Mittwoch, 26. Juli 2017

STRANGER THINGS Season 2: TRAILER

Wie geht es nach den unheimlichen Begegnungen der 3. Art in Hawkins, Indiana weiter ?
Was passiert mit den heldenhaften Jungs  Mike, Dustin und Lucas ?
Was hat Will Byers aus dem unheimlichen Zwischenreich, der „Upside-Down“-World, mitgebracht?
Und: wer isst eigentlich die Waffeln im Wald bzw. wo ist Elfi/Eleven (der Break Out-Star der Serie, Millie Bobby Brown) nach dem Kampf gegen den Demogorgon ?
Fragen über Fragen, auf die der nun veröffentlichte erste Trailer zur zweiten Staffel des Netflix-Überraschungshits „Stranger Things“ der Duffer Brothers erste Hinweise gibt.

Hier der mit Michael Jacksons „Thriller“ bzw. dem kultigen Vincent Price-Intro des Songs unterlegte Trailer. Start der neuen Staffel: passend zur Halloween-Zeit am 27. Oktober 2017

Freitag, 21. Juli 2017

THE MAGPIE SALUTE

Credit Bild: © Shervon Lainez      Eagle Rock /Universal Music
Credit Coverbild: © Eagle Rock /Universal Music


Als Fan der vermutlich besten Roots Rock-Band, die die Eighties hervorgebracht haben, hatte man ja noch die Hoffnung, dass sich nach dem letzten großen Krach vor ein paar Jahren die Wogen wieder glätten würden und sich die Brüder Chris und Rich Robinson noch zusammenraufen und versöhnen würden - so wie sie es ja bereits einmal getan hatten. Doch wie es derzeit aussieht sind die beiden nun endgültig zerstritten und die Crowes damit wohl wirklich Geschichte.

Während der eine Bruder mit seiner neuen Formation, der Chris Robinson Brotherhood, auf psychedelischen Grateful Dead-Pfaden unterwegs ist hat nun auch der andere eine neue Band gegründet. Diese trägt wieder einen Vogel im Namen und im Logo -  „The Magpie Salute“ -  und hat sich konsequenterweise  vollends dem Sound der Crowes aus der Phase ab „Southern Harmony“ verschrieben: erdiger Roots-Rock der aus der gesamten Bandbreite des Genres schöpft.
Das jüngst erschienene selbstbetitelte Debut-Album ist sozusagen „as close as you get“ in Sachen  Crowes-Wiedevereinigung, kommen hier doch gleich mehrere Ex-Crowes-Musiker zusammen: Gitarrero Marc Ford, Bassist Sven Pipien sowie der Mann an den Keys, Eddie Harsch (R.I.P.), der im November letzten Jahres verstarb und dessen letzte Aufnahmen hier verewigt sind.

Schon von den ersten verzerrten Akkorden des Openers „Omission“ ist klar, in welche Richtung die Reise mit dieser Platte geht. Die introspektiven Songwriter-Ausflüge von Richs Soloalben stehen hier nicht mehr im Fokus, hier wird in einer Mischung aus Blues, Rock, Soul, Funk und auch Reggae gejammt, wie man es heute allzu selten hört. Robinson, der auf diesem Album auch gleich am Stuhl des Produzenten Patz nahm, ist Spezialist für Vintage-Sound und zelebriert diesen regelrecht.
Dass die Platte eröffnende „Omission“ bleibt  der einzige neue Song auf dem „Magpie“-Debut, daneben gibt es energetische Reinterpretationen von altem Crowes-Material sowie selektierte und äußerst gelungene Covers : der Delaney & Bonney & Eric Clapton Song „Comin´ Home“ oder Stücke von WAR, Bob Marley, den Faces oder der 1971er Pink Floyd-Nummer „Fearless“ -  die typische Robinson-Note ist dabei stets evident.
Als Zuhörer kommt man derzeit jedenfalls nicht näher an ein neues Black Crowes-Album heran als mit diesem äußerst gelungenen „Magpie“-Debut.

Sonntag, 9. Juli 2017

DAVID HOCKNEY ist 80: Happy Birthday an den Chronisten des immerwährenden kalifornischen Sommers

Credit Bild: © Taschen Verlag
Aufmerksame Leser dieses Blogs wissen längst, was für ein Kunst Aficionado ich bin: Und am heutigen Tage feiert einer meiner absoluten Lieblingskünstler großes Jubiläum und runden Geburtstag: David Hockney wird 80.
Der 1937 im britischen Bradford (Yorkshire) geborene Künstler zählt zu den lebenden Legenden der internationalen Kunstszene – und hat sich in seinem äußerst facettenreichen, abwechslungsreichen Schaffen über die Jahrzehnte immer ein Stück weit neu erfunden.
Um die Einengung durch Schubladen scherte sich der Brite nie sonderlich, wechselte Techniken wie Stile, von Popart-Gemälden (mit seinen Bildern eines immerwährenden Sommers mit seiner ikonischen Sixties-Reihe über Swimming  Pools) über Collagen bis hin zur Inkorporation neuer Technik ins eine Kunst (siehe iPad-Zeichnungen).
Die Konstante blieben – abgesehen von seinem ungleich dunkleren Frühwerk – immer die leuchtenden Farben und stets auch die Verarbeitung explizit biographischer Themen sowie das Festhalten seiner jeweiligen Lebensumgebung: spannend ist wenn man sein Gesamtwerk betrachtet etwa der starke Kontrast zwischen seiner Heimat, dem traditionellen Great Britain (mit den Wäldern des Empires) und der modernistischen, kalifornischen Dekadenz der Westcoast.

