Mittwoch, 29. November 2017

Bibliophile Retrospektive auf das Serien-Phänomen "Mad Men"

Credit Coverbild: © Taschen
Vor 10 Jahren startete auf dem US-Sender AMC die erste Staffel von "Mad Men" Matthew Weiners Saga über Don Draper, den Creative Director einer New Yorker Werbeagentur in den Sixties, war eine Serie, die wie wenige andere exemplarisch für das neue Qualitätsfernsehen des "Golden Age Of TV" steht.
Ganz oberflächlich betrachtet ist "Mad Men" zunächst einmal ein anspruchsvolles Drama, das den unausweichlich scheinenden persönlichen Absturz seiner so selbstbewussten wie emotional  gebeutelten Hauptfigur Draper nachzeichnet. Doch in ihrer komplexen Multidimensionalität war die Serie noch mehr und vor allem vieles zugleich:  Einerseits ein packendes Zeit- und Gesellschaftsportrait eines Amerikas das sich im Umbruch befindet und zwischen Konservatismus und den  aufkommenden Counterculture-Bewegungen der Sixties steht. Andererseits gelang es Weiner ein ungemein genaues Bild einer bislang in Film und Fernsehen wenig beleuchteten Branche zu malen.
Und schließlich transzendierte "Mad Men" - inspiriert von großen US-Autoren wie John Cheever und Regisseuren wie  Billy Wilder  -  sein eigentliches „subject“ und behandelte im Stile eines universal gültigen Dramas auch existenzielle Fragen des Lebens an sich.
Credit Bild: © Mark Seelen Taschen
Mit dem Release eines doppelten Prachtbandes bei Taschen gibt es nun eine Retrospektive auf dieses Stück TV-Geschichte, die so stylisch wie die Serie selbst ist. Ultraschwer kommt das coffee table-Sammlerstück im  Karton-Schutzkoffer - darin verbergen sich in einem leinengebundenen Schuber zwei Bücher; ganz wie die Verpackung im dezenten Retrocharme mit reduziertem Design.
Band 1 ist ein klassischer Bildband, der anhand von zahlreichen Filmstills und Auszügen aus den Scripts die Handlung der sieben Seasons Revue passieren lässt. Eine opulente Retrospektive auf Schlüsselszenen, die auch aufzeigt
wie ungemein detailverliebt die Ausstattung war - und all jene die mit der Serie mitgelebt haben, dazu inspirieren könnte der Madison Avenue erneut einen Besuch abzustatten.
Band 2 " The Interviews" liefert dann die Hintergrundinfos zum Serienphänomen mit einem  Behind The Scenes Look der vor allem durch äußerst tiefgehende Interviews mit den Creators der Serie äußerst interessant zu lesen ist.
Credit Bild: © Mark Seelen Taschen
Obwohl das Finale von Season 7 einen offenen Schluss hatte wird mit diesem Taschen-Release - das sich auch gut in einem der Chefetagenbüros von Sterling-Cooper-Draper-Pryce oder in Dons stylischem Appartment gemacht  hätte - nun der wohl endgültige Schlusspunkt zu dieser wegweisenden Serie  gesetzt.
Matthew Weiner setzte mit diesem Sammlerstück jedenfalls sich selbst und seiner bahnbrechenden Serie ein bibliophiles Denkmal. 

Credit Bild:© Mark Seelen Taschen

Matthew Weiner. Mad Men
Hardcover, 2 Bände im Schuber, 36 x 22,5 cm, 1048 Seiten
ISBN 978-3-8365-2643-2
Ausgabe: Englisch

Samstag, 25. November 2017

Beyond Rotkäppchensekt: Ein Blick auf den Alltag hinter der Mauer + Gewinnspiel

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Die Deutsche Demokratische Republik - sie ist eine ganz eigene, ebenso befremdliche wie historisch faszinierende Welt. Während viele Dokumentationen nur die großen politischen Zusammenhänge beleuchten und die Schicksale jener aufgreifen, die Opfer des unmenschlich agierenden Staatsapparates wurden, bleibt der ganz „normale“ Alltag der Menschen im Osten häufig ein weniger beleuchteter Aspekt in der Auseinandersetzung mit der kommunistischen/realsozialistischen Diktatur.
Das neu aufgelegte DDR Handbuch (Taschen) widmet sich nun genau diesem Alltag in all seiner Banalität und all seinen Eigenheiten und wird für den Leser zum „Reiseführer durch ein untergegangenes Land“:
Auf über 800 Seiten werden, neben Essays von DDR-Experten und Historikern insgesamt mehr als 2.000 Gegenstände aus der Zeit von 1949 – 1989 gezeigt. Sie alle sind Teil des umfangreichen Wendemuseum in Los Angeles, dessen Gründer Justinian Jampol auch Herausgeber dieses interessanten Bandes ist.
Credit Bild: © The Wende Museum   Taschen Verlag
Credit Bild: © The Wende Museum   Taschen Verlag
Die teils skurrilen Alltagsgegenstände machen die Welt, die sich der SED-Staat geschaffen hatte ein Stück weit greifbarer. Doch nicht nur simple Gegenstände werden beleuchtet - auch Aspekte der Ost-Mode, der Politik, der Sichtweise auf das Feindbild Amerika, des Bildungswesen, des Urlaubs, der Fortbewegungsmittel, des Essens & Trinkens, der Kultur und  natürlich auch der Musik kann man hier nachschlagen- genauso wie die Gegenkultur.
All dies macht diesen historischen Guide zur DDR zu einer bibliophilen Zeitkapsel, die ganz ohne Ostalgie unterschiedliche Aspekte und Lebensrealitäten der damaligen Zeit aufzeigt und den Leser einen nicht alltäglichen Blick hinter die Mauer werfen lässt.
Credit Bild: © The Wende Museum   Taschen Verlag

WIN - WIN WIN

In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich ein Exemplar des „DDR Handbuchs “ Ihr wollt diesen Band euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „DDR Handbuch Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Folgt mir auf Twitter und Instagram (Links dazu auf der rechten Seite).
Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 17.Dezember 2017
Keine Barablöse möglich.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Allgemeine Buchinfos:

