle sich um eine neuerliche Best Of-Compilation der nicht gerade wenigen Hits der Band. Tatsächlich hat man es jedoch mit einem Live-Mitschnitt von der „Mutter aller Festivals“ zu tun, die 50 Jahre nach dem denkwürdigen ´69er Gastspiel in Bethel nun erstmalig in ihrer Gesamtheit veröffentlicht wurde – in attraktiver CD-Form mit Vinyl-Style Slipcase.

CCR waren damals die erste Band die offiziell bei Michael Langs Woodstock-Festival mit an Bord war, im Gegensatz zu manch anderen Acts standen sie nicht erst ganz am Anfang ihre Karriere, hatten schon einige Hitalben im petto und waren kurz davor, sich als eine der international populärsten Bands zu etablieren.
Für viele Künstler war das dreitägige Festival nur eine weitere Station ihrer Tourneen, dass Woodstock ein entscheidender Moment in der Popkultur werden würde, war zu Beginn noch nicht absehbar, kristallisierte sich erst im Laufe der drei Tage und der Rezeption des viel beachteten Konzertfilms heraus (auf dem CCR btw. nicht zu sehen sind…).
Nach einem (durchaus vorhersehbar) überlangen Set der Grateful Dead kamen CCR nach Mitternacht am 17. August auf die Bühne. Trotz einer guten Show umweht „CCR Live at Woodstock“ nicht der Hauch des Ikonischen wie die Gitarren-Orgie Alvin Lees oder Jimi Hendrix´ Deutung des „Star Spangled Banner“. Dennoch zeigt der einstündige Aufritt die Band „in all their glory“: mit hypnotischen Grooves und langen Improvisationen zelebrierten sie ihren typischen Swamp Rock – gut, dass es den Gig nun in Gänze zum Nachhören gibt. 

Tracklist :
Born on the Bayou
Green River
Ninety-Nine and a Half (Won’t Do)
Bootleg
Commotion
Bad Moon Rising
Proud Mary
I Put a Spell on You
The Night Time is the Right Time
Keep on Chooglin’
Suzie Q.