In diesem Sinne ein Happy Birthday an einen der einflussreichsten Maler der 20. Jahrhunderts

Credit Bild: © David Hockney   Taschen Verlag

Credit Bild: © David Hockney   Taschen Verlag

Credit Bild: © David Hockney   Taschen Verlag


Credit Bild: © Taschen Verlag
Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag


Das gewaltige Buch neben dem  Mr. Hockney hier steht ist übrigens ein streng limitierter Sammlerband für absolute Hockney-Hardcore-Fans aus dem Hause Taschen. Der Künstler selbst meinte über diese umfangreiche Werkschau aus der prestigeträchtigen Sumo-Reihe: „Durch die Arbeit an diesem Buch sehe ich ungefähr, wie viel ich tatsächlich gemacht habe.“

Credit Coverbild: © David Hockney   Taschen Verlag






Buchdaten:
TASCHEN
David Hockney. A Bigger Book
Hardcover, 498 Seiten, 13 Ausklappseiten, 50 x 70 cm, mit einem von Marc Newson entworfenen Buchständer und einem illustrierten 640-seitigen Begleitbuch
2.000,- Euro
Limitierte Collector’s Edition von 9.000 signierten Exemplare
Ebenfalls erhältlich in vier verschiedenen Art Editionen von jeweils 250 signierten Exemplaren mit einer iPad-Zeichnung


Dienstag, 20. Juni 2017

THE BEATLES – SGT. PEPPERS LONELY HEARTS CLUB BAND

Credit Bild: © Universal Music
Heuer jährt sich nicht nur zum 50. Mal der Summer Of Love – jene Monate im Jahr 1967 in denen der Traum von weltumspannender Liebe und Frieden zumindest kurzfristig greifbar schien – auch eines der Schlüssel-Alben jener Zeit, Sgt. Peppers Lonely Heats Club Band der Beatles, feiert Jubiläum und wird passend dazu in einer neuen Version aufgelegt.

Die 2 CD Anniversary Edition kommt im attraktiven Schuber in dem sich ein an alte Vinyls erinnerndes Slipcase (inklusive Gatefold) mit zwei Discs und einem dicken Booklet befindet. Dieses wartet mit einem informativen Essay, Infos zu jedem einzelnen Track und vielen Fotos aus der „Peppers“-Ära auf - eine schön gestaltete Aufmachung, die gerade Beatles-Sammlern gefallen wird.
Credit Bild: © Universal Music
Die erste CD enthält das Klassiker-Album selbst - eines jener Werke, das den Hörer einer Zeitkapsel gleich in ein Swinging London mitnimmt, in dem den Experimenten und dem Bewusstsein keine Grenzen gesetzt waren. Die Platte ist einerseits typisch für den damaligen Zeitgeist, gleichzeitig prägte sie diesen allerdings auch maßgeblich mit.
Produzent George Martin und John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr begriffen das Abbey Road Studio als eigenes Instrument und malten ein Klanggemälde aus Effekten und Soundkreationen: ein Kaleidoskop nicht nur bei einem gewissen Mädchen mit ebensolchen Augen sondern auch was die Klangvielfalt anbelangt: An Vaudeville gemahnende Novelty-Songs vermischen sich hier mit psychedelischen Pop- und Rock-Elementen.  Auf diesem Album vollzogen die einstigen Pilzköpfe vollends jene Wandlung, die  sich schon auf dem Vorgänger „Revolver“ angedeutet hatte. Das war die "cutting edge"-LP an der sich die Kollegen der Beatles messen lassen mussten.

CD 2 wartet mit zahlreichen Alternate Takes auf sowie mehren Versionen von „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“, die zwar während den „Sgt.Peppers“-Sessions aufgenommen wurden, jedoch nur seinerzeit als Single veröffentlicht wurden und so - nach damals üblicher Praxis – nicht auf dem ursprünglichen Album erschienen.

Credit Bild: © Universal Music

Die 50th Anniversary Version bietet allerdings nicht nur eine schöne Aufmachung und Bonus Tracks - sie wurde auch ganz neu in Stereo gemixed, und zwar von Giles Martin, dem Sohn des legendären, im Vorjahr verstorbenen Beatles-Produzenten.  Der erste Höreindruck dieser „neuen“ Version fällt überaus positiv aus. Das neue Mastering ist sehr dezent gehalten und klingt einfach richtig fett, klar und gut -  auch wenn einige Sound- und Beatles-Puristen wohl trotzdem einer am historischen Original orientierten Mono-Version den Vorzug geben würden.