Das DDR-Handbuch
Justinian Jampol
Flexicover, in Leinen gebunden, mit Leseband, 16,5 x 24 cm, 816 Seiten
ISBN 978-3-8365-6520-2
Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch

Freitag, 24. November 2017

ELVIS PRESLEY – CHRISTMAS WITH ELVIS AND THE ROYAL PHILHARMONC ORCHESTRA


Credit Coverbild: © Sony Music  Elvis Presley Enterprises
Vor genau 60 Jahren erschien bei RCA das erste Weihnachtsalbum des King Of Rock N´ Roll. Seit 1957 wurde dieser festive Klassiker immer wieder erweitert und neu aufgelegt und zählt mit seiner Mischung aus Blues, Rock N´ Roll, populären Weihnachtshits und traditionellen Stücken bis heute zu den „albums of choice“  für all jene, die nicht die Wiener Sängerknaben unterm Christbaum ertönen lassen wollen.
Passend zu diesem 60th Anniversary und der bevorstehenden besinnlichen Zeit kommt nun ein neues X-Mas Album vom King heraus, das die bekannten Weihnachts-Hits in neuem Gewand präsentiert. Wie schon beim letztjährigen, höchst erfolgreichen „The Wonder Of You“ wird Elvis dabei vom Londoner Royal Philharmonic Orchestra begleitet. 
Credit Bild: © Elvis Presley Enterprises
Nun ist Weihnachten per se ja nicht gerade ein unkitschiges Fest (geworden) und zahllose Popsongs mit Fest-Bezug die einen nicht nur im Shoppingcenter dauerbeschallen sind oft allzu süßlich. Anders beim Mann aus Tupelo. Presleys Interpretation der Evergreens haftet nichts kitschiges an, vielmehr merkt man an seinem Vortrag - der King war großer X-Mas-Fan - eine ehrliche Vorfreude aufs Fest an. Selbst dem bekanntesten Weihnachtslied, FranzXaver Grubers und Jospehs Mohrs „Stille Nacht, Heilige Nacht“ vermochte er eine neue Facette abzugewinnen – der Gospel ist hier nicht weit. Den Link zwischen dem tiefen Süden unterhalb der Mason Dixon Line und dem Salzburger Bergland, es scheint ihn doch zu geben. 
Weihnachtsdekoration in Graceland, dem Anwesen des Kings
Credit Bild: © Elvis Presley Enterprises

Den historischen Aufnahmen ist also letztlich nichts mehr hinzuzufügen. Von einem puristischen Standpunkt aus betrachtet, kann man die posthume Änderung der bestehenden Aufnahmen des besagten 57er Album und der 1971er Platte „Elvis Sings The Wonderful World Of Christmas“ also durchaus kritisch betrachten. Doch prinzipiell ist die Idee einer Klassik-Untermalung bei einem Künstler wie Elvis gar nicht weit hergeholt. Immerhin viele classic Presley Songs setzten auch auf die große Instrumentierung abseits von Gitarre, Bass und Drums und in den Siebzigern tourte der King mit eigenem, kleinen  Orchester – Stücken wie „American Trilogy“ beim „Aloha“-Konzert haftete durchaus etwas opernhaftes an.
Elvis´ umfangreiches Stimmvolumen passte ja in ganz unterschiedliche Genres und dominiert auch eine klassische Breitwanduntermalung durch die  Royal Philharmonics.
Wie gut die neue, symphonische Symbiose funktioniert, hängt letztlich auch stark vom Ausgangsmaterial ab. Je weiter die Musik selbst von Klassik entfernt ist, und je näher die Songs beim Rock N´ Roll und Blues sind, desto weniger passt die nachträgliche Orchestrierung. Nummern wie dem eindeutig-zweideutigen „Santa Clause Is Back In Town“ oder dem Slowblues „Merry Christmas Baby“ werden ihre  Ecken und Kanten genommen – die Gitarren verschwinden regelrecht hinter dem Orchester- Vom Blues hin zu gefälligerem Big Band Sound. Bei den klassischen Weihnachtsliedern wie „The First Noel“, "White Christmas" oder eben „Silent Night“ hingegen geht das Konzept voll auf. 
Credit Bild: © Elvis Presley Enterprises
„Christmas With Elvis And The Royal Philharmonic Orchestra““  ersetzt nicht die bisherigen Weihnachtsalben des King und fügt – trotz der aufwändigen Neuproduktion – der Musik keine bis dato unbekannte Dimension hinzu. Doch lässt man sich auf das Konzept erstmal ein und betrachtet die Platte für sich, so hat man es mit einem sehr stimmigen und schönen Album zu tun – das man eigentlich nur dann nicht mögen kann, wenn man zum Fest eine Einstellung wie der Grinch hat.

Samstag, 18. November 2017

Ein Brite und die Entdeckung der Mikrotonalität: Jeff Beck Live At The Hollywood Bowl


Credit Coverbild: © Universal Music  Eagle Rock Entertainment
Er ist ein quintessentieller „guitarist´s guitarist“ - ein Virtuose, dessen beeindruckende Beherrschung der sechs Saiten in Musikerkreisen Ehrfurcht und Bewunderung erzeugt, dem jedoch der ganz große Erfolg im Mainstream immer verwehrt geblieben ist.
Vielleicht war es genau dieser Umstand, der den britischen Ausnahmegitarristen Jeff Beck rastlos und experimentierfreudig bleiben ließ.
Becks idiosynkratrischer, gänzlich unorthodoxer Spielstil ist eine faszinierende Benchmark in Sachen Ton-Manipulation: Seine Fender Stratocaster lässt er im wahrsten Sinne des Wortes einmal singen, plötzlich wimmern und im nächsten Moment kreischen. Beck balanciert auf der feinen Linie zwischen kontrollierter Aggression und Melodik. Mit seiner Kombination aus Volume-Swells, Whammy-Techniken und präzisen, mikrotonalen Bends und Tonverschiebungen nähert er sich auf instrumentalem Wege dem Ideal des menschlichen Gesangs an.