Fazit: Die Jubiläums Edition von „Sgt. Peppers“ ist eine  gelungene Neuauflage eines der ganz großen Kult-Alben der Musikgeschichte.

WEITERFÜHRENDER LESE-TIP:
Credit Coverbild : ©  Edition Olms


Die Genesis von „Sgt. Peppers“ ist auch zentraler Aspekt in Brian Southalls äußerst lesenswertem Buch über die psychedelische Inkarnation der Liverpooler „Beat“-Band und  das ereignisreiche Jahr ´67 -  Damals stand die Welt zwischen „Summer Of Love, Vietnam-Demos, Sechstage-Krieg und gesellschaftlicher Bewusstseinserweiterung: Southall zeigt die Hintergrundgeschichte zu einer wegweisenden LP und einer Welt im Aufruhr. 

Eine äußerst lesenswerte Mischung aus Geschichtsbuch und reich bebilderter Pop-Enzyklopädie, in der das Kultalbum wird in einen breiteren sozio-kulturellen Kontext gebracht wird. 


Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band
Das Album, die Beatles und die Welt 1967
Übersetzung aus dem Englischen von Michael Auwers.
192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos.
Fester Einband im Format 25 × 25 cm
ISBN-10: 3-283-01281-4
€ (D): 29,95
€ (A): 30,80

Donnerstag, 15. Juni 2017

TASCHEN SALE und DC COMICS - GEWINNSPIEL

Credit Bild: © Taschen Verlag
Pünktlich zum Sommer gibt es auch heuer wieder den großen Sale des Taschen Verlags:
Von 22.-24. Juni 2017 können alle Bücher-Fans und Liebhaber luxuriöser coffee table-books Rabatte von 30 - 75 % auf Display- und Mängelexemplare der Bildbände aus Bereichen wie Film, Musik, Popkultur, Kunst, Erotik, Architektur oder Mode & Design erhalten.
Wenn ihr also schon immer ein ganz bestimmtes Exemplar dieser bibliophilen Sammlerstücke zum besonders günstigen Preis haben wolltet, dann solltet ihr nächste Woche entweder online auf www.taschen.com oder in einem der Flagship Stores in Berlin, Hamburg oder Köln vorbeischauen.

Die genauen Adressen der drei deutschen Stores:

TASCHEN Store Berlin
Schlüterstr.39
10629 Berlin

TASCHEN Store Hamburg
Bleichenbrücke 1-7
20354 Hamburg

TASCHEN Store Köln
Hohenzollernring
50672 Köln

WIN - WIN WIN

Passend zu diesem Sale-Event könnt ihr auch hier auf „6 Strings 24 Frames“ einen besonderen Bildband gewinnen.
Denn in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich ein Exemplar von 75 Jahre DC Comics.
Credit Coverbild: © Taschen Verlag
75 Jahre DC Comics. Die Kunst moderne Mythen zu schaffen
Paul Levitz ,Hardcover, 29 x 39,5 cm, 720 Seiten
Detective Comics No. 31 (detail), cover art, Bob Kane, September 1939. 
Credit Bild Copyright: ™ & © 2017 DC Comics. All Rights Reserved.  
Das gewichtige Buch ist ein schönes Sammlerstück und eine Retrospektive auf den legendären amerikanischen Comic-Verlag, Heimat von so unterschiedlichen Superhelden wie dem dunklen Ritter Batman, dem Mann aus Stahl Superman, der stärksten Frau der Welt Wonder Woman, Green Lantern oder The Flash. 
Der Band zeichnet auf 720 Seiten die immense dramaturgische wie stilistische (Weiter-)Entwicklung der wichtigsten Comic-Reihen nach, die 
über die Jahre immer auch Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft waren -  Comics als quasi-soziologische Auseinandersetzung mit  gesellschaftlichen Realitäten.
Bruce Waynes Alter Ego bspw. durchlief zahlreiche Metamorphosen -
vom klassischen Superhero über den tief im Zeitgeist verwurzelten Protagonisten einer groovy TV-Show (mit dem unlängst verstorbenen Adam West) bis zum gebrochenen Helden - im Vergleich zum Konkurrenten Marvel Comics war das DC-Universum schon immer deutlich düsterer.

Ihr wollt diesen Band geballter Comic-History euer Eigen nennen ?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „75 Jahre DC Comics Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 
6 strings 24 frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Folg mir auf Twitter und Instagram (Links dazu auf der rechten Seite).
Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 2. Juli 2017
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Adam West am Set der Batman TV Serie, Season 1, 1966. 
Credit Bild: © Copyright: Yale Joel/Time & Life Pictures/Getty Images./Courtesy TASCHEN.

Und wer noch mehr Nachschub für seinen coffee table oder sein Bücherregal sucht, der kann beim social media-contest #TASCHENshelfie mitmachen:
In diesem Jahr soll herausgefunden werden, was ein gutes Bücherregal eigentlich ausmacht. Postet ein Foto eurer ganz persönlichen  Bibliothek – ganz gleich ob sie nach Farben, Themen, Größe, Gemütsverfassung oder Zufall geordnet ist und verseht den Schnappschuss mit dem hashtag #TASCHENshelfie.
Die kreativsten Bilder werden belohnt - als Hauptgewinn winken Dutzende handverlesene Titel der Reihe Bibliotheca Universalis.
Die Zweit- und Drittplatzierten erhalten 20 bzw. 15 Bände dieser Reihe, die das ganze Themenspektrum des Taschen Verlags abbildet.

Das Making Of eines Klassikers: Behind the Scenes of Sergio Leone´s The Good, the Bad and the Ugly

Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee Van Cleef am Set
Credit Bild: © Peter J. Hanley (Il Buono Publishing)
Das Close-Up auf die zusammengekniffenen Augen Clint Eastwoods, die den Zuseher leinwandfüllend anstarren. Der schmutzige Style der Gunmen die das raue Land des italienischen Westens bevölkern, der zynische Blick auf die im US-Western oft verklärte Vergangenheit, die klimaktisch zur sich in einem Crescendo steigernden Musik Ennio Morricones geschnittenen Shoot-Outs…..
Es sind ikonische Images und Szenen wie diese mit denen Regisseur Sergio Leone den ur-amerikanischen Mythos neu interpretierte und Filme schuf, die sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis von Kinofans auf der ganzen Welt eingebrannt haben und auch zeitgenössische Regisseure  wie etwa Quentin Tarantino maßgeblich beeinflussten.
Eines der Hauptwerke des Spaghetti Western-Genres ist das Finale der sog. „Dollar“-Trilogie „The Good, The Bad and the Ugly" aus dem Jahre 1966 (dt. Titel: „Zwei glorreiche Halunken“) – ein Film der letztes Jahr 50 jähriges Jubiläum feierte.

Passend zu diesem Anniversary des Kultfilms ist mit  Behind the Scenes of Sergio Leone´s The Good, the Bad and the Ugly ein aufwändiger Prachtband erschienen, der Leones Werk standesgemäß würdigt. Eine bibliophile Hommage, die zu den best gemachten Filmbüchern der letzten Jahre zählt -  und das ganz abseits aller großen Verlage. Denn dieses umfangreiche Buchprojekt entstand aus einem privaten Hobby von Wissenschaftler und Autor Peter Hanley, der den Band im Eigenverlag (Il Buono Publishing) herausbringt. In jahrelanger minutiöser Kleinarbeit führte Hanley Interviews (u.a. mit „Tuco“-Darsteller Eli Wallach, Komponist Morricone, der Witwe des Regisseurs, Carla Leone oder Aldo Sambrell), sichtete Archive,  trug zig seltene Fotos zusammen und entwarf so eine wunderschöne Chronik von „The Good, the Bad and the Ugly“ (kurz „GBU“).
Der "Blonde" und Tuco
Credit Bild: © Peter J. Hanley (Il Buono Publishing)
Regisseur Sergio Leone mit Eli Wallach
Credit Bild: © Peter J. Hanley (Il Buono Publishing)
Dass hier ein glühender Fan und Experte am Werk war, merkt man als Leser auf jeder einzelnen Seite. Nicht nur dass dieser Band ungemein liebevoll gestaltet wurde, er beeindruckt vor allem durch seine geradezu wissenschaftlich anmutende Detailgenauigkeit.
Beim Durchblättern ist man immer wieder fasziniert, wie viel Arbeit in diesem über 400 Seiten starken Hardcover-Band (komplett in Englisch) steckt: Hanley macht äußerst  lesenswert nachvollziehbar, wie dieses Schlüsselwerk des Genres entstand und widmet sogar dem historischen Kontext des Plots - dem amerikanischen Bürgerkrieg- ein eigenes Kapitel. Hier trifft der Begriff „Making Of“ wirklich genau ins Schwarze, zumal die hier geschilderten Dreharbeiten in den Sixties tatsächlich noch ein richtiges Abenteuer waren. Der informative Text in Verbindung mit den großartigen Aufnahmen lassen diese vergangene Zeit vor dem inneren Auge des Betrachters förmlich auferstehen.

Die meisten der in diesem Band vertretenen Bilder waren zudem bislang unveröffentlicht – selbst wer sich so wie ich seit Jahrzehnten mit dem Thema Leone beschäftigt, wird hier viel Neues entdecken – sei es jetzt geniale Aufnahmen der Hauptdarsteller in Drehpausen, der genaue Blick auf „deleted scenes“ oder das Make Up des geschundenen Blondie (Eastwood) nachdem er von Tuco durch die Wüste gejagt wurde.
Das Aufteilen des auf Tuco ausgesetzten Kopfgeldes 
Credit Bild: © Peter J. Hanley (Il Buono Publishing)
Trotz des Einflusses von Leones Werk und dem Italo-Western-Genre im Allgemeinen ist die Anzahl an Büchern zur Thematik überraschend überschaubar.  Hanleys „GBU“-Buch ist nun eine der besten Ergänzungen zur Italowestern-Bibliothek, die sich neben den Büchern von Sir Christopher Frayling als ein Standardwerk einreiht – denn einen umfangreicheren Band über einen einzelnen Film habe ich bislang nicht gesehen.