Dass sich Beck im Laufe seiner Karriere nie lange in eine Genre-Schublade zwängen ließ,
und mit Blues Rock, Rockabilly, Fusion-Jazz oder zeitgeistigem Electronic Rock experimentierte machte seine ohnehin anspruchsvolle, häufig instrumentale Musik für viele nicht eben zugänglicher. Jene Vielfältigkeit spiegelt sich auch in der Setlist des anlässlich des 50-jährigen Karriere-Jubiläums Becks in L.A. abgehaltenen Gigs wieder, dessen Mitschnitt nun von Universal/Eagle Rock released wird.
Unterstützt von einer  verhältnismäßig jungen Band (u.a. mit der hippen Gitarristin Carmen Vandenberg) spielt sich Beck durch eine Retrospektive seiner 5 Jahrzehnte andauernden Karriere und spannt den Bogen von frühen Yardbirds-Psychedelia-Hits („Heart Full Of Soul“ oder „For Your Love“) über robusten Blues-Rock („Beck´s Bolero“) und unterkühltem Fusion Jazz bis zum – nun ja, gewöhnungsbedürftigen – jüngsten Noise-Album „Loud Hailer“.
Das Bühnenbild der Konzert-Venue - der berühmte Hollywood Bowl in der Stadt der Engel - ist äußerst reduziert, geradezu nüchtern. Auf Showeffekte wird gänzlich verzichtet;  Let the music do the talking. Da es sich um ein Anniversary-Konzert handelt, dürfen natürlich auch prominente Gäste nicht fehlen: Mit Steven Tyler spielt er „Train Kept A-Rollin´“ – das seit Jahrzehnten zu einem Fixpunkt bei Aerosmith-Gigs zählt und das Jeff in der von Rockabilly zum Bluesrock-Stampfer umgedeuteten Version seinerzeit mit den Yardbirds spielte – verewigt u.a. in Michelangelo Antonionis Sixties-Kultfilm „Blow Up“.

Zum Blues und den frühen Inspirationsquellen des Jeff B. schließt sich auch der Kreis, wenn Beck mit  Buddy Guy eine besonders ruppig-ungeschliffene Version von „Let Me Love You Baby“ raushaut. Mit Keyboarder Jan Hammer duelliert er sich wie in den 70s im Fusion Bereich und mit Billy F. Gibbons von ZZ TOP gibt’s zwar leider keinen Texas Shuffle, dafür eine gefühlvolle 80s Ballade („Rough Boy“). Sänger Jimmy Hall (man hörte ihn auf dem 1985er Beck-Album „Flash“) wurde ebenso eingeladen, genauso wie Soul-Röhre Beth Hart, die bei  „I´d Rather Go Blind“ und „Purple Rain“  - als Tribute an den zum Zeitpunkt des Konzerts erst unlängst verstorbenen Prince – alle Register der Honky-Tonk-Koloratur zieht.
Eine illustre Gästerunde also - dennoch kommt man nicht umhin zu bemerken, wie viele prominente Kollegen und Wegbegleitern fehlen  - kein Slowhand, kein Jimmy Page mit dem Beck  in den Yardbirds spielte und kein Ronnie Wood und kein Rod Stewart – eine Reunion der 60s Jeff Beck-Group bleibt weiter Wunschtraum.

Fazit: „Live At The Hollywood Bowl“ ist eine schöne Werkschau einer wechselvollen Karriere. Gerade die DVD bzw. Blu ray des Hollywood Bowl Konzertes erlaubt es Gitarristen  dem Meister ganz genau auf die Finger zu schauen um herauszufinden, wie die Grenzen dessen ausloten ließ, was auf einer Gitarre überhaupt machbar ist.

Freitag, 10. November 2017

Eine Chronik des deutschen Boulevard: Das BILD-Buch

Credit Coverbild: © TASCHEN Verlag
Für die einen ist sie das erklärte Feindbild, das in sich all jenes vereint, was am populär-populistischen Boulevardjournalismus schlecht ist. Für die anderen ist sie die oft einzige tägliche Informationsquelle: Die BILD-Zeitung des Springer Verlags. Ein Blatt, das ebenso stark polarisiert wie es fraglos zu den reichweitenstärksten Leitmedien aus dem Boulevard-Bereich zählt.
Der vielfach äußerst schnellen, teils exklusiven Berichterstattung und der hohen Aktualität stehen eine oft allzu vereinfachende Berichterstattung, der  kommunikationswissenschaftlich und medienethische bedenkliche  Kampagnenjournalismus und   effektheischende Meinungsmache
gegenüber. Wie auch immer man selbst zum streitbaren Medium steht - wer sich mit der publizistischen Landschaft des deutschsprachigen Raums auseinandersetzt, kommt an der Bild nicht vorbei. Zum 65 Jahr-Jubiläum erscheint beim Taschen Verlag nun die Neuauflage der großen Retrospektive auf etwas mehr als 6 Jahrzehnte Boulevardjournalismus.
Axel Springer in der Druckerei mit der 1. Ausgabe von BILD, Nacht vom 23. zum 24. Juni 1952.
Credit Bild: © TASCHEN GmbH/Axel Springer AG
Herausgegeben von Julian Reichelt (aktueller Vorstand der Bild-Chefredaktion) und Kai Diekmann präsentiert der gewichtige Bild-Band (pun intended ;-) ) eine selektive Auswahl von Titelblättern der Zeitung beginnend anno 1952 und endend im Juli 2017 - die Auswahl dieser Titelseiten zeigt einerseits einem Zeitraffer gleich wichtige Ereignisse der Weltgschichte auf und verdeutlicht andererseits die Machart der Bild: Die effektheischenden Überschriften ("Wir sind Papst" , So tickt ...) die von den Boulevardmedien Österreichs oder der Schweiz übernommen wurden; Sex Sells (das Mädchen von Seite 1), lautmalerische Headlines an der Grenze zwischen Ulk und dadaistischem Experiment; das Aufdecken der Skandale; die Abstürze der C-Prominenz ; die scharfe, bisweilen anprangernde Art Polit-Ereignisse zu kommentieren...
Titelseite BILD, 26.07.1968 
Credit Bild: © Axel Springer
Bis auf die einleitenden Essays u.a. von Stefan Aust, Ferdinand von Schirach, Julian Reichelt, Vitali Klitschko oder Franz Josef Wagner wird im Buch auf eine publizistische und wissenschaftliche Einordnung des Blatts im Medienspektrum der Bundesrepublik verzichtet.Die Titelblätter sprechen hier für sich selbst - die Wertung bleibt letztlich dem Leser selbst überlassen.
Das Bild-Buch entwirft so zwar keine allumfassende Chronik dieser Tageszeitung,  erzählt jedoch mit den Mitteln eines bibliophilen Bildbandes nicht nur ein Stück Mediengeschichte sondern zeigt in konzentrierter Form vor allem die Mechanismen des Boulevard im Allgemeinen und des Springer-Mediums im Speziellen auf.
Titelseite BILD, 08.07.1985
Credit Bild: © Axel Springer AG

Das BILD-Buch
Julian Reichelt, Jean-Remy von Matt, Vitali Klitschko
Hardcover, 26 x 37 cm, 812 Seiten
ISBN 978-3-8365-7074-9
Ausgabe: Deutsch

Dienstag, 17. Oktober 2017

ZWISCHEN SURREALISMUS UND KITSCH : DAVID LACHAPELLE SIGNIERSTUNDE und GEWINNSPIEL


Credit Coverbild: © David LaChapelle Taschen Verlag
Auch wenn durch Instagram das Privatleben der internationalen Celebrities viel näher erscheint, als es tatsächlich ist – das La La Land, die unwirkliche Glitzerwelt in der die ganz großen Stars weilen, ist eine ganz eigene Sphäre, zu der nur sehr wenige Zutritt erhalten.
Der Chronist dieser Sphären ist der amerikanische Fotograf und Regisseur David LaChapelle der in seinen Werken nicht nur die Grenzen zwischen klassischer Fotografie und Malerei verschwimmen lässt sondern stets auch einen postmodernen Metadiskurs über das Phänomen „Celebrity“ führt.

Credit Bild: © Thomas Schweigert     Taschen Verlag
LaChapelles Werke und seine Bildkomposition gemahnen an klassische Barockmaler genauso wie an die Renaissance-Gemälde eines Michelangelo. Gleichzeitig sind sie jedoch mit ihrem retro-modernistischem Touch sehr in der Pop Art verhaftet. Durch die teils extreme Grellheit und Bonbon-Koloration seiner Bilder ist zudem der „Camp“-Faktor äußerst hoch – LaChapelle changiert zwischen klassischem Ideal und grenzenlosem Kitsch. Die stark religiösen Obertöne die sich durch sein Werk ziehen, korrespondieren wiederum mit dem Umstand, dass viele Stars von ihren Fans wie moderne Heilige verehrt werden. Dass all diese Elemnte und Einflüsse bei LaChapelle oft in einem einzelnen Bild aufeindertreffen, macht seine Werke zu surrealen Gebilden, die rein formal betrachtet mit ihrer grell-schrillen Bildkomposition die in Musikvideos und Social Media dominierenden Metapop-Ästhetik vorweggenommen und mitgeprägt haben.


Credit Coverbild: © David LaChapelle Taschen Verlag

Nun erscheinen bei Taschen zwei neue Bildbände LaChapelles: „Lost + Found, Part I“ und „Good News, Part II“, mit denen der aus Connecticut stammende Fotokünstler seine 1995 begonnene  Anthologie (LaChapelle Land, Hotel LaChapelle, Heaven To Hell) beschließt.
Zum Release dieser Bildbände wird David LaChapelle nächste Woche nach Deutschland kommen und seine neuen Bücher signieren.


Wann und Wo ?
Donnerstag, 21. September 2017
18 - 20 Uhr
TASCHEN Store 
Schlüterstraße 10629 Berlin


WIN - WIN WIN

Passend zum Besuch des Künstlers in Berlin könnt ihr wieder etwas gewinnen !
In freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich ein Exemplar von „David LaChapelle Lost + Found, Part I“ mit teils alle Sinne bombardierenden Fotos von Pamela Anderson, Julian Assange, Isabella Blow, David Bowie, Naomi Campbell,Hillary Clinton, Frances Bean Cobain, Miley Cyrus, Lana Del Rey, Lady Gaga, Sharon Gault, Daphne Guinness, Whitney Houston, Kris Jenner, Kendall Jenner, Bruce Jenner, Kylie Jenner, Dwayne Johnson, Khloe Kardashian, Kim Kardashian, Eartha Kitt, David LaChapelle, Amanda Lepore, Nicki Minaj, Katy Perry, Sergei Polunin, Keith Richards, Rihanna, Chris Rock, Amber Rose, Britney Spears, Uma Thurman, Andy Warhol, Kanye West, Pharrell Williams, Amy Winehouse...

Ihr wollt diesen Band euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „David LaChapelle Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

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Einsendeschluss ist der 05. November 2017
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Samstag, 7. Oktober 2017