Link:
http://www.gbu-book.net/
Credit Coverbild: © Peter J. Hanley (Il Buono Publishing)

Mittwoch, 31. Mai 2017

EGON SCHIELE Sämtliche Gemälde 1909 -1918

Selbstbildnis mit Lampionblume, 1912
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
„Nach meinem Tod, früher oder später, werden die Leute mich gewiss lobpreisen und meine Kunst bewundern“

Ein Zitat des im Sterbebett liegenden Egon Schiele, kurz bevor ihn schließlich die spanische Grippe das Leben kostete, das geradezu prophetisch anmutet: Heute ist der österreichische Jahrhundertwende-Maler zwar absoluter Kult, zu Lebzeiten sah er sich jedoch immer wieder mit heftiger Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber seiner Person sowie seiner Kunst konfrontiert. In einer Zeit des Umbruchs, in der es zum Widerstreit zwischen modernen wie beharrend-konservativen Kräften in Europa und der Metropole Wien kam, waren drastische Werke wie die seinen, prädestiniert dafür einen Aufschrei in der bürgerlichen Gesellschaft hervorzurufen.
Die Darstellung magerer, nackter Leiber auf seinen Gemälden traf häufig auf Unverständnis und wurde als schlichtweg pornographisch abgestempelt – während aufgeschlosseneren Kunstliebhabern und Mäzenen die neuartige Qualität Schieles Werken und seine Progressivität nicht verborgen blieb. Zeitgenossen Schieles wie etwa Gustav Klimt zeigten zwar ebenfalls erotische Darstellungen in ihrer Kunst, blieben jedoch noch am klassisch-schönen Ideal orientiert. Schiele hingegen ging einen anderen Weg -  er brach radikal mit vorherrschenden Sehgewohnheiten, in seinen schonungslosen Körperstudien präsentierte er Malerei als anthropologische Studie des Begehrens: teils verzerrte Gesichter, verrenkte Gliedmaßen, geisterhaft-fahle Haut im starken Kontrast zu einem tiefrot gefärbtem Schambereich, die lasziven Posen seiner Modelle, die Verbindung von Eros und Thanatos  - dass der Maler auch noch oft äußerst  junge Mädchen für seine expliziten Aktdarstellungen einsetzte machte den Skandal perfekt.
 
Stehendes nacktes Mädchen mit orangefarbenen Strümpfen, 1914
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
In seinem kurzen Leben war Schiele, der mit gerade einmal 28 Jahren starb und nichtsdestotrotz ein umfangreiches Werk hinterließ, ein oft unverstandenes Genie - nachfolgende Generationen rezipierten sein einflussreiches Werk (man denke nur an Francis Bacon) jedoch gänzlich anders und erkannten ihn als einen der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, der tatsächlich einen neuen Stil prägte – was er ja mit der Gründung der Neukunst-Gruppe einst intendiert hatte. 
Liebesakt, 1915
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
Passend zum kommenden Schiele-Jahr 2018, in dem des 100. Todestages des wegweisenden Malers der Wiener Moderne gedacht wird, erscheint im Taschen Verlag eine Mammut-Retrospektive, die die gesamten 1909 bis1918 entstandenen Gemälde dieses  Meisters der Fin de Siècle–Kunst vereint: eine ungemein genaue und umfassende Werkschau in einer  äußerst stylischen Schutzkassette mit High Quality- Reproduktionen dieser faszinierenden Werke.
Aufgrund des  Detailreichtums und des schieren Umfangs dieser Retrospektive  kann man mit diesem Band die gesamte Entwicklung des Künstlers nachvollziehen. Von den frühen Arbeiten, die teils noch von Klimt beeinflusst waren über die Aktdarstellungen, die Selbstbildnisse als „Schmerzensmann“ bis hin zu seinen Eindrücken toter Städte.
Doch „Egon Schiele Sämtliche Gemälde 1909 -1918“ ist nicht nur eine beeindruckender Bildband. Herausgeber Tobias G. Natter, österreichischer Kunstexperte,  entwirft in diesem wuchtigen Buch auch eine äußerst gut geschriebene Biographie Schieles. Jedes hier vorgestellte Werk wird überdies en detail beleuchtet und kunstgeschichtlich eingeordnet und selbst weniger bekannte Aspekte des künstlerischen Schaffens Schieles, wie seine Arbeiten als Dichter, werden eingehend beleuchtet.

Eine komplettere und umfangreichere Veröffentlichung über Schiele habe ich bisher noch nicht gesehen. Und obwohl es nicht gerade wenige Bücher über ihn gibt, ist dieses beeindruckende bibliophile Sammlerstück schon jetzt ein kunstgeschichtliches Standardwerk wenn es um die Beschäftigung mit diesem faszinierenden Künstler geht.