THEIR MORTAL REMAINS : Pink Floyd Retrospektive

Credit Coverbild: © Edel Books
Konzeptalben von epischen Ausmaßen, Songs jenseits der 10  Minuten Marke, Instrumentaljams irgendwo zwischen der dunklen Seite des Mondes und dem Uranusnebel sowie Konzerte die in ihrer Inszenierung weniger an einen Rock-Gig denn an Musiktheater gemahnen...und dann wären dann noch fliegende Schweine.
Nein, man kann nun wirklich nicht behaupten, dass Pink Floyd - insbesondere ab der 70s Phase - eine Band der kleinen Gesten waren (mit dem Tod von Keyboarder Rick Wright sind Floyd ja quasi Geschichte ...) Klar, dass eine Retrospektive über diese legendäre Gruppe einen ähnlichen Maßstab haben muss. Die Ausstellung zum Art- und Prog Rock-Phänomen im im Londoner Victoria & Albert Museum war dann auch ein überlebensgroßes, immersives Erlebnis - bei dem man als Fan in eine Flut von Memorabilia aus der langen Geschichte der Band eintauchen konnte - ein Prinzip, wie man es etwa schon von den Stones - und Bowie Schauen her kennt.
Und auch das offizielle Buch zu dieser Ausstellung -  Pink Floyd - Their Mortal Remains - in deutscher Version bei Edel Books erschienen -  ist ähnlich beeindruckend wie diese Exhibition.
Ein Band der in seinem klaren, reduzierten Design nicht nur an die ikonischen Plattencover der Band sondern auch an einen schönen Kunstband erinnert.
Das beginnt schon beim aufwändigen Hologramm, welches das Cover des 320-seitigen Bandes ziert.  Die Coverart von "The Dark Side Of The Moon" wird hier aufgegriffen; der Licht/Regenbogen fährt durch das monolithische Dreieck und bringt es in einer Explosion von tausenden Splittern zum bersten.Klingt aufwändig und ist es auch --- ein echt stylischer Blickfang am Coffee Table.
Flyer für das Pink-Floyd-Konzert in der Tokyo-Taiikukan-Halle, Tokyo, Japan, 6.–7.3.1972
Credit Bild: © Pink Floyd Archive
Der Azimuth Coordinator Controller für das Vier-Kanal-Quadrofoniesystem, 1969. Für Pink Floyd von Bernard Speight entwickelt. V&A: S.294–1980 -
Credit Bild: © Pink Floyd Music Ltd / Image © Victoria and Albert Museum, London
Kontaktbogen von Aufnahmen einer Probe Pink Floyds, Moulin Rouge Bar, Ainsdale, Southport, Mai 1971
Credit Bild: © Pink Floyd Archive
Im Inneren wird die History der Gruppe von den 60s bis zur Gegenwart sowohl textlich als auch anhand zahlreicher Archivbilder und Memorabilia-Fotos nachempfunden.
Die gut geschriebene Retrospektive bietet nicht nur einen kompakten Überblick über die Karriere von Waters, Gilmour, Barrett, Wright ind Mason sonseennordnet Floyd auch musikhistorisch ein.
Die abgebildeten Ausstellungsstücke reichenvon Skizzen für die gigantischen Bühnen, die monsterhafte "Teacher"-Figur aus "The Wall" über Konzertposter und Synthesizer bis zu legendär gewordenen Gitarren Gilmours wie die weiße Stratocaster mit der Seriennummee #0001, die Goldtop Les Paul mit P90s aus "The Wall" oder die "Black Strat", einem seiner Hauptinstrumente.Allein, von diesen Instrumenten man nicht nur als Guitar-Fan gerne mehr Bilder und Close Ups gesehen  - zumal der Schauwert hier natürlich etwas höher ist, als bei handgeschriebenen Songtext-Zetteln.
Nick Mason bei einer Aufnahme in den EMI Studios, Abbey Road, 1968

Credit Bild: © Pink Floyd Archive
Fazit:
"Their Mortal Remains" ist ein attraktiver Liebhaberband für Sammler.
Eine interessante Zeitreise die neben den musikhistorischen Exponaten auch durch die gelungene, bibliophile Aufmachung gefällt - die sich in ihrem Detailgrad  natürlich an die richtigen Hardcore-Floyd Fans richtet.

Poster für „The Massed Gadgets of Auximenies“ (später: Auximines) mit Pink Floyd, Royal Festival Hall, London, 14.4.1969. Entwurf: Storm Thorgerson/Aubrey Powell – Hipgnosis. V&A: S.295–1980 -
Credit Bild: © Pink Floyd Music Ltd / Image © Victoria and Albert Museum, London

Bibliographische Angaben zum Buch:

PINK FLOYD
Their Mortal Remains (Deutsche Ausgabe)
Herausgegeben von den Kuratorinnen des V&A Museum: Victoria Broackes und Anna Landreth Strong
320 Seiten, Hardcover mit 3D-Cover
ca. 300 Abbildungen
978-3841905666
€ 39,95 (D) / € 41,10 (A)
Erscheinungstermin: 6. Juli 2017

Freitag, 29. September 2017

The Rolling Stones - From The Vault: Sticky Fingers Live At The Fonda Theatre 2015

Credit Bild: © Kevin Mazur   Universal Music Eagle Rock Entertainment
Der jüngste Eintrag in der Stones-Konzert-Archivreihe "From The Vault" dokumentiert einen Gig, wie es ihn eigentlich gar nicht mehr gibt: kein Stadion bzw. Open Air-Spektakel, keine  Greatest Hits-Setlist, keine riesige Bühne und keine schier überwältigenden Menschenmassen -  sondern nur die Steine in einem geradezu intimen Rahmen mit einer ganz speziellen Songauswahl.
Was angesichts der Größenordnung der aktuellen #NoFilter-Tour beinahe unglaublich erscheint, hat sich jedoch tatsächlich - zumindest an einem Abend - am 20. Mai 2015 bei einem Überraschungsgig in L.A. zugetragen.
2015 im Rahmen der Zip Code Tour gastierten Jagger, Richards, Watts und Wood im Fonda Theatre  und spielten das 1971er Kultalbum " Sticky Fingers" in seiner Gesamtheit sowie ein paar rare Gustostückerl wie B.B. Kings " Rock Me Baby".

Promis wie Bruce Willis oder Jack Nicholson waren neben zahlreichen versammelten L.A.  Chicks im Publikum. Die Stadt der Engel als wohl hippster Ort für high profile Gigs.
Für die Stones selbst war dieser Abend im vollgepackten Fonda letztlich ein Gig unter absoluten Idealbedingungen - denn hier sind sie in Topform.
Das musikalische Feuerwerk, das on stage in der verhältnismäßig kleinen Venue am Hollywood Boulevard gezündet wird, topt selbst historisch weitaus signifikantere Ereignisse wie den  Havana Moon Gig.
Credit Bild: © Kevin Mazur   Universal Music Eagle Rock Entertainment
Die Band ist vollkommen entfesselt,  gedrosselte Tempi sind hier Fehlanzeige. Einfach on fire...wow.
Watts verfehlt eh nie einen Beat.D och gerade Käptn Keef überrascht den langjährigen Stones-Fan, der mitunter einiges gewohnt ist, mit ungewöhnlicher Präzision.
Auch Wood geht geradezu aus sich heraus und soliert treffsicher und extensiv.
Und Jagger...unglaublich...Beim 70s Konzertfilm "Ladies and Gentleman...The Rolling Stones" gab es die Werbeschlagzeile " Jagger Sings, Jagger Dances, Jagger Explodes".....und genau das macht er hier.Dass Sir Mick fitter als viele 20 Jährige ist, darf als bekannt vorausgesetzt weeden, beim Gig im Fonda Theatre setzt er noch einen drauf und tanzt wie elektrisiert."Moves like Jagger". Die ganze  Band spielt dermaßen tight und druckvoll, hier passt einfach alles
Selbst bei der Sekundärerfahrung via Blu ray ist die im Fonda freigesetzte  Energie merkbar.
Selbst oft gespieltes und gehörtes wie " Brown Sugar" kommt mit einer derartigen Frische rüber.
Es sind Konzerte wie dieses, die die Einzigartigkeit dieser Band belegen.
Wenn alles stimmt, werden sie zur größten Rockband des Planeten.
Der neueste "From The Vault" Beitrag zählt zweifelsohne zu den  besten Stones-Konzertaufnahmen  seit Jahren .
Credit Coverbild: ©  Universal Music Eagle Rock Entertainment
Einziger Wehrmutstropfen: Gitarrenlegende  Mick Taylor fehlte bei diesem Gig - wie auf der gesamten Zip Code Tour -  obwohl die Licks des ehemaligen Bluesbreaker auf den Originalaufnahmen legendär sind.
Dennoch - wer sich bei der aktuellen Tour über befremdliche Verspieler wunderte, der erlebt hier quasi eine ganz andere Band: Eine Blu ray, die man in Heavy Rotation spielen kann.

Der Teufel im Detail: 1967 Psychedelia auf Their Satanic Majesties Request

Credit Coverbild: © Universal Music

1967 - am Höhepunkt des Summer of Love veröffentlichten die Beatles ihr Meisterwerk "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band".
Auf diesem Klangkaleidoskop vollzogen die ehemaligen Pilzköpfe die schon auf "Revolver" angedeutete Wandlung hin zum psychedelischen Experiment und trafen damit genau den Nerv des Zeitgeists.
Auch die damals zumindest medial in Konkurrenz zu den Liverpoolern stehende andere "Beat Band" - die Stones - entfernten sich im Studio von ihrem puristischen Chicago Blues und Rock und experimentierten mit neuen Sounds.  Das Ergebnis : "Their Satanic Majesties Request".
Doch während das Werk der Liverpooler zu einem der Schlüsselwerke der Sixties und in der Diskographie der Fab Four wurde, blieb " Their Satanic Majesties...." nur eine kuriose Fußnote in der Stones-Historie - ein Album,  das genau an der Schwelle zum sich auf dem Nachfolger "Beggars Banquet" etablierenden endgültigen Signature-Sound der Band steht.
Überschattet von den frühen Megahits und späteren Klassikern wie "Let It Bleed" oder "Sticky Fingers". Zum 50 Jahr-Jubiläum wird nun dieses oft geschmähte Werk der Stones in Sammleraufmachung (Vinyl + SACD-Set) reissued.

Credit Bild: © Universal Music

Die Steine waren zwar letztlich nie eine richtige Hippie-Band und gingen oft in Distanz zur damals vermeintlich omnipräsenten Flower Power  - dennoch ist dieser singulär gebliebene Versuch an Pop-Psychedelia weit besser als sein Ruf.  Was besonders den an Klassische Musik gemahnenden Melodien von "She's A Rainbow", der  trostlose Einsamkeit von "2000 Lightyears From Home "  oder dem später von Ace Frehley (KISS) gecoverten "2000 Ma n"liegt.
Auch wenn die Platte absolut nicht zu den großen Meilensteinen der Stones zählt, ein "revisited besuch" lohnt sich -nicht nur aus musikhistorischer Sicht - durchaus. 

Donnerstag, 28. September 2017

Back To The Roots: Paranormal von Alice Cooper

Credit Bild: © earMusic Edel
Alice Cooper legt mit seinem jüngsten Alben ganz locker eine der großen Überraschungen des bisherigen Musikjahres vor.Denn so frisch wie auf diesem, seinem 27. Studioalbum hat man  Schockrocker Vincent Furnier (wie Alice bürgerlich heißt) schon lange nicht mehr gehört - was zum einen an einer äußerst illustren Riege hochkarätiger Gaststars liegt und zum anderen an einer Rückbesinnung auf alte Stärken.

Back To The Roots: Zu diesem das Album durchziehende Leitmotiv passt auch, dass "Paranormal"vom legendären Bob Ezrin (zusammen mit Gitarrero Tommy Henriksen und Tommy Denander) produziert wurde. Der Kanadier Ezrin gilt unter Producern als ein Spezialist für Classic Rock Sounds und saß ja bei all den ganz großen Seventies- Werken Coopers hinterm Pult. Und so gemahntndie Platte auch über weite Strecken immer wieder an diese frühe Hochzeit.
Hier geht es nicht in die "High Gloss "- Metal Richtung von "Poison" ,
Cooper fröhnt dem räudig-dreckigen Sound , der ihn in den Siebzigern zum Bürgerschreck konservativer Zeitgenossen und zum vielzitierten ersten richtigen "Schockrocker" gemacht hat:  ein mitunter blues-getränkter Garagenrock aus einer Zeit als der Punk noch nicht existierte.
Wobei Coopers neuestes Opus keine reine Vintage Show ist, vielmehr halten sich die alten und neuen Elemente die Waage: eine Re-Imaginierung des Sounds von "Killers" oder "School's Out" mit teils modernen Elementen.