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Egon Schiele. Sämtliche Gemälde 1909-1918
Tobias G. Natter, Hardcover, 29 x 39,5 cm, 612 Seiten

THE ROLLING STONES – OLÉ OLÉ OLÉ A Trip Across Latin America

Credit Coverbild: © Eagle Rock Entertainment Universal Music
Während in Europa und den USA die Counterculture-Bewegung florierte und die Rolling Stones den „street fighting“-Soundtrack zur Revolution beisteuerten, waren die meisten Länder Lateinamerikas in der Hand von Militärdiktaturen oder wie im Falle Kubas unter der Führung eines kommunistischen „Maximo Líder“. Musik, die dem Hedonismus wie dem Nonkonformismus huldigte war da weitgehend verboten sowie aufgrund der teils horrenden wirtschaftlichen Lage in jenen Ländern einfach schwer bzw. so gut wie nicht erhältlich.
Doch alles Verbotene übt natürlich immer eine ganz besondere, unwiderstehliche Faszination aus und so fand auch der Rock N´ Roll seinen Weg in jene Gefilde, trotz politischer wie ökonomischer Restriktionen entstand eine beachtliche Fangemeinde. Im Vorjahr gingen die Stones nun auf große Tour durch 10 Länder Lateinamerikas wie Peru, Brasilien oder Argentinien und spielten auch einen historischen Gig in Kuba.
Credit Bild: © GettyImages @ Dave J Hogan
„Olé Olé Olé - A Trip Across Latin America“ zeigt nun die Reise der Steine  bis zum historischen, in "Havana Moon“ verewigten Konzert in Kuba (inklusive dramaturgischem  Countdown bis zu diesem Großereignis).
Regie führte bei dieser abendfüllender Dokumentation wie schon zuletzt bei „Live From Hyde Park“ und „Havana Moon“ der britische Director Paul Dugdale.
Dugdale versteht es sowohl die Action on stage, die Interview-Passagen als auch die Eindrücke Lateinamerikas perfekt einzufangen und setzt mehr auf ausgesprochen cineastische Kameraeinstellungen als auf vordergründige Effekte.
Die Kamera ist in diesem Film stets sehr nah an den Stones- besucht sie etwa in ihrem riesigen Rehearsal Space (davon hätte man allerdings gerne mehr gesehen) oder ist auch im Stones-Privatjet mit dabei. Der Einblick, den man hier erhält ist nicht nur für die härtesten Stones-Fans isehenswert, vielmehr kann man die die Funktions-und Arbeitsweise einer Band der Größenordnung der rollenden Steine ein Stück weit nachvollziehen.
Credit Bild: © GettyImages @ Gary Miller

Credit Bild: © Getty Images @ Jorge Amengual
Als Bonus gibt es auf der DVD und Blu ray von „Olé Olé Olé“ ein paar  full length-Live Performance( denn während der Doku werden einzelne Songs nicht ausgespielt):

Out Of Control aus Buenos Aires, Argentinien

Paint It Black, wieder  Bueneos Aires

Honky Tonk Women aus Sao Paulo, Brasilien

Symapthy For The Devil,  wieder aus Sao Paulo

You Got The Silver, Lima, Peru

Midnight Rambler, aus  Lima

Miss You, ebenfalls aus Lima

Von der Songauwahl her, also eher „business as usual“– die Lateinamerika-Tour der Stones war allerdings auch nicht für allzu große Experimente bekannt. Was diese Dokumentation aber insbesondere so sehenswert macht, ist neben dem Einblick in den Touralltag vor allem auch wie gekonnt das ganz spezielle Flair der jeweiligen Destinationen eingefangen wird. Man erfährt in dieser Doku so einiges über die Lebenssituationen der Menschen in diesen Ländern - etwa wie sich Musiker  in einem Land behelfen, in dem man nicht im nächsten Musikalienladen ein Päckchen Ernie Ball Super Slinky-Saiten kaufen kann…Und die Aufnahmen des pulsierenden Lebens abseits kitschiger Postkartenidyllen sind besser als bei zahlreichen  Reisedokumentationen.

Fazit: ein äußerst sehenswerter Film.

Credit Bild: © Getty Images @ Latam

Montag, 29. Mai 2017

JFK 100 – Happy Birthday, Mr. President...

 
Credit Bild: © Stanley Tretick/Historic Image Licensing  Taschen Verlag
Weder vorher noch nachher gab es einen Präsidenten wie ihn:
Keiner war populärer, keiner wurde so abgöttisch-verklärend geliebt und kein anderer Politiker verkörperte die diametral entgegengesetzten Welten des mondänen Jetset und der beinharten Weltpolitik so wie der 35. Präsident der USA: Heute wäre John F. Kennedy 100 Jahre geworden – und sein Mythos hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt – trotz oder auch wegen der Schattenseiten des Polit-Superstars.

Zeit für eine popkulturelle Spurensuche und den Versuch einer Erklärung von Kennedys bis heute anhaltender Popularität aus einem nicht alltäglichen Blickwinkel. Denn Kennedy und insbesondere sein Tod als Schlüsselmoment der 60er beschäftigte viele Vertreter der Popkultur.

Flashback zum 22.11.1963: Um Unterstützung und Gelder für seine Wiederwahl zu gewinnen, befindet sich John Fitzgerald Kennedy - kurz JFK - auf Wahlkampftour in einem der konservativsten Bundesstaaten der USA: Texas. Kein einfaches Terrain für den Demokraten. Denn im Süden ist der 46-jährige auch aufgrund seiner liberalen Ansichten (u.a. zu den Bürgerrechten der Schwarzen) vielen ein Dorn im Auge. An diesem Freitag steht eine Fahrt durch die Innen-stadt von Dallas - die Menschen sollen ihr Staatsoberhaupt möglichst nahe sehen können - und eine Rede auf dem Programm. Was als Routinetermin für den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten beginnt, endet in einer Tragödie: Noch bevor die Wagenkolonne JFKs ihr Ziel erreicht, fallen am Dealey Plaza drei Schüsse - abgefeuert aus dem Fenster eines Schulbuchlagers. Die Kugeln des Schützen, Lee Harvey Oswald, verfehlen ihr Ziel nicht: Kennedy wird tödlich getroffen. Oswald wird zwar noch am selben Tag gefasst, jedoch zwei Tage nach seinen Schüssen auf das Staatsoberhaupt selbst ermordet.

Kennedy, zu Lebzeiten schon ein moderner und medienaffiner Politiker, wurde posthum zu einer Art popkulturellen Phänomen: er und sein Tod werden immer wieder thematisiert - auch in Songs der Populärmusik, die zu den frühesten Reaktionen auf den gewaltsamen Tod des amerikanischen Hoffnungsträgers gehören.
Die musikalische Auseinandersetzung mit den Geschehnissen begann schon unmittelbar nach den fatalen Schüssen. Die Beach Boys Brian Wilson und Mike Love arbeiteten zu dieser Zeit an dem Song „Warmth Of The Sun“, einer melancholischen Ballade, die in deutlichem Kontrast zum sorgenfreien, fröhlichen Sound der Gruppe und ihrer „Sommer, Girls und schnelle Autos“-Thematik stand, bis heute untrennbar mit JFK verbunden ist und eine Art Tribute an ihn darstellt.
Das Attentat auf JFK veranlasste auch Roger McGuinn, Sänger und Gitarrist der Folk-Rock-Band The Byrds, dazu das alte Traditional „He was A Friend Of Mine“ grundlegend neu zu bearbeiten und so einen der bekanntesten Songs der Byrds zu kreieren.  Einer Grabrede gleich arbeitete McGuinn in die bestehenden Lyrics über den Tod eines Freundes die Geschehnisse vom 22.11.1963 ein: „His killing had no purpose, no reason or rhyme...He was in Dallas town...From a sixth floor window a gunner shot him down...Though I never met him I knew him just the same...Oh he was a friend of mine“.

Tief getroffen von Kennedys Tod zeigte sich auch die schwarze Community, verloren sie doch nicht nur ein Staatsoberhaupt sondern auch einen mächtigen Verbündeten. JFK hatte sich in den noch immer von Rassismus geprägten Sechzigern als einer der wenigen aktiv für Integration und Gleichstellung eingesetzt. Besonders in der Blues-Szene wurden viele Nachrufe in Song-Form aufgenommen: Der berühmte Bluesman Sleepy John Estes beispielsweise reagierte auf den Verlust mit dem Song „President Kennedy (Stayed away too long)“ und sang „We lost the best President we´ve ever had“. Der langjährige Pianist der Muddy Waters-Band, Otis Spann, sang vom „Sad Day In Texas“ und  als 1968 dann der Bürgerrechtler Martin Luther King in Memphis, Tennessee erschossen wurde entstand der u.a. von Ray Charles, Marvin Gaye und Harry Belafonte aufgenommene Song „Abraham, Martin and John“ - ein Tribute an Lincoln, King und Kennedy, die sich alle drei für die Rechte der Schwarzen eingesetzt hatten und die alle das gleiche Schicksal ereilte.

Gewalt und die Frage, wer JFK tötete, spielten einige Jahre später in „Sympathy For The Devil“ der Rolling Stones ebenfalls eine wesentliche Rolle. In den Lyrics des Songs tritt der Teufel selbst als Ich-Erzähler auf und erklärt sich für Chaos und Leid im Laufe der Weltgeschichte verantwortlich. Noch bevor die finalen Aufnahme-Sessions für das „Beggars Banquet“-Album (1968), auf dem der Song erschien, abgeschlossen waren wurde auch JFKs Bruder, Senator Robert Kennedy, erschossen. Die Textstelle, bei der Satan die Zuhörer fragt, wer Kennedy erschossen hat wurde daraufhin zu „I shouted out: Who killed The Kennedys ? When after all it was you and me“ abgeändert.
Zehn Jahre später erinnerte sich dann Police-Frontman Sting an seine Kindheit und Jugend in  „Born in the 50s“: „My mother cried when President Kennedy died, she said it was the communists...but I knew better“.