Das gelingt besonders gut auf Tracks wie dem stark nach 70s riechenden Dampframmen-Rock von "Fireball", dem  High Energy Shuffle von "Rats" und "Fallen In Love" mit ZZ Tops Billy F. Gibbons.
Ein Song der von einem texanisch beeinflussten Rock N' Roll-Riff dominiert wird und mit genialem Solo des Reverends sowie witzigem name dropping von Cooper-Songtiteln in den Lyrics überzeugt.
Apropos Stargäste: Neben Gibbons hört man auf "Paranormal" noch Roger Glover (Deep Purple) und Larry Mullen Jr. (U2) und der legendäere Session Mann Steve Hunter. Zudem gibt es auf 2 neuen Tracks wieder die alte Alice Cooper-Band Neal Smith, Michael Bruce, Dennis Dunaway (Glen Buxton verstarb schon 1997) zu hören - Eine schöne Reunion.

Insgesamt ist "Paranormal" das stärkste Cooper-Album seit vielen Jahren. Herrn Furnier gelingt das Kunststück seinem Backkatalog doch tatsächlich ein paar Songs hinzuzufügen, die sich nicht hinter den alten Klassikern verstecken brauchen. Die Doppel CD Variante des Albums erweitert "Paranormal" noch um einige Live Tracks einer 2015er Show aus Columbus mit Evergreens wie "No More Mr. Nice Guy" , "Under My Wheels" ,  "Only Women Bleed" oder Coopers ewiger Hymne über das Ende  der Schule :-)

30 Jahre "Hysteria": Der Leopard und das "Thriller" des Heavy Rock

Def Leppard Hysteria Albumcover 1987 ikonisches Album
Credit Coverbild: © Universal Music

Mit der Veröffentlichung von "Hysteria" im Schlüsseljahr 1987 legten die Briten Def Leppard ihr absolutes Meisterwerk vor. Ein Album auf dem man eine Band auf ihrem künstlerischen und kreativen Zenith hört. Persönliche Tragödien (der Autounfall der Drummer Rick Allen seinen Arm kostete) und 3 Jahre intensivster Arbeit im Studio gingen dem Release voran. Das Endergebnis war ein Album das nicht nur ein Millionenseller wurde (bis heute ist "Hysteria" die erfolgreichste Platte in der fast 40 jährigen Bandgeschichte) sondern auch eines der quintessentiellen Werke des 80s Heavy Rock.

Heavy Metal-Thriller

"Hysteria" sollte nichts weniger als das Heavy Metal-Thriller werden: wie bei Michael Jacksons Klassiker sollte jeder Song ein potentieller Hit sein - und dies gelang der Band und ihrem perfektionistischen Produzenten "Mutt" Lange auch in gewisser Weise.
Das Album ist exzessiv melodiös. So gut wie jeder Song ist catchy, verfügt über ungmein einprägsame Parts auch abseits der hymnischen, fürs Stadion konzipierten Refrains.
Alle Kanten die Leppard zu Zeiten der NWOBHM gehabt haben mögen, wurden so sorgfältig wie bei der Behandlung von Rohdiamanten abgeschliffen. Wenn anno '87 am einen Ende des Rock Spektrums der Gossensound von Guns N' Roses stand, so ist  Leppards Werk das genaue Gegenstück zum Sleaze aus L.A.High gloss- auf Hochglanz poliert - Ein Hard Rock Album das in seiner Testosteron geschwängerten Aura wie ein Pictorial des Penthouse Magazins wirkt. Hinzu kommt die schiere Dichte an Hard Rock Gassennhauern wie "Pour Some Sugar On Me" "Rocket", "Armageddon It" oder "Animal" neben obligatorischen Feuerzeugballaden wie "Love Bites". 

Samstag, 16. September 2017

Die Stradivari des Rock und Blues

Clapton, Page, Beck, Kossoff, Taylor, Gibbons, Moore, Slash und in jüngerer Vergangenheit Bonamassa ---- die Liste jener Heroen der elektrisch verstärkten Populärmusik, die mit einer Les Paul-Gitarre in Sunburst-Lackierung in Händen Geschichte schrieben ist lang und eindrucksvoll.
Der spezielle Sound des Instruments aus Mahagoni, Ahorn, Palisander und zwei Humbucker-Pickups ist in seiner dominanten Massivität und gleichzeitig filigraner Schönheit schlichtweg legendär.
Heute erzielen historische Exemplare der Les Paul aus der frühen Hochzeit des amerikanischen Gitarrenbaus unglaublich-unleistbare, ja astronomische Summen - 250.000 Dollar sind da keine Seltenheit, selbst wenn  der Zustand der Sechsaitigen zu Wünschen übrig lässt.
In jener Kategorie, der in der Welt der E-Musik die Stradivari angehört, findet man in der U-Musik die Les Paul.
Credit Coverbild: © Backbeat Books  Hal Leonard
Dabei war jenem Gitarrentypus -  eigentlich das  Signaturemodell für den amerikanischen Jazzer Lester "Paul" Polfus -  nach seiner Veröffentlichung zunächst gar kein so großer Erfolg beschieden. 1961 wurde die klassische "Lester" sogar aus dem Programm genommen. Es bedurfte der nächsten Generation von Musikern wie etwa Mr. Slowhand um während des britischen Bluesbooms die Les Paul wieder populär zu machen.
Man sieht, die Geschichte der Les Paul ist eine Geschichte voller Missverständnisse ;-) ....zumindest aber eine sehr wechselvolle.
Und zwei äußerst lesenswerte Bücher aus dem Hause Hal Leonard bzw. Backbeat und Centerstream widmen sich der Historie dieses Klassikers und nähern sich der mythenumrankten Signifikanz der Lester und insbesondere ihrer ursprünglich von 1958 -1960 gebauten Inkarnation in Sunburst - und das auf sehr unterschiedliche Weise.
Tony Bacons programmatisch "Sunburst" betiteltes Buch erzählt
"How The Gibson Les Paul Became A Legendary Guitar".
Auf gut 144 Seiten macht Bacon - seines Zeichen einer der bekanntesten Autoren von Instrumenten-zentrierten Fachbüchern - die Entstehungsgeschichte der Les Paul (kurz LP) nachvollziehbar. Der Leser erhält einen so fundierten wie detaillierten Kompaktüberblick über die unterschiedlichen Variationen der Sunburst Les Paul bis zur Gegenwart und zeitgenössischen Reissues. Zudem legt Bacon seinen Folkus auf die wichtigsten und prominentesten Sunburst-Player, die man in sehr sehenswerten historischen, teils ikonischen Fotos sieht.
Credit Coverbild: © Centerstream Backbeat Books Hal Leonard
Auch Vic DaPra ist eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet der Les Paul...es gibt wenige Leute, die ein profunderes, geradezu wissenschaftliches Knowledge über die minutiösesten Details der altehrwürdigen Les Paul haben--selbst mit Hersteller Gibson arbeitet er zusammen.
Sein jüngstes Buch "Burst Believers III" ist eine bibliophile Huldigung an die als "Burst" bekannten Modelle aus den Jahren 1958-1960 - denen insbesondere aufgrund wegweisender Sixties und Seventies-Aufnahmen die mit ihnen eingespielt wurden - geradezu sagenumwobene Klangeigenschaften zugeschrieben werden.
Das Hauptthema Da Pras sind aber nicht nur die Bursts selbst, sondern auch die titelgebenden Believer- also die Jünger die Teil des
erlauchten und exklusiven Zirkels jener sind, die eine oder gar mehrere dieser Grals-Gitarren ihr Eigen nennen.
Der wertige Hardcover-Band ist purer "Guitar Porn". Die High Quality- Bilder reproduzieren die Details dieser geschichsträchtigen Instrumente perfekt.
Während sich Bacons Buch sowohl den Vintage-Schätzchen als auch den zeitgenössichen Interpretationen/Reinkarnationen der "Bursts" widmet regiert bei Da Pra "Old Wood".
Die in "BB III" abgebildeten Gitarren  gehören mitunter sehr prominenten Spielern wie Stevie D von Buckcherry oder auch Kirk Hammett (Metallica) und Brad Whitford (Aerosmith) - letztere verfassten auch je ein Vorwort, in denen sie ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen.
Da Pras Buch richtet aich natürlich an die absoluten Hardcore-Freaks - dem nur oberflächlich interessierten Gitarrenfreund wird das alles wohl viel zu speziell sein---zumal hier auch nicht-prominente Privatsammler  gefeatured werden,während bei Bacon der Fokus allein auf den prominentesten Saitenvirtuosen liegt.
Wer jedoch ein richtiger Guitar-Geek ist, für den ist "BB III" ein Bildband, den man immer wieder durchblättern kann um sich an den an Gemälde des Impressionismus gemahnenden Farbverläufen der "faded burts" aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu erfreuen.
Für die heimische  Gitarren-Bibliothek sind jedenfalls beide Bücher lohnende Ergänzungen, da sie sich mitunter unterschiedlichen Teilaspekten dieses Kult-Instruments widmen und mit den hochwertigen Fotos und den liebevollen Details gute Chronien  eines Kult-Phänomens sind.

CHRISTO SIGNIERSTUNDE und GEWINNSPIEL zum Taschen Store-Opening in Köln


Nach den letzten Eröffnungen von Taschen Stores in London und Berlin ist nun die Heimat des Luxusverlags an der Reihe: Nächste Woche öffnet ein neuer Flasgshiptore in der Domstadt seine Pforten - ein Buch-Tempel par excellence, dessen Interieur von den italienischen Designern Stampanoni Bassi und Salvatore Licitra gestaltet wurde. 
Dieser mediterrane Style wird mit skandinavischer Moderne wie 50s Deckenleuchtern und Morgens Koch-Buchregalen kontrastiert - stylischer kann man nicht schmökern.

In der Woche des Openings hat sich als Stargast gleich einer der prominentesten Gegenwartskünstler angesagt:Christo - der einst den Reichstag verhüllte und zuletzt mit  den Floating Piers für Aufsehen sorgte - wird zwei seiner bei Bücher (Verhüllter Reichstag („Wrapped Reichstag“) und Floating Piers) signieren.
Christo und Benedikt Taschen
Credit Bild: © Taschen Verlag

Wann und Wo ?
Donnerstag, 21. September 2017
17-19 Uhr
TASCHEN Store Berlin
50667 Neumarkt 3
Berlin

Credit Bild: © Christo Photo: Wolfgang Volz Taschen Verlag

Credit Bild: © Christo Photo: Wolfgang Volz Taschen Verlag

WIN - WIN WIN

Credit Coverbild: © Christo Photo: Wolfgang Volz Taschen Verlag
Passend zum Store-Opening und der Signierstunde des legendären Verhüllungskünstlers könnt ihr die Chronik über das aufsehenerregende „Floating Piers“- Projekt gewinnen.
Denn in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich ein Exemplar des „Floating Piers“-Bildbandes.
Das Buch zeigt detailliert die Entstehungsgeschichte des Mega-Projekts, das vom 18. Juni bis zum 13. Juli 2016 auf dem italienischen Iseosee bestand und einen Gang über den See ermöglichte. Anhand von Skizzen, Modellen, Dokumenten und Entwürfen wird der ausgeklügelte Aufbau des temporären Kunstwerks nachvollziehbar.

Ihr wollt diesen Band zeitgenössischer Kunst euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „Christo Floating Piers Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Folgt mir auf Twitter und Instagram (Links dazu in der Sidebar rechts).
Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 02. Oktober 2017
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Einige Fotoimpressionen vom Store und dem
Opening-Event 
Credit Bild: © Mark Seelen     Taschen Verlag
Benedikt und Marlene Taschen
Credit Bild: © Edgar Herbst     Taschen Verlag
Benedikt und Marlene Taschen
Credit Bild: © Thorsten Wulff     Taschen Verlag

Besucher warten vor TASCHEN´s Neumarkt Store auf Christo
Credit Bild: © Taschen Verlag
Credit Bild: © Mark Seelen     Taschen Verlag


Credit Bild: © Mark Seelen     Taschen Verlag
Credit Bild: © Mark Seelen     Taschen Verlag