In den 80ern nahm die direkte Beschäftigung mit dem Kennedy-Attentat in der Pop- und Rockmusik zwar etwas ab, der zunehmende zeitliche Abstand führte jedoch nicht dazu, dass das einschneidende Ereignis aus den Songs bekannter Künstler verschwand. Lou Reed erinnerte sich 1982 an den Tag, an dem er die News von Kennedys Ermordung erfuhr ( „The Day John Kennedy died“) und der Hip Hop-Produzent Steinski machte aus der News-Berichterstattung zum Kennedy-Mord gleich einen ganzen Song: „The Motorcade sped on“ besteht aus einer Reihe von sogenannten Samples. Über den Drum-Beat des Stones-Songs „Honky Tonk Women“ wurden rhythmisch Zitat-Schnipsel von Anchorman-Legende Walter Cronkite, der 1963 über das Ereignis berichtete, gelegt.
Axl Rose, Frontman der Hard Rocker Guns N´ Roses, wiederum verdeutlichte im Antikriegs-Song „Civil War“ von 1991 die traumatisierende Wirkung, die die Schüsse vor „laufender Kamera“ auf eine junge Generation hatten: „And in my first memories they shot Kennedy, and I went numb when I learned to see“.
Im 5. Jahrzehnt nach den Ereignissen in Texas schlüpfte dann die junge, amerikanische Sängerin Lana Del Rey im kontroversen Musikvideo zu ihrem „American Anthem“ (2012) in die Rolle der Jacqueline Kennedy und stellte Teile des berüchtigten Zapruder-Films nach.

Credit Bild:  © Henri Dauman/daumanpictures.com. All rights reserved. Taschen Verlag

Dass es vom JFK-Attentat Filmaufnahmen (siehe das vom Hobbyfilmer Abraham Zapruder gedrehte, sogenannte „Zapruder“-Video) gibt, ist auch ein Schlüsselaspekt, der begreifbar macht, weshalb der im Amt ermordete Präsident Gegenstand so vieler Songs der Populärmusik ist.
Sein gewaltsamer Tod war ein trauriges und schockierendes Medienereignis, an dem selbst jene, die nicht am Dealey Plaza in Dallas standen durch die moderne Berichterstattung „live“ Anteil nehmen konnten. Auch aufgrund der Drastik der Fotos und Bilder vom Dallas-Attentat (in Verbindung mit den Verschwörungsvermutungen, den offiziellen Untersuchungen oder Büchern über den Fall) brannte sich das Ereignis besonders nachhaltig ein. Hinzu kommt, dass sich selbst junge Menschen, teilweise aus der regierungskritischen 60er-Counterculture (der Gegenbewegung zum Establishment), mit ihm identifizieren konnten. War Kennedy doch ein Mann, der trotz Krisen in seiner Amtszeit (Vietnam, Kuba und der Schweinebucht-Vorfall) eine Identifikationsfigur war, die eine Antithese zum „alten, grauenPolitikertypus darstellte.
Die immense Popularität Kennedys schon zu seinen Lebzeiten ist auch darauf zurückzuführen, dass er der erste Medien-Politiker war – der das Spiel mit fernseh-wirksamen Symbolen wie kein zweiter beherrschte.
Auch wenn Enthüllungen der Geschichtsforschung (Affären, Gebrauch von Medikamenten) ein ambivalentes Bild der einstigen Lichtgestalt zeichnen, geht von Kennedy eine Faszination aus, die bis heute anhält.
Auch dadurch ist es zu erklären, warum selbst Artists einer neuen Generation (siehe Lana Del Rey), die die Ereignisse damals gar nicht miterlebt haben, JFK noch immer in ihrer Kunst thematisieren.

Credit Bild:  © Hank Walker/Time & Life Pictures/Getty Images  Taschen Verlag

Was Kennedy für die Menschen in den Sechzigern symbolisierte, wird auch in Norman Mailers Klassiker-Reportage „Superman kommt in den Supermarkt“ nachvollziehbar – einem Stück Journalismus-Geschichte, das  passend zum 100. Geburtstag von „Mr. President“ vom Taschen Verlag neu aufgelegt wird. (und aus dem auch die Bilder dieses Artikels stammen).

Mailers Kennedy-Portrait ist ein geniales Essay – in den 60ern ursprünglich im renommierten Esquire-Magazine erschienen – das die klassische Polit-Berichterstattung erneuerte und auch einen wesentlichen Meilenstein für den New Journalism setzte, der die Sixties und die kommende Dekade prägen sollte. Mailer – der einst meinte, dass sein Portrait von JFK die Wahl entschieden hätte – lässt den Leser unmittelbar teilhaben an der euphorischen Stimmung der early sixties in Kennedys „Camelot“, dem Traum-Königreich der Vereinigten Staaten, teilhaben und ist – nicht nur wegen des 100. Geburtstags – ein Lesetip für polit-und geschichtsaffine Leser.
Credit Coverbild:  ©  Taschen Verlag
Norman Mailer. John F. Kennedy. Superman kommt in den Supermarkt
Nina Wiener, J. Michael Lennon
Hardcover, 23,1 x 31,5 cm, 370 Seiten
Neuausgabe,  € 29